Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

0

Viele Lebensmittel verderben schnell oder haben aufgrund der industriellen Behandlung nur noch einen faden Geschmack. An dieser Stelle kommen Zusatzstoffe ins Spiel, die Lebensmittel länger frisch halten oder ansehnlicher aussehen lassen können.

Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag Viele Lebensmittel verderben schnell oder haben aufgrund der industriellen Behandlung nur noch einen faden Geschmack. An dieser Stelle kommen Zusatzstoffe ins Spiel, die Lebensmittel länger frisch halten oder ansehnlicher aussehen lassen können. Chemische Zusätze sind allerdings noch in vielen weiteren Lebensbereichen vertreten und damit fester Bestandteil des Alltags – als Tablette für den schnellen Vitaminschub, als Ergänzung für die Sportlerernährung oder sogar als Filterstoff im Trinkwasser sind sie allgegenwärtig und machen das Leben in vielerlei Hinsicht einfacher. Gleichermaßen wächst seit geraumer Zeit aber auch die Kritik an den Zusätzen, denn sie bieten dem Verbraucher meist nur eine sehr ungenügende Transparenz der Inhaltsstoffe und stehen zudem in dem Verdacht, Krankheiten auszulösen und den Körper negativ zu beeinflussen.

1. Historische Entwicklung von Zusatzstoffen 

Zusatzstoffe sind keineswegs eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, ihre Geschichte fängt schon sehr viel früher an. Schon vor vielen Jahrhunderten, als die ersten Menschen sesshaft wurden, begannen diese ihr Essen zu lagern und versuchten es haltbarer zu machen. Erste Erfolge gelangen durch das Pökeln, Trocknen, Räuchern oder Einlegen in Wein und Essig, der Durchbruch in der Entwicklung von Zusatzstoffen ging allerdings mit der Verstädterung und Industrialisierung einher. Die Transportwege wurden immer besser und die Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln stieg weiter an, auch die technischen Möglichkeiten sorgten für einen Entwicklungsschub.

a. Vielfältiger Nutzen (konservieren, färben, verdicken, …) 

Heutzutage sind knapp drei Viertel der genutzten Lebensmittel industriell verarbeitet, in ihnen sind meist Zusatzstoffe enthalten. Einerseits werden sie hinzugemengt, um den Geschmack zu verbessern, andererseits können sie aber auch das Aussehen eines Produktes verändern. Sie verlängern die Haltbarkeit, erleichtern die technologische Verarbeitbarkeit oder fügen einem Produkt weitere positive Eigenschaften hinzu. In der EU sind mittlerweile etwa 320 Zusatzstoffe zugelassen und finden demnach vielfach Verwendung. In vielen Fällen ist die Nutzung von Zusatzstoffen unabdingbar, denn sie garantieren beispielsweise, dass jahreszeitliche oder klimabedingte Schwankungen in der Rohstoffqualität ausgeglichen werden können. Zudem schützen sie als Konservierungs- und Antioxidationsmittel vor Bakterienwachstum und Oxidation oder tragen als Farb-, Süß- und Verdickungsmittel zur Verbesserung von Geruch, Geschmack und Aussehen bei. Zum Teil werden einige moderne Lebensmittel überhaupt erst durch den Einsatz von Zusatzstoffen möglich gemacht. Rechtmäßig zugelassene Zusatzstoffe werden nur dann auf den Markt gebracht, wenn sie zum Schutz des Verbrauchers folgende Bedingungen erfüllen:

– Gesundheitlich unbedenklich 

– Technologisch notwendig 

– Dürfen den Verbraucher nicht täuschen Bis ein Zusatzstoff für markttauglich befunden wird, kann es aber durchaus 10 bis 12 Jahre dauern 

– zuständig dafür ist die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die eine Bewertung abgibt. 

