Darf ich bei Minusgraden laufen gehen?

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Zugegeben, es ist nicht immer angenehm, bei enormer Kälte laufen zu gehen. Es stellt sich trotzdem die Frage, ob es gefährlich ist, bei Minusgraden joggen zu gehen und ab welcher Temperatur Laufen bei Minustemperaturen wirklich gefährlich werden kann.

Laufen bei Minustemperaturen ist nicht jedermanns Sache. Zwar fühlt man sich hinterher gut, weil man trotz widrigen Umständen den inneren Schweinehund besiegt hat und Sport bei kaltem Wetter auch die Abwehrkräfte stärken kann, trotzdem schafft es nicht jeder, sich die Laufschuhe anzuziehen und eine Runde durch den Park zu drehen. Neben eisigen Temperaturen hört man hin und wieder auch die Warnung, dass Sport an der frischen Luft bei Minustemperaturen gefährlich sein soll. Daher verlegen viele das Training lieber ins Fitnessstudio, wo sie bei angenehmeren Bedingungen Sport treiben können.

 

Wenn Kälte die Leistung verbessert

In unseren Breitengraden läuft man kaum Gefahr, seine Gesundheit beim Outdoorsport aufgrund großer Kälte zu riskieren. Zumindest Temperaturen bis rund minus 15 Grad können dem Körper keinen Schaden zu fügen. Kurzfristig kann extreme Kälte sogar die Leistung verbessern. Es gibt Kältekammern, in denen Temperaturen von rund 120 Grad unter 0 herrschen. In diesen mussten im Rahmen eines von den Unis Dortmund und Münster betreuten Projekts Sportler vor den Olympischen Spielen von Peking kurze Zeit ausharren, bevor sie einen schnellen Dauerlauf machen mussten. Nach rund 6 Monaten war ihre Leistungsfähigkeit deutlich verbessert. Der Grund dafür lag in einer verbesserten Blutumverteilung und einer damit verbesserten Sauerstoffversorgung. Insofern kann extreme Kälte sogar leistungsfördernd sein.

Wirklich angenehm ist der Aufenthalt im Polarium nicht. Amateursportler werden ohnehin nur in wenigen Fällen die Gelegenheit haben, so eine Kältekammer einmal ausprobieren zu können. Von einer längeren Therapie ganz zu schweigen. Für die Amateure stellt sich daher viel eher die Frage, ab wann es zu kalt zum Laufen wird. Dabei spielen hier nur die gesundheitlichen Aspekte eine Rolle und nicht die teilweise gefährlichen Bedingungen wie vereiste Wege oder die früh einsetzende Dunkelheit. Diese kann dafür sorgen, dass man Unebenheiten nicht sieht und daher leichter umknickt. Oder man wird von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen, auch wenn man mit Licht oder Reflektoren läuft.

 

Ab wann wird’s gefährlich?

Neben der auf der Haut spürbaren Kälte ist es vor allem die Lunge, die unter der Kälte leiden kann. Doch damit das passiert, muss es schon richtig kalt sein. Ab rund -10 bis -12, spätestens bei 15 Grad unter 0 kann es ungesund werden. Ab diesen Temperaturen kann der Organismus die Luft nicht mehr ausreichend erwärmen, bevor sie die Lunge erreicht hat. Da hilft auch kein Tuch mehr, das man sich vor den Mund binden könnte. Außerdem werden ab diesen Temperaturen die Lungenbläschen gereizt. Bis zu diesem Punkt muss man dagegen keine Angst vor Erfrierungen oder anderen gesundheitlichen Schäden haben.

Tatsächlich stärkt Sport gerade bei niedrigen Temperaturen das Immunsystem, das durch den Wechsel von warmen auf kalte Bedingungen trainiert wird, und schadet der Gesundheit nicht. Bei Sport am Tag kann dank der Sonneneinstrahlung der Organismus zudem mehr Vitamin D bilden. Allerdings darf man es mit der Intensität nicht übertreiben. Im Winter sind Grundlageneinheiten ohne große Belastungsspitzen besser, da bei großer Anstrengung und mit zunehmender Kälte Bronchien, Schleimhäute und Lungengefäße stark belastet werden. Solange man sich beim Sport entsprechend warm einpackt (Stichwort: Zwiebelschicht-Prinzip), am besten entsprechende Funktionskleidung trägt und nach dem Sport nicht verschwitzt in der Kälte stehen bleibt, kann man auch bei Temperaturen bis -15 Grad an der frischen Luft Sport treiben, solange man sich fit und gesund genug dafür fühlt.

 

(Laufen bei Erkältung)

   

Christian Riedel

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