Sind zusätzliche Proteine in Sportgetränken ein Plus?

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Immer mehr Sportgetränkehersteller ergänzen ihre Produkte mit Proteinen, die im Ausdauersport die Leistung und Erholung verbessern sollen. Ob sich dieser Effekt wissenschaftlich nachweisen lässt, überprüft Mike Saunders. 

Bei langen Trainingseinheiten, insbesondere bei großer Hitze, können große Mengen Flüssigkeit und Salz durch Schwitzen verloren gehen. Außerdem leeren sich bei längerer Belastung die Kohlenhydratspeicher in den Muskeln. Die meisten handelsüblichen Sportgetränke haben einen Wasser und Elektrolytgehalt, der die Folgen der Dehydrierung und die Risiken der Hyponatriämie bei längeren Trainingseinheiten mildern kann. Außerdem liefern die darin enthaltenen Kohlenhydrate zusätzliche Energie, die eine längere Trainingsleistung ermöglicht.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass die Ausdauerleistung durch den Verzehr von Sportgetränken während der sportlichen Belastung erhöht werden kann. Dies gilt vor allem für längere Aktivitäten (mehr als 2 Stunden) mit Wettkampfintensität. Die meisten Richtlinien empfehlen für Training und Belastungen unter Laborbedingungen den Verzehr von Sportgetränken mit einem Kohlenhydratgehalt von 4–8 %. Die Aufnahme von 600–1400 ml Flüssigkeit und 30–60 g Kohlenhydrate pro Stunde scheint hierbei die beste Wirkung in puncto Leistungssteigerung zu haben.

 

Die Vorteile

Sportgetränke ermöglichen aber auch eine schnellere Erholung nach der sportlichen Belastung, vor allem, weil sie nach einem harten Training für ein schnelleres Wiederauffüllen der Kohlenhydratspeicher in den Muskeln sorgen. In einer Studie der University of Birmingham (England) wurden Radfahrer untersucht, die an 8 Tagen ein verstärktes Training absolvierten. Dabei nahmen sie während oder unmittelbar nach der Belastung entweder ein kohlenhydratarmes oder ein kohlenhydratreiches Getränk zu sich.(1) Beim Verzehr der Sportgetränke mit ausreichend hohem Kohlenhydratgehalt (6 % während der Belastung, 20 % nach der Belastung) konnten die Radsportler ihre Ausdauerleistung besser beibehalten, empfanden die Belastung während des Trainings als weniger hart und zeigten weniger Symptome von Übertraining. Als Fazit lässt sich daher sagen: Bei hartem Ausdauertraining oder bei Wettkämpfen können Kohlenhydratgetränke zu einer Leistungssteigerung und einer beschleunigten Erholung beitragen.

Bei Sportgetränken mit einer Kohlenhydrat-Protein-Mischung haben sich vor allem folgende 2 Aspekte als Vorteile herauskristallisiert:

– eine Verbesserung der sportlichen Leistung und

– eine beschleunigte Erholung nach dem Training.

    Obwohl es eine Fülle von Studien über Kohlenhydratgetränke gibt, haben bislang nur relativ wenige davon die Wirkung von zusätzlichen Proteinen in Sportgetränken untersucht. Es wird jedoch immer offenkundiger, dass Sportgetränke mit Proteinen für Ausdauersportler nützlich sind.

     

    Proteine auf dem Prüfstand

    In den letzten Jahren wurden mindestens 3 Studien veröffentlicht, denen zufolge der Konsum von kohlenhydrat- und proteinhaltigen Sportgetränken die Ausdauer beim Radfahren verlängert. Forscher der University of Texas untersuchten die Radfahrleistung während eines 3-stündigen, unterschiedlich intensiven Radfahrrennens, bei dem Wettkampfbedingungen simuliert werden sollten. Im Anschluss daran fuhren die Sportler bei normaler Intensität bis zur Erschöpfung. Wenn die Studienteilnehmer ein Kohlenhydrat-Protein-Getränk verzehrt hatten, fuhren sie erheblich länger (26,9 Minuten) als nach der Aufnahme eines reinen Kohlenhydratgetränks (19,7 Minuten). Und nach dem Verzehr beider Sportgetränke war die Leistung signifikant höher als nach einem Placebo-Getränk.

