Der Himalaya und seine Todeszone

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Alan Hinkes ist ein „Bezwinger der Todeszone“ und einer von 13 Bergsteigern, die alle 14 Achttausender (über 8.050 m) der Welt bestiegen und dieses Wagnis überlebt haben. Genauso viele Menschen waren bislang auf dem Mond! Was können wir von einem der erfolgreichsten Bergsteiger der Welt lernen?

In 1.200 m Höhe hat man ein Erfolgserlebnis und eine tolle Aussicht. In 4.600 m Höhe wird der Nervenkitzel noch stärker, wenn man die Fitness und das fachliche Können dafür besitzt und die entsprechende Vorbereitung hinter sich hat, die für das Erreichen des Gipfels erforderlich sind. In 6000 m Höhe ist die Luft so dünn und sauerstoffarm, dass man sich erst eine gewisse Zeit an die Höhe gewöhnen muss, um der kräftezehrenden und möglicherweise lebensbedrohlichen akuten Höhenkrankheit (AMS) vorzubeugen. In 7.300 m Höhe betritt man schließlich eine andere, noch tödlichere Welt – die Todeszone (s. Abb. 1).

Abbildung 1: Luftdruck in Abhängigkeit von der Höhe

Wenn man in dieser Welt ist, können weder die bestmögliche Anpassung noch die Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff verhindern, dass das Gehirn anschwillt oder die Lungen sich mit Wasser füllen. Dies bedeutet, dass man langsam stirbt. In einem solchen Fall ist der Abstieg in tiefere Lagen die einzige Rettung. Dass man in dieser Höhe von außen gerettet wird, ist so gut wie ausgeschlossen. Selbst modernste Hubschrauber könnten hier nicht fliegen, nicht einmal bei wirklich gutem Wetter. Man ist hier völlig auf sich allein gestellt.

Für den britischen Bergsteiger Alan Hinkes war das Bezwingen der Todeszone eine wichtige Etappe auf dem Weg zu höchster Kompetenz am Berg. Geboren und aufgewachsen in der hügeligen Landschaft Nordenglands, entdeckte Hinkes schon bald seine Vorliebe für die wilde, weite Natur seiner Heimat. So fand er es als Teenager äußerst reizvoll, ohne Karte und Kompass mit dem Boot durch den dichten Nebel und Schlagregen des Nordyork-Moors zu navigieren.

Am Ende der Teenagerzeit und während seines Studiums entwickelte er sich zum Bergsteiger. Er begann in den schottischen Bergen und steigerte sich dann langsam bis zu den höheren und schwierigeren Bergen der Alpen. Zwangsläufig erlag er dann auch der Verlockung des Himalayas – der ultimativen Herausforderung für Bergsteiger. Schon bald wurde ihm klar, dass er angesichts des zeitlichen Aufwands, der mit der Besteigung der 8000er-Berge verbunden war, seine Karriere als Lehrer aufgeben oder zumindest für längere Zeit auf Eis legen musste.

 

Die 14 Achttausender

Auf der Erde gibt es 14 Berge, die über 8.000 m hoch sind. Sie liegen alle im Himalaja/Karakoram. Die nachfolgende Liste zeigt, in welchem Jahr Hinkes diese 14 Berge erfolgreich bestiegen hat. Die Zeitspanne von 15 Jahren, die er hierfür benötigte, macht das Ausmaß dieses Unterfangens deutlich. Hinweis: Die Höhe des Berges sagt nicht unbedingt etwas über das Todesfallrisiko aus.

NameLageHöhe (Meter)Bezwungen im JahrTodesrate seit 1990 (% der Versuche)
EverestChina/Nepal884819964,4
K2China/Pakistan8611199519,7
KanchenjungaIndien/Nepal8597200522
LhotseChina/Nepal851119972
MakaluChina/Nepal847019998,5
Cho OyuChina/Nepal820119902
DhaulagiriNepal8164200411
ManasuluNepal8163198913,4
Nanga ParbatKashmir812519985,5
AnnapurnaNepal8091200219,7
Gasherbrum IChina/Pakistan806419968,8
Broad PeakChina/Pakistan804719918,6
Shisha PangmaChina/Pakistan804619870,5
Gasherbrum IIChina8034199616,8

