Cross Country: Olympische Disziplin aber nur wenig bekannt

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Der Fachbereich Mountainbike (MTB) setzt sich aus einer Vielzahl an Disziplinen zusammen. Am häufigsten wird die Disziplin „Downhill“ mit Mountainbiken in Verbindung gebracht, da diese für den Außenstehenden am spektakulärsten ist und somit gut in Erinnerung bleibt. Im Breitensport erfreut sich die Disziplin „Marathon“ großer Beliebtheit. Weiterhin gibt es noch Four Cross, Etappenrennen, bspw. die Transalp, Cross Country Eliminator und Cross Country (vgl. BDR, 2011, S. 9).

Geschichte

Rund um den Mt. Tamalpais in Marin County im US-Bundesstaat Kalifornien lebte zu Beginn der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts eine Gruppe von Hippie-Bikern, die sich auf umgebauten Schwinn-Cruisern den Berg hinunter stürzten. Einer von ihnen war Joe Breeze. Da die Rahmen jedoch den Belastungen nicht gewachsen waren und brachen, begann Breeze, einen stabileren Rahmen zu bauen. Im September 1977 präsentierte er seinen Freunden das erste moderne Mountainbike, das Breezer No. 1 (vgl. PRITZL, 2008). Das Mountainbike verbreitete sich fortan auf der ganzen Welt. Bei den olympischen Sommerspielen 1996 in Atlanta wurde Cross Country als erste und bisher einzige Mountainbikedisziplin olympisch.

Reglement

Ein Mountainbike Cross-Country-Rennen wird auf einem Rundkurs ausgetragen, der ca. 4-6 km lang ist. Diese Runde muss mehrfach befahren werden und darf nicht mehr als 15% Asphaltanteil beinhalten (vgl. BDR, 2011, S. 10). Bei großen Rennen bzw. Rennen mit großen Starterfeldern wird häufig eine verkürzte Startrunde auf meist breiten Wegen gefahren, während der sich das Fahrerfeld in die Länge zieht und sortiert. Die Strecke beinhaltet Anstiege und Abfahrten unterschiedlicher Länge und Steigung und führt über Feld- und Waldwege. Während vor wenigen Jahren die Renndauer eines Worldcups teilweise 3 Stunden betrug, wurden die Vorgaben inzwischen stark nach unten korrigiert. Heutzutage liegt die Renndauer bei den Herren bei ca. 2 Stunden, bei den Damen sind die Rennen ungefähr 15 Minuten kürzer. Sie befinden sich somit im Übergangsbereich der LZA II/III. Cross-Country-Rennen werden mit einem Massenstart gestartet und Sieger ist der Fahrer, der die vorgegebene Anzahl an Runden am schnellsten zurückgelegt hat.

Anforderungsprofil

IMPELLIZZERI et al. (2002) und STAPELFELDT et al. (2002) untersuchten die Anforderungen von XCO-Rennen. Während Erstgenannte die Belastung mit Herzfrequenzmessungen analysierte, haben Letztere die Belastungen mit Hilfe des SRM-Systems analysiert. IMPELLIZZERI et al. (2002) untersuchten 5 Probanden bei insgesamt 4 nationalen und internationalen Rennen. Die Rennen weisen eine durchschnittliche Dauer von 147 ± 15 min auf, eine Distanz von 34,3 ± 3,9 km, verteilt auf 4,5 Runden plus Startrunde. Die Auswertung der Daten zeigt, dass die durchschnittliche maximale Herzfrequenz über alle Rennen und Fahrer bei 191 ± 6 Schlägen/min lag und die mittlere Herzfrequenz bei 171 ± 6 Schlägen/min, was 90 ± 3% der maximalen Herzfrequenz des Rennens entspricht. In Relation zur VO2max bestritten die Probanden die Rennen im Mittel mit 84 ± 3%. Die Autoren vergleichen aufgrund dieser Daten die Intensität eines XCO-Rennens mit der eines Einzelzeitfahrens. MUJIKA et al. (2001) geben die Intensität für Prologzeitfahren mit 89 ± 3% der HFmax an und für kurze Zeitfahren mit 85 ± 5%. Unberücksichtigt bleibt, dass XCO-Rennen teilweise mehr als 1 Stunde länger sind. Der Vergleich zu einem Zeitfahren ist daher nicht zulässig.

