Hydration – erst denken, dann trinken!

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Dem Körper Flüssigkeit zuzuführen ist eine simple Sache, sollte man meinen. So einfach, wie es sich anhört, scheint es aber doch nicht zu sein!

Neue Untersuchungen weisen darauf hin, dass es für eine optimale Flüssigkeitsversorgung nicht einfach damit getan ist, „reichlich zu trinken“ und das Beste zu hoffen. Es lohnt sich, dieses Thema einmal gründlicher zu betrachten.

 

Mythos „Überhydrierung“

Verglichen mit anderen Aspekten der Sporternährung ist die Bedeutung einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr im Sport relativ unumstritten. Hierzu liegen auch weitaus mehr Untersuchungen vor als für alle übrigen Bereiche. Dennoch fördern neue Untersuchungen immer wieder überraschende Ergebnisse zu Tage. Ein gutes Beispiel hierfür ist die derzeitige Kontroverse um die Empfehlungen für eine optimale Flüssigkeitszufuhr bei Sportlern. Die offiziellen Empfehlungen, die bei Ausdauerwettkämpfen durch das Schwitzen verloren gegangene Flüssigkeit durch ausreichendes Trinken zu ersetzen, werden von Wissenschaftlern zunehmend attackiert. Im Jahr 2006 behauptete der renommierte Sportphysiologe Professor Tim Noakes in einem viel beachteten Leitartikel des British Journal of Sports Medicine, dass schon vor 20 Jahren stichhaltige Argumente gegen eine „Überhydrierung“ geliefert worden seien und die offiziellen Empfehlungen vom Marketing der Sportgetränkeindustrien beeinflusst seien.(1) Angesichts der neuen Erkenntnisse, dass selbst ein großer Flüssigkeitsverlust nicht zur Dehydrierung oder einer Hitzeerkrankung führt, forderten australische Wissenschaftler das American College of Sports Medicine (ACSM) und andere  offizielle Stellen auf, die aktuellen Richtlinien für die Flüssigkeitsaufnahme zu revidieren.(2)

Die australischen Forscher führten im Jahr 2004 bei 10 Teilnehmern des „Ironman Western Australia“ Messungen der Körperkerntemperatur (mittels eines speziellen, mit einer Pille verschluckten Telemetriesystems) durch und zogen daraus Rückschlüsse auf den Hydrationsstatus der Triathleten nach dem Wettkampf. Damit sollten vor allem folgende Theorien überprüft werden:

1. Die bei Ironman-Triathleten übliche progressive Dehydrierung (die sich als Gewichtsreduktion zeigt) ist mit einem Anstieg der Körperkerntemperatur verbunden.

2. Das Körpersystem der Sportler ist in der Lage, die Körpertemperatur selbst zu regulieren, und es besteht keine Beziehung zwischen dem Hydrationszustand nach Beendigung des Wettkampfs und der Körperkerntemperatur.

Die Untersuchungsergebnisse waren für die Wissenschaftler überraschend. Obwohl der Flüssigkeitsverlust zu einer durchschnittlichen Abnahme der Körpermasse um 2,3 kg führte (rund 3 % des Körpergewichts), lag die Körperkerntemperatur der Sportler durchschnittlich nur um 1 °C über der normalen Ruhetemperatur. Andere Messwerte für eine Dehydrierung, wie der Natriumspiegel im Blut und die Urinuntersuchung, blieben im Normalbereich.

Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass es keinen Hinweis darauf gebe, dass eine Reduzierung der Körpermasse um 3 % bei einem Ironman-Wettkampf unter gemäßigten Klimabedingungen bei Sportlern Körperkerntemperaturen erzeugt, die einen Hitzschlag zur Folge haben könnten. Dies stellt scheinbar einen Widerspruch zu den Richtlinien des ACSM dar. Diese empfehlen Ausdauersportler, „die gesamte Flüssigkeit, die sie durch Schwitzen verlieren, durch Trinken auszugleichen und sich bei der Flüssigkeitszufuhr nicht von ihrem Durstgefühl leiten zu lassen“. In dem vom ACSM 2005 veröffentlichten „Hydration Consensus Statement“ heißt es wie folgt: „Bei einem Körperwasserdefizit von mehr als 2 % des Körpergewichts ist eine Dehydrierung erreicht, die sich negativ auf die Leistung auswirken kann.“(3)

Schädliches Trinken

In einem Kommentar zu den Ergebnissen der australischen Studie schrieb Professor Noakes: „Dies bestätigt, dass der Körper seine Wärmereaktion bei längerer Belastung, unabhängig vom Ausmaß des Gewichtsverlusts, selbst regulieren und in einem sicheren Bereich halten kann. Ironman-Triathleten können sicher sein, dass der Kopf bei sportlicher Belastung über den Körper wacht. Es besteht daher keine Veranlassung, industriefreundliche Richtlinien zu befolgen, denen zufolge Sportler Unmengen trinken sollen, um körperlich keinen Schaden zu nehmen.“ Und er fügte hinzu: „Exzessive Flüssigkeitsaufnahme ist nicht nur für die Thermoregulation schädlich, sondern kann auch zu hyponatriämischer Enzephalopathie führen – einer lebensbedrohlichen Abnahme des Natriumspiegels im Blut.“

An dieser Stelle muss man allerdings einwenden, dass die für Gesundheit und optimale Leistung erforderliche Trinkmenge nicht bei Allen gleich ist. Man könnte daher auch die Frage stellen, ob die 10 Probanden, die am australischen Ironman teilnahmen, vielleicht besser abgeschnitten hätten, wenn sie mehr Flüssigkeit zu sich genommen hätten und weniger dehydriert gewesen wären.

Leistungsabfall durch Dehydrierung?

Für all diejenigen, die auf die Parole „Möglichst viel trinken“ eingeschworen waren, dürften diese australischen Untersuchungsergebnisse sicherlich überraschend gewesen sein. Doch noch im selben Jahr wurden in einer US-Studie die Auswirkungen einer 5%igen (d. h. relativ starken) Dehydrierung auf die Laufökonomie untersucht.(4) Als Laufökonomie werden die biochemische und die biomechanische Effizienz beim Laufen bezeichnet. Je geringer der Sauerstoffbedarf für die Aufrechterhaltung einer beliebigen Laufgeschwindigkeit ist, desto besser ist die Laufökonomie.

Bei dieser Studie führten 10 durchtrainierte Läufer eines Collegeteams (im Durchschnitt 20 Jahre alt, mit durchschnittlicher Körpermasse von 66,7 kg und VO2max [maximale Sauerstoffaufnahme]von 66,5 mls/kg/Min) 4 Experimente durch, die auf 2 Tage verteilt waren. 2 Tests wurden in einem völlig hydratisierten Zustand durchgeführt, die beiden anderen in einem dehydrierten Zustand (der Wasserverlust entsprach 5,5 und 5,7 % der Körpermasse, d. h. rund 3 Litern).

Die Probanden absolvierten in beiden Hydrationszuständen täglich eine 10-minütige Laufeinheit auf einem Laufband (bei einer Umgebungstemperatur von 23 °C), und zwar bei 70 % VO2max oder 85 % VO2max. Die Forscher nahmen Messungen verschiedener Variablen vor, z. B. des Hormonspiegels, der Körpertemperatur, der kardiovaskulären Funktionen und der individuell empfundener Anstrengung.

Die Ergebnisse waren überraschend. Denn bei keiner Kombination von Hydration und Belastung zeigten sich signifikante Unterschiede in Bezug auf die Laufökonomie. Zudem gab es keine Unterschiede bezüglich der individuell empfundenen Anstrengung oder der Laktatkonzentration im Anschluss an die sportliche Betätigung. Bei einer Dehydrierung von 5 % oder mehr kam es jedoch zu höheren Herzfrequenzen und Rektaltemperaturen sowie zu einem erhöhten Bluthormonspiegel des Hormons Noradrenalin, das in Verbindung mit Stress auftritt. Dies signalisiert eine erhöhte physiologische Belastung.

