Von Gift und Schlacke – ist Detox nur ein Marketinggag?

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Durch immer bessere Analysemethoden werden immer mehr Stoffe in unserer Nahrung nachgewiesen. Viele Menschen wollen daher ihren Körper ab und an „entschlacken“, woraus sich eine florierende Branche entwickelt hat. Aber ist wirklich notwendig oder reinigt sich unser Körper auch selbst?

Immer wieder werden Gifte und Ablagerungen in unserem Essen entdeckt. Auf der anderen Seite werden die Analysemethoden immer genauer und schon feinste Mengen dieser Substanzen sind nachweisbar. Nicht jeder mediale Aufschrei zur Belastung von Lebensmitteln darf also als Beweis für schädigende Wirkungen gelten. Ein Leben ohne Gifte kann es nicht geben – das zumindest ist klar. 

Würde man den menschlichen Körper bis ins kleinste Detail untersuchen würden auch hier Giftdetektoren sofort Alarm schlagen. Kleinste Mengen von Insektengiften und auch von Schwermetallen wie Quecksilber werden über den normalen Straßenstaub eingeatmet. Auch Obst, Gemüse oder Fleisch enthalten Spuren von giftigen Substanzen. Dass große Konzentrationen giftig wirkender Stoffe gesundheitliche krank machen können ist unstrittig. Das auch geringste Mengen eine solche Wirkung haben, ist jedoch unwahrscheinlich. Quecksilber und andere Schwermetalle begleiten die Menschheit schon seit tausenden von Jahren. Dennoch befürchten viele Menschen, dass derartige Rückstände ihre Gesundheit gefährden könnten. Während Pestizide und Herbizide in der Regel bereits ihre Halbwertszeit erreicht haben, bis Obst und Gemüse in den Handel gelangen, sieht es bei Schwermetallen etwas komplexer aus. Blei und Cäsium beispielsweise können in den Knochen eingelagert werden. Auch Dioxin baut der Körper nur sehr langsam ab. Allerdings kann die normale Belastung mit Alltagsgiften ohne Schwierigkeiten von den körpereigenen Systemen abgefangen werden. 

Entgiften als Marketinggag! 

Eine ganze Palette von Produkten und Methoden soll helfen den Körper von Giften zu befreien. Von der Entgiftungsmassage bis zu Lotionen und Säften entwickelt sich ein ganzer Entgiftungsmarkt. Firmen bieten mittlerweile Saftkuren und vegane Salate im Lieferservice an. Gebucht werden kann so das reine Gewissen, Ernährungssünden und Fehler im Lebensstil zu beheben. Das Ganze gleicht einem modernen Ablasshandel. Bäder sollen Gifte aus der Haut ziehen, Säfte befreien den Darm von Schlacken. Empfohlen werden derartige Kuren von Heilpraktikern und Naturheilkundlern. Allein belastbare Studien und Beweise für die Wirkungen fehlen. Experten sind sich einig darüber, dass das beste Entgiftungsprogramm der menschliche Körper selbst bietet: völlig kostenlos und ohne großen Aufwand. 

Gifte durch Essen? 

Schon die grundlegenden Annahmen, dass sich Umweltgifte in den Körperzellen dauerhaft ablagern oder das Gift im Körper durch Verdauungs- oder Fettstoffwechselprozesse entstehen könnten erweist sich als bloße Behauptung ohne wissenschaftlichen Hintergrund. Die Gefahren für Leib und Gesundheit sollen angeblich auch durch Ihre alltägliche Ernährung entstehen. Zucker, Transfettsäuren und Alkohol sollen dazu führen, dass sich im menschlichen Körper „Ablagerungen“ bilden. Diese Rückstände werden als Schlacken bezeichnet und sollen Müde machen und auch schlecht für die Haut und Ihre Figur sein. Sie sollen sich im Darm ablagern und auch in den Fettzellen sollen Gifte entstehen. Ob jedoch Nahrungsmittel überhaupt eine solche giftbildende Wirkung haben ist strittig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung widerspricht dieser Theorie. Zwar können über die Nahrung belastende Stoffe aufgenommen werden, diese werden jedoch von gesunden Menschen einfach wieder ausgeschieden. Die propagierten Schlacken hingegen scheint es grundlegend nicht zu geben. 

Ihr Darm ist kein Schornstein! 

Der oftmals angeführte Vergleich, dass der menschliche Darm ebenso wie ein Ofenrohr von Ablagerungen gereinigt werden muss ist Schlichtweg falsch. Auch der Vergleich auf den ersten Blick schlüssig scheint, stimmt er nicht. Der menschliche Darm ist ständig in Bewegung und diese Bewegung sorgt dafür, dass es keine Ablagerungen gibt. Der Inhalt wird ständig durch den Verdauungstrakt nach „draußen“ geleitet. Hinzu kommt, dass im Darm spezielle Zellen Schleim bilden, um die Gleitfähigkeit zu erhalten. Der Dünndarm stößt zudem fortwährend Zellen ab, so dass sich nichts festsetzen kann. 

Oxidantien versus Antioxidantien 

Befürworter von Entgiftungskuren auf der Basis von Obst- und Gemüsesäften oder Smoothies sagen, dass diese insbesondere auch durch ihre Antioxidantien wirken. Hier sind Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe im Gespräch. Allerdings scheint auch die Wirkung von Antioxidantien keineswegs durchgängig so positiv zu sein, wie ursprünglich einmal angenommen.

Dennis Sandig

 

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Literatur: 

1) Hanna Sandig (2012). Basisernährung für Ausdauersportler. Bonn: experto – der Beraterverlag.

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Über den Autor

Dennis Sandig

Dennis Sandig arbeitet als Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Julius-Maximilians Universität in Würzburg.

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