Reine Kopfsache – Symptome und Vorbeugung einer Gehirnerschütterung

0

Der aktuelle Fall des kanadischen Nationaleishockeyspielers Sidney Crosby, der aufgrund einer Gehirnerschütterung für einige Wochen mit dem Sport pausieren musste, ist ein geeigneter Anlass, sich dieses Krankheitsbild noch einmal genauer anzuschauen. Eishockey kann ein sehr harter Sport sein und bei einem Check gegen die Bande treten enorme Kräfte auf, die auch eine hochwertige Schutzausrüstung nicht komplett abfangen und -leiten kann.

Das menschliche Gehirn, praktisch unsere Schaltzentrale, ist durch den knöchernen Schädel im Prinzip gut gegen Kräfte von Außen geschützt. Zusätzlich ist das Gehirn von verschiedenen Hirnhäuten und der Gehirnflüssigkeit, dem Liquor, umgeben. Wird der Schädel stark beschleunigt und abrupt abgestoppt können äußere Verletzungen auftreten – angefangen von einer Platzwunde der Haut bis zu einer Fraktur des Knochens. Weiterhin kann das Gehirn durch den Anprall im Schädel selbst geprellt werden. Dabei können Verletzungen auf der Seite auftreten, von der die äußere Kraft wirkt, aber auch auf der Gegenseite. Das bezeichnet man als einen „Coup-Contre-Coup“-Mechanismus. Coup steht für die Kontusion der Aufprallseite und Contre-coup für die Kontusion der Seite, die dem Aufprall gegenüberliegt.

 

Einteilung und Symptome

Die Einteilung der Gehirnverletzungen erfolgt unter dem Begriff „Schädel-Hirn-Trauma“ (SHT), der die knöchernen und weichen Strukturen umfasst, in drei Schweregrade. Zusätzlich erfolgt eine Einteilung nach den Kriterien „offen“ und „gedeckt“. Bei einem offenen Schädel-Hirn-Trauma besteht auf Grund der Verletzung eine direkte Verbindung zwischen Gehirn und Außenwelt.

Die häufigste Verletzung ist ein gedecktes SHT 1. Grades – umgangssprachlich eine Gehirnerschütterung (lat. Commotio cerebri). Dabei handelt es sich um eine akute, vorübergehende Funktionsstörung des Gehirns. Mögliche Symptome sind eine kurzfristige bis zu einer Stunde anhaltende Bewusstseinsstörung, eine anterograde Amnesie, Übelkeit und/oder Erbrechen.

Einige Tage bis Wochen nach dem Ereignis können zwar noch Symptome wie Schwindel, Leistungsminderung und Kopfschmerzen auftreten, insgesamt verbleiben bei einem SHT 1° aber keine neurologischen Symptome und Defizite.

Die Diagnose einer Gehirnerschütterung wird anhand der klinischen Symptome gestellt. Bei deutlichen Anzeichen wie einer Amnesie, schwerer Übelkeit und Erbrechen sollte mit Hilfe einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztomographie (MRT) eine höhergradige Gehirnverletzung zeitnah ausgeschlossen werden. Zusätzlich sollte ein Patient für 24 Stunden überwacht werden, um bei späterem Auftreten von Symptomen direkt eingreifen zu können. Gehirnblutungen können anfangs oft unentdeckt bleiben und dann Stunden später zu folgenschweren Symptomen bis hin zum Tod führen. An diesem Punkt müssen sich die betreuenden Bezugspersonen des Sportlers – seien es ein Schiedsrichter, der Trainer oder die Eltern – gegenüber diesem durchsetzen und auf eine klinische Abklärung und Überwachung drängen.

 

Praktisches für den Alltag

Bei bestimmten Sportarten rechnen die Teilnehmer mit Stürzen oder Kopfverletzungen und schützen sich dagegen (Kampfsport, Motorsport, etc.). Mindestens genauso wichtig ist der Schutz im Alltag, zum Beispiel bei Fahrradfahren. Im Jahr 2009 nutzten durchschnittlich 11 % der Fahrradfahrer in der Bundesrepublik einen Fahrradhelm, im Jahr 2010 nur noch 9 %. Das ist neben dem Leistungssport ein Bereich, in dem gerade Eltern und Trainer mit gutem Beispiel voran gehen können und vor allem ihre Kinder und Sportler auffordern sollten, einen geeigneten Helm einzusetzen.

 

Dr. med. Markus Klingenberg

Teilen

Über den Autor

Markus Klingenberg

Leave A Reply