Laktatwert-Lesegeräte

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Laktatwert-Lesegeräte sind großartige kleine Apparate – aber vertrauen Sie nicht darauf, dass sie Änderungen der Fitness reflektieren. Ob Sie Radfahrer, Ruderer, Läufer, Langlaufskifahrer, Schwimmer oder Triathlet sind, Ihre Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit (LSG) – die Geschwindigkeit bei der Blutlaktatkonzentrationen beginnen, sich drastisch zu erhöhen – ist ein großartiges Anzeichen für Ihr Leistungsvermögen. Laktat ist ein ungeheuer wichtiger Muskelkraftstoff während der ausgeführten Tätigkeit.

Wenn es beginnt, sich bei ziemlich niedrigen Geschwindigkeiten im Blut anzuhäufen, haben die Muskeln wenig Verwendung für diese wichtige Energiequelle, und somit ist die Arbeitsleistung geringer und Ermüdung tritt verhältnismäßig früh auf.

 

Wenn Laktat nicht angesammelt wird, bis ein Athlet eine große Geschwindigkeit erreicht, hat diese Person bedeutende Kapazitäten, Laktat als Kraftstoff zu benutzen was zur Folge hat, dass Leistungen qualitativ höherwertig sind und eine Ermüdung später auftritt. Natürlich haben Athleten sich auf die Laktat- Schwellen-Geschwindigkeit als physiologische Schlüsselvariable konzentriert, die während des Trainings verbessert werden sollte. Die logische Konsequenz eines gut laufenden Trainings ist, dass sich die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit verbessern sollte und die Leistungen infolgedessen erhöht werden. Aber wie kann man feststellen, ob sich die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit wirklich verbessert? Bringen Sie die Laktatüberwachungsgeräte ins Spiel: ziemlich günstige kleine Geräte wie das LactatePro haben sich als sehr akkurat darin erwiesen. Zu irgendeinem beliebigen Zeitpunkt können sie einen Messwert für Blutlaktat generieren, welcher bemerkenswert nah an dem tatsächlichen Laktatniveau in Ihrem Blut ist. Die Idee, durch einen kleinen Zeiger anzugeben, in welche Richtung sich die Laktat-Schwellen-Geschwindigkit bewegt, hat sich als sehr aufregend für viele Trainer und Athleten erwiesen.

 

Sie schlussfolgerten, dass, sobald die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit für einen Athleten festgestellt wurde, könnte er/sie die Workouts bei dieser Intensität alle 2–4 Wochen durchführen, um zu sehen, ob sich die Messwerte ändern. Wenn das Laktatniveau bei der festgestellten Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit niedrig ist, muss das Training positiv verlaufen und umgekehrt. Die Bestätigungen bestimmter Arten von„Laktat-Schwellen Training“ hingen von solchen Änderungen in den Laktatmesswerten ab. Z. B. entdeckte in den frühen 80er Jahren der berühmte schwedische Bewegungsphysiologe Bertil Sjodin eine „Zunahme“ von 0.72 km/h Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit bei den Athleten, die er über einen Zeitraum von14 Wochen untersuchte, und folgerte daraus, dass ihr Training für die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeits Entwicklung besonders vorteilhaft war.

 

Jedoch ist ein Schlüsselelement einer solchen Folgerung – und der gegenwärtigen Ansicht über Laktattraining und den Gebrauch von Laktatüberwachungsgeräten – die Annahme, dass Laktatwerte in hohem Maße reproduzierbar sind. Was, wenn sie es nicht sind? Die Laktatwerte im Blut eines Athleten zu einem beliebigen Moment während der Übung sind ohne Zweifel eine Auswirkung der Intensität und Dauer dieser Übung. Jedoch reagiert das Laktat auch auf eine Vielzahl anderer Faktoren, einschließlich des Ernährungs- und psychologischen Zustands. Z. B. kann das Verzehren einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit vor einem Workout zu erhöhtem Blutlaktatniveau während der Übung führen, während eine fetthaltigere Diät sie verringern kann. Ähnlich können Spannungszustände und/oder Angst zu erhöhten Blutlaktatniveaus führen, während ruhiges Befinden dazu neigt, diese niedrig zu halten. Eine schwache Dehydrierung kann Laktatwerte stark höher erscheinen lassen, als sie wirklich sind und sogar die Tageszeit kann ein Faktor sein, da das Blutlaktat einem tagesperiodischen Rhythmus folgt.