b. Verunsicherte Verbraucher 

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

Die Deutsche Gesellschaft für Qualität hat im vergangenen Dezember 2014 abermals das große Food-Barometer vorgestellt, eine Befragung, bei der die Lebensmittelindustrie genauer betrachtet wird. Heraus kam dabei, dass jeder dritte Befragte nicht weiß, wie Lebensmittel geprüft werden und jeder Vierte nicht einmal wusste, dass es entsprechende Nahrungsmittelkontrollen in Deutschland überhaupt gibt. Lediglich 54% der Befragten halten die im Supermarkt befindlichen Lebensmittel für weitestgehend sicher, viele sorgen sich hingegen um die enthaltenen künstlichen Zusätze – darunter etwa Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder weitere chemische Stoffe. Rund die Hälfte der Befragten hält Lebensmittel aufgrund jener Zusätze für unsicher. Hinzu kommt außerdem die Problematik, dass Verbraucher sich selbst dann kein konkretes Urteil über die Zusatzstoffe erlauben können, wenn sie sich informiert oder die Produktbeschreibung sehr genau gelesen haben. Etwa 44 Prozent der Befragten gaben daher an, dass sie selbst danach nicht genau sagen können, welche Inhaltsstoffe ein Nahrungsmittel enthält.

i. Lebensmittelskandale 

Sei es das Pferdefleisch in der Lasagne, das Gammelfleisch im Döner oder giftige Substanzen wie Dioxin in Eiern, Lebensmittelskandale waren in den letzten Jahren immer wieder stark präsent und wurden von nahezu jedem Verbraucher wahrgenommen. Dass dies zur Verunsicherung beiträgt, verwundert nicht weiter und spiegelt sich auch in den Aussagen der Bevölkerung wieder. Demnach haben rund 54 Prozent der Befragten den Eindruck, die Lebensmittelskandale haben zugenommen.

ii. Lebensmittelkontrollen 

Gänzlich anders sieht es hingegen bei den Lebensmittelkontrollen aus. Ihnen wird deutlich weniger Aufmerksamkeit zuteil, sodass jeder Vierte sich gar nicht sicher ist, ob Lebensmittel in Deutschland überhaupt kontrolliert werden. Ähnlich sieht es hinsichtlich der Kontrolle an sich aus – nur 28 Prozent der Befragten haben eine Vorstellung davon, welche Kontrollprozesse stattfinden. Die Forderung nach strengeren Kontrollen ist allerdings enorm, nicht ganz drei Viertel der Befragten sprechen sich dafür aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Qualität hat basierend auf den Ergebnissen der Umfrage einige Handlungsempfehlungen herausgegeben, die von Unternehmen und Politik zukünftig berücksichtigt werden sollten: 

– Aufklärung über die Herstellung, Verarbeitung und Kontrolle von Lebensmitteln 

– Vermittlung von Informationen zu den Hintergründen von Lebensmittelrückrufen 

– Stärkere Transparenz bei der Kennzeichnung von Lebensmitteln, sodass alle Verbraucher diese nachvollziehen können. 

Quelle: http://www.dgq.de/aktuelles/news/die-grosse-verunsicherung/

2. Zunehmende Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln 

Sie zählen zwar nicht zu den Lebensmittelzusatzstoffen, doch auch Nahrungsergänzungsmittel gelten als klassische Zusätze in der Nahrung. Laut eines Beitrags des Bundesinstituts für Risikobewertung ist mittlerweile eine kaum noch überschaubare Anzahl an Nahrungsergänzungsmitteln auf dem Markt.

a. Nahrungsergänzung 

in vielen Fällen unnötig Sie vermitteln dem Verbraucher zu Unrecht das Gefühl, dass er ansonsten zu wenige essentielle Nährstoffe aufnehmen würde. Andererseits gibt es durchaus einige Situationen, in denen der Bedarf bestimmter Nährstoffe erhöht ist und die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln Sinn macht. Darunter fallen beispielsweise die Schwangerschaft und die Stillzeit, aber auch ältere Menschen benötigen unter Umständen einen erhöhten Bedarf. Ähnlich sieht es auch bei chronisch Kranken aus – in diesen Fällen kann eine Ergänzung der Nahrung nötig oder zumindest sinnvoll sein. Fernab dieser Ausnahmen ist es aber dennoch so, dass eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung alle notwendigen Stoffe für einen gesunden Körper bereithält. Wer sich also bewusst ernährt und dabei auch auf Obst und Gemüse zurückgreift, für den sind Nahrungsergänzungsmittel in den meisten Fällen tatsächlich überflüssig.

