Die Wirkung von Ernährung und Sport auf Diabetes

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Ein eigenes Gebiet ist die Betrachtung, wie Sport und Ernährung zusammenarbeiten können, um Krankheiten zu verhindern und zu behandeln. Dieser Artikel präsentiert eine Zusammenfassung von Forschungen und konzentriert sich besonders darauf, wie Sport Diabetes beeinflussen kann.

Es gibt viele Studien über die unabhängigen Auswirkungen von Ernährung und Sport auf chronische Erkrankungen. Aber ein neues Interessensgebiet, das derzeit auftaucht, ist die Betrachtung, wie Sport und Ernährung zusammenarbeiten können, um Krankheiten zu verhindern und zu behandeln. Bis heute zeigen klinische Studien einen möglichen synergistischen Effekt (d. h. größer als nur beide zusammengerechnet) von Ernährung und Sport bei der Verhinderung und Behandlung von Diabetes, Herzkrankheiten und Osteoporose.

 

Diabetes 

Die Erwachsenendiabetes (auch bekannt als Diabetes Typ 2 oder Diabetes Mellitis ohne Insulinabhängigkeit) geht einher mit einem erhöhten Risiko für Herzkrankheiten, Schlaganfall, Nierenversagen und Erblindung. Die stärksten Risikofaktoren, die jemanden zur Erwachsenendiabetes prädestinieren, sind Fettleibigkeit und Diabetes in der Familiengeschichte.

Leute mit dieser Art Diabetes haben eine Reihe gängiger Kreislaufstörungen gemeinsam. Eine davon ist eine geschädigte Glukose-Toleranz – wenn nach einem Fasten über Nacht eine Standardmenge an Glukose gegeben wird, steigt die Glukose im Blut auf ein übertrieben hohes Niveau, so dass etwas Zucker mit dem Urin verloren wird. Ein damit verbundenes Phänomen ist die Insulin-Resistenz. Die Körperzellen haben Rezeptoren auf ihren Zellwänden, die ausgelöst werden, wenn Insulin vorbeikommt, was dazu führt, dass verschiedene Nachrichten an die Zellen überbracht werden. Die wichtigsten sind Nachrichten, Glukose und Fette aus dem Blutstrom in die Zelle aufzunehmen. Aus irgendeinem Grund haben Leute mit Erwachsenendiabetes weniger reagierende Insulinrezeptoren – deshalb kommen bei diesen Menschen die Nachrichten nicht laut und klar durch, und es werden höhere Mengen Glukose und Fette im Blutkreislauf gelassen. Das wiederum hat schädliche Auswirkungen auf viele Körpersysteme. So ist bei der Erwachsenendiabetes das Problem nicht ein Fehlen von Insulin (tatsächlich ist das typische Insulinniveau im Blut sogar erhöht), sondern eine gedämpfte Reaktion.

Die Forschung hat sich oft darauf konzentriert, wie die Ernährung eingesetzt werden kann, um bei der Verhinderung und dem Umgang mit Erwachsenendiabetes zu helfen. Beispielsweise wurde herausgefunden, dass in Bevölkerungen mit höherer Fettzufuhr häufiger Diabetes vorkommt. Fett in der Ernährung beeinträchtigt anscheinend sowohl die Glukose-Toleranz als auch die Insulin-Sensibilität. Ähnlich wie bei den Auswirkungen von Fetten auf das Cholesterin im Blut sind gesättigte Fettsäuren anscheinend schädlich, während einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (besonders die Art, die man in Fischöl findet) günstig sind. Im Gegensatz zu der Geschichte mit dem Fett gibt es keine deutlichen Antworten darauf, ob das Essen von viel raffiniertem Zucker das Risiko erhöht, die Krankheit zu entwickeln. Übergewichtig zu sein, ist auch ein klarer Risikofaktor bei der Entwicklung von Erwachsenendiabetes – es erhöht die Wahrscheinlichkeit, an Insulin-Resistenz zu leiden.

