Medizinischen Risiken beim Baden in öffentlichen Schwimmbädern

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Als Reaktion auf einen im letzten Jahr erschienen Beitrag des BBC-Pressespiegels “What The Papers Say” über Krankheitsübertragungen während sportlicher Aktivitäten, erhielten wir einen Leserbrief, in dem gefragt wurde, warum das Thema ’Schwimmen’ nicht in diesem Beitrag erwähnt wurde. “Ich mache mir Sorgen“, sagte die Leserin, „da ich bis zu 3 Stunden täglich in einem öffentlichen Schwimmbad verbringe. Dort sehe ich oft Leute mit wunden Hautstellen.

Wie sieht es denn mit Wunden aus, die bedeckt sind?“ Dies ist unsere (wenn auch verspätete) Antwort auf diese Anfrage, in der wir die Risiken eines Schwimmbadbesuchs, sowohl im Hinblick auf Infektionen als auch allgemein, darlegen.

 

HIV/Hepatitis A & B

Bei Hepatitis A handelt es sich um eine Virusinfektion mit fäkal-oraler Übertragung. Die Hepatitis B-Virusinfektion wird über die Blutbahnen übertragen. HIV wird über Körperflüssigkeits-Sekrete übertragen. Das Risiko, sich mit einer dieser Krankheiten in einem ordnungsgemäß gechlorten Schwimmbad zu infizieren, ist praktisch AUSGESCHLOSSEN. Bei der empfohlenen Chlorung eines Schwimmbeckens sollte freies Restchlor in Höhe von 3–5 mg/l vorhanden sein; bei dieser Dosis sollten alle Schwimmbecken frei von Virusinfektionen bleiben. (Es gibt dokumentierte Fälle von Hepatitis A-Ausbrüchen in nicht ausreichend gechlorten Bädern mit starker fäkaler Verschmutzung.) [MAM]

 

Haut

  • Bei Molluscum Contagiosum (Dellwarzen) handelt es sich um eine Virusinfektion der Haut, die an ihren kleinen, hautfarbenen Knötchen zu erkennen ist. Eine Infektion kann über das Wasser erfolgen. Die Behandlung erfolgt mittels Verätzen – entweder chemisch oder mit einer Kryobehandlung (Vereisen).
  • Dermatitis, hier insbesondere Allergien. Diese allergische Reaktion wird durch den Hautkontakt mit Schwimmanzüge, Tauchermasken oder Tauchanzüge hervorgerufen. Die Behandlung erfolgt mit rückfettenden oder steroiden Cremes. Des Weiteren dürfen die allergieerzeugenden Substanzen nicht mehr verwendet werden.
  • Warzen an der Fußsohle (Verrucae). Diese sind weit verbreitet und unter Umständen sehr schmerzhaft, wenn sie sich genau an den Druckstellen befinden. Die Stellen werden mit lokal wirkenden Mitteln oder mit Kälte behandelt.
  •  Ohr

  • Otitis Externa (Entzündung bzw. Infektion des äußeren Gehörgangs) ist unter Schwimmern weit verbreitet. Beim Schwimmen gelangt Feuchtigkeit in den Ohrkanal; diese kann zu einer Entzündung führen. Dies können Sie vermeiden, indem Sie entweder etwas mit Gel getränkte Watte oder handelsübliche, mit Salbe eingeriebene Ohrstöpsel in die Ohren stecken. Eine akute Infektion behandeln Sie, indem Sie den Ohrkanal mit einer Salzlösung vorsichtig ausspülen und danach ein Antibiotikum bzw. ein entzündungshemmendes Medikament einträufeln. Als vorbeugende Maßnahme können Sie auch entweder 0,25 %-ige Essigsäure oder Ohrentropfen mit 70 % Alkohol jeweils vor und nach dem Schwimmen in die Ohren träufeln.
  • Druckunterschiede können bei Schwimmern, vor allem jedoch bei Tauchern und anderen Unterwassersportlern, zu Tubenfunktionsstörungen führen. Diese Druckunterschiede verursachen einen Erguss im Mittelohr. Diesem Erguss kann teilweise vorgebeugt werden, indem der Taucher während des Auftauchens langsam Luft durch den Mund ausatmet. Die Behandlung erfolgt über die Einnahme abschwellender Nasentropfen; in manchen Fällen werden auch antibiotische Ohrentropfen indiziert. Abschwellende Mittel sollten NICHT oral eingenommen werden, da diese größtenteils auf der Liste verbotener Medikamente des IOC stehen. Sehr selten kann eine Parazentese (ein kleiner Einschnitt am Trommelfell) notwendig sein.
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    Auge

    Eine (nicht-bakterielle) Bindehautentzündung kann bei Schwimmern durch eine Überempfindlichkeit gegen Chlor entstehen. Eine akute Entzündung würde mit steroiden Medikamenten behandelt werden. Vorbeugend können entzündungshemmende Mittel wie z. B. Opticrom genommen werden.

     

    Gynäkologische Risiken

  • Bei Schwimmerinnen treten vaginale Infektionen im Vergleich zur normalen Infektionshäufigkeit bei Frauen etwas öfter auf. Behandelt wird mit Salben bzw. Pessaren.
  • Die Gefahr allgemeiner Unterleibsinfektionen ist nicht erhöht.
  • Es besteht keine Gefahr einer bakteriellen Verschmutzung des Wassers durch Menstruationsblutungen. Der Gebrauch von Tampons während der Periode ist für die meisten Schwimmerinnen sowohl bequem als auch praktisch.
  • Schwimmerschulter

    Man sollte sich vor Augen führen, dass die Verletzungshäufigkeit bei Schwimmern pro 1000 Trainingsstunden eine der niedrigsten aller Sportarten ist. Die durchschnittliche Anzahl der verletzungsbedingten Krankheitstage ist ebenfalls sehr gering.
    80 % der Kraftaufwendung wird beim Schwimmen vom Arm geleistet. 40–60 % der Schwimmer klagen über Schulterbeschwerden. Während des Armschlags stößt der Humeruskopf gegen das Schulterdach (Acromium) und das coracoacromiale Band. Dieser Aufprall kann unter Umständen zu einer Irritation des darunter liegenden Gewebes führen. Der Schmerz setzt dann ein, wenn der Arm über die Horizontale hinaus angehoben wird, vor allem nach oben-außen. Dabei ist der Schmerz bei einem Winkel von 90° am stärksten. Bei anhaltenden Schmerzen kann es zu lokaler Empfindlichkeit und einer Mobilitätseinschränkung kommen. Bei chronischer Erkrankung wird der Schmerz zunehmend nagend und tritt ebenfalls in den Ruhephasen und oft auch nachts auf.Die Behandlung besteht aus Ruhe, Mobilitätstraining, entzündungshemmenden Medikamenten und Physiotherapie. In chronischen Fällen können steroide Injektionen oder eine Operation zur Entfernung des coracoacromialen Bands nötig sein.

     

    Bauliche Faktoren in Schwimmbädern

     Die Böden sollten rutschfest sein und der tiefste Teil des Beckens sollte sich stets bei den Umkleidekabinen befinden. Damit wird vermieden, dass (meist männliche) Jugendliche sich aus den Kabinen heraus mit einem Kopfsprung ins Wasser stürzen und sich dabei Verletzungen an der Halswirbelsäule zuziehen.

     

    David Hooper

     

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