Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen? – L-Carnitin, Chrom, Koffein

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Abnehmwilligen wird oft die Einnahme von Präparaten empfohlen, die die  Fettverbrennung steigern sollen, was die Gewichtsreduktion beschleunigt. Auch die Ausdauerleistungsfähigkeit soll sich mittels solcher Substanzen verbessern. Lässt sich dies wissenschaftlich nachweisen?

Abnehmen für Ihre Gesundheit

Das krankhafte Übergewicht, die sogenannte Adipositas, stellt ein zentrales gesundheitliches Problem in vielen Industrieländern dar. Ob – wie oft behauptet wird – die absolute Anzahl dicker Menschen wirklich zunimmt oder die Zunahme einfach auf veränderten Einteilungen basiert, kann erst einmal vernachlässigt werden. Fakt ist aber, dass es derzeit eine recht große Anzahl stark übergewichtiger Menschen gibt. Die hohe Adipositas- Prävalenz (d. h. die Verteilung fettsüchtiger Menschen) und auch der in den Medien durchgängig präsentierte Schlankheitswahn als Schönheitsideal lassen einen Markt bestehen, der von der Industrie stets mit neuen Pillen und Wirkstoffen bedient wird. Unterstützt durch Werbung wird die Hoffnung geweckt, schnell und einfach abnehmen zu können. Der Kunde kann hierbei kaum zwischen seriösen wissenschaftlichen Studien und unsinnigen, unrealistischen Heilsversprechen mit wissenschaftlichem Anstrich unterscheiden.

 

Der Klassiker: L-Carnitin

Die schon seit sehr langer Zeit wohl am meisten beworbene Substanz zum Beschleunigen des Fettabbaus ist das L-Carnitin. Es wird häufi g direkt als „Fat-Burner“ bezeichnet und zur Körpergewichtsreduktion empfohlen. Die Einnahme kann dabei in Tablettenform oder als Flüssigkeit geschehen. Viele Hersteller reichern auch Lebensmittel mit dieser Substanz an und verkaufen diese dann als so genanntes „Functional Food“. Dazu gehören Riegel oder Getränke und neuerdings sogar Gummibären mit L-Carnitin. In Ihrem Körper kommt diese Substanz hauptsächlich in der roten Skelettmuskulatur vor. Genau aus diesem Grund dient auch Fleisch als gute Carnitinquelle. Im Gegensatz dazu enthalten pfl anzliche Lebensmittel nur geringe Mengen.

 

Was bewirkt Carnitin in Ihrem Organismus?

Carnitin ist eine körpereigene Substanz, die in Leber, Niere und Gehirn gebildet werden kann. Führen Sie Carnitin nicht über die Nahrung zu, ist Ihr Körper in der Lage, es aus den beiden Aminosäuren Methionin und Lysin zu synthetisieren. Diese endogene Carnitinproduktion lässt Carnitin dann auch nicht zu den essentiellen Nährstoffen zählen. (1) Das bedeutet, dass es zur Aufrechterhaltung der Funktion Ihres Organismus nicht von außen zugeführt werden muss. Die Produktionsrate beträgt ca. 15 mg pro Tag während weitere 10–70 mg über die Nahrung aufgenommen werden.

 

Durch eine zusätzliche Einnahme wird nicht mehr Fett verbrannt!

Da Carnitin in der Muskelzelle nicht verbraucht wird, steht es immer bedarfsgerecht als Transportmittel zur Verfügung. Selbst die geringen Mengen, die Ihr Körper über den Harn verliert, werden über die Nahrungsaufnahme und die Biosynthese mehr als kompensiert. Dazu kommt, dass Ihr Organismus größere Mengen speichert. Genau aus diesem Grund gibt es bei einem gesunden Menschen weder einen Mangel an Carnitin noch einen Verbrauch oder Verluste, die ausgeglichen werden müssten. Selbst bei ausdauertrainierten Leistungssportlern ist immer ausreichend Carnitin in der Muskelzelle vorhanden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommenes Carnitin gar nicht in die Muskelzelle gelangt.(2) Wenn die Aufnahme einer Sättigung unterliegt, wird das „Mehr“ an Carnitin zwar im Blutplasma gesammelt und dann über den Urin ausgeschieden, es kommt aber nicht zur Muskelzelle. Wenn die Substanz erst gar nicht an dem Wirkungsort ankommt, stellen sich unwillkürlich die Frage nach der Wirksamkeit des zusätzlich aufgenommenen Carnitins.(2)