 

Ist die Änderung real oder illusorisch?

Das Problem ist dann ein grundlegendes: wenn Sie z. B. ein Radfahrer sind und Ihre Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit als 35 km/h gemessen wurde, wird diese Geschwindigkeit vollständig durch Ihre Fitness bestimmt? Wie viel hängt von anderen Faktoren ab (den kleinen Messfehlern des Laktatüberwachungsgeräts, den Fehler der “Interpolation“, wenn die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit von einem Diagramm geschätzt wird, das Laktatwerte gegen Radfahrgeschwindigkeit darstellt und des möglicherweise starken “Verzerrens“ verbunden mit Ernährungs-, Hydrations- und psychologischem Zustand)? Und, wenn Sie Ihre Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit nachmessen und diese bei 36 km/h liegt, ist dies eine reale Änderung oder einfach eine Reflexion einer Veränderung der Faktoren, ohne Bezug auf Fitness? Bis jetzt sind wir uns nicht wirklich sicher gewesen. Vorhergehende Studien haben angezeigt, dass Laktatmesswerte recht reproduzierbar sind, aber diese waren auch durch Fehler in den statistischen Analysen gekennzeichnet. Dies versetzt uns Athleten und Trainer in eine sehr prekären Position: wir wissen einfach nicht, um wie viel sich ein Laktatmesswert ändern muss damit wir annehmen dürfen, dass er eine reale Änderung in der Fitness darstellt. Wenn bspw. eine gemessene Laktat-Schwellen Laufgeschwindigkeit sich von 17 auf 17.75 km/h ändert, können wir ihr vertrauen?

 

Wenn die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit von 17 auf 16.5 km/h abfällt, sollten wir beunruhigt sein? Dies sind Schlüssel-Fragen und der Trainer oder Athlet, der sie ignoriert, setzt Laktatmessgeräte auf unlogische Weise ein. Um herauszufinden in wie weit Laktatmesswerte wirklich reproduzierbar sind, untersuchten Wissenschaftler an der Universität von Glasgow und an der nationalen Universität von Irland, in Galway, vor kurzem 20 Männer und 16 Frauen, die alle an mindestens 2 Sessions von Aerob-Tanz, Geländelauf, Volleyball, Fußball oder Rugby pro Woche teilnahmen. Die Betroffenen führten 2 Tretmühlen Laktat-Profil Tests im Abstand von 1 Woche und zur gleichen Tageszeit aus, um tagesperiodische Rhythmen als Variable auszuschließen. Die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit, definiert als die Tretmühlengeschwindigkeit, die erstmalig einen bedeutenden Anstieg der Blutlaktatkonzentration produziert, welches über das Niveau hinaus geht, das im Ruhezustand gemessen wurde, wurde für jeden Athleten bei jeder Gelegenheit festgestellt, und Puls sowie die wahrgenommene Anstrengung (unter Verwendung der 6–20 Klassenskala von Borg) verbunden mit der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit wurden ebenfalls gemessen. Um festzustellen ob das Fitnessniveau eine Auswirkung auf die Reproduzierbarkeit der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit hat, wurden die Betroffenen in zwei Gruppen aufgeteilt- eine mit einer Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit von 10.5 km/h oder mehr (die mäßig fitte Gruppe) und die andere mit einer geringeren Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit (die fitness-schwache Gruppe).