    Abb. 1: Veröffentlichte Vergleichsstudien zur Ausdauerleistung bei reinen Kohlenhydratgetränken und bei Kohlenhydrat-Protein-Mixgetränken

    Das Human Performance Laboratory (James Madison University, USA) führte ebenfalls eine Studie an Radfahrern durch, in der die Wirkung von Sportgetränken auf die Leistung bis zur Erschöpfung untersucht wurde.(3) Eine Gruppe männlicher Radfahrer fuhr nach dem Verzehr eines Kohlenhydrat-Protein-Getränks um 29 % länger als nach einem Getränk, das ausschließlich Kohlenhydrate enthielt. Darüber hinaus stellten wir diese Ergebnisse in einer gemischten Gruppe mit männlichen und weiblichen Radsportlern auf die Probe. Hierbei fuhren die Sportler um 13 % länger, wenn sie zuvor ein Kohlehydrat-Protein-Getränk getrunken zu sich genommen hatten. Abbildung 1 enthält eine Übersicht über die Ergebnisse von Studien zu diesem Thema.

    Die in Abb. 1 genannten Studien lösten erhebliche Diskussionen über das Für und Wider von Proteinen in Sportgetränken aus. Dabei blieben mindestens 3 Fragen offen:

    1. War der unterschiedliche Kaloriengehalt verantwortlich für die Leistungsvorteile?

    In den genannten Studien wurden jeweils Getränke mit gleichem Kohlenhydratgehalt miteinander verglichen. Das heißt, das Protein wurde Getränken beigemischt, die theoretisch eine „optimale“ Kohlenhydratkonzentration aufwiesen. Bei dieser Vorgehensweise erhöhte sich jedoch der Kaloriengehalt der Kohlenhydrat-Protein-Getränke. Die leistungsfördernde Wirkung könnte daher auch auf die zusätzlichen Kalorien durch das Protein zurückzuführen sein.

    Ein Labor verglich daher Getränke mit gleichem Kaloriengehalt miteinander. Bei der Zeit bis zur Erschöpfung war dabei kein Unterschied zwischen Kohlenhydrat- und Kohlenhydrat-Protein-Getränken festzustellen.(5) Aber das Kohlenhydrat-Protein-Getränk enthielt weniger Kohlenhydrate als der reine Kohlenhydrat-Drink. Das Protein könnte also eine ergogene Wirkung erzeugt haben, durch die der geringere Kohlenhydratgehalt wieder ausgeglichen wurde.
    Um diesbezüglich Klarheit zu schaffen, verglichen wir im Rahmen derselben Studie(6)

    – ein Kohlenhydrat-Protein-Getränk,

    – ein Getränk mit gleichem Kohlenhydratgehalt und

    – ein Kohlenhydratgetränk mit gleichem Kaloriengehalt miteinander.

      Alle Getränke wurden in großen Mengen verabreicht (über 70 g Kohlenhydrate pro Stunde), um sicherzugehen, dass bei keinem Getränk Nachteile durch einen unzureichenden Kohlenhydratgehalt entstanden. Beim Kohlenhydrat-Protein-Getränk war die Zeit bis zur Erschöpfung immer noch um 18 % länger als bei einem Placebo-Drink und um 4 bzw. 7 % länger als bei den Getränken mit gleichem Kohlenhydrat- bzw. Kaloriengehalt. Die Differenzen zwischen Kohlenhydrat-Protein-Getränken und reinen Kohlenhydratgetränken waren jedoch statistisch nicht signifikant. Somit waren die Ergebnisse nicht beweiskräftig.

      Dieses Resultat bedeutet, dass immer noch keine Klarheit darüber besteht, ob die Vorteile von Kohlenhydrat-Protein-Getränken auf die zusätzlichen Kalorien zurückzuführen sind. Was diese Studien allerdings zeigen, ist, dass Sportler und Wissenschaftler die Wirkung der Proteinaufnahme auf den Belastungsstoffwechsel wohl unterschätzt haben. Wenn Sie Ihrem Kohlenhydratgetränk eine kleine Menge Protein beimischen, scheint dies die gleichen oder sogar bessere Leistungen zu bewirken als ein erhöhter Kohlenhydratgehalt.

