Muskeldysbalance

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Im Folgenden werden wir versuchen einige Fakten, die wir auf einer Konferenz vorgetragen haben, zusammenzufassen. Die Präsentation beinhaltete einen großen praktischen Anteil und Chris demonstrierte seinen Ansatz im Hinblick auf die Bestimmung einer Muskeldysbalance.

Das geschriebene Wort ist nur ein kleiner Ersatz für das Sehen und Fühlen auf diesem besonderen Gebiet der Sportmedizin. 

Die Autoren weisen darauf hin, dass, wenn sie sich dafür interessieren, ähnliche praktische Demonstrationen ausfindig machen oder mit einem freundlichen Physiotherapeuten ins Gespräch kommen sollten.

Einleitung

Die Untersuchung von Athleten vor einem Wettkampf oder Training wird vermehrt durchgeführt um Verletzungen vorzubeugen. Trainer, Übungsleiter und Athleten sollten sich mit Risikomanagementstrategien auskennen um Verletzungsrisiken minimieren zu können. Natürlich sind nicht alle Verletzungen vermeidbar. Rugbyspieler werden Verletzungen erfahren egal wie gut trainiert und geschützt sie sind. Aber das Verletzungsrisiko kann dennoch minimiert werden. Am hilfreichsten wäre vielleicht die Unterteilung in akute Verletzungen und Überlastungsverletzungen / -schäden. Akute Verletzungen passieren plötzlich ein und können direkt (resultieren meist aus der Kollision mit dem Gegner, dem Boden oder der Ausrüstung) oder indirekt (z. B. plötzliche Muskelrisse). Überlastungsschäden resultieren aus wiederholt auftretenden Mikroverletzungen aufgrund von sportlicher Betätigung. Der Körper schafft es nicht mehr diese Schäden (Stressfraktur, Achillissehenreizung, etc.) auszugleichen. Akute indirekte Verletzungen und Überlastungsschäden sind theoretisch vermeidbar. Durch die Minimierung eines Verletzungsrisikos, sind wir vermehrt in der Lage ein Training besser durchzustehen, die Wettkampf- und Trainingszeit und somit auch die Leistung zu verbessern.

 

Diese sind größtenteils bekannt und beinhalten:

  • ein angemessenes Auf- und Abwärmen
  • eine angemessene Trainingsintensität
  • einen angemessenen Trainingsuntergrund
  • der Gebrauch von einer individuell angemessenen Ausrüstung (passende Laufschuhe in Bezug auf Art der Füße, individuelle Einstellungen beim Rad)
  • angemessene Erholungszeiten
  • achten Sie auf Hydrierung/Flüssigkeitszufuhr und Ernährung

Eine Untersuchung vor dem Wettkampf/Vorwettkampfuntersuchung wird zunehmend populärer und gehört somit auch in die obige Liste, v. a. bei Profisportlern.

 

Vorwettkampfuntersuchung

In den USA ist es gang und gäbe, dass jedes Jahr 6 Millionen erwachsene Athleten untersucht werden um irgendwelche Leistungsblockaden aufzudecken oder Verletzungen vorzubeugen. Der Impuls dafür geht von den Colleges / Universitäten oder High Schools aus, die dies aus versicherungsrechtlichen und gesetzlichen Gründen leisten müssen. Diese Art von Untersuchungen schauen grundsätzlich nach Bedingungen, die einen Athleten vom Wettkampf disqualifizieren würden und somit liegt der Schwerpunkt darin, undiagnostizierte und schwerwiegende medizinische Probleme zu erkennen. Speziell wird bei Athleten, die sich während der Belastung schwindelig fühlen oder in Ohnmacht fallen, nach Herzkrankheiten untersucht. Das Marfansyndrom, eine Störung des Bindegewebes, das zu einem Riss in der Brustaorta und zum plötzlichen Tode während der Belastung führen kann, es wird typischerweise nur bei großen Athleten und Basketballern festgestellt. Das muskuloskeletale Element der Untersuchung konzentriert sich typischerweise auf spezifische Gelenke wie z.B. das Knie, das Sprunggelenk und die Schulter.Es zielt darauf ab, gängige Verletzungen und Defizite, die aus einer früheren Verletzung resultieren, zu diagnostizieren. Der Schwerpunkt bei diesen Untersuchungen ist eher das Gelenk selbst und nicht die umgebenden Muskeln. Der Untersuchende prüft das Gelenkausmaß, schaut nach übermäßiger Flüssigkeit im Gelenk und der Anordnung der stützenden Bänder. Diese Art von Untersuchungen berücksichtigt gewöhnlich nicht die Diagnose von Muskeldysbalancen.

 

Untersuchung von Muskeldysbalancen

Die Untersuchung nach Muskeldysbalancen ist eine topaktuelle Angelegenheit der Vorwettkampfuntersuchung. Das Grundprinzip hinter solch einem Ansatz liegt darin, dass es erkennbare und korrigierbare Abnormalitäten der Muskelkraft und –länge gibt, die für die Entwicklung von fast allen muskelskeletalen Schmerzen und Dysfunktionen von fundamentaler Bedeutung sind. Die Erkennung dieser Abnormalitäten und deren Korrektur vor Eintritt einer Verletzung sollte Teil jeglicher Präventionsstrategien für eine Verletzung sein. Ein ähnlicher Ansatz wird versichern, dass Verletzungen, die man einmal ertragen musste, nicht wieder auftreten werden.

