Bei guter Gesundheit im Trainingslager

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Am fünften Tag unseres Triathlon-Trainingscamps geht es auf immer höhere Gipfel. Mit der zunehmenden Trainingsdauer können jetzt verstärkt kleinere medizinische Probleme auftreten, die sich aber leicht vermeiden lassen.

1600 Höhenmeter nach Villaflor

Auf der Radtour des Tages kletterten die Teilnehmer heute bis auf 1600 m und konnten dabei einen ersten Eindruck davon gewinnen, was sie erwartet, wenn der Teide in Angriff genommen wird. Die 1600 Höhenmeter nach Villaflor können entweder direkt über Arona oder mit einer längeren Flachpassage über Granadilla erklommen werden. Beide Varianten bieten wunderschöne Ausblicke und eine abwechslungsreiche Kletterpartie auf sehr ruhigen und guten Straßen.

Obwohl alle Athleten die Möglichkeit haben, ihre individuellen Trainingsbereiche in den gut zu fahrenden Anstiegen anzusteuern, suchen manche bereits jetzt den sportlichen Wettstreit oder vergessen im Eifer des täglichen Trainings notwendige Schutzmaßnahmen. Deshalb wollen wir heute kurz auf einige gesundheitliche Aspekte eingehen, mit welchen Sportler in einem Trainingslager, aber auch in jeder anderen Phase intensiver sportlicher Betätigung, konfrontiert werden können.

 

1. Sonnenbrand

Die Haut wird in einem Frühjahrstrainingslager einem erheblichen Stress ausgesetzt. In den letzten Monaten stets bedeckt, wird sie nun beim Radfahren an Beinen, Armen und im Gesicht, vor allem an Nase und Ohren über mehrere Stunden der prallen Sonnen exponiert. Durch den Fahrtwind merken wir zudem nicht, wie stark die Sonne uns zusetzt. Der noch einmal stärkere Einfluss der Sonneneinstrahlung in größeren Höhen muss beachtet werden, wenn einzelne Radrouten in Höhen deutlich über 1000 m hinausgehen. Hinzu kommt die Sonneneinstrahlung beim Schwimmtraining unter freiem Himmel, wo die ohnehin geröteten Stellen am Rücken, den Armen und im Gesicht sowie die besonders selten mit Sonnenstrahlung in Kontakt kommende Oberschenkelrückseite eines besonderen Schutzes bedürfen. Ein über mehrere Stunden und auch bei starkem Schwitzen wirksamer Sonnenschutz ist also Pflicht. Nicht selten reagiert die Haut mit einer sogenannten Sonnenallergie auf die stark einwirkende UVA-Strahlung. Die Sonnenallergie äußert sich in juckenden Pusteln, meist auf dem Handrücken und den Ohren. Wer das kennt, sollte mit Sunblocker vorbeugen und die betroffenen Stellen mit Kleidung schützen (Handschuhe, leichte Armlinge und Tücher).

 

2. Sitzbeschwerden

Im täglichen Training kann es vermehrt zu Sitzbeschwerden kommen, entweder durch Druckbelastungen oder Wundreiben. Ernstere Entzündungen können entstehen, wenn Bakterien in die wunde Haut eindringen oder Haare einwachsen. Um Druckbelastungen zu minimieren, muss der Sattel unbedingt passen. Es kann daher von Vorteil sein, den eigenen Sattel ins Trainingscamp mitzubringen, wenn man ein Mietrad nutzen möchte. Außerdem sollte die (mit einem hochwertigen und adäquaten Polster versehene) Radhose täglich gewechselt oder gewaschen werden. Triathlon-Radhosen eignen sich nicht so gut für das tägliche Radtraining, da die dünneren Polster für alle drei Triathlondisziplinen im Wettkampf ausgelegt sind und schlecht vor den Druckbelastungen bei langen Ausfahrten und teilweise schlechten Straßenoberflächen schützen. Gegen Wundreiben hat sich die Verwendung von Sitzcreme, die auf das Polster oder direkt auf die Haut aufgetragen wird, bewährt.

 

3. Magen-Darm-Beschwerden

Magen-Darm-Beschwerden sind ein sehr häufiges Phänomen im Laufe eines Trainingslagers. Viele Athleten kommen bereits zu Beginn mit derlei Beschwerden in Kontakt. Der Stress bei Reisevorbereitung und der eigentlichen Anreise führt dann meist dazu, dass der Körper kurzzeitig rebelliert. In den nachfolgenden Tagen kann es hilfreich sein, auf allzu ungewohnten Speisen und große Mengen am Buffet zu verzichten. Da sich die Hotels auf die sportliche Klientel eingerichtet haben, sind die meisten Gerichte aber auch für empfindliche Mägen gut bekömmlich.

Kommt es im Laufe des Trainingscamps zu Magen-Darm-Beschwerden, kann dies ein erstes Anzeichen für eine starke bzw. zu hohe Trainingsbeanspruchung sein. Reflektieren Sie dann selbstkritisch, ob die gewählten Umfänge und auch die Anzahl der täglichen Einheiten dem individuellen Leistungsstand entsprechen. Gönnen Sie sich eine Extraportion Schlaf, indem Sie eine sehr frühe Trainingseinheit weglassen oder fahren Sie für ein oder zwei Tage bewusst in der langsameren Radgruppe mit.

 

4. Reizungen an Knie und Achillessehnen

Viele Athleten spüren nach ein paar Tagen im Trainingslager leichte Reizungen am Knie oder im Bereich des Sprunggelenks. Die beiden Gelenke werden beim Rad- oder Lauftraining sehr intensiv und teilweise über mehrere Stunden belastet. Meist sind solche Reizungen unvermeidliche Begleiterscheinungen bei der Trainingssteigerung im Süden und klingen nach wenigen Tagen oder spätestens nach dem Camp wieder ab. Um den Stress für diese beiden neuralgischen Punkte so gering wie möglich zu halten, sollten Sie neben den bereits bekannten Verhaltensregeln (realistische Trainingsgestaltung, maßvolle Umfangs- und Intensitätserhöhung) auch darauf achten, dass die Sitzposition auf dem eigenen Rad oder dem gemieteten Sportgerät passt. Veränderungen an Sitzposition, Pedalen und Schuhen sollten nicht erst auf den langen Touren im Trainingslager erprobt, sondern in den Vorwochen bei kurzen Ausfahrten getestet werden.

Auch das sogenannte K3- oder Kraftausdauertraining (hoher Widerstand, niedrige Trittfrequenz) am Berg kann die Gelenkbelastungen weiter verstärken und Reizungen provozieren. Aufgrund der erhöhten Verletzungsgefahr und des ohnehin nicht vorhanden Trainingsmehrwerts können Sie getrost alle Ausfahrten mit ganz normaler Trittfrequenz absolvieren.

 

Daniel Kilb

 

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