Das richtige Timing für Expeditionen im Himalaja

Für Expeditionen auf die großen Berge des Himalajas stehen im Grunde nur 2 Zeitfenster zur Verfügung. Das 1. ist im Mai und das 2. im September/Oktober. In diesen Monaten ist das Wetter relativ ruhig und beständig mit nur wenig Schneefall und Sturm. In den Monsunmonaten Juni, Juli und August kommt es hingegen zu extremen Schneefällen und einem hohen Lawinenrisiko. Nach dem Oktober ist es bis Anfang Mai in dieser Region für Bergbesteigungen einfach zu winterlich und stürmisch.

Wer im Mai einen der Himalajaberge besteigen will, muss schon im März anreisen und sich auf den Weg zum Basislager in ca. 5.500 m Höhe machen. Auf diese Art und Weise kann man gleichzeitig die Fitness im Wandern/Klettern verbessern und sich an die Höhe anpassen. Eine Dauer von insgesamt 6–8 Wochen ist bei einer 8000er-Expedition die absolute Norm. Das ist mit einem geregelten 8-Stunden-Job leider kaum vereinbar!

 

Die treibende Kraft

Was bewegt einen Menschen dazu, einen sicheren Job gegen die Qualen, Unsicherheiten und Gefahren des Höhenbergsteigens einzutauschen? Laut Alan Hinkes geht es hierbei einzig und allein um den Triumph des Geistes über die Materie. Er erklärt es so:

Was ich gemacht habe, war der ultimative Test. In 7.000 m kann dir niemand helfen, wenn etwas schiefgehen sollte. Dort oben können keine Hubschrauber anschweben und dich einfach vom Berg holen. Die Chance, vom Mond zurückgeholt zu werden, ist weitaus größer! In der Höhe kann man höchstens 5 Tage überleben. Da man hier oben ständig Feuchtigkeit abgibt, wird das Blut dickflüssiger. Und wenn man fällt und sich ein Bein bricht, bedeutet dies mit ziemlicher Sicherheit den Tod. Nicht wegen des gebrochenen Beins, sondern wegen der erbarmungslos einsetzenden akuten Höhenkrankheit. Das führt dazu, dass man innerhalb weniger Tage an den Folgen der Wasseransammlungen in den Lungen erstickt. Natürlich nur, wenn einen nicht vorher schon die bittere Kälte oder eine Lawine dahingerafft hat. Aber das Bergsteigen im Himalayagebirge ist nicht nur eine körperliche Herausforderung – hier oben muss man auch gegen seine menschlichen Ängste und Schwächen ankämpfen und in dem Bewusstsein handeln, dass jeder Aufstieg der letzte sein könnte.“

 

Herausforderung K2

Es gibt keinen „leichten“ 8.000er. Wie der ebenfalls in dieser Ausgabe erscheinende Artikel von Jeremy Windsor zeigt, erfordert jede Besteigung eines 8.000ers sorgfältige Planung und Vorbereitung. Für Alan Hinkes ist der Aufstieg auf den K2 (zweithöchster Berg der Welt) einer der härtesten überhaupt. Mit einer Höhe von 8.611 m ist der K2 fast so hoch wie der Everest, aber technisch weitaus schwieriger und gefährlicher zu besteigen. Selbst bei hervorragenden Kletterbedingungen hat der K2 schon sehr viele Todesopfer gefordert. Ohne zusätzlichen Sauerstoff liegt die Chance, bei Erreichen des Gipfels zu sterben, bei 1:5. Obwohl der K2 niedriger ist als der Everest, ist die Todesrate hier mehr als doppelt so hoch.(2) In dem Jahr, in dem Alan der Gipfelversuch gelang, waren außer ihm nur 4 andere erfolgreich, doch 8 Bergsteiger kamen ums Leben. Und seit 2005 hat es keiner mehr auf die Spitze des K2 geschafft!