 

Nur ein Transportmittel

Selbst wenn Sie durch eine Nahrungsergänzung die Konzentration von Carnitin in der Muskelzelle steigern könnten, wäre dies nicht gleichbedeutend mit einer gesteigerten Fettverbrennung. Die Verfügbarkeit des Transportmoleküls ist eben nicht der limitierende Faktor in der Fettoxidation. Dieser wird vielmehr über die Enzymaktivität der beteiligten Abbauwege bestimmt. Diese so genannte Lipolyserate ist ein Prozess, der unabhängig von der Carnitinkonzentration abläuft. Entscheidend ist, wie viele freie Fettsäuren bei der Muskelarbeit mobilisiert werden können und wie viele Mitochondrien mit den entsprechenden Enzymen in der Muskelzelle existieren. Diese Wirkung kann aber nur allein durch ein Ausdauertraining beeinflusst werden und nicht über die Supplementierung eines Transportvehikels.

 

Ist Chrom eine Alternative?

Im amerikanischen Raum spielen auf dem Markt „schlankmachender“ Supplemente zunehmend Präparate auf Basis von Chrom eine Rolle, die auch in Europa auf dem Vormarsch sind. Chrom ist ein essenzielles Spurenelement und muss über die Nahrung aufgenommen werden. Es ist in Fleisch, Eiern, Bierhefe, Innereien und Vollkornprodukten enthalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt an, dass 30–100 μg/Tag eine angemessene Menge sind. Bei einer durchschnittlichen Zufuhr von 30–139 μg/Tag, wie sie für Deutschland erhoben wurde, dürfte die Versorgung gesichert sein.

 

Die Wirksamkeit von Chrom

Chrom potenziert die Wirkung von Insulin in der Zelle.(1) Alle insulinabhängigen Stoffwechselwege, wie der Kohlenhydrat- und der Fettstoffwechsel, sind auf das Vorhandensein von Chrom angewiesen. Bei schlechter Versorgungslage von Chrom kann die Gabe dieses Elements den Insulinspiegel senken und auch Auswirkungen auf die Proteinsynthese und die Lipogenese haben. In Tierversuchen zeigte sich, dass Chrom in der Lage ist den Körperfettgehalt zu reduzieren und die fettfreie Muskelmasse zu erhöhen. Diese Untersuchungen bilden die Basis für das Übertragen der Wirkungsannahmen auf den Menschen.(1) Die aktuelle Studienlage spiegelt allerdings widersprüchliche Ergebnisse bei der humanen Anwendung wieder. Obwohl es Hinweise gibt, dass Chrom die Körperzusammensetzung positiv beeinflussen kann, zeigen mehrere Studien keinerlei derartige Effekte.(1)

 

Schlank mit Koffein?

Das in Kaffee, Kakao und Tee vorkommende Koffein gehört zu den ältesten Genussmitteln der Welt. Es wird in Nahrungsergänzungsmitteln und in Functional Food, aber auch in In-Getränken eingesetzt und gilt seit jeher als Stimulans. Die Spaltung der Koffeinkomplexe erfolgt unter Einwirkung der Magensäure. Koffein wird rasch und vollständig vom Körper aufgenommen. Der Koffeingehalt einer Tasse Kaffee mit rund 150 ml liegt bei 60–150 mg. Eine Tasse Schwarztee enthält 25–100 mg. Colagetränke weisen zwischen 10 und 25 mg/150 ml auf. Es erhöht die Aufmerksamkeit und vermindert Ermüdungserscheinungen. Neben dieser zentral stimulierenden Wirkung erhöht Koffein außerdem den Plasma-Adrenalinspiegel und steigert die Lipolyse. Auch die Leistungsbereitschaft bei körperlichem Training wird erhöht. Das wird vor allem auf die Einsparung von Muskelglykogen durch eine gesteigerte Lipolyse zurückgeführt. Allerdings weisen aktuelle Studien darauf hin, dass Koffein den Muskelglykogenverbrauch nicht beeinfl usst. In weiteren Studien zeigte sich, dass die Koffeingabe zu einer gesteigerten Thermogenese führt. Das bedeutet, dass die Körpertemperatur leicht ansteigt und in Folge dessen der Energieverbrauch bis zu 24 Stunden nach der Einnahme erhöht war. Dabei stiegen der Sauerstoffverbrauch, die Fettoxidation und die Serumspiegel an freien Fettsäuren an. Interessanterweise waren diese Effekte bei schlanken Menschen ausgeprägter als bei übergewichtigen.(3)