Umfangreicher ist die Arbeit von STAPELFELDT et al. (2002). Ihnen standen 11 Fahrer (m=9, w=2) der deutschen Nationalmannschaft als Probanden zur Verfügung, deren Daten aus 2 Weltcuprennen und 13 nationalen Rennen in die Untersuchung einflossen. Zur Ermittlung der durchschnittlichen Leistung eines Fahrers wurde der Durchschnitt aus allen Rennen desselben Fahrers gebildet. Der Mittelwert über alle Fahrer wurde mit 246 ± 12 W bei den Männern und 193 ± 1 W bei den Frauen gemessen, was einer relativen Leistung von 3,6 ± 0,2 W/kg bzw. 3,1 ± 0,2 W/kg entspricht. Die Arbeitsgruppe um Stapelfeldt konnte auch feststellen, dass die Leistung innerhalb eines Rennens stark schwankt. Bei einem Fahrer wurden in der geglätteten Kurve, Leistungen zwischen 50 und 400 W bei einem Mittelwert von 208 W gemessen. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass die Extremwerte von 0 W in Tretpausen bis über 1000 W beim Start oder im Schlussspurt reichen. Daraus wird ersichtlich, dass die Mittelwerte die tatsächliche Wettkampfstruktur nicht widerspiegeln. Die an 2 typischen Anstiegen gemessene Leistung ist daher aufschlussreicher. An einem 440m langen Anstieg, für den 5 verschiedene Fahrer durchschnittlich 2:23 ± 0:03 min benötigten, wurden im Mittel 333 ± 29 W gemessen. In einem kürzeren Anstieg (150 m) lag für dieselben Fahrer die Fahrtzeit bei 0:36 ± 0:02 min und die Leistung mit 424 ± 32 W deutlich höher. Vergleicht man die Daten mit denen im Stufentest, zeigt sich, dass die Abbruchleistung im kurzen Anstieg sogar um 64 W überschritten wird. Die Herzfrequenz weist im Vergleich zur Leistung deutlich geringere Schwankungen auf. Im Rennverlauf schwankt diese in einem Bereich von 20-30 Schlägen/Minuten, was eine Streuung von 3-5% bedeutet. Die mittleren Herzfrequenzen sind interindividuell sehr unterschiedlich und liegen je nach Fahrer zwischen 163 und 185 Schlägen/min. Intraindividuell bleiben die Werte jedoch weitgehend auf einem Niveau. Im Mittel für 11 Fahrer und 5 Rennen liegt die Wettkampfherzfrequenz bei 91% der HFmax (vgl. STAPELFELDT, 2001, S. 185). Der Verlauf der Herzfrequenzkurve spiegelt die Schwankungen der Leistungskurve nicht wider. Diese Erkenntnis wird von KÖHLER et al. (1994, S.103) gestützt. Sie stellten fest, dass die Einstellzeit der Herzfrequenz so lang ist, „daß Leistungsspitzen von kurzer Dauer sich nicht in proportionalen Herzfrequenzspitzen wiederfinden, sondern kupiert werden“. Die Trittfrequenz weist, abhängig vom Streckenprofil, Schwankungen auf. In Anstiegen wurden mittlere Frequenzen von 70 U/min in einem Gesamtbereich von 60-80 U/min gemessen. In flachen Streckenabschnitten liegt die Trittfrequenz höher, im Schnitt wird dort mit 88 U/min gefahren. Über eine Runde eines Fahrers auf dem Weltcupkurs in St. Wendel konnte ein Mittelwert von 66 U/min gemessen werden. Bleiben die Phasen mit Trittfrequenz gleich Null unberücksichtigt, ergibt sich ein Mittelwert von 77 U/min. Aus den gewonnen Daten zeigt sich deutlich, dass XCO-Rennen durch deutliche Belastungswechsel geprägt sind, was dem Streckenprofil geschuldet ist. Sowohl die Leistungs- als auch die Herzfrequenz Daten verdeutlichen, dass es sich in dieser Radsportdisziplin um hochintensive Belastungen handelt.

Diese Daten bestätigen die Schilderungen von SCHMIDT (2007, S. 86), der feststellt, dass aufgrund der niedrigen Trittfrequenzen mit höherem Krafteinsatz gefahren wird.