 

Sport und Diabetes

Die Rolle des Sports ist weniger klar, aber es gibt viele Hinweise darauf, dass physische Aktivität bei der Verhinderung von Erwachsenendiabetes hilft. Zum Beispiel haben physisch aktive Gesellschaften weniger Erwachsenendiabetes als weniger aktive Gemeinschaften, und als die Bevölkerungen eine mehr sitzende Lebensweise angenommen haben, hat sich das Vorkommen von Erwachsenendiabetes erhöht. Warum sollte das so sein? Ein offensichtlicher Weg ist ein Effekt auf das Körpergewicht – wer aktiv Sport treibt, neigt seltener dazu, korpulent zu sein als weniger aktive Leute. Aber eine Reihe kürzlich durchgeführter Studien hat herausgefunden, dass Sport sogar dann einen günstigen Effekt hat, wenn es zu keinem Unterschied im Körpergewicht kommt. Eine groß angelegte amerikanische Studie beobachtete 8 Jahre lang 87.253 Frauen. Diejenigen, die mindestens einmal pro Woche energisch trainierten, hatten eine viel kleinere Wahrscheinlichkeit, Diabetes zu entwickeln, als die Frauen, die weniger trainierten, selbst wenn die Unterschiede beim Körpergewicht berücksichtigt wurden. Die Risikoreduzierung durch den Sport wurde sowohl bei übergewichtigen als auch bei nicht fettleibigen Frauen beobachtet.

In einer anderen amerikanischen Studie beobachtete man 5.990 männliche Absolventen der Universität Pennsylvania 14 Jahre lang. Man fand heraus, dass das Niveau der Freizeitaktivitäten umgekehrt proportional zu der Entwicklung von Erwachsenendiabetes war. Als die Freizeitaktivitäten danach quantifiziert wurden, d. h. wie viele Kalorien verbrannt wurden, zeigte die Analyse, dass sich für jede Erhöhung des Energieverbrauchs um 500 Kalorien das Risiko, Erwachsenendiabetes zu entwickeln, um 6 % reduzierte. Die Reduzierung des Risikos blieb auch dann bestehen, als Fettleibigkeit und elterliche Diabetes-Historie berücksichtigt wurden. Um eine Vorstellung des dazugehörigen Niveaus an Aktivität zu geben: Für einen Durchschnittsmann mit 74 kg Gewicht verbraucht eine halbe Stunde Fahrrad fahren in mäßigem Tempo 222 Kalorien, eine halbe Stunde Laufen durchs Gelände verbraucht 363 Kalorien, und eine halbe Stunde Squash verbraucht 471 Kalorien.(1)

Wenn man die körperlichen Veränderungen als Reaktion auf den Sport unter die Lupe nimmt, findet man ein paar interessante Effekte. Sport hat eine direkte Auswirkung auf einige der Variablen, die auch durch die Ernährung beeinflusst werden. Es hat sich gezeigt, dass regelmäßige Aktivität die Insulin-Sensibilität erhöht und die Insulin-Konzentrationen im Blut senkt. Er verbessert auch die Fähigkeit des Körpers, Glukose in die Zellen zu verlagern. Umgekehrt führt eine reduzierte Aktivität zu reduzierter Insulin-Sensibilität und Glukose-Toleranz. So hilft Sport nicht nur, das Risiko von Erwachsenendiabetes zu reduzieren, sondern er kann bei Menschen, die die Krankheit schon entwickelt haben, helfen, mit deren Auswirkungen umzugehen. Man hat herausgefunden, dass Sport die Insulin-Sensibilität bei Patienten mit Erwachsenendiabetes bis zu 72 Stunden nach dem Sport verbessert.

 

Fazit

Deshalb wäre die optimale Strategie für jeden, der die Entwicklung von Erwachsenendiabetes verhindern will (das ist besonders wichtig für diejenigen, in deren Familie die Krankheit schon einmal aufgetreten ist), den Standardempfehlungen für gesunde Ernährung zu folgen und dabei regelmäßig Sport zu treiben – Sie werden dann von einem zusätzlichen Effekt profitieren. Ähnlich würden diejenigen, die den Zustand bereits entwickelt haben, von der dualen Strategie von Ernährung und Aktivität profitieren.

 

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Quellenangabe:

1. Physical activity and reduced occurrence of NIDDM, Helmrich et al, New England Journal of Medicine, Bd. 325, S.147–52

 

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