b. Sinnvoll im Sportbereich 

Im Sportbereich gilt die Devise „höher, schneller, weiter.“ Wer vorne mit dabei sein möchte, der muss manchmal jedoch mehr geben als er eigentlich kann – und in einem solchen Fall greifen Nahrungsergänzungsmittel. Eine schnellere Regeneration, ein besserer Muskelaufbau, höhere Fettverbrennung oder spätere Ermüdung – das sind die Ziele, die durch den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln im Sport erreicht werden sollen. Tatsächlich ist eine positive Wirkung bei einigen der Präparate auch medizinisch belegbar, andere hingegen könnten ihre Erfolge nicht wissenschaftlich nachweisen. Zudem ist es so, dass einige Sportler aufgrund ihres erhöhten Energieumsatzes auch einen erhöhten Bedarf an bestimmten Vitaminen haben, das gilt insbesondere für Thiamin, Riboflavin und Niacin.

Noch extremer ist der Bedarf an Mineralstoffen, den einige Sportler entwickeln. Körperliche Aktivität führt zu Schweißproduktion und über diese gehen wiederum erhebliche Mengen an Mineralstoffen verloren, aber auch über den Urin gehen unter anderem Eisen, Zink und Chrom verloren. Um Krämpfen vorzubeugen, hat sich die Nutzung von Magnesium etabliert. Eine Leistungssteigerung ist aber nur dann zu erwarten, wenn im Vorfeld bereits ein Mangel vorhanden war und dieser durch die zusätzliche Zufuhr beseitigt wird. Oftmals genügen aber bereits geringe Dosierungen, größere Mengen haben also keinen stärkeren Effekt und können gegebenenfalls zu gesundheitlichen Schäden führen.

i. Hochkonzentrierte Nährstoffe zur Leistungssteigerung 

Nahrungsergänzungsmittel bieten den Vorteil, dass sie die Nährstoffe, die auch in der natürlichen Nahrung vorkommen, in eine konzentrierte Form bringen. Gerade diejenigen, die Masse zulegen möchten, also etwa Bodybuilder, müssten übermäßig viel Nahrung aufnehmen, um nennenswerte Mengen an Nährstoffen zu erhalten. Dies ist jedoch nicht im Sinne des Bodybuildings, denn neben den Nährstoffen würden so auch unerwünschte Stoffe und Energie aufgenommen werden. In diesem Fall macht es also Sinn, die Nährstoffe in konzentrierter Form zu sich zu nehmen.

ii. Spezieller Fall: Bodybuilding 

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

Im Bereich des Bodybuildings wird meist eher von Supplements gesprochen, darunter sind letztendlich aber ebenfalls Nahrungsergänzungsmittel zu verstehen. Sie sind keineswegs eine Art Wundermittel und nicht jedes Produkt ist gleichermaßen sinnvoll, allerdings können sie entscheidende Erfolge im Training bewirken. Nichts desto trotz sollten sich Sportler zwar in erster Linie auf ein richtiges und hartes Training fokussieren und ihre Ernährung ausgewogen, vollwertig, gesund und ihren Zielen entsprechend gestalten, Supplements bilden aber den krönenden Abschluss. Zu den sinnvollsten Supplements gehören Proteinkonzentrate, denn der Körper baut durch Protein neues Muskelgewebe auf. Unterschieden wird zwischen verschiedenen Proteinarten: Casein, Ei-Protein, Sojaeiweiß und Lactalbumin (auch Whey genannt). Während immer wieder Diskussionen über die „richtige“ Proteinart entflammen, so ist im Endeffekt vor allem entscheidend, dass die Proteinbilanz am Ende des Tages positiv ausfällt. Weiterhin sind außerdem Aminosäuren, Kreatin sowie Vitamine und Mineralstoffe wichtig. Allein bei diesem kurzen Einblick in den Sport- und Profisportbereich zeigt sich bereits, dass die Thematik rund um die Zusatzstoffe und Supplements sehr komplex und umfassend ist. Vor allem Erfahrung, langjähriges Wissen und bestenfalls auch ein fachkundiger Trainer oder Mentor sind es, die hier über den Erfolg entscheiden. Einen sehr informativen Supplement-Ratgeber sowie umfangreiche Produktanalysen und Richtlinien können hier gefunden werden und helfen bei der Orientierung im Nahrungsergänzungsmittel-Dschungel.

