Sporternährung für Frauen

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Das Streben nach einer stetigen Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie das Erreichen des Idealgewichts für eine Sportart führen nicht selten zu einer nicht bedarfsangepassten, unterkalorischen Ernährung mit weitreichenden Folgen.

Aufgrund der enormen Bedeutung von körperlicher Aktivität für die Gesundheit sollten alle Menschen regelmäßig körperlich aktiv sein bzw. Sport treiben. Ein gewisses Maß von ca. 3-4 Std. die Woche an moderatem Ausdauertraining wirkt sich bereits positiv auf verschiedene physiologische sowie psychologische Parameter aus. Manchmal kann sportliche Aktivität jedoch auch mit einem erhöhten gesundheitlichen Risiko assoziiert sein.

Der Leistungssport stellt einen besonderen gesellschaftlichen Bereich dar. Der Druck auf Athletinnen und Athleten ist groß. Neben der Leistungskomponente spielt die Ästhetik gerade bei Sportlerinnen eine bedeutende Rolle. Wenn beispielsweise ein Nichterreichen einer bestimmten Gewichtsklasse zum Ausschluss aus dem Team oder zum Verbot der Wettkampfteilnahme führt, sind Veränderungen im Essverhalten nicht selten.

Eine hypokalorische Ernährung kann mit Störungen des reproduktiven Systems und Knochendemineralisation in Verbindung gebracht werden. Dieser Symptomtrias wird als „female athlete triad“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie „Triade der Sport treibenden Frau“.(1)

 

Was bedeutet „female athlete triad“ genau?

Unter der „Triade der Sport treibenden Frau“ versteht man eine Symptomtrias aus einer krankhaften Ernähungssituation aus chronisch zu geringer Energiezufuhr mit der Nahrung, Störungen des Menstruationszyklus und Osteoporose, die bei Sportlerinnen auftritt. Diese drei Zustände beeinflussen sich gegenseitig negativ und entwickeln sich oft unbemerkt über mehrere Jahre.(1) Sie können zeitlich nacheinander jeweils als Folge der aktuellen Situation entstehen oder sich in unterschiedlichem Maße parallel entwickeln. So ist es nicht einfach, die Einflussfaktoren der Symptomtrias voneinander zu trennen, da sie sich oft gegenseitig bedingen.

 

Faktor Pubertät und Leistungsport

So ist die Phase der Pubertät aus sportmedizinischer Sicht besonders zu beachten. Extreme körperliche Belastungen führen bei Heranwachsenden zu individuellen Veränderungen im endokrinen System und unterschiedlichen Anpassungsvorgängen. Eine der häufigsten Störungen betrifft den Menstruationszyklus.(2) Dazu gehören eine verspätete Menarche (erste Regelblutung nach dem 16. Lebensjahr), die primäre und sekundäre Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung für länger als 3–6 Monate) und die Oligomenorrhö (Zykluslänge von 36 Tagen und länger). Diese endokrinen Störungen werden durch chronisch zu geringe Energiezufuhr negativ bestärkt.

Störungen des Menstruationszyklus können bei Frauen, die bereits einen Zyklus hatten, aber auch aufgrund der Stresssituation durch ständigen Hunger herbeigeführt werden. Beides mündet in einer mangelnden Östradiolproduktion, was wiederum gesundheitliche Probleme nach sich zieht.(2)

 

Die Knochendichte

So bewirkt diese hormonelle „Down-Regulation“ eine Minderung der Knochendichte bis hin zur manifesten Osteoporose. Die Entwicklung der Stoffwechselerkrankung verläuft schleichend, so dass die Betroffene lange ohne Anzeichen lebt. Effekte auf die Knochendichte sind, so nimmt man an, erst nach einem Jahr oder später nachweisbar.

Ein länger andauernder hypoöstrogener Zustand führt wie beschrieben zunächst zu einer Verminderung der Knochenmasse mit erhöhter Brüchigkeit, was als Osteopenie bezeichnet wird. Davon sind erwachsene Sportlerinnen mit sekundärer Amenorrhö häufiger betroffen als pubertierende Mädchen mit primärer Amenorrhö.

Insbesondere bei Laufsportarten werden Ermüdungsbrüche und Stressfrakturen hiermit in Verbindung gebracht. Dies ist aus folgenden Gründen problematisch: Es gilt als unumstritten, dass das Erreichen einer möglichst hohen Knochendichte im jungen Erwachsenenalter einen späteren Vorteil bietet, da die Knochenmasse vom 30. Lebensjahr an physiologischerweise kontinuierlich abnimmt. Bei niedriger Ausgangsknochendichte oder eben einer stressbedingten verminderten Östrogenausschüttung kann dies dann vor allem im höheren Alter zum ausgeprägten Krankheitsbild der Osteoporose führen.(2)

 

Die sogenannten Risikosportarten

Sportarten, in denen die Symptomtrias gehäuft auftritt, werden als Risikosportarten bezeichnet. Interessant ist hierbei, dass es sich ausschließlich um Sportarten handelt, in denen ein hoher Druck für einen schlanken Habitus besteht. In anderen Sportarten besteht kein erhöhtes Risiko. So können die Risikosportarten in Gruppen eingeteilt werden.