 

Wie sich herausstellte waren Fitness und Reproduzierbarkeit miteinander verbunden; die beiden Laktatmesswerte der Mitglieder der mäßig fitten Gruppe lagen tendenziell näher beieinander als die der fitness-schwachen Gruppe. Dies macht Sinn: während sich das Fitnessniveau erhöht, sollte die Fitness ein stärkerer Bestimmungsfaktor der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit werden und weniger dem Einfluss der Änderungen der anderen Variablen unterliegen. Das Geschlecht hatte keinen bedeutenden Effekt auf die Reproduzierbarkeit von Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit. Jedoch deckte die Glasgow-Galway Forschung auf, dass eine Schwankung von mehr als einem Kilometer pro Stunde in jede Richtung normal für Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit ist. Das heißt, wenn die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit im Labor anfänglich bei 15 km/h gemessen wurde, könnten zukünftige Messwerte von entweder 16 oder 14 km/h vernünftigerweise als normale Schwankungen statt bedeutender Änderung gedeutet werden. Der Puls bei Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit stellte sich auch als ziemlich große natürliche Variable heraus und schwankte um bis zu 12-18 Schlägen pro Minute von einem Tag auf den anderen! Diese große Veränderlichkeit stellt Probleme für diejenigen dar, die glauben, dass sie ihren “Laktat-Schwellen Puls“ gefunden haben und die ihr Training bei dieser spezifischen Rate durchführen, im Glauben daran, dass er die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit erhöht. Tatsächlich wäre es nicht unangemessen, zu erwarten, dass der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeits abhängige Puls bis zu 18 Schlägen entfernt von der zutreffenden Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit Herzrate liegen könnte.

 

Dem Laktattest mangelt es an Sensitivität

Insgesamt, hat die Glasgow-Galway Untersuchung aufgedeckt, dass Athleten große Verbesserungen in der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit aufweisen müssten, bevor die Änderung sicher ihrem Training statt äußeren Faktoren zugeschrieben werden könnten. Z. B. müsste ein Mitglied der fitteren Gruppe die Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit um ganze 1.62 km/h (27 m pro Minute!) erhöhen (oder reduzieren), um sicher zu sein, dass wirklich eine Änderung der Fitness erzielt worden ist! Im Falle eines Ausdauerläufers mit einer festgestellten Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit von 16 km/h, würde dieses eine Zunahme auf 17.62 km/h bedeuten. Dieses ist in Wirklichkeit eine Änderung des Laktat-Schwellen Tempos von 6:03 pro Meile auf 5:30 pro Meile – eine Änderung von 33 Sekunden pro Meile, was offensichtlich enorm ist, besonders in Anbetracht dessen, dass sich die meisten Geländeläufer eine Verbesserung von nicht mehr als 16 Sekunden pro Meile in Wettkampfgeschwindigkeit im Laufe einer Saison erhoffen. Wie die Forscher gefasst unterstrichen: “Diese Zahlen werfen Zweifel auf die Sensitivität des Blutlaktattests zur Änderung der Fitness in dieser Grundgesamtheit“. Die Sachlage wird sogar noch heikler, wenn Sie bedenken, dass die ursprüngliche im Labor festgestellte Schätzung der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit weit entfernt vom zutreffenden Messwert sein könnte.

 