– Steroide 

Eine Besonderheit stellen außerdem die sogenannten Steroide oder auch Anabolika dar. Darunter fallen Substanzen, die auf der Dopingliste der WADA stehen und deren Einnahme für Sportler in und außerhalb von Wettkämpfen verboten ist. Gemeint sind dabei anabol-androgene Steroide, die sich vom männlichen Sexualhormon Testosteron ableiten. Die aufbauende (anabole) Wirkung von Steroiden zeigt sich dadurch, dass ein schneller Muskelaufbau erfolgt, die Skelettmuskelmasse zunimmt und eine prozentuale Verringerung des Körperfettanteils zu sehen ist. Die Einnahme von Steroiden hält zahlreiche Nebeneffekte bereit, weshalb die Substanzen berechtigterweise einen schlechten Ruf haben. Unter anderem können sich Akne und Leberschäden einstellen, ebenso ist eine Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems möglich. Während Männer in Einzelfällen unter einer Gynäkomastie (Brustdrüsenschwellung) leiden, so kommt es bei Frauen hingegen zu einer Vermännlichung.

3. Zusatzstoffe und ihre Folgen 

Studien und Forschungsergebnisse geben immer wieder Anlass zur Beunruhigung und sorgen bei Verbrauchern für Verunsicherung. Von klassischen Zusatzstoffen einmal abgesehen, sind es aber auch die Nahrungsergänzungsmittel, die unter Umständen Grund zur Besorgnis geben. Gerade die zu intensive Einnahme ist es, die unerwünschte Nebenwirkungen zur Folge haben kann, aber auch Unverträglichkeiten oder das Zusammenspiel verschiedener nicht kompatibler Stoffe kann problematisch sein. In jüngster Vergangenheit gab es immer wieder bekannte Fälle, in denen Zusatzstoffe sehr medienpräsent aufgrund neuer Forschungserkenntnisse waren – meist in negativer Hinsicht.

a. Gesundheitliche Bewertung von Zusatzstoffen durch das BfR 

Die Bewertung zugelassener Zusatzstoffe erfolgte zum Teil schon vor längerer Zeit, aus diesem Grund wurde in der EU ein Programm zur Neubewertung selbiger auferlegt. Da es sich um eine stattliche Anzahl von immerhin über 300 Stoffen handelt, lassen sich diese jedoch nicht allesamt gleichzeitig prüfen und bewerten. Mithilfe der Verordnung Nr. 257/2010 wurden daher spezielle Prioritäten festgelegt:

– Lebensmittelfarbstoffe müssen demnach bis Ende 2015 geprüft werden; 

– Süßstoffe bis Ende 2020, – alle weiteren Zusatzstoffe bis Ende 2018, 

– einige bestimmte Zusatzstoffe, denen eine höhere Priorität eingeräumt wird, haben zudem kürzere Fristen erhalten.

Die Kriterien der Bewertung beziehen sich auf die jeweils akzeptable Aufnahmemenge, auch als „Acceptable Daily Intake“ oder kurz ADI bezeichnet. Für die Risikobewertung sind Informationen über die Aufnahme, Verteilung im Körper, Verstoffwechselung und Ausscheidung des jeweiligen Zusatzstoffes notwendig. Weiterhin werden subchronische sowie chronische Toxizität, Genotoxizität, Kanzerogenität, Reproduktions- und Entwicklungstoxizität überprüft.

Quelle: http://www.bfr.bund.de/de/gesundheitliche_bewertung_von_zusatzstoffen-2275.html

b. Zusammenhang zwischen Hyperaktivität und Zusatzstoffen? 

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

Der mögliche Zusammenhang zwischen der Aufnahme von bestimmten Zusatzstoffen (darunter Farbstoffe und Konservierungsstoffe) und dem Auftreten des Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivität-Syndroms wurde 2007 eingehend von der Universität Southampton untersucht. Die Ergebnisse der Studien wurden wiederum durch das BfR bewertet, welches schließlich im September 2007 eine Stellungnahme herausbrachte. Demnach lieferten die Ergebnisse der Studie in der Tat Hinweise darauf, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen den Lebensmittelzusatzstoffen und einer erhöhten Hyperaktivität bei Kindern besteht. Ein eindeutiger Beweis konnte allerdings nicht angebracht werden, denn die beobachteten Effekte waren insgesamt nur gering und traten auch nicht bei allen getesteten Kindern auf. Zusatzstoffe bleiben in diesem Punkt zwar nach wie vor umstritten, einen echten und vor allem handfesten Beleg für ihren schlechten Einfluss gibt es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht.