Hinkes hatte schon 1994 versucht, den K2 zu besteigen, kam jedoch nur bis zu einer Höhe von 200 m unterhalb des Gipfels. In dieser Höhe wird jeder Schritt Richtung Gipfel zur Qual, und es geht unglaublich langsam voran. Für die letzten 180 m hätte er etwa 5,5 Stunden gebraucht. Doch angesichts der extrem großen Lawinengefahr war ihm das Risiko zu hoch. Sein Motto lautet: „Kein Berg ist es wert, dass man sein Leben dafür riskiert.“ Doch so nahe am Ziel zu sein und dann doch umkehren zu müssen war für ihn absolut demoralisierend. Ganz abgesehen davon, dass der Abbruch auch eine 5-monatige Expedition zunichte machte.

Im Jahr darauf gelang es ihm, den K2 zu bezwingen. Diese Leistung war umso bemerkenswerter, als er sich Anfang jenes Jahres bei einem Sturz in den nepalesischen Bergen so schwer verletzt hatte, dass er nach England zurückkehren musste, um wieder fit zu werden. Der anschließende Kraftaufbau und die Akklimatisierung erfolgten daher in ziemlicher Hast und Eile. Doch obwohl er für die letzten 600 m von der Schulter des K2 bis zum Gipfel fast 14 Stunden brauchte, schaffte er es diesmal bis ganz oben. Er beschrieb die Situation mit den Worten: „Ich blieb fast eine Stunde auf dem Gipfel, länger, als ich eigentlich sollte. Wenn man den Gipfel erreicht hat, hat man es noch längst nicht geschafft – denn man hat den ebenso gefährlichen Abstieg noch vor sich. Auf dem Rückweg merkte ich, wie meine Glieder immer schwerer wurde. Jede Bewegung war, als würde ich durch einen dicken Brei waten. Der Aufstieg auf den K2 ist dermaßen beschwerlich und gefährlich, dass mich nichts auf der Welt nochmals dort hochbringen würde. Niemals!“

 

Zusätzlicher Sauerstoff

Viele unserer Leser werden im Rahmen ihres Trainingsprogramms wahrscheinlich eine Art aerobes Training absolvieren. Wie aber ist es, wenn man Luft einatmet, die nur 1/3 so viel Sauerstoff enthält wie die Luft auf Meereshöhe? Und was bringt es, wenn man künstlichen Sauerstoff verwendet?

Alan zufolge ist das Gefühl, ohne Sauerstoff in der Todeszone zu klettern, ein Erlebnis, das man kaum beschreiben kann:

Bergsteigen in extremer Höhe ohne Sauerstoff ist eine Höllenqual, eine richtige Tortur. Man schnappt nach Luft, gleichzeitig hämmert es im Kopf, und der Körper fühlt sich an, als wäre er in einem Schraubstock eingequetscht. Jede einzelne Bewegung muss ganz langsam und bedächtig ausgeführt werden – etwa so, als würde man sich mit einer Gehhilfe fortbewegen. Hinzu kommen die Folgen des Sauerstoffentzugs. Die Denkprozesse werden langsamer, und die Grenze zwischen realer Situation und Fantasie wird immer fließender. Dieser Effekt führt dazu, dass viele Höhenbergsteiger fatale Fehlentscheidungen treffen.“

Die Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff bei extremen Höhen sieht Alan mit gemischten Gefühlen. Viele Bergsteiger prahlen zwar, dass sie hohe Berge ohne zusätzlichen Sauerstoff bezwungen hätten, doch die Realität, so glaubt er, sieht anders aus:

„Wenn ein Bergsteiger keinen Sauerstoff benutzt, erfolgt dies höchstwahrscheinlich aus Kostengründen. Die Flaschen mit reinem Sauerstoff zum Himalaya zu transportieren ist wahnsinnig teuer – er muss in der Regel aus Russland bezogen werden, und das kostet ein Vermögen. Zum Anderen ist mit zusätzlichem Sauerstoff zwar das Risiko geringer, weil der Kopf klarer bleibt, aber die Flaschen selbst sind schwer, und das Gewicht ist eine zusätzliche Belastung. Nimmt ein Bergsteiger weniger Wasser mit auf den Berg, weil er ja noch die Sauerstoffflasche tragen muss, kann das ebenfalls nachteilig sein, da eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr enorm wichtig ist. Noch schlimmer ist erst, wenn das Ventil an der Flasche plötzlich zufriert. Dann hat man ein großes Problem, denn wenn die Sauerstoffkonzentration plötzlich absinkt, kann dies fatale Folgen für das Gehirn haben.“