      2. Ist die „Zeit bis zur Erschöpfung“ das Gleiche wie die „Ausdauerleistung“?

      Kanadische Wissenschaftler verglichen die Leistungen nach dem Konsum von Sportgetränken bei einem simulierten 80-km-Rad-Zeitfahren miteinander. Dabei konnten sie keine Leistungsdifferenzen bei dem Verzehr von Kohlenhydrat- und dem von Kohlenhydrat-Protein-Getränken feststellen, obgleich beide Getränke besser abschnitten als ein kalorienfreies Placebo-Getränk. Aufgrund dieser Studie wurde argumentiert, dass ein Kohlenhydrat-Protein-Mix die Leistung über eine vorgegebene Wettkampfdistanz nicht steigern könne. Die in früheren Studien berichteten Vorteile von Kohlenhydrat-Protein-Getränken hätten möglicherweise etwas mit den jeweils verwendeten Leistungstests zu tun.

      Einheitliche Leistungsmessungen waren schon immer schwierig. Ein Grund dafür, die „Leistung“ als die „Zeit bis zur Erschöpfung“ zu messen, ist der, dass dieser Parameter die relativen Unterschiede zwischen den Getränken maximieren kann. Die Aufnahme von Kohlenhydraten und Protein konnte die „Zeit bis zur Erschöpfung“ in den vorgenannten Studien um 13–36 % verlängern. In einem langen Wettkampf kann dies eine Leistungssteigerung von einigen Minuten ausmachen. Diese relativ kleine Differenz kann man im Labor nur schwer nachweisen, da sie vermutlich kleiner als die üblichen täglichen Schwankungen bei wiederholten Leistungstests ist. Und das könnte auch die Erklärung für die unterschiedlichen Ergebnisse der verschiedenen Labors sein.

      Dies wollten wir genauer prüfen und untersuchten daher die Leistungsunterschiede zwischen den Sportlern, die Kohlenhydratgetränke, und denen, die Kohlenhydrat-Protein-Getränke zu sich genommen hatten, bei einem simulierten 60-km-Rad-Zeitfahren.(8) Wir vermuteten, dass sich die möglichen Vorteile des Kohlenhydrat-Protein-Getränks in den späteren Phasen des Rennens am deutlichsten zeigen würden, nämlich dann, wenn die Sportler anfangen müde zu werden. Die Testfahrt bestand aus 3 Runden à 20 km, wobei jede Runde mit einem 5 km langen Anstieg endete. Insgesamt erreichten die Sportler mit dem Kohlenhydrat-Protein-Getränk eine leicht bessere durchschnittliche Zeit (rund 50 Sekunden schneller). Diese Differenz war zwar nicht groß genug, um statistisch schlüssig zu sein. Allerdings zeigten sich alle Leistungsvorteile erst auf den letzten 20 km und die meisten davon sogar auf den letzten 5 km. Dies führte zu einer signifikant (3 %) besseren Zeit beim Anstieg in der Schlussphase.

      3. Wie kommt es zu einer Leistungssteigerung durch Protein?

      Mögliche Erklärungen sind u.a.:

      – Der Anteil von Protein am Gesamtenergiebedarf während eines Ausdauertrainings ist normalerweise sehr gering. Protein könnte jedoch eine größere Rolle als Energielieferant (oder Regulator anderer Energielieferanten) spielen, wenn während der Belastung ein Kohlenhydrat-Protein-Gemisch verzehrt wird. Hierdurch werden die Speicherkohlenhydrate geschont und für einen späteren Zeitpunkt aufgespart, so dass eine längere Ausdauerleistung erbracht werden kann.

      – Einige Studien haben gezeigt, dass die Aufnahme von Protein Einfluss auf die zentrale Ermüdung hat und für anhaltende Konzentration und mentale Leistung sorgen kann. Dann wäre dies eine mögliche Erklärung für die ergogene Wirkung von Kohlenhydrat-Protein-Getränken.