Warum ist dieses Ergebnis so überraschend?

Zum einen sagt das Ergebnis der Studien aus, dass auch ein sehr hoher Wasserverlust sich nicht auf die sportliche Leistung auswirkt. Eine Dehydrierung von 5 % ist das 2,5-fache dessen, was allgemein als Grenze der Leistungseinschränkung gilt (siehe Tabelle 1). Zum anderen haben Studien gezeigt, dass die Laufökonomie normalerweise recht empfindlich auf physiologische Störungen reagiert und deutlich abnimmt, wenn Müdigkeit und Erschöpfung aufkommen. Um bei mäßig temperierten Bedingungen eine Dehydrierung von 5 % zu erreichen, muss ein Läufer über einen langen Zeitraum über dem Zustand der 2 %igen Dehydrierung laufen. Das ist die Schwelle, ab der ein signifikanter Leistungsabfall einsetzen soll. Da es sich hierbei jedoch nur um das Ergebnis einer einzelnen Studie handelt, sollte das Ergebnis mit entsprechender Vorsicht betrachtet werden. Bei längeren Läufen könnte eine Dehydrierung von 5 % zu höheren Körperkerntemperaturen führen, als sie hier gemessen wurden. Diese Studie stützt jedoch die Meinung, dass die allgemein anerkannten Richtlinien bezüglich des Trinkens und der Hydration überdacht werden sollten!

Tabelle 1: Physiologische Folgen der Dehydrierung auf den Organismus des Menschen

Die nachfolgende Tabelle zeigt häufige Folgen verschiedener Dehydrierungszustände

Gewichtsverlust in %Folge für den Organismus
1 bis 2Anstieg der Körperkerntemperatur
3

Signifikanter Anstieg der Körpertemperatur bei aerobem Training

5*

– Signifikanter Anstieg der Körpertemperatur und deutliche Abnahme der aeroben Leistungsfähigkeit und Kraftausdauer

– Abnahme von Kraft und anaerober Kapazität kann 20–30 % betragen

– Anfälligkeit für Hitzeschäden

6Muskelspasmen, Krämpfe
10 oder mehr

– Übermäßig hohe Körperkerntemperatur

– Anfälligkeit für Hitzschlag

– Hitzeschäden und Kreislaufkollaps bei aerober Aktivität

*Bei einem Gewichtsverlust von 5 % dauert die Rehydrierung eines Sportlers mindestens 5 Stunden

Quelle: Alabama A&M and Aubum Universities, 2003

 

„Kühlwasser“ für Ihre Motorik

Ein Aspekt, der bei der „Hydrations-debatte“ beachtet werden sollte, ist die unterschiedliche Anforderung verschiedener Sportarten: Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der Dehydrierungsschwellenwert von 2 % für Sportler und Sportlerinnen von Bedeutung sein könnte, deren Sportarten eine komplexe Motorik erfordern.

In einer doppelblinden, randomisierten Studie mit Basketballspielern der Pennsylvania State University untersuchten US-Wissenschaftler die Auswirkungen von 3 verschiedenen Hydrationsstrategien bei 15 Basketballspielern (im Alter von 12 bis 15 Jahren), die 3 separate 2-stündige Trainingseinheiten bei heißen Umgebungsbedingungen absolvierten und dabei unterschiedliche Trinkstrategien befolgten:(5)

1. keine Flüssigkeitsaufnahme, was zu einer 2%igen Dehydrierung führte (Flüssigkeitsverlust entspricht 2 % der Körpermasse),

2. Verzehr eines 6 %igen Kohlehydrat/Elektrolyt-Drinks zur Aufrechterhaltung des Hydrationsstatus (d. h. 0 % Dehydrierung),

3. Verzehr eines Placebo-Getränks zur Aufrechterhaltung des Hydrationsstatus. Das Getränk bestand aus aromatisiertem Wasser, enthielt jedoch keine Kohlenhydrate/Elektrolyte.