 

Nahrungsergänzung

Wissenschaftliche Evidenz

Tatsächliche oder mögliche Fettverbrennungseigenschaften

L-Carnitin

L-Carnitin transportiert die Fettsäuren. Eine zusätzliche Gabe führt aber nicht zu einer gesteigerten Fettverbrennung.

Chrom

Es gibt keinen Beleg für die Wirkung von Chrom auf den Fettstoffwechsel.

Koffein+ + +

Koffein stimuliert die Lipolyse und die Mobilisierung von Fettsäuren. Die Wirkung beschränkt sich vermutlich aber auf trainierte Sportler, die weiterhin aktiv sind.

Tab. 1: Die wissenschaftliche Evidenz der Nahrungsergänzungsmittel als Abnehmhilfe

 

Viele Fragen bleiben offen

Die Datenlage zur möglichen Gewichtsreduktion durch Koffein ist nicht eindeutig. Dass sich durch Koffeingabe der Energieverbrauch steigern lässt, wurde in einer Studie mit 11 Personen nachgewiesen, die alle 2–6 Stunden 100 mg Koffein einnahmen. Der tägliche Energieverbrauch erhöhte sich um 150 kcal. Allerdings wurden in weiteren Studien, die sich mit der möglichen Wirkung von Koffein auf die Gewichtsreduktion auseinandersetzten, meist kombinierte Wirkstoffe wie Chrom oder Ephedrin eingesetzt. Lediglich in einer einzigen Doppelblindstudie wurde die Wirkung von Koffein in einer Dosierung von 200 mg über einen Zeitraum von 24 Wochen untersucht. Dabei konnte kein Vorteil bei der Einnahme von Koffein festgestellt werden. In Kombination mit Ephedrin konnte eine stärkere Reduktion des Körperfettanteils im Vergleich zur Placebogruppe festgestellt werden.(4) Jedoch traten in den Kombinationsstudien mit Ephedrin teilweise unerwünschte Nebenwirkungen auf und Rückschlüsse auf die Rolle des Koffeins waren nur begrenzt möglich.

 

Sport und Bewegung bleiben Ihre Grundlage

Es zeigt sich, dass die vielen Annahmen zur Wirksamkeit von Substanzen zur Gewichtsreduzierung eher in das Reich der Fabeln gehören zu scheinen. Keine der Substanzen hält einer wissenschaftlichen Prüfung wirklich stand. So bleibt Ihnen nur eine grundlegende Möglichkeit: Erhöhen Sie Ihren Energieverbrauch durch Training und Bewegung und vermeiden Sie die unerwünschte Zunahme, denn das Abbauen überschüssiger Pfunde ist schwerer als sie erst gar nicht entstehen zu lassen!

 

Dennis Sandig

 

Quellenangaben 

1. Ernährung und Medizin, 2004, Bd. 19, S. 121–128

2. Ernährungsumschau, 1994, Bd. 41, S. 60–67

3. Obesity Reviews, 2001, Bd. 2, S. 199–211

4. International Journal of Obesity and Related Metabolic Disorders, 2001, Bd. 25, S. 316–324

 

Fachsprache

Biosynthese – beschreibt den Aufbau von biotischen Stoffen durch Stoffwechselprozesse bei Lebewesen

Thermogenese – Bildung von Wärme durch Stoffwechselaktivität, dadurch erhöht sich der Energiebedarf

 

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Über den Autor

Dennis Sandig

Dennis Sandig arbeitet als Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Julius-Maximilians Universität in Würzburg.

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