Essgestörte Athleten

0

Ein merkwürdiges Paradox der sportlichen Betätigung ist, dass sie häufig zu höherem Selbstbewusstsein führt, aber – zumindest in bestimmten Sportarten – auch eine erhöhte Gefahr von Essstörungsentwicklungen (wie bspw. Magersucht und Bulimie) mit sich bringen kann.

Bestimmte Sportarten scheinen eine erhöhte Gefahr von Essproblemen mit sich zu bringen. Z. B.sind in den Vereinigten Staaten ungefähr 93 % der Collegeathleten, die Essstörungen entwickeln, weiblich. Und diese Athleten finden sich normalerweise in einer ziemlich kleinen Anzahl von Sportarten wieder – darunter auch Turnen, Querfeldeinlauf, Schwimmen und Leichtathletik. Die wenigen bekannten Fälle bei den Männern häufen sich in den Sportarten Querfeldeinlauf, Leichtathletik, Turnen und Ringkampf.

 

Was verursacht eigentlich die Essstörungen?

Eine Kombination individueller und familiärer Faktoren sind häufig daran beteiligt, ein Essproblem zu verursachen. Darüber hinaus scheinen besonders Frauen von gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst zu sein: In den letzten 30 Jahren hat sich das “sozial akzeptable Gewicht“ für Frauen in den westlichen Gesellschaften immer weiter verringert, während die Fälle der Essstörungen ständig angestiegen sind.

 

Warum werden Essstörungen mit bestimmten Sportarten verbunden?

Weil sich Personen, die mit ihrem Körper unzufrieden sind, zu besonders „kalorienverbrennenden“ Sportarten wie dem Laufen und Schwimmen hingezogen fühlen könnten. Außerdem kann die wissenschaftliche Forschung zu dem Problem beitragen, indem sie schlussfolgert, dass Schlankheit für die Leistung förderlich ist. Zudem geben Sportarten, bei denen ein großer Wert auf Ästhetik gelegt wird (wie bspw. Turnen), dem super-dünn sein vermutlich einen viel zu hohen Stellenwert.

 

Sich von einer Essstörung zu erholen ist ein komplizierter Prozess, welcher eine Therapie und das Anheben von Selbstbewusstsein und Selbstakzeptanz miteinbezieht. Athleten können aber schon im Vorhinein eine Reihe von Dingen tun, um die Gefahr, eine Essstörung zu entwickeln, zu verringern. Dabei sollten die Trainer realisieren, dass auch sie Maßnahmen ergreifen können, um Essstörungen bei ihren Athleten zu verhindern. Alice Lindeman, eine Essstörungs-Forscherin an der Universität von Indiana, empfiehlt, dass Athleten die folgenden Tatsachen berücksichtigen sollten:

– Es gibt eine Bandbreite an Gewichten, die für jede Sportart angemessen ist. Kein Gewicht ist ideal und insbesondere ist das niedrigstmögliche Gewicht normalerweise NICHT optimal.

– Zu wenig zu essen kann den Stoffwechsel herabsenken und einen dicker, nicht dünner, machen.

– Mehr Nahrung zu sich zu nehmen kann eine großartige Art sein, den Körperaufbau zu verbessern. Die erhöhte Kalorienaufnahme fördert den Muskelaufbau und ein hochwertigeres Training erlaubt, dass Fett natürlich verbrennt.

– Die Furcht vor Fett im Körper sollte sich nicht in Furcht vor Fett auf dem Teller umwandeln. Fett ist ein wichtiger Nährstoff, der für die Absorption von Vitamin D, E, A und K erforderlich ist – ein wenig Fett sollte also in der Nahrung enthalten sein.

– Die Aufnahme von mehr Kalorien kann die Menstruationsfunktion verbessern, was die Gesundheit der Knochen erhöht und die Gefahr der Osteoporose verringert.

 

Fazit

Trainer sollten weniger Augenmerk auf das Gewicht legen und kritische Kommentare über das Körpergewicht gegenüber ihren Athleten unterlassen. Außerdem sollten sie das “Gruppenwiegen“ vermeiden. Denn dies kann die Erniedrigung und Verlegenheit für den Athleten erhöhen, der sich zu dick fühlt und einen Sportler somit auf den Weg zu einem voll entfalteten Essproblem bringen. Achten Sie lieber auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

 

Quellenangabe:

1. “Self-Esteem: Its Application to Eating Disorders and Athletes” International Journal of Sport Nutrition, Band 4, S. 237-252, 1994

Teilen

Über den Autor

Trainingsworld

Leave A Reply