Das Karpaltunnelsyndrom

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Das Karpaltunnelsyndrom ist das am häufigsten auftretende Kompressionssyndrom. Der komprimierte Nerv ist in dem Fall der N. (Nervus) medianus, der durch den sogenannten Karpaltunnel läuft.

Was ist der Karpaltunnel?

Das Karpaltunnelsyndrom - Anatomie, Ursachen, Symptome, Behandlung

Der Karpaltunnel befindet sich auf der Palmarseite der distalen Mittelhandknochen.(1) Dort verläuft er wie eine bindegewebige, fest umschlossene Röhre, die neben den Knochen von einem breiten Band – dem Retinaculum flexorum – „überdacht“ wird. Durch diesen Tunnel laufen neben dem Nervus medianus 9 Beugesehnen der Fingermuskeln sowie des Daumens.

 

Wie verläuft der Nerv?

Der N. Medianus gehört zum Plexus brachialis und verlässt den Wurzelkanal auf Höhe der Halswirbel 5 bis Brustwirbel 1 (C5-Th1). Der Nerv entspringt aus dem lateralen und medialen Teil des Plexus brachialis und zieht über die Achselhöhle über die Innenseite des Unterarmes zur Hand. Dort endet er auf der Innenseite von Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger. Im Unterarm versorgt er folgende Muskeln:

– M.(Musculus) flexor carpi radialis

– M. flexor digitorum profundus

– M. flexor digitorum superficialis

– M. flexor pollicis longus

– M. palmaris longus

– M. pronator teres

 

In der Hand:

– M. abductor pollicis brevis

– M. flexor pollicis brevis

– M. opponens pollicis

– Mm. (Musculi) lumbricales I et II

 

Zu seinem sensiblen Versorgungsgebiet zählen die Haut über dem Daumenballen, die radiale Hälfte der Hohlhand, ebenso wie die Haut des Daumens, des Zeige- und Mittelfingers und die radiale Hälfte des Ringfingers. Auf dem Handrücken versorgt er die Enden der ersten 3 Finger und vom Ringfinger-Endglied die radiale Hälfte.

 

Welche Symptome treten auf?

Zu den typischen Beschwerden dieser Erkrankung zählen:

– nächtlich auftretender Schmerz (Brachialgia nocturna)

– Missempfindungen im Verlauf des Nervs (meist erst in der Hand, aber auch in den Arm einstrahlend möglich)

– Druckempfindlichkeit des Karpaltunnels (Hoffmann-Tinel-Zeichen)

– Missempfindungen durch Überstreckung produzierbar

– Störung der Feinmotorik

– Atrophie der Daumenballenmuskulatur (diese äußern sich durch Schwierigkeiten beim Zugreifen und beispielsweise dem Öffnen einer Flasche)

 

Je länger die Beschwerden bestehen, desto häufiger treten sie auf. Meist erst nachts, dann aber auch besonders nach Anstrengungen können sie bis hin zu dauerhaftem Schmerz führen.

 

Wie entsteht das Syndrom?

Typische Ursachen:

– anatomisch bedingt, der Tunnel kann bei manchen Menschen enger ausgebildet sein

– Verletzungen wie Zerrungen im Handgelenksbereich oder Knochenbrüche, Narbenbildung

– Rezidivierende mechanische Belastungen durch Sport und Arbeit

– Entzündungen wie eine Sehnenscheidentzündung

– Degenerative Veränderungen wie altersbedingter Verschleiß

– Schwangerschaft, hier kommt es oft zu Wassereinlagerungen

– Diabetes, Dialytiker

– Rheumatische Erkrankungen

– Geschwülste

– Schilddrüsenunterfunktion

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zur konservativen Behandlung gehört die Schienenversorgung des Handgelenkes. Hierbei ist das Ziel, durch spezielle Schienen die Bänder des Karpaltunnels quer zu dehnen, somit den Druck auf den Nerv zu reduzieren und die Schmerzen so zu lindern. Unterstützend werden hierbei entzündungshemmende Medikamente verabreicht. Weitere Möglichkeiten sind Cortisoninjektionen in den Karpaltunnel und die Faszienbehandlung nach FDM.

Bleibt die konservative Versorgung ohne Erfolg, wird eine Operation empfohlen. Hier wird das Retinaculum flexorum durchtrennt. Ob dies mit einem 3 cm langem Schnitt oder minimalinvasiv durch einen endoskopischen Eingriff geschieht, macht keinen Unterschied. Wenn es zu keiner Nervenwandverdickung gekommen ist, wird der Nerv bei der Operation nicht behandelt, falls doch, wird die Wand gedehnt. Nach der Operation sollte ein gepolsterter Verband getragen werden, nach circa 10 Tagen werden die Fäden entfernt. Die Hand soll direkt nach der Operation bewegt, aber nicht belastet werden, damit sie nicht anschwillt und schmerzt.

(Lesen Sie auch: Die distale Radiusfraktur: Der Handgelenksbruch)

  

Angi Peukert

 

Quellenangaben:

1. http://www.iatrum.de/karpaltunnelsyndrom.html

2. http://www.gaertner-servatius.de/krankheiten/carpaltunnelsyndrom.pdf

3. http://www.mvz-ottobrunn.de/PDF/karpaltunnelsyndrom.pdf

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