      Solange keine genaueren Erkenntnisse in Bezug auf die nutzbringende Wirkung von Proteinen vorliegen, wird es hinsichtlich der Wirksamkeit von Kohlenhydrat-Protein-Getränken wohl keinen wissenschaftlichen Konsens geben. Immer mehr Sportler, Trainer und Wissenschaftler sind jedoch der Ansicht, dass Kohlenhydrat-Protein-Getränke für Sportler auf jeden Fall Vorteile haben. Dazu möchte ich Joe Friel sinngemäß zitieren. Er schreibt in seinen Trainingsbüchern: „Nur weil wir nicht wissen, wie eine Hummel fliegt, heißt das noch lange nicht, dass Hummeln nicht fliegen können.“

       

      Kohlenhydrat-Protein-Getränke und die Regeneration nach dem Training

      Die Aufnahme von Kohlenhydratprotein ist für die Erholung nach einem sehr harten Training sicherlich noch viel wichtiger. Obwohl Proteine früher nur im Kraftsportbereich konsumiert wurden, halten heutzutage auch viele Spitzenausdauersportler Kohlenhydrat-Protein-Getränke für eine wichtige Nahrungsergänzung im Rahmen der Regeneration. Wissenschaftliche Studien berichteten, dass ein Kohlenhydrat-Protein-Mix verschiedene Vorteile für die Erholung haben könnte, wie z. B. eine bessere Proteinbilanz, weniger Muskelschäden und eine größere sportliche Leistungsfähigkeit. Die meisten wissenschaftlichen Studien untersuchten den Verzehr von Kohlenhydratprotein nach dem Training. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass solche Effekte auch schon bei einer Aufnahme von Kohlenhydrat-Protein während des Trainings ausgelöst werden könnten. Im Rahmen dieses Artikels werden hauptsächlich Studien betrachtet, bei denen es um eine Protein-Kohlenhydrat-Aufnahme „während der Belastung“ geht. Denn unser Thema hier lautet „Sportgetränke“ mit zusätzlichen Proteinen und nicht „Regenerationsgetränke“, die inzwischen eine eigene Kategorie von Sportlergetränken darstellen.

       

      Sorgen Sie für eine positive Proteinbilanz

      Als Ausdauersportler geht es Ihnen vermutlich nicht um den Aufbau großer, massiver Muskelpakete. Was Sie brauchen, ist eine ausreichend große Muskelmasse für eine gleich bleibende Kraftleistung während des Trainings. Forscher aus den Niederlanden untersuchten die Proteinbilanz bei Ausdauersportlern nach dem Verzehr von Kohlenhydrat- oder Kohlenhydrat-Protein-Getränken.(9) Erhielten die Sportler während einer 6-stündigen Radfahr- und Laufeinheit ein Kohlenhydratgetränk, blieb die Proteinbilanz während der Belastung, sowie über einen Zeitraum von 4 Stunden während der anschließenden Erholungsphase, im negativen Bereich. Wurde jedoch während der Belastung ein Kohlenhydrat-Protein-Getränk verzehrt, kam es zu einem erhöhten Proteinaufbau und einem geringeren Proteinabbau, so dass die Proteinbilanz während und nach der Belastung im positiven Bereich blieb. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass sich die Aufnahme eines Kohlenhydrat-Protein-Gemischs während des Trainings positiv auf die Muskelregeneration auswirken kann.

       

      Muskelschäden vorbeugen

      Wir untersuchten die Wirkung von Kohlenhydrat-Protein auf eine Reihe indirekter Marker für Muskelschäden. In unseren ersten beiden Studien beobachteten wir eine deutliche Abnahme der Blutmarker für Muskelschäden und Muskelschmerzen, wenn die Sportler Kohlenhydrat-Protein-Getränke verzehrt hatten. Da diese jedoch sowohl während als auch kurz nach der Belastung verabreicht wurden, ließ sich nur schwer feststellen, ob die Vorteile auf die Proteinaufnahme während der Belastung zurückzuführen waren.(3,5)

      Abb. 2: Muskelregeneration nach der Belastung mit und ohne Verzehr eines Kohlenhydrat-Protein-Getränks während der Belastung(6)

