Marihuana und Doping

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Eine Studie stellte fest, dass Doping mit anabol-androgenen Steroiden weniger mit Kraftsport und Essstörungen an sich als vielmehr mit einem grundsätzlichen Problemverhalten besonders von Jugendlichen zusammenhängen kann.

Eine doch etwas überraschende Schlussfolgerung stammt aus einer auf nationaler Ebene durchgeführten, repräsentativen Studie unter norwegischen Jugendlichen, an der 8.058 Personen im Alter von 15 bis 22 Jahren teilnahmen:

Die Einnahme anabol-androgener Steroide (AAS) (also Doping) unter Jugendlichen wird überwiegend auf Problemverhalten, inklusive Marihuana-Konsum (Cannabis), zurückgeführt. Erst in zweiter Linie werden Kraftsportarten oder Essstörungen hiermit in Verbindung gebracht.
 

Die Studie

Die Teilnehmer wurden gefragt, ob man ihnen jemals AAS angeboten habe, ob sie es eingenommen haben und falls ja, ob sie es in den vergangenen 12 Monaten eingenommen haben. Des Weiteren wurden sie zu ihren sportlichen Aktivitäten, ihrer Einstellung zu Essen, ihrem Gewicht und ihrem äußeren Erscheinungsbild sowie zu ihren Verhaltensweisen befragt: Unter die 5 Bewertungskriterien für Problemverhalten fielen u. a. Benehmen, sexuelle Beziehungen und der Konsum anderer Drogen.

 

Die Ergebnisse

Die wichtigsten Ergebnisse waren:

– 430 Personen (5,1 %) hatte man AAS schon einmal angeboten;

– 72 (0,8 %) hatten AAS schon einmal konsumiert;

– 31 (0,34 %) hatten die Droge in den vorangegangenen 12 Monaten eingenommen;

– Wettbewerbssportlern mit einem hohen Leistungsniveau wurde AAS mit höherer Wahrscheinlichkeit schon einmal angeboten, und sie haben sie mit leicht erhöhter Wahrscheinlichkeit schon einmal konsumiert.

 

    Die AAS-Konsumenten, deren Konsum noch nicht lange zurücklag, wurden aufgrund der Befragung wie folgt charakterisiert: sie waren überwiegend männlichen Geschlechts, übten häufiger Kraftsportarten aus, zeigten mehr Verhaltensauffälligkeiten, nahmen ebenfalls häufiger andere illegale Drogen ein, schrieben sich selbst eine höhere Anziehungskraft auf das andere Geschlecht zu und trainierten häufiger in privaten Fitness-Studios als diejenigen, bei denen die Einnahme schon länger zurück lag.

    Als diese Ergebnisse auf ihre Aussagefähigkeit im Hinblick auf die aktuelle (im Gegensatz zur vergangenen) Einnahme von AAS hin bereinigt wurden, blieben lediglich die Faktoren „Ausübung einer Kraftsportart“ und „aktueller Konsum von Marihuana“ weiter von Bedeutung.

     

    Die Einnahme von AAS

    Die Einnahme von AAS wurde grundsätzlich bestimmt vom Geschlecht (überwiegend Jungen), davon, ob ihnen Marihuana schon einmal angeboten oder von ihnen konsumiert worden war, von gestörtem Essverhalten, Problemverhalten der „offensichtlichen, nicht-destruktiven Art“ (wie z. B. Kämpfen oder Mobbing) und Ausüben einer Kraftsportart.

    – „3 Erklärungsansätze für den AAS-Konsum wurden einander gegenüber gestellt: Probleme mit dem Aussehen in Verbindung mit gestörtem Essverhalten, Ausüben einer Kraftsportart und Problemverhalten“, erklären die Autoren. „Die Analysen zeigten, dass der AAS-Konsum in erster Linie auf verschiedene problematische Verhaltensweisen (d. h. Drogenkontext, insbesondere Marihuana, und aggressives Problemverhalten) zurückzuführen ist. Auch ergab sich ein Zusammenhang zwischen dem Ausüben einer Kraftsportart sowie Essstörungen und dem lebenslangen AAS-Konsum.“ 

    – „Im Vergleich zu Personen, deren AAS-Konsum schon länger zurücklag, waren die Jugendlichen, die AAS aktuell oder vor kurzem konsumierten, häufig gleichzeitig auch Marihuana-Konsumenten. Einem erheblichen Prozentsatz der norwegischen Jugendlichen (5,1 %) war schon einmal AAS angeboten worden, und diese unterschieden sich nur marginal von denjenigen, die diese Substanz auch einnahmen; außer in einem Punkt: Sie konsumierten häufiger illegale Substanzen wie z. B. Marihuana.“

     – „In Norwegen dient Marihuana möglicherweise als Einstiegsdroge für AAS; durch den Marihuana-Konsum wird die Hemmschwelle, eine andere illegale Substanz auszuprobieren, gesenkt.“

    Der AAS-Konsum unter Jugendlichen ist in Norwegen deutlich schwächer verbreitet, als in anderen westlichen Ländern, inklusive den USA, Kanada, Australien und Schweden. Dies mag dadurch erklärt werden, dass Kraftsportveranstaltungen in Norwegen relativ unpopulär sind.

      

    Studie mit Vorsicht betrachten

    Die Forscher warnen davor, ihre Ergebnisse auf andere Kulturen zu übertragen, in denen sowohl der Marihuana- als auch der AAS-Konsum weiter verbreitet und daher nicht als Randphänomen zu werten ist. „Obwohl die Verhaltensmuster, die mit AAS in Verbindung gebracht werden, in anderen Ländern eventuell anders sind, so mag die Schlussfolgerung doch bestand haben, dass der AAS-Konsum innerhalb der jugendlichen Gesamtpopulation in erster Linie ein Verhaltensproblem darstellt und zweitens mit Kraftsport und dem äußeren Erscheinungsbild in einen Zusammenhang gebracht werden kann.“

     

    Lesen Sie auch: Doping mit dem Wachstumshormon hGH
      

    Quellenangabe:

    1. Journal of Studies on Alcohol and Drugs, 2001 Jan, Bd. 62(1), S. 5-13

       

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