Mundspülung mit Kohlenhydraten

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Jeder Sportler weiß, wie wichtig Kohlenhydrate für die sportliche Leistung sind. Kohlenhydrate sind der bevorzugte Treibstoff bei hochintensiver Belastung der Muskeln. Neuen Studien zufolge sind die Leistungsvorteile, die kohlenhydrathaltige Sportgetränke bringen, nicht die einzige Wirkweise.

Es wird vermutet, dass allein schon die Präsenz von Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Kohlenhydraten im Mund dafür sorgt, dass bestimmte Gehirnregionen aktiviert werden, die die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen können. Direkte Nachweise für einen derartigen Wirkmechanismus gab es bislang jedoch kaum.

 

Der Aufbau

Britische Wissenschaftler der University of Birmingham haben jetzt eine interessante Untersuchungsreihe abgeschlossen, die neue Aufschlüsse zu diesem Thema liefert. In dieser Studie sollte 1. festgestellt werden, welche Wirkung die Spülung des Mundes mit Lösungen, die Glukose, Maltodextrin (2 Arten von Kohlenhydraten) und einen Süßstoff enthalten, auf die sportliche Leistung hat. 2. sollte mithilfe der funktionalen Magnetresonanztomografie (fMRI) bestimmt werden, welche Gehirnregionen durch diese Stoffe aktiviert werden.

 

Die Ergebnisse

In der 1. Studie absolvierten 8 ausdauertrainierte Sportler aus dem Bereich Radfahren (mit einem durchschnittlichen VO2max von 60,8 mls/kg/Min) ein Zeitfahren auf dem Ergometer. Sie waren deutlich schneller (60,4 Minuten gegenüber 61,6 Minuten), wenn sie den Mund mit einer 6,4 %-igen Glucoselösung gespült (diese aber nicht getrunken) hatten, als nach der Einnahme eines Placebos mit einem Saccharin-Süßstoff, das keine Kohlenhydrate enthielt.

In der 2. Studie untersuchten die Wissenschaftler mithilfe der fMRI die Gehirnaktivität während des Mundspülens. Sie stellten dabei fest, dass durch die Anwesenheit des Glukosegetränks im Mund Bereiche im Gehirn aktiviert wurden, die mit dem Belohnungsvorgang in Verbindung gebracht werden, wie z. B. der anteriore cinguläre Cortex und das Striatum, und dass diese Areale nicht auf Saccharin ansprechen.

Die 3. Studie wurde wieder mit 8 ausdauertrainierten Radsportlern durchgeführt (deren VO2max diesmal bei 57,8 mls/kg/Min lag). Statt Glukose erhielten sie diesmal jedoch eine 6,4 %-ige Maltodextrinlösung. Maltodextrin ist ein Kohlenhydrat, das aus kurzen Ketten von Glukosemolekülen besteht und daher weniger süß ist. Wie schon bei der Glukose konnte auch durch die Spülung mit Maltodextrin im Vergleich zu einem mit Saccharin gesüßten Placebo die Gesamtzeit des Zeitfahrens deutlich verringert werden (62,6 Minuten gegenüber 64,6 Minuten).

In einer weiteren bildgebenden Studie wurde die kortikale Reaktion auf die orale Präsenz der Maltodextrin- und der Glucose-Lösung verglichen. Hier reagierte das Gehirn mit einem ähnlichen Muster auf die beiden Kohlenhydratlösungen, nämlich durch Aktivierung der Areale von Insula/frontalem Operculum, orbifrontralem Cortex und Striatum.

 

Fazit

Daraus zogen die Wissenschaftler den Schluss, dass die Verbesserung der sportlichen Leistungsfähigkeit, die sie bei der Präsenz von Kohlenhydraten im Mund beobachteten, auf die Aktivierung von Gehirnregionen zurückzuführen ist, von denen man glaubt, dass sie mit Belohnung und Motorik in Verbindung stehen. Weiterhin vermuteten sie, dass es eine Gruppe bislang noch nicht identifizierter oraler Rezeptoren gibt, die unabhängig von den Süß-Rezeptoren auf Kohlenhydrate reagieren. Sollten diese Ergebnisse in Folgestudien bestätigt werden, könnten dies für Sportler wichtige Erkenntnisse sein, vor allem bei Sportarten, in denen es auf die Feinmotorik ankommt.
 
Quellenangaben

1. The Journal of Physiology 23. Februar 2009

 

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