      In einer aktuellen Studie untersuchten wir daher die Wirkung eines Kohlenhydrat-Protein-Getränks, das den Sportlern während eines längeren Radfahrtrainings im Abstand von jeweils 15 Minuten verabreicht wurde. Nach dem Training erhielten sie kein Getränk.(6) Nach dem Verzehr des Kohlenhydrat-Protein-Getränks wurden im Blut deutlich weniger Marker für Muskelschäden festgestellt als nach dem, eines kalorienarmen Placebo-Getränks oder eines reinen Kohlenhydratgetränks. Noch wichtiger ist die Erkenntnis, dass hier die beschleunigte Muskelregeneration zu einer deutlich besseren Muskelfunktion führte (gemessen mithilfe des Beinstrecktests für die Oberschenkelstrecker) als bei allen anderen Getränken, die über einen Zeitraum von 24 Stunden nach dem Radfahrtest verzehrt wurden (s. Abb. 2).

      Der wichtigste Indikator für die Muskelregeneration ist für die meisten Sportler die Leistung während des anschließenden Trainings. In einigen Studien wurde untersucht, welche Wirkung die Aufnahme von Kohlenhydraten und Proteinen auf die Leistung in einem anschließenden Training hat. Sie kamen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Manche berichteten über eine Leistungsverbesserung nach der Aufnahme von Kohlenhydraten und Proteinen, andere hingegen stellten keine Unterschiede zwischen der Wirkung von Kohlenhydratgetränken und der von Kohlenhydrat-Protein-Getränken fest.(3,10,11,12,13)

      Die im Labor des Autors durchgeführte Studie (Abb. 2) lässt vermuten, dass nach der Aufnahme von Kohlenhydraten und Proteinen für die Dauer von mindestens 24 Stunden nach starker körperlicher Belastung eine erhöhte Muskelfunktion vorliegt. Aber wenn die anfängliche Belastung nicht hoch genug ist, führt dies nicht unbedingt zu einer besseren Gesamtkörperleistung.

      Dies gilt im Übrigen für alle untersuchten „Regenerationshilfen“ – d. h. bei relativ leichten Trainingseinheiten erfolgt auch ohne eine Nahrungsergänzung innerhalb von 24 Stunden eine vollständige Regeneration. Je härter und häufiger Sie trainieren, desto mehr profitiert Ihre Regeneration von einer optimalen Nahrungsergänzung. Unsere Feststellung war die, dass Läufer mit dem größten wöchentlichen Laufpensum, und Radfahrer, die bei mangelnder Fitness ein erschöpfendes Training absolvierten, nach dem Verzehr von Kohlenhydraten und Proteinen die größten Leistungsverbesserungen im nächsten Training erzielten.

      Der optimale Proteingehalt

      Da diesbezüglich nur einige wenige wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen, ist es recht schwierig, eine Empfehlung hinsichtlich des optimalen Proteingehalts in Sportgetränken zu geben. Darüber hinaus wird der Proteingehalt vermutlich noch durch andere Faktoren beeinflusst, wie z. B. die aufgenommene Flüssigkeits- und Kohlenhydratmenge, sowie die jeweilige Magenverträglichkeit etc.

      Da Kohlenhydrate während eines intensiven Ausdauertrainings der Hauptenergielieferant sind, muss die optimale Proteinmenge in den meisten handelsüblichen Sportgetränken geringer als der Kohlenhydratgehalt sein (etwa 4–8 % Vol., d. h. 40–80 g pro Liter).

      Wir verglichen 3 Kohlenhydratgetränke (mit jeweils 6 % Kohlenhydraten) miteinander, die unterschiedliche Mengen an Protein enthielten. Dabei stellten wir fest, dass die Ausdauerleistung bei kleinen Mengen Protein (1–2 %) zunahm, bei größeren Mengen aber keine weiteren Leistungsverbesserungen eintraten.(14,15) Eine beschleunigte Muskelregeneration konnte bei sehr geringer Proteinaufnahme allerdings nicht belegt werden. Obwohl zunächst weitere wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt werden müssen bevor konkrete Empfehlungen gemacht werden können, kamen wir generell zu dem Schluss, dass der Proteingehalt von Getränken, die während der sportlichen Belastung verzehrt werden, relativ klein sein sollte (2 % oder weniger), während er bei Getränken, die nach der Belastung konsumiert werden, vermutlich eher größer (20 % oder mehr) sein muss, um die Regeneration optimal zu fördern.