Nehmen Sie einen Athleten mit einer tatsächlichen Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit von bspw. 16km/h.: Er / sie sucht das Labor auf und kommt mit einer Ermittlung der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit von 17 km/h aufgrund der bereits besprochenen natürlichen Abweichungen, nach Hause; der Athlet trainiert 8 Wochen lang sehr intensiv, testet nochmals und findet heraus, dass die gemessene Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit auf 18km/h gestiegen ist. Da dies eine kleine Änderung darstellt, glaubt der Athlet, dass sie einfach eine natürliche Abweichung reflektiert, obwohl es in diesem Fall eine reale Verbesserung ist. Bis zu einem gewissen Grad kann man dieses Problem umgehen, indem man 3 unterschiedliche Laktat-Schwellen-Geschwindigkeits Messwerte über einem verhältnismäßig kurzen Zeitabschnitt ermittelt und dann den Durchschnittswert der 3 Daten nimmt, um einen Schätzwert zu bekommen. Wie Sie sehen, sind ist die Deutung der Messwerte alles andere als eindeutig, obgleich die Laktatüberwachungsgeräte zu jeder Zeit exakt waren. Wie bereits erwähnt, war der Puls zur Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit in der Studie auch nicht in hohem Grad reproduzierbar, und dasselbe gilt für die RPE (Bewertung der wahrgenommenen Anstrengung). Das RPE zur Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit lag bei durchschnittlich 14.1 (bei einer Bewertung von maximal 20), während sich das RPE bei einem Blutlaktatniveau von 4 mmol/Liter – was häufig für das Laktat-Schwellen Verbesserungstraining empfohlen wird – bei 17.2 einpendelte. Jedoch gab es große Abweichungen zwischen den Testpersonen was andeutete, dass der Gebrauch von RPEs zur Festlegung der Workoutintensität unklug wäre. Insgesamt, müsste ein Athlet das RPE zu einer spezifischen Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit um ungefähr 3 Einheiten der Borg-Skala senken, um sicher zu sein, dass eine reale Änderung der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit stattfindet. Wie die Forscher aufzeigten: Diese große Bandbreite unterstreicht, dass die Verwendung von RPEs, um Intensitäten festzulegen (zu einer Laktat-Schwellen Geschwindigkeit) sehr limitiert ist. RPE an sich ist eine interessante Geschichte: wie das Laktat schwankt es entsprechend des emotionalen Zustands und der Ernährung (Kohlenhydrat-haltige Ernährung scheint niedere RPE Werte zu erzeugen).

 

Interessanterweise scheint das Geschlecht, keinen bedeutenden reproduzierbaren Effekt auf das RPE zu haben, jedoch wird es durch die Interaktion zwischen dem Geschlecht des Athleten und dem Geschlecht des Experimentators beeinflusst; weshalb Wissenschaftler oder Laborassistenten die RPEs fast immer von den Athleten des gleichen Geschlecht ermitteln. Zusätzlich scheint das RPE durch die Persönlichkeit beeinflusst zu werden Extrovertierte z. B. neigen dazu, niedrigere RPEs als Introvertierte zu haben.

 

Eine Vorbehalt ist angebracht: obgleich Blutlaktattests keine exakten Indikatoren zur Änderungen der Fitness zu sein scheinen, sollten Sie nicht vergessen, dass die Glasgow-Galway Forschung eine offensichtliche Verbindung zwischen Laktat-Schwellen-Geschwindigkeits Reproduzierbarkeit und hoher Fitness fand. So könnten wirkliche Top-Athleten ziemlich niedrige natürliche Schwankungen der Laktat-Schwellen-Geschwindigkeit haben, und infolgedessen könnten ihre Blutlaktat Tests grössere Bedeutung haben. Weitere Forschung muss jedoch das Zutreffen der These belegen, wir können sie nicht lediglich unterstellen. Das Endergebnis ist leider, dass Laktatüberwachungsgeräte als wirkungsvolle Werkzeuge zur Überwachung der Fitnessänderung nicht empfohlen werden können. Dieses bedeutet nicht, dass das Training nach Laktat-Schwellen-Art aus der Mode ist; es bedeutet lediglich, dass die, durch die Monitoren erfassten Änderungen der Laktatmesswerte, so groß sein müssen, um als “real“ zu gelten, dass ein Athlet nicht umhin käme, wahrzunehmen, dass er in vieler besserer / schlechterer Verfassung ist als zuvor (ohne seine Haut zu durchbohren und ein Laktatwert zu entnehmen). Andere Fitness-Tests (Sprints, Hüpf Tests, 6 Minuten Anstrengung usw.), könnten besser funktionieren, obgleich einige dieser Alternativen sich derselben Nachforschungen wie die Laktatüberwachung unterziehen lassen müssten. Bis auf weiteres ist der beste Fitnesstest für jeden Athleten, die maximale Anstrengung einer festgelegten Distanz (oder festgelegten Zeit) während des Trainings – oder eines tatsächlichen Wettkampfes.
 

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