Quelle: http://www.bfr.bund.de/cm/343/hyperaktivitaet_und_zusatzstoffe_gibt_es_einen_zusammenhang.pdf 

c. Süßstoffe als Schädlinge der Darmflora 

Auch die beliebten Zuckerersatzstoffe stehen im Verdacht, ungesund zu sein. Stoffen wie Aspartam wird beispielsweise nachgesagt, sie seien krebserregend – bestätigt werden diese Befunde immer wieder durch die Wissenschaft, auf der anderen Seite sind es jedoch die Hersteller, die nach wie vor versichern, dass ihre Produkte bereits seit nunmehr über 25 Jahren unbedenklich seien. Kein Wunder, denn immerhin geht es bei den Ersatzmitteln für Zucker um sehr viel Geld. Ein weiterer Fall, der bisher noch nicht ganz so ausführlich behandelt worden ist, ist die Tatsache, dass synthetische Zuckerersatzstoffe wie Saccharin die Darmflora verändern. Während gerade Diabetikern bisher stets geraten wurde, Zucker zu vermeiden und stattdessen auf Zuckerersatzstoffe zurückzugreifen, so sollen auch diese laut israelischer Forscher nicht ganz unbedenklich sein. Im Gegenteil, Testergebnisse belegen, dass sie den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen – allerdings wirken sie nicht direkt, sondern nehmen einen Umweg über die Darmflora. Dort sorgt die tägliche Einnahme von Substanzen wie Saccharin, Sucralose und Aspartam dafür, dass das Artenspektrum der Darmkeime schon nach kurzer Zeit verändert wird und deren biochemische Aktivitäten gestört werden. Die Folge: Das Diabetesrisiko erhöht sich. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse fordern die Verantwortlichen, die gesundheitlichen Risiken dieser Zusatzstoffe in Getränken und anderen Lebensmitteln nochmals neu zu beurteilen.

Quelle: http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Suessstoff_laesst_Blutzuckerspiegel_steigen1771015589650.html

d. Zusatzstoffe im Trinkwasser 

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

Trinkwasser gilt als das am besten kontrollierte Lebensmittel. In Wasserwerken wird es regelmäßig auf seine Bestandteile untersucht, sodass mögliche Schadstoffe herausgefiltert werden können und gesetzliche Richtwerte nicht überschritten werden. Zu diesem Zweck greift die Trinkwasserverordnung, die die Überprüfung von 45 Schadstoffen vorschreibt – im Wasser wurden mittlerweile jedoch schon mehr als 800 belastende Stoffe gefunden. Demnach bleiben also viele unerwünschte und teils auch krank machende Fremdstoffe im Wasser. Auch hier handelt es sich im Grunde um Arten von Zusatzstoffen, jedoch mit dem Unterschied, dass sie dem Wasser nicht bewusst zugegeben werden, sondern vielmehr ein Produkt der Umwelt und äußeren Einflüsse sind. Zu nennen sind hierbei insbesondere Medikamentenrückstände und Hormone.

i. Zusatzstoffe für die Aufbereitung 

Eine andere Form an Zusatzstoffen im Wasser soll an dieser Stelle jedoch auch genannt werden: und zwar jene für die Trinkwasseraufbereitung. Sie sind gesetzlich zugelassen und sorgen dafür, dass beispielsweise Trübstoffe aus dem Wasser entfernt werden, es enteist, entsäuert oder teilaufgehärtet wird. Zum Einsatz kommen vielerorts Aluminiumsalze, die nach dem Reinigungsprozess wieder entfernt werden, wenngleich ein unvermeidbarer Restgehalt im Wasser bleibt. Dieser liegt jedoch deutlich unter dem Grenzwert der Trinkwasserverordnung und wird durch das Gesundheitsamt kontrolliert. Weiterhin sind Zusatzstoffe wie Chlor zur Desinfektion, Silber zur Konservierung, Sauerstoff zur Anreicherung oder Natriumsilikate zur Hemmung von Korrosion im Einsatz. Eine komplette Liste aller nutzbaren Stoffe ist unter umwelt-online.de einzusehen.