       

      Hauptargumente für die kombinierte Aufnahme von Kohlenhydraten und Protein während der Ausdauerbelastung

      – Eine Verbesserung der Ausdauerleistung wurde schon bei einer Kohlenhydratmenge von nur 25 g/Std. berichtet. In Laborstudien wurden weitere Leistungsvorteile bei der Aufnahme von bis zu 60–75 g Kohlenhydraten festgestellt. Bei langen intensiven Wettkämpfen sollten Sie versuchen, die größere Menge an Kohlenhydraten zu verzehren.

      – Trinken Sie regelmäßig kleine Portionen eines Sportgetränks, und steigern Sie die Aufnahmemenge nach 10–15 Minuten Belastung.

      – Nehmen Sie bei langen Trainingseinheiten Flüssigkeit bzw. Kohlenhydrate zu sich.

      – Viele Sportler, insbesondere in Sportarten mit Gewichtsbelastung wie z. B. Laufen, haben bei solchen großen Mengen Magenprobleme. Für optimale Leistungsergebnisse sollten Sie daher die größtmögliche Menge trinken, die Sie ohne Probleme bewältigen können.

      – Durch den Verzehr von Kohlenhydratgetränken mit kleinen Mengen an Protein (15–20 % der Gesamtkalorienmenge) können Sie die Ausdauerleistung noch weiter steigern und eine beschleunigte Regeneration nach der Belastung bewirken.

      – Wenn Sie nach der Belastung einen Kohlenhydrat-Protein-Mix mit einem etwas höheren Proteingehalt (25–35 % der Gesamtkalorienmenge) trinken, können Sie die Regeneration nach der Belastung noch weiter optimieren.

      Zusammenfassung

      Neue Studien über die Aufnahme eines Kohlenhydrat-Protein-Gemischs zeigen, dass Ausdauersportler und Wissenschaftler die Wirkung von Protein unterschätzt haben. Bislang haben keine Studien eine Leistungsbeeinträchtigung durch Kohlenhydrat-Protein-Getränke belegt. Da die Aufnahme von Kohlenhydraten und Proteinen die Regeneration nach einem körperlich anstrengenden Ausdauertraining beschleunigen und Muskelschäden mindern kann, ist sie insbesondere für Sportler zu empfehlen, die regelmäßig ein intensives Ausdauertraining machen, für das eine schnelle Erholung entscheidend ist.
       
      Michael Saunders ist Professor für Sportphysiologie und Direktor des Human Performance Laboratory der James Madison University in Harrisonburg, Virginia, USA

      Quellenangaben

      1. Journal of Applied Physiology, 2004, Bd. 97, S. 1245–1253

      2. International Journal Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 2003, Bd. 13, S. 388–401

      3. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2004, Bd. 3, S. 1233–1238

      4. Journal of Strength & Conditioning Research, 2007, Bd. 21, S. 678–684

      5. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2006, Bd. 38, S. 1608–1616

      6. International Journal Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 2008, Bd. 18, S. 377–392

      7. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2006, Bd. 38, S. 1476–1483

      8. Journal of the International Society of Sports Nutrition, 2006, Bd. 3, S. 20

      9. American Journal of Physiology – Endocrinology Metabolism, 2004, Bd. 287, S. 712–720

      10. Journal of Exercise Physiology Online, 2001, Bd. 4, S. 45–52

      11. International Journal Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 2005, Bd. 15, S. 590–609

      12. International Journal Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 2005, Bd. 15, S. 590–609

      13. International Journal Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 2005, Bd. 15, S. 610–624

      14. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2000, Bd. 39, S. 89

      15. Medicine & Science in Sports & Exercise, 2007, Bd. 39, S. 363

       

      Fachsprache

      Hyponatriämie – Verminderung der Natriumkonzentration des Blutes

      ergogen – mit leistungssteigernder Wirkung

      statistisch signifikant – Begriff aus der Statistik, der besagt, dass ein Ergebnis mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit nicht durch Zufall zustande gekommen ist

      zentrale Ermüdung – eine Abnahme der Muskelleistung in Zusammenhang mit einer Ermüdung des zentralen Nervensystems im Gegensatz zu einer Beeinträchtigung der Muskulatur selbst (wie z. B. der Leerung der Glykogenspeicher in den Muskeln)

       

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