Alan betont zudem, dass Höhenbergsteiger sich dessen bewusst sein müssen, dass auch Sauerstoff den Ausbruch von AMS nicht verhindern kann, wenn man oberhalb von 6.000 m in Schwierigkeiten gerät. Wenn man dann nicht imstande ist, aus eigener Kraft abzusteigen, bedeutet dies immer das sichere Ende. Hinkes hat eigentlich nur einmal im Himalaya Sauerstoff verwendet. Aber das war bei einer Everest-Expedition, als eine nationale Nachrichtenagentur einen Dokumentarfilm über ihn drehte und den Sauerstoff bezahlte.

Wasser, das kostbare Gut

In extremen Höhen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr das Allerwichtigste, meint Alan Hinkes. Nicht zuletzt deshalb, weil eine schlechte Hydration bekanntlich den Schweregrad von AMS erhöht. In der dünnen und trockenen Höhenluft kommt es durch die Lungenatmung rasch zu einem Verlust von Wasser. Und da die Luft in diesen Höhen fast kein Wasser enthält, wird der Wasserverlust bei jedem Atemzug größer. Zudem kommt es angesichts des geringen Sauerstoffgehalts schon bei sehr leichter Aktivität zu einer drastischen Steigerung der Atmung, was dann zu noch größerem Wasserverlust führt. Die Folge hiervon wiederum ist, dass das Blut zähflüssiger wird. Dies beeinträchtigt die körperliche Leistungsfähigkeit und das Urteilsvermögen und erhöht das Risiko für Erkrankungen wie z. B. Thrombose.

Alan erklärt: „Alle Gegebenheiten rund um das Höhenbergklettern erschweren eine ausreichende Hydration erheblich. In einem Zelt auf den Hängen des Himalayas lebt es sich in etwa so wie in einem Kühlschrank unter dem Küchentisch. Dort oben gibt es kein Wasser. An richtiges Wasser zu kommen, ist mit großen Umständen verbunden, denn man muss mithilfe eines Kochers Schnee und Eis zum Schmelzen bringen.

Angesichts der Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr für die Leistungsfähigkeit, habe ich mich immer gewundert, wie ich dort oben überhaupt überleben konnte. In großen Höhen ist alles mit immensen Anstrengungen verbunden. Auch wenn man weiß, dass man stark dehydriert ist, hat man keine Lust, das Wasser zu trinken, das man gerade gemacht hat. Es ist, als schalte der Körper einfach ab. Und all den anderen Kram, wie Trinkblasen mit Trinkschläuche, kann man sich auch sparen. Es friert entweder zu oder wird ranzig!“

Richtige Vorbereitung

Wie kann sich ein Bergsteiger am besten auf die Unerbittlichkeiten dieses Extremsports vorbereiten? Ein allgemeines aerobes Training hält Alan zwar für sehr wichtig, er glaubt aber, dass die mentale Vorbereitung am wichtigsten ist. Die endlose Kälte, die armseligen Verhältnisse, die körperlichen Qualen und die schlechte Ernährung können für jemanden, der noch nie einen 8.000er-Berg bestiegen hat, ein großer Schock sein.

Immer wenn Alan wieder in England war, lief er bis zu 4-mal pro Woche 1–3 Stunden. Außerdem stand das Offroad-Mountainbiking auf seinem Trainingsplan. Alan glaubt, dass die Muskeln beim Radfahren und Bergsteigen ähnlich beansprucht werden. Außerdem ist es eine gute mentale Vorbereitung, wenn man versuchen muss, bei extremen Winterbedingungen die Extremitäten warm zu halten. Im Fitnessraum war er relativ selten – und wenn, dann absolvierte er ein sportspezifisches Krafttraining. Eine andere Möglichkeit wäre die, den Rucksack schwer zu beladen (auch mit Steinen!) und damit steile Abhänge hochzugehen, um zusätzlich Kraft fürs Bergsteigen aufzubauen.