Quellen: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20001483

ii. Arzneimittelrückstände 

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

Ein weitaus brisanteres Thema sind hingegen Arzneimittelrückstände im Trinkwasser. Sowohl Präparate aus der Human- als auch Tiermedizin gelangen kontinuierlich in die Umwelt und insbesondere in die Gewässer. Biologisch betrachtet sind sie hochaktive Stoffe, die sich schädlich auf jedes Lebewesen auswirken können. Da Arzneimittelstoffe oft schlecht abbaubar und mobil sind, werden sie vom Körper häufig unverändert wieder ausgeschieden, sodass jährlich viele Tonnen Arzneimittelwirkstoffe mit dem Abwasser durch Kläranlagen in die Umwelt gelangen. Tierarzneimittel werden hingegen überwiegend in Form von Mist oder Gülle in die Umwelt getragen und verseuchen so Böden und Gewässer. Um der Belastung Herr zu werden, herrscht akuter Handlungsbedarf, doch die effektive Regulierung stellt eine große Herausforderung dar. Konventionelle Reinigungstechniken reichen nicht aus, um die Mehrzahl der Stoffe effektiv zu entfernen. Die Lösungsansätze müssen daher direkt am Beginn des Lebenswegs eines Arzneimittels ansetzen, Umweltaspekte sollten zudem bereits bei der Entwicklung eines Wirkstoffs berücksichtigt werden. Gleichermaßen muss ein verantwortungsvoller Umgang mit Medikamenten erfolgen.

Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/arzneimittel/arzneimittel-umwelt

iii. Hormone und ihre Folgen 

Das Ausbringen von Mist, Gülle und Jauche aus der Tierhaltung stellt eine bedeutende Quelle für die Belastung des Grund- und Oberflächenwassers mit Hormonen dar. Die Folgen sind teils dramatisch: in einigen Flüssen sterben ganze Fischarten aus. Da die Stoffe sich auch im Trinkwasser und in der Nahrung wiederfinden, sind die Risiken für die menschliche Gesundheit ebenfalls absehbar. In der Bevölkerung gibt es bereits ernsthafte und umfangreiche gesundheitliche Auffälligkeiten, die mit den hormonell wirkenden Fremdstoffen einhergehen. So sorgen östrogenartig wirkende Hormone für einen früheren Eintritt der weiblichen Geschlechtsreife, während sie gleichzeitig die männliche Fruchtbarkeit verringern. Hinweise gibt es ebenfalls auf verzögerte oder verringerte Entwicklungen des Nervensystems und Veränderungen der Stoffwechselregulation. Zudem hat das Risiko für hormonabhängige Krebsformen zugenommen. Auch hier herrscht akuter Handlungsbedarf, jedoch sind die Lösungsansätze ähnlich schwer umsetzbar wie bei den Medikamenten.

4. Zusatzstoffe vermeiden 

Wirklich vermeiden lassen sich hauptsächlich die Lebensmittelzusatzstoffe, also etwa Konservierungs-, Farb- oder Süßstoffe. Nahrungsergänzungsmittel können zudem ganz nach Belieben komplett umgangen werden. Mittlerweile ist die Auswahl an Herstellern groß, die ganz bewusst auf Zusätze verzichten, um den Konsumenten ein besonders natürliches und schadstofffreies Geschmackserlebnis zu bieten.

a. Zutatenliste studieren 

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

In erster Linie bietet es sich für Verbraucher an, stets die Zutatenliste eines Produktes kritisch zu studieren. Auch bei bewährten Lebensmitteln sollten die Inhaltsstoffe in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Gerade Fertigprodukte und stark verarbeitete Produkte bleiben besser direkt im Regal stehen, geeigneter sind die natürlichen Alternativen. Werbeslogans sollten ebenfalls hinterfragt werden, denn gerade typische Werbebegriffe wie „Sportlergetränk“ oder „Fitnessbrot“ sind oft mit einer unüberschaubaren Anzahl an Zusatzstoffen versetzt.