Nach jeder Übungseinheit folgte eine Erholungsphase. Im Anschluss daran machten die Probanden in einer bestimmten Abfolge kontinuierliche Basketballübungen, mit denen ein Spiel simuliert werden sollte. Die Wissenschaftler betrachteten verschiedene Leistungsmessgrößen und Einzelübungen des Basketballspiels. Hierzu gehörten verschiedene Trefferquoten im Einzel- und Zusammenspiel (3-Punkt, 15 Fuß, Freiwürfe), Sprints, seitliche Bewegungen (Zickzack, Lane Slides) und Zeiten bei Defensivübungen (Kombination aus seitlichen und Vorwärts-Rückwärts-Bewegungen).

Im Vergleich zur Trinkstrategie, bei der aromatisiertes Wasser gegeben wurde, führte die 2 %ige Dehydrierung zu einer deutlich verminderten Wurfleistung. Nach dem Verzehr eines Kohlenhydrat/ Elektrolytgetränks verbesserte sich die Wurfleistung jedoch gegenüber dem eines aromatisierten Wassergetränks. Darüber hinaus verbesserten sich mit der Kohlenhydrat/Elektrolyt-Trinkstrategie die Gesamtzeiten der Defensivübungen im Vergleich zur Strategie ohne Flüssigkeitsaufnahme.

Diese Ergebnisse (bei einer Dehydrierung von 2 %) scheinen im Widerspruch zu den oben angeführten australischen Untersuchungsergebnissen zu stehen, denen zufolge bei einer 3 %igen Dehydrierung für Ironman-Teilnehmer keine signifikante Gefahr eines Hitzschlags bestand. Genau betrachtet sind diese beiden Resultate jedoch gar nicht widersprüchlich. Denn „keine erhöhte Gefahr eines Hitzschlags“ ist nicht dasselbe wie „optimale körperliche Leistung“. Zudem wurden in der Basketballstudie andere Leistungsindikatoren betrachtet, nämlich solche, bei denen die Motorik eine große Rolle spielt (z. B. Werfen). Hätten die Forscher nur die Ausdauer oder Kraft der Basketballspieler getestet, hätte eine Dehydrierung von 2 % wahrscheinlich keine negativen Auswirkungen gezeigt.

Beachtenswert ist außerdem, dass sich beim reinen Wassergetränk die Übungszeiten im Vergleich zur Belastung ohne Flüssigkeitsaufnahme nicht verbesserten – d. h. eine Dehydrierung von 2 % hatte keine negativen Auswirkungen auf die Leistung. Nur das Kohlenhydrat/Elektrolyt-Getränk konnte die Übungszeiten verbessern, was einen positiven Effekt von „kohlenhydratreicher Ernährung“ indiziert. Dies stimmt mit anderen wissenschaftlichen Untersuchungen überein, die belegen, dass die Verabreichung von Kohlenhydraten einen positiven Effekt auf kognitive Prozesse und die Motorik haben.(6)

 

Dehydrierung und Kraft

In einer neuen und äußerst interessanten Studie der University of Connecticut wurde untersucht, welche Auswirkungen die Dehydrierung auf die hormonellen Veränderungen infolge des Trainings hat – insbesondere auf den Testosteron- und Cortisolspiegel sowie auf das Testosteron-Cortisol Verhältnis (TC).(8) Dieses Verhältnis ist für jene Sportler wichtig, die im Hinblick auf Kraftentwicklung und/oder Verletzungsprävention ihre Muskelmasse beibehalten wollen. Testosteron ist ein anaboles Hormon, das für Muskelwachstum sorgt, während Cortisol ein Stresshormon ist, das einen erhöhten Energiebedarf hat und den Abbau von Muskelgewebe bewirkt.