Muskelungleichgewicht – Basisprinzip / Grundprinzip

Die Beziehung zwischen der Spannung oder Kraft und der Länge eines Muskels um ein Gelenk herum ist als Muskelbalance bekannt. Bei der Untersuchung eines Athleten müssen wir die statische und dynamische Kraft und Länge beurteilen. Muskeln können nach zwei Arten unterschieden werden: Mobilisatoren und Stabilisatoren. Diese beiden Gruppen haben recht unterschiedliche Eigenschaften. Die Mobilisierer findet man meist an der Körperoberfläche und kreuzen meist zwei Gelenke. Sie bestehen meist aus schnell zuckenden Muskelfasern, die zwar viel Kraft erzeugen jedoch keine Ausdauer haben. Mit der Zeit neigen sie zu Verhärtungen und zu Verkürzungen. Stabilisatoren, im Gegensatz dazu, sitzen tiefer und kreuzen stets nur ein Gelenk. Sie bestehen aus langsam zuckenden Muskelfasern, die für die Ausdauer zuständig sind. Diese werden mit der Zeit oft länger und schwächer. Funktional gesehen unterstützen Stabilisatoren die Körperhaltung und arbeiten gegen die Erdanziehungskraft. Die Mobilisatoren stützen schnelle oder ballistische Bewegungen und erzeugen hohe Kräfte. Während beide Muskelgruppen anfangs zusammen arbeiten um zur Stabilisation und Mobilisation des Körpers beizutragen, so können die Mobilisatoren im Laufe der Zeit die Handlung der Stabilisatoren hemmen und sogar selbst zu Stabilisatoren werden. Diese Hemmung der Stabilisatoren und begünstigte Rekrutierung der Mobilisatoren ist wesentlich für die Entwicklung des „Ungleichgewichts“ und ist das, was wir letztlich aufdecken und wenn möglich auch rückgängig machen wollen.

 

Typische Ungleichgewichtsmuster

Beschwerden in der Leiste sind ein Jammer für viele Athleten und auch Therapeuten. Mit 5 % aller Sportverletzungen zählen sie meist als Überlastungsschäden und die Athleten haben meist Schmerzen über einen größeren Zeitraum hinweg. Die drei bekanntesten chronischen Leistenschäden sind die Sporthernie (Bruch des Leistenkanals ohne einen offensichtlichen Leistenbruch(eine Hernie)), osteitis pubis (Entzündung oder Degeneration der Schambeinfuge) und eine chronische Entzündung der Adduktorsehne (Degeneration oder Verschleiß der Adduktorsehne an der Oberschenkelinnenseite). Athleten neigen zu einem, zwei oder gar allen drei oben genannten Schäden. Alle drei scheinen durch wiederholt auftretende Scherkräfte, die an der Schambeinfuge ansetzen, einzutreten (das Gelenk am vorderen Schambein wo beide Schambeinknochen aufeinander treffen). Was die Pechvögel, die an diesen Beschwerden leiden, oft gemeinsam haben, ist eine schwache Stabilität im Schambein. Die Athleten sind oft nicht in der Lage, den unteren Rumpf / Bauch zu stabilisieren, während sie die für ihren Sport notwendigen Verwringungen und Drehbewegungen ausführen. Wenn man diese Gruppe auf Muskelungleichgewichte hin untersucht, erkennen wir immer, dass deren Mobilisatoren, die Oberschenkelbeuger, Adduktoren, Hüftbeuger und gerade Bauchmuskulatur verkürzt sind und deren prinzipiellen Stabilisatoren: der abdominus transversus und der posteriore gluteus medialis, die länger, schwächer und gehemmt werden. Die Mobilisatoren versuchen entweder zu stabilisieren oder zu mobilisieren und sind in beiden Rollen recht gut.

 

Ähnliche Ungleichheiten kann man in den Schultern von übergroßen Athleten feststellen, wo die stabilisierende Muskelgruppe, im Prinzip der untere Trapezius und serratus anterior (die das Schulterblatt stabilisieren) sind lang und schwach. Die Rotatorenschlinge ist schwach und folglich finden wir eine erhöhte Translation oder Bewegung des glenohumeralen Gelenks, das zu Schmerzen und Dysfunktionen führt.

 

Untersuchung

Die Bewertung der Muskellänge ist nicht überaus schwierig da es für die Bestimmung der Muskellänge Standardtests gibt. Die Bewertung der Muskelkraft ist dafür etwas kniffliger. Der Athlet (und der Untersuchende) müssen in der Lage sein, die Aktion der einzelnen Muskeln zu isolieren. Die meisten Krafttests haben sich bisher auf die Mobilisatoren konzentriert und die Stabilisatoren außen vor gelassen, da man die Mobilisatoren besser isolieren konnte. Der Untersuchende muss ein Protokoll erstellen, wobei beide Gruppen untersucht werden. Dies wird statisch und dynamisch durchgeführt. Chris konzentrierte sich bei der Konferenz auf den transversus abdominis, da dieser von vielen als Schlüsselstabilisator angesehen wird.

 

Verletzungsprävention

Diese kennzeichnet sich durch einen Prozess bestehen aus drei Elementen, die alle gleichzeitig ablaufen. Zum einen wird der verkürzten Mobilisator verlängert während zur gleichen Zeit der Stabilisator trainiert wird wieder zu arbeiten. Zunächst statisch und dann dynamisch. In der Leiste bedeutet dies typischerweise die Verkürzung und Stabilisierung des abdominus transversus, multifidus und gluteus und die Verlängerung des TFL / ITB, des rectus femoris, psoas und der Oberschenkelbeuger.

 

von Dr Simon Kemp, Sportmediziner, und Chris Boynes, Physiotherapeut

 

Quellenangaben

Febbraio, M.A., Flanagan, T.R., Snow, R.J., Zhao, S. and Carey, M.F. (1995).
„Effect of creatine supplementation on intramuscular Tcr, metabolism and performance during intermittent, supramaximal exercise in humans.“ Acta Physiologica Scandinavica 155, 387-395.

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Trainingsworld

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