b. Differenzieren können – die E-Nummern 

Es schadet nicht, sich im Vorfeld bereits über die sogenannten E-Nummern zu informieren, denn ansonsten kann der Blick auf die Inhaltsstoffe eines Produktes schnell überfordern. Das „E“ steht für EU und die Nummer jeweils für einen anderen Zusatzstoff, der von der EFSA genehmigt wurde.

i. Gängige Zusatzstoffe

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

ii. Von diesen Zusatzstoffen raten Verbraucherzentralen, Ökotest und Stiftung Warentest ab 

Nur weil ein Zusatzstoff zugelassen wird, muss dies nicht heißen, dass dieser Zustand ewig anhält. Besteht der Verdacht, dass ein Stoff schädlich ist, so wird er wieder vom Markt genommen. Das ist bereits bei Konservierungsstoffen wie E 216 und E 217 der Fall gewesen und auch die Lebensmittelfarbe E 128 wurde wieder entfernt. Weitere potenziell gefährliche Kandidaten: – Schwefeldioxid (E 220) – kann bei Asthmatikern zu Anfällen führen und Allergien auslösen. – Thiabendazol (E 233) – Hautausschlag, Übelkeit und Erbrechen können die Folge sein, es befindet sich auf der Schale von Früchten und dient als Pestizid. – Zitronensäure (E 330) – Zitronensäure ist eigentlich ein natürlicher Zusatzstoff, der auch im menschlichen Organismus vorkommt. Kombiniert mit übermäßig viel Zucker (zum Beispiel bei Cola) begünstigt er aber die Kariesbildung. – Eine komplette Liste an bedenklichen Zusatzstoffe ist unter folgendem Link einzusehen.

c. Frische Zubereitung 

Nahrungsergänzung Ein Leben ohne Zusatzstoffe? Verbreitung, Folgen und Risiken im Alltag

Um Zusatzstoffe zu vermeiden, sollten Verbraucher im Idealfall stets frisch kochen. Empfehlenswert sind ungefärbte Lebensmittel oder solche, die mit natürlichen Farbstoffen behandelt wurden. Lebensmittel, auf denen klar „ohne Farbstoffe“, „ohne Konservierungsstoffe“ oder „ohne künstliches Aroma“ steht, sind zu bevorzugen. Auch bei unverpackter Ware sollte außerdem besser nach den Inhaltsstoffen gefragt werden, etwa bei Brot, Käse oder Wurst. 

5. Fazit 

Zusätze finden sich in fast jedem Bereich des Lebens wieder, wobei die meisten von ihnen durchaus ihre Berechtigung haben und das Leben vieler Menschen sehr viel einfacher und angenehmer gestalten. Dennoch dürfen die Nebenwirkungen der Zusatzstoffe nicht unterschätzt werden und sollten laut aktueller Forschungen teils erneut geprüft werden. Immerhin haben Konsumenten jedoch die Möglichkeit, sich bewusst von fragwürdigen Zusatzstoffen zu distanzieren, wenngleich dies auch mit Aufwand verbunden ist. Schwieriger gestaltet sich dies jedoch bei den ungewollten Verunreinigungen, die vor allem im Trinkwasser und Boden vorherrschen. Die langfristigen Folgen der enthaltenen Medikamentenrückstände und Hormone sind derzeit zwar noch nicht absehbar, doch bereits jetzt zeigen sich erste Folgen bei Mensch, Tier und Umwelt. Wenngleich die Problematik bekannt ist, so ist die Suche nach einer geeigneten Lösung derzeit jedoch noch im vollen Gange und bisher erfolglos.

Abbildung 1: Genmanipulation © fotoknips – Fotolia.com Abbildung 2: Body Building In Progress© lukafunduck – Fotolia.com Abbildung 3: Sweetener © Monika Wisniewska – Fotolia.com Abbildung 4: Versorgung mit Trinkwasser © Eisenhans – Fotolia.com Abbildung 5: Heap of assorted pill packages © gemini62 – Fotolia.com Abbildung 6: Nährwertangabe © Corinna Gissemann – Fotolia.com Abbildung 7: Cutting a vegetables for salad© Photographee.eu – Fotolia.com

Teilen

Über den Autor

Leave A Reply