9 Läufer eines Collegeteams absolvierten 4-mal ein 10-minütiges Laufpensum auf einem Laufband, wobei sie vor der Übung einen unterschiedlichen Hydrationsstatus aufwiesen. Die Teilnehmer waren

– vollständig hydratisiert bei 70 % VO2max,

– vollständig hydratisiert bei 85 % VO2max,

– um 5 % dehydriert bei 70% VO2max,

– um 5 % dehydriert bei 85% VO2max.

Unmittelbar vor Beginn sowie 20 Minuten nach Beendigung der Übung wurde den Probanden Blut entnommen, das auf Laktat, Testosteron, Cortisol und das TC-Verhältnis hin untersucht wurde.

Die Bluttests ergaben, dass die Probanden, die vollkommen hydratisiert, und die, die zu 5 % dehydriert waren, bei der jeweiligen Trainingsintensität gleiche Herzfrequenz, VO2max und Blutlaktatwerte hatten. Somit hatte die Dehydrierung (erstaunlicherweise) keinen merklichen Anstieg des mit der Dehydrierung verbundenen physiologischen Stresses während der Übungseinheiten zur Folge. Darüber hinaus hatte der Hydrationsstatus der Läufer bei keiner Trainingsintensität merkliche Auswirkungen auf die Testosteronkonzentration vor, während oder nach der Übung.

Unabhängig von der Belastungsintensität waren bei Probanden mit 5 %iger Dehydrierung und vollständiger Hydratisierung die Cortisolkonzentrationen vor und 20 Minuten nach der Belastung größer und das daraus resultierende T/C-Verhältnis niedriger. Das weist auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Muskelgewebeabbau (Katabolismus) hin. Auf gut Deutsch heißt dies, dass Laufen (oder andere Arten der Belastung) im dehydrierten Zustand eine ungünstige Veränderung der Hormonbalance bewirkt, da hierbei im Vergleich zum vollständig hydratisierten Zustand eine verstärkt katabole Umgebung entsteht. Und bekanntlich ist Katabolismus ein Effekt, den Sportler in der Regel vermeiden wollen!

 

Dehydrierung – leistungssteigernd?

Einige Wissenschaftler warnen vor einer „Überhydrierung“. Sie behaupten, dass ein 100 %iger Flüssigkeitsausgleich für eine Leistungssteigerung nicht nur unnötig ist, sondern sogar Nachteile haben kann. Ihrer Meinung nach wirkt sich eine leichte Dehydrierung nicht leistungshemmend aus, sondern kann in Sportarten, in denen die Schwerkraft überwunden werden muss (z. B. Bergauf-Radfahren, Laufen, Feldsportarten etc.) sogar leistungssteigernd sein. Nehmen wir beispielsweise einen 70 kg schweren Sportler. Der verliert bei einer Dehydrierung von 2 % 1,4 kg Wasser und ist dann also leichter. Dies bedeutet, dass er 1,4 kg weniger bewegen  muss und sein Leistungsgewicht um 2 % verbessern konnte. Oder anders gesagt, der Sportler muss weniger Leistung bringen, um eine bestimmte Geschwindigkeit zu erreichen.

Aber wird diese Theorie von der Realität auch bestätigt? Dieser Frage gingen australische Wissenschaftler des Australian Institute of Sport in Canberra in einer jüngst veröffentlichten Studie nach. Sie simulierten Bergauf-Radfahren bei Hitze und in dehydriertem Zustand, indem sie den durch das Schwitzen entstandenen Flüssigkeitsverlust nicht ausglichen.(7)

Im Rahmen dieser Studie absolvierten 8 durchtrainierte Radfahrer ein Radrennen in 2 Etappen:

1. Etappe: eine 2-stündige Fahrt auf einem stationären Ergometer bei 53 % max. aerober Leistungsfähigkeit.

2. Etappe: ein Bergrennen „bis zur Erschöpfung“ bei 88 % max. aerober Leistungsfähigkeit.

Das Rennen wurde mit dem eigenen Fahrrad auf einem Laufband mit 8 % Steigung bei einer Temperatur von ca. 30 °C ausgetragen.

