Sportpsychologie: „Wie isst man einen Elefanten? Scheibchen für Scheibchen!“

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Die Frage nach der „angemessenen Größe“ der gesetzten Ziele spielt in der Sportpsychologie eine wichtige Rolle. Doch muss Ihre Zielsetzung nicht nur die eigentliche Größe des Ziels richtig einschätzen, sondern auch den Zeitraum, in dem ein Ziel erreicht werden kann.

2 Aspekte der angemessenen Größe von Zielen

Die Frage nach der angemessenen Größe eines Ziels ist ein wichtiges Kriterium bei der Thematik der Zielsetzung/Zielerreichung in der Sportpsychologie. Ob ein Ziel die angemessene Größe hat, ist für den Sportler dabei in zweifacher Hinsicht bedeutsam. Nämlich zum einen in Bezug auf den Inhalt des Ziels, also was er konkret erreichen will.

Dieser Aspekt lenkt den Fokus der Betrachtung auf die Frage, ob sich Sportler im negativen Fall die Messlatte von Anfang entweder sehr tief oder aber unrealistisch hoch legen. Bei einem zu niedrig gesteckten Ziel steht die Zielerreichung von Beginn an fest und motiviert deshalb kaum. Ein unrealistisch hohes, also nicht erreichbares, Ziel kann ebenfalls demotivieren, frustrieren und unter Umständen Angst auslösen. Nur ein anspruchsvolles aber erreichbares Ziel hat eine angemessene Größe. Dieser Zusammenhang wurde bereits in einem vorhergehenden Artikel „Konkrete und realistische Zielsetzung“ genauer erörtert.

Genauso wichtig ist die Frage nach der angemessenen Größe von Zielen aber auch hinsichtlich des Zeitraums, über den sich die Zielerreichung erstreckt. Hierzu werden nun einige wichtige Aspekte dargestellt.

 

Der richtige Zeitraum, Teil- und Zwischenziele

Immer wieder erlebt man im Sport, dass sich Athleten oder auch Teams Ziele setzen, die noch weit in der Zukunft liegen (manchmal handelt es sich dabei eher schon um „Visionen“, deren Realisierung unter Umständen erst in einem Jahr oder noch später erfolgen kann).

Ihr langfristiges Ziel für die kommende Saison ist zum Beispiel die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Das kann ein ganz schön anspruchsvolles, aber durchaus realistisches Ziel sein. Es ist auch zeitlich klar fixiert und lässt sich gut messen und überprüfen. Allerdings könnte sich – von einer vielleicht sehr großen Anfangseuphorie abgesehen – für Sie jedoch auf Dauer ein anhaltendes Motivationsproblem daraus ergeben, dass die Zielerreichung noch in ziemlich weiter Ferne liegt, und Sie einfach zu lange auf ein motivierendes Erfolgserlebnis warten müssen. Es fällt Ihnen dann möglicherweise schon schwer, überhaupt in die „positive Motivationsspirale“ zu kommen. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen als Ihr langfristiges Hauptziel sollten Sie deshalb in so genannte Teil- oder auch Zwischenziele herunter brechen.

Es handelt sich dabei um kurz- und mittelfristige Ziele, die eine sinnvolle Leistungssteuerung auf dem Weg zum langfristigen Ziel ermöglichen und damit das Erreichen des Hauptziels unterstützen. In diesem Zusammenhang macht es auch Sinn, sich noch einmal den Nutzen der verschiedenen Arten von Zielen bewusst zu machen, die im Sport die größte Relevanz haben. Diese drei Zielarten sind

a) Ergebnisziele,

b) Leistungsziele und

c) Prozessziele

(sie wurden im Artikel „Zielarten im Sport“ näher beschrieben).

Wie der Name schon sagt beschreiben Ergebnisziele angestrebte Ergebnisse, quantitativ klar erfassbare Messwerte oder auch konkrete Platzierungen.

Für Ihr langfristiges Hauptziel: “Teilnahme an den Olympischen Spielen“ könnten Sie sich zum Beispiel überlegen, welche Wettkämpfe Sie zuvor mittelfristig bestritten haben wollen oder müssen, beziehungsweise welche Ergebnisse/Platzierung Sie erzielen müssen, um sich überhaupt für Olympia zu qualifizieren? Die Qualifikation könnte also ein für Sie relevantes und motivierendes mittelfristiges Teilziel sein, auf das Sie sich in den nächsten Wochen bis Monaten zu konzentrieren haben.

Kurzfristige Teilziele könnten und sollten Sie sich zusätzlich setzen, um konstruktiv und effektiv auf das mittelfristige Ziel hin zu arbeiten. Ihr Ergebnisziel und gleichzeitig mittelfristiges Teilziel „Qualifikation“ sollten Sie dabei immer ergänzen durch passende mittel- und kurzfristige Leistungs- und Prozessziele.

Derartige Teilziele sollten Sie sich sowohl für Ereignisse wie kommende Vorbereitungs-/Qualifikationswettkämpfe setzen, aber besonders auch für Ihre nächsten Trainingseinheiten/-phasen. Ihr Fokus liegt dabei also auf Trainings-, Regenerations- und sonstigen sinnvollen Maßnahmen in den nächsten Tagen und Wochen. So könnten Sie für sich als sinnvolles Leistungsziel für die nächsten Wochen zum Beispiel die Verbesserung Ihrer Wurfweite um x cm vornehmen – vorausgesetzt, es handelt sich auch hierbei um ein anspruchsvolles, aber realistisches, erreichbares Teilziel.

Gleichzeitig macht es Sinn, dass Sie sich entsprechende Prozessziele setzen. Im genannten Fall könnten Sie sich beispielsweise die Frage stellen, was Sie konkret tun müssen, um die Qualität Ihrer Abwurftechnik zu optimieren?

 

Fazit

Derartige Zwischenziele auf dem Weg zum langfristigen Ziel beweisen Ihre Leistungsfortschritte. Das wiederum zeigt Ihnen, dass Sie auf dem richtigen Weg sind, und gibt Ihnen Motivation und Selbstvertrauen.

 

Jörg Schönenberg

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