Die Gruppe der Sportarten mit hohem ästhetischem Charakter lässt sich sogar noch einmal differenzieren:

– Sportarten mit zum Teil subjektiver Bewertung von Leistung und Ästhetik wie Eiskunstlauf, Tanzen, Kunstturnen oder Synchronschwimmen

– Sportarten, in denen ein kindlicher Habitus von Vorteil ist, wie Kunstturnen oder rhythmische Sportgymnastik

– Sportarten mit körperbetonter Kleidung

 

Ausdauersportarten, bei denen das eigene Körpergewicht getragen werden muss, bilden eine eigenständige Kategorie. Hierzu zählen zum Beispiel Triathlon und Langstreckenlauf. Daneben stehen die Gewichtsklassensportarten wie Ringen, Judo, Rudern, Boxen oder Pferderennsport. So können auch sogenannte „Anti-Gravitations-sportarten“ hinzugezählt werden, in denen das Gewicht die Leistung beeinflusst: beispielsweise Skispringen, Klettern oder Hochsprung.

Fernab von solchen theoretischen Einteilungen sollten Erwachsene rund um junge Leistungssportler, seien es Eltern, Trainer, Betreuer oder Physiotherapeuten, egal in welcher Sportart für dieses Thema sensibilisiert werden. Durch den schleichenden, sehr individuellen Verlauf sind die Grenzen zwischen normalem und behandlungsbedürftigem Verhalten häufig verschwommen. Auch Leistungssportlerinnen sollten über die möglichen gesundheitlichen Schäden und Probleme besser informiert werden.(3)

 

Prädisponierende Faktoren für eine Essstörung

Eine spezifische Ursache für die Entstehung von Essstörungen im Leistungssport ist nicht bekannt. Vielmehr wird von der Interaktion mehrerer Risikofaktoren ausgegangen. Hierzu zählt das Ausüben einer zuvor beschriebenen Risikosportart genauso wie ein angestrebtes hohes Leistungsniveau. Weitere Faktoren sind:

– Der Einfluss von wichtigen Bezugspersonen aus dem leistungssportlichen Umfeld

– Druck von außen, das Gewicht zu reduzieren

– Fehlende Unterstützung und Kontrolle beim Abnehmen

– Mangelhafte Qualifikation und niedriges Ausbildungsniveau der Trainer

– Unbedachte negative Äußerungen von Personen aus dem leistungssportlichen Umfeld zur Figur

– Persönlichkeitsfaktoren

– bei Frauen: Beginn des Trainings vor der Menarche

– Kaloriendefizit und/oder Gewichtsverlust durch steigende Trainingsumfänge

Training trotz Verletzung/Übertraining

– Das Körpergewicht als leistungsllimitierender Faktor in der Sportart

 

Strategien zur Körpergewichtskontrolle

– Setzen Sie sich realistische Ziele bezüglich Ihres Gewichts und Ihrer Körperzusammensetzung. Stellen Sie sich z. B. die Fragen: Welches maximale Gewicht wäre akzeptabel? Was war das letzte Gewicht, ohne dass Diät gehalten wurde? Wie wurde das Zielgewicht erreicht? Mit welchem Gewicht bestand die höchste Leistungsfähigkeit?

– Legen Sie gesteigerten Wert auf gesundes Verhalten. Dies umfasst auch ein gutes Stressmanagement und gesunde Ernährungsgewohnheiten. Ausreichende Regeneration und Schlaf zum Vermeiden von Überlastungszuständen können dabei hilfreich und entlastend wirken.

– Führen Sie Buch. Beispielsweise bezüglich Leistungszunahme, Energiebilanz, Verletzungsprophylaxe, Normalisierung des Menstruationszyklus und allgemeinem Wohlbefinden.

– Athletinnen und Athleten benötigen Unterstützung bei dem Vorhaben, Lebensstiländerungen für sich selbst vorzunehmen und nicht für ihren Sport, ihre Trainier, ihr sportliches Umfeld oder um irgendetwas zu beweisen.(1)

 

Fachsprache leicht gemacht

Osteoporose – Knochenschwund: Schwund der Gerüstsubstanz der Knochen, die immer poröser werden. Die Osteoporose ist eine häufige Erkrankung im höheren Lebensalter, wobei der Hormonmangel (bei der Frau Östrogene, beim Mann Testosteron) eine wesentliche Rolle spielt.

Endokrines System – das Hormonsystem betreffend. Hormone sind körpereigene Substanzen, die als Botenstoffe Informationen zwischen den Zellen (oder zwischen den Bestandteilen einer Zelle) übermitteln und die in ihren Zielzellen Stoffwechselfunktionen regulieren

Östradiol – stärkstes körpereigenes Östrogen. Östradiol wird vor allem in den heranreifenden Follikeln des Eierstocks gebildet

 

Quellenangaben

1. Platen, 2008. Essstörungen und Leistungssport. In: Herpertz, de Zwaan & Zipfel (Hrsg.). Handbuch Essstörungen und Adipositas. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.

2. Gynokologische Endokrinologie, 2010, Bd. 8 (4), S. 230–235 3. Nsca´s performance training journal, 2009, Bd. 8 (6), S. 8–9.

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Über den Autor

Dennis Sandig

Dennis Sandig arbeitet als Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Julius-Maximilians Universität in Würzburg.

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