Die 1. Etappe war so ausgelegt, dass sie zur Dehydrierung führen konnte. Nur ein Teil der Probanden erhielt während der 1. Etappe 2,4 Liter eines 7 %igen Kohlenhydratgetränks (um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen). Die anderen erhielten die gleiche Kohlenhydratmenge  als Gel mit nur 0,4 l Wasser. Letztendlich hatten beide Gruppen zwar die gleiche Menge an Kohlenhydraten erhalten, doch die Flüssiggetränk-Gruppe hatte im Gegensatz zur Gel-Gruppe 2 Liter Wasser zusätzlich getrunken. Im Vergleich zum Hydrationsstatus vor dem Testversuch ging die Flüssiggetränk-Gruppe somit quasi ohne Netto-Flüssigkeitsverlust in das Bergfahren, während die Gel-Gruppe einen Netto-Gewichtsverlust von rund 2,5 kg (d. h. eine Dehydrierung von rund 3,5 %) aufwies.

Die Tests ergaben Folgendes:

– Vor dem Bergfahren hatte die dehydrierte (Gel-) Gruppe im Vergleich zur hydratisierten (Flüssiggetränk-) Gruppe eine um 0,6 °C (von 38,3 °C auf 38,9 °C) erhöhte Rektaltemperatur.

– Die Herzfrequenz lag bei der dehydrierten Gruppe um 12 Schläge pro Minute höher (158 gegenüber 146) als bei der hydratisierten Gruppe.

– Und schließlich war bei den dehydrierten Radfahrern die Zeit bis zur Erschöpfung um 3,8 % kürzer

– trotz der Tatsache, dass sie deutlich leichter waren als die hydratisierten Radfahrer (rund 2 kg) und folglich für die Aufrechterhaltung der Geschwindigkeit während des Bergauffahrens weniger Kraft benötigten

 

Stimmiges Gesamtbild

Auf den ersten Blick sind die Informationen aus diesen neuen Untersuchungen scheinbar recht widersprüchlich. Bei näherer Betrachtung fügt sich jedoch alles zu einem stimmigen Gesamtbild. Fassen wir hier die wichtigsten Punkte kurz zusammen:

Sicherheit – die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass eine Dehydrierung von 3 % auch über einen längeren Zeitraum kein Gesundheitsrisiko für Sportler darstellt. Eine übermäßige Flüssigkeitsaufnahme zur Vermeidung jeglichen Flüssigkeitsverlusts während des Trainings oder Wettkampfs erscheint daher unnötig.

Leistung – hierbei wird es schon schwieriger. Eine Dehydrierung von 5 % hatte scheinbar keine negativen Auswirkungen auf die Laufökonomie und die empfundene Erschöpfungsrate bei 70 und 85 % VO2max (obwohl die Konzentration an zirkulierenden Stresshormonen zunahm). Die eher geringe Dehydrierung von 2 % wirkte sich jedoch negativ auf die Spielfertigkeiten von Basketballspielern aus. Es könnte daher sein, dass sich die nachteiligen Effekte einer relativ leichten Dehydrierung eher in solchen Sportarten bemerkbar machen, in denen motorische Fähigkeiten gefragt sind.

Leistungsgewicht – in Sportarten, wie z.B. Radfahren und Laufen, bei denen das Leistungsgewicht wichtig ist, könnten die möglichen Vorteile eines durch Dehydrierung hervorgerufenen Gewichtsverlusts von einem Leistungsabfall wieder aufgehoben werden. Eine Dehydrierung von 3,5 % ist für Ausdauersportler mit Sicherheit schädlich.