An die Kraft werden beim Cross-Country-Rennen besonders hohe Anforderungen gestellt. Der Cross-Country-Fahrer fährt relativ niedrige Trittfrequenzen (< 80) mit einem großen Krafteinsatz. Die Trittfrequenzverläufe bei einem Cross-Country-Rennen sind durch einen Wechsel von Trittfrequenzen um 80 und tretlosen Phasen gekennzeichnet.“ (SCHMIDT, 2007, S. 86)

SRM-Aufzeichnungen beim MTB-Bundesliga-Rennen in Münsingen verdeutlichen die extrem intermittierende Belastung im XCO-Rennen. Abb. 9 zeigt die ungeglätteten Kurven des Rennens. Die rote Linie steht für die Herzfrequenz. Sie pendelt während des gesamten Rennens mit einer Dauer von 1:47.32 Stunden innerhalb von ca. 15 Schlägen/min, mit Ausnahme der langen Abfahrt (schwarze Linie). Die grüne Linie stellt die Leistung in Watt dar. Es wird deutlich, dass die Herzfrequenz die Leistung nicht wiederspiegeln kann. Die Durchschnittsleistung im Rennen lag bei 308 W (4,2 W/kg), die Herzfrequenz bei 168 Schlägen/min.

 Abbildung 1

Fazit

Abschließend kann festgehalten werden, dass es sich in der Disziplin Mountainbike Cross Country um eine hoch intensive Belastung handelt. Aufgrund der Renndistanz von bis zu 2 Stunden ist eine hohe aerobe Leistungsfähigkeit Voraussetzung für ein erfolgreiches Abschneiden. Die Intervallartigen Belastungen mit hochintensiven Abschnitten (Start, Ziel, Anstiege) stellen jedoch auch hohe Anforderungen an die anaerobe Leistungsfähigkeit und die dort gemessenen Leistungen verdeutlichen den Stellenwert der motorischen Grundeigenschaft Kraft. Auf diese Erkenntnisse muss im Training eingegangen werden. Neben dem Schaffen einer hohen Grundlagenausdauer, muss auch dem Schaffen einer notwendig hohen anaeroben Leistungsfähigkeit Beachtung geschenkt werden. „Im Training muss somit auf die Ausbildung einer möglichst guten aeroben Kapazität Wert gelegt werden, ohne jedoch die anaerobe Mobilisation zu vernachlässigen, die im Mountainbikesport eine ganz entscheidende Rolle spielt“ (SCHMIDT, 2007, S. 85).

 

Marc Schäfer

 

Weiterführende Artikel:

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Quellenangaben

Bund Deutscher Radfahrer (BDR) (2011). Wettkampfbestimmung Mountainbike (MTB). Frankfurt. Impellizzeri, F./Sassi, A./Rodriguez-Alonso, M./Mognoni, P./Marcora, S. (2002). Exercise intensity during off-road cycling competitions. Med. Sci. Sports Exerc., 34 (11), 1808-1813.

Köhler, B./Völker, K. (1994). Plädoyer für sorgfältige sportmedizinische Betreuung. TW Sport + Medizin, 6 (2), 100-104.

Mujika, I./Padilla, S. (2001). Physiological and performance characteristics of male professional road cyclists. Sports Med., 31 (7), 479-487.

Pritzl, T. (2008). Joe Breeze. Zugriff am 30. Juli 2011 unter http://www.bike-magazin.de/?p=2047.

Schmidt, A. (2007). Das große Buch vom Radsport. Aachen: Meyer & Meyer.

SRM (2010). Saisonstart für das SRM-Stevens Mountainbike-Team. Zugriff am 9. September 2010 unter http://www.srm.de/index.php?option=com_content &view=article&id=504%3Asrm-stevens-team-startet-in-die-mountainbike-saison &catid=116%3Amtb&Itemid=502&lang=de.

Stapelfeldt, B. (2001). Kraft- und Ausdauerleistungen im Mountainbikesport. Dissertation, Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg i. Br.

Stapelfeldt, B./Schwirtz, A./ Schumacher, Y.O. (2002). Belastung und Beanspruchung in Mountainbike-Cross-Country-Wettkämpfen. Leistungssport, 32 (2), 21-28.

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Über den Autor

Marc Schäfer

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