Am Ende unseres Gesprächs fragte ich Alan, was er empfinde, wenn er bei jedem neuen Aufstieg dem Tod erneut vor Augen hat. „Ich will jetzt nicht sagen, dass ich keine Angst hatte. Das wäre sicherlich gelogen. Zuweilen überkommt einen schon die Angst – große Angst sogar. Doch in solchen Situationen muss man die vorhandenen Optionen ganz klar gegeneinander abwägen. Wenn man vor einer Entscheidung steht, die das eigene Überleben betrifft, z. B. was man machen soll oder ob man überhaupt weitermachen soll, dann braucht man schon einen klaren Kopf. Man muss die Ängste ganz weit zurückdrängen können. Schon alleine deshalb, weil Angst wichtige Energiereserven aufzehren kann. Oft bleibt einem nur eine realistische Wahl – weiterzumachen. Und da muss man dann durch.“

 

Der letzte Achttausender – der Kangchenjunga

Der Kangchenjunga ist aus vielerlei Gründen ein extrem schwierig zu bezwingender Berg. Für Anfänger ist er einfach zu weit entfernt und schwer zugänglich, denn er liegt ganz im Osten des Himalajagebirges. Dies bedeutet eine lange und äußerst strapaziöse Reise zum Basislager. Dörfer, in denen man sich mit Nahrung versorgen kann, sind nur schwer zu erreichen. Hinzu kommt, dass dies nicht nur einer der höchsten Berge ist, er ist auch von der Ausdehnung her sehr groß. Abgesehen vom eigentlichen Aufstieg muss man in großer Höhe zwischendurch auch längere gerade Strecken gehen. Es besteht ständig die Gefahr von Steinschlag. Und schließlich sind die Wetterbedingungen in dieser Region viel extremer. Dies erhöht das Risiko von starken Winden oder Lawinen.

Der Kangchengjunga war für Alan der letzte in der Reihe der 14 größten Berge. Im Jahr 2005 gelang ihm schließlich die erfolgreiche Besteigung. Geplant war es eigentlich ganz anders. Seinen 1. Versuch hatte er 2000 gestartet. Damals kam er bis zu einer Höhe von 570 m unterhalb des Gipfels. Doch angesichts der damaligen Schneesituation und extremen Lawinengefahr entschloss er sich zur Umkehr. Auf dem Rückweg brach jedoch eine Schneebrücke ein, und Alan stürzte in eine Gletscherspalte. Als er gegen die Wand der Gletscherspalte prallte, hörte er ein metallisches Knacken. Er hatte sich den Arm gebrochen. Und da er sich immer noch in einer Höhe von 6.800 m befand, war ihm die Gefährlichkeit seiner Lage bewusst:

„Mir war bewusst, dass ich in einer Notlage war. Man muss sich einfach mental zusammenreißen – es hat keinen Sinn, sich hinzulegen und den Tod abzuwarten. Und auch körperlich muss man imstande sein, mit dem Schmerz umzugehen. Der Abstieg war ein enormer Kampf. Auf dem restlichen Stück hatte ich große Angst. Mit dem linken Arm konnte ich mich weder abseilen, noch einen Stab halten. Da wir durch sehr tiefen Schnee gehen mussten, war dies für mich alles enorm anstrengend. Ich konzentrierte mich darauf, keine technischen Fehler zu machen und das zu tun, was ich am besten kann – Bergsteigen. Ich glaube, wenn ich angehalten und über die tatsächliche Gefahr meiner Situation nachgedacht hätte, dann wär ich mit Sicherheit in Angst und Panik verfallen.“

2005 kehrte Alan zum Kangchenjunga zurück. Den 1. Gipfelversuch am 29. Mai musste er aufgrund des schlechten Wetters aufgeben. Sein 2. Versuch war erfolgreich. Am 30. Mai um 19 Uhr stand er auf dem Gipfel und hatte sein Ziel erreicht. Er ist der 13. Mensch, der alle 14 Achttausender Berge dieser Erde bezwungen hat.

 

Andrew Hamilton ist Mitglied der Royal Society of Chemistry, des American College of Sports Medicine und Berater für die Fitnessindustrie mit dem Spezialgebiet Sporternährung

Quellenangaben

1. Journal of Applied Physiology 1996. Bd. 81, S. 1850–1854

2. Journal of Experimental Biology 2001. Bd. 204, S. 3115–3119

3. Wilderness and Environment Medicine 2006. Bd. 17 (4), S. 215–20

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