Kraft – bei einer Dehydrierung von 3 %(4) und 5 %(8) ist die Konzentration der zirkulierenden Stresshormone scheinbar erhöht. Dies ist ungünstig für Sportler, die Maximalkraft und Schnellkraft erhalten oder aufbauen wollen. Außerdem hat dies auch Einfluss auf die Immunabwehr, da eine durch Belastung induzierte Ausschüttung von Stresshormonen bekanntlich zu einer Schwächung des Immunsystems nach der sportlichen Aktivität führt.(9)

    Das richtige Maß

    Eine Dehydrierung von 3,5 % ist allerdings hoch und liegt um einiges über der „2 %–Grenze“, ab der normalerweise eine Leistungsabnahme beginnt. Dennoch zeigt diese Studie, dass es falsch ist, dass bei Sportarten, in denen gegen die Schwerkraft gearbeitet wird, die Gewichtsreduktion infolge des Flüssigkeitsverlusts auch automatisch zu einer Leistungssteigerung führt, weil hier ein besseres Leistungsgewicht gegeben ist. Es müssen aber weitere Untersuchungen folgen, um genauer sagen zu können, ab welcher Grenze Leistungsgewinne, die durch eine Gewichtsreduktion infolge von Flüssigkeitsverlust entstehen, durch Leistungsverluste aufgrund der physiologischen Effekte der Dehydrierung aufgehoben werden.

    Angesichts der oben genannten Ergebnisse stellt sich die Frage, welche Hydrationsstrategie am besten geeignet ist, um möglichst große Leistungen und minimale Nachteile zu erreichen. Athleten, in deren Sportart ein hohes Maß an Motorik gefordert ist, sollten für eine gute Hydration sorgen. Ein Flüssigkeitsverlust von 2 % könnte für eine optimale Leistung schon zu viel sein. Ein maximaler Flüssigkeitsverlust von 1 % des Körpergewichts wäre sicherlich die bessere Option. Ausdauersportler können mit einem Flüssigkeitsverlust von bis zu 2 % zurechtkommen. Doch alles, was darüber hinausgeht, könnte – selbst bei einem eventuell besseren Leistungsgewicht – zu Leistungseinbußen führen.

    Da ein Zusammenhang zwischen der Dehydrierung und der Ausschüttung von Stresshormonen besteht, sollten insbesondere Kraftsportler auf eine gute Hydration achten. Während des Trainings sollte dies prinzipiell von allen Sportlern beachtet werden. Im Laufe des Wettkampfs gelegentlich in den dehydrierten Bereich abzugleiten ist sicher nicht weiter schädlich. Regelmäßige Phasen der Dehydrierung während des Trainings (bei dem man die Flüssigkeitsaufnahme eigentlich relativ leicht steuern kann) sollten Sportler jedoch vermeiden.

     

    Lesen Sie auch: Folgen der Dehydrierung – und wie sie vermieden werden können

     

    Quellenangaben

    1.British Journal of Sports Medicine. 2006. Bd. 40, S. 567–572

    2.British Journal of Sports Medicine. 2006; Bd. 40, S. 320–325

    3.www.acsm.org/Content/NavigationMenu/Research/Roundtables_Specialty_Conf/PastRoundtables/ Hydration

    4. Medicine & Science in Sports & Exercise. 2006; Bd. 38(10), S.1762–9

    5. Medicine & Science in Sports & Exercise. 2006; Bd. 38(9), S.1650–8

    6. Psychopharmacology (Berl). 2000; Bd. 149(1), S. 63–71

    7. Medicine & Science in Sports & Exercise. 2007; Bd. 39(2), S. 323–9

    8. International Journal of Sports Medicine. 2006; Bd. 27(10), S. 765–70

    9. Ann Transplant. 2005; Bd. 10(4), S. 43–8

     

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