Wie und warum entstehen Knieschmerzen?

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Der Ort einer Verletzung ist nicht immer gleichzusetzen mit dem Ursprung des Problems. Wer chronischen Knieschmerzen auf den Grund gehen möchte, muss sich die biomechanischen Zusammenhänge anschauen und Bewegungsabläufe neu erlernen.

Knieschmerzen zählen zu den am häufigsten auftretenden Beschwerden des Bewegungsapparates. Sie treten meist vorn auf und haben viele Namen: Patello-Femoral-Syndrom, Chondropatia patellae, Patellaspitzensyndrom, Patella tendinitis, Pre-Patellar-Schleimbeutelentzündung, Läuferknie. 

Traditionelle Rehabilitationstechniken konzentrieren sich auf den Ort der Verletzung, nämlich das Knie. Sie umfassen Therapien, wie Querfriktionsmassage, Elektrostimulation, Ultraschall und isolierte Kräftigung des Quadrizeps. Ruhe, Kühlung und die Gabe von entzündungshemmenden Mitteln sorgen kurzfristig für Linderung der Symptome. Doch die Ursache des Problems lösen sie nicht. 

Die Gesäßmuskulatur ist oft gehemmt 

Der mangelnde therapeutische Erfolg bei Knieproblemen führte schließlich dazu, nach biomechanischen Zusammenhängen zu suchen, die mit chronischen Knieschmerzen in Verbindung stehen könnten. So nimmt man heute an, dass Ausrichtung und Mechanik von Hüftgelenk und Femur die Hauptursache für Dysfunktionen sein können. Um den Zusammenhang zwischen Femurausrichtung und Knie zu verstehen, muss man als Erstes die Muskelstränge betrachten, die die Femur kontrollieren. Es handelt sich um die Gesäßmuskulatur, bestehend aus Gluteus maximus, Gluteus medius und Gluteus minimus. Obwohl alle drei Muskelstränge eine gewisse Kontrollfunktion der Femur haben, insbesondere wenn es um Innen- und Außenrotation beziehungsweise Abduktion geht, ist der hintere Teil des Gluteus medius direkt für Extension, Außenrotation und Abduktion des Oberschenkelknochens vom Becken aus verantwortlich. 

Das Problem ist nun, dass der Gluteus – und hier insbesondere der Gluteus maximus und der hintere Gluteus medius – bei vielen Sportlern aufgrund ungünstiger Bewegungsabläufe gehemmt respektive neural abgeschaltet ist. Dieses Phänomen nennt man „synergistische Dominanz“: Wenn zwei Muskelgruppen ähnliche Aufgabenbe- reiche haben, dann übernimmt eine der beiden Muskelgruppen vorzugsweise den Job, während die andere im Laufe der Zeit immer schwächer wird. Bei Hüftstreckung ist es die ischiocrurale Muskulatur, die das Zepter übernimmt und als „Prime Mover“ agiert. Eigentlich sollte sie wegen ihres ungünstigen Ansatzpunktes am Knochen eher die zweite Geige spielen. Der Gluteusmuskel wird mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt, er schwächt sich ab und wird irgendwann inaktiv. 

Ungünstige Bewegungsmuster herausfinden

Ob bei einem Sportler ein ungünstiges Bewegungsmuster vorliegt, lässt sich herausfinden, indem man ihn eine Hüftstreckung in Bauchlage machen lässt und dabei auf das Timing der Aktivierung von Gluteus und hinterer Oberschenkelmuskulatur achtet. Wird die ischiocrurale Muskulatur nämlich zuerst aktiviert, dann wird diese Muskelgruppe überanstrengt und gleichzeitig die Gesäßmuskulatur unzureichend gefordert. Wenn man sich beispielsweise bei Läufern umschaut – bei denen es repetitiv zu Hüftstreckung und exzentrischem Abbremsen der Hüftbeugung kommt – stellt man schnell fest, dass viele von ihnen über ständige Verspannung und Überlastung der hinteren Oberschenkelmuskulatur klagen.

Lesen Sie weiter in Teil 2: Der Gesäßmuskel ist oft Auslöser von Knieschmerzen.

Jennifer Lewis

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