Krankheitsbedingte Ernährung

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Sportexperte Marcel Kremer informiert Sie darüber, wie und warum die richtige Ernährung bei bestimmten Krankheitsbildern helfen kann: Bei Rheuma, Gicht, Osteoporose und Verstopfung.

Unsere Ernährung ist nicht nur ein zwangsläufig wichtiger Aspekt, wenn es darum geht, Gewicht zu verlieren oder Muskeln aufzubauen. Eine einseitige oder schlechte Ernährung kann uns krank machen, ebenso wie gesundheitliche Probleme mit der richtigen Nährstoffzusammensetzung vermieden, gelindert oder geheilt werden können. Der nachfolgende Artikel soll Ihnen für einige Krankheitsbilder Anregungen und Tipps geben, ersetzt aber in keinster Weise eine fachmännische Beratung durch einen Ernährungsmediziner oder Ökotrophologen.

Des Weiteren ist das Gebiet der Ernährungsberatung oftmals ein schwieriges Feld. Die Meinungen über richtig und falsch gehen hier teilweise stark auseinander. Die Frage nach dem „warum“ kann auch hier nur mit einem Verweis auf die Individualität des Menschen beantwortet werden. Vieles kann und muss noch erforscht und verifiziert werden, daher erreichen uns beinah täglich neue Erkenntnisse, während das Wissen von gestern wieder verworfen wird. Machen Sie daher den eigenen Wissensdurst zu etwas Rudimentären und finden Sie Ihren eigenen Weg im Dschungel der zahlreichen Möglichkeiten. Der wichtigste Schritt ist, sich seines Essens bewusst zu werden und sich damit auseinanderzusetzen.

 

Rheuma

Unter rheumatischen Beschwerden werden Erkrankungen der Gelenke verstanden, die auf die umliegenden Körperteile übergehen können und durch die schmerzbedingte Schonhaltung die Beweglichkeit stark einschränken. Als Arthrose bezeichnet man in diesem Zusammenhang den Gelenkverschleiß und Arthritis werden entzündliche Gelenkkrankheiten genannt. Verformung und Steifheit sind die Folge.

Empfehlenswert ist neben der generellen Gewichtsreduktion, um die Gelenke zu entlasten, ein Verzicht auf Fleisch- und Wurstwaren. Die hier enthaltene Arachidonsäure, eine mehrfachgesättigte Fettsäure, fördert und vermehrt die Entzündungsprozesse im Gelenk.

Als Gegenmaßnahme sollte vermehrt Omega-3-Fettsäure als Entzündungshemmer, enthalten in Fisch und gutem Öl, zugeführt werden, sowie die Vitamine A/C/E (z. B. frischer Salat aus Paprika, Petersilie und Zitrone) und die Spurenelemente Selen (Paranüsse) und Zink (Haferflocken). Außerdem empfiehlt es sich, Gelatine zuzuführen. Sie besteht aus kollagenhaltigen Substanzen, welche beim Wiederaufbau des Gelenkknorpels helfen.

 

Gicht

Kann erblich bedingt nicht genug Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden werden, lagern sich kleine Kristalle in Gelenken, Sehnen und Schleimbeuteln ab und es kommt zu Entzündungen. Diese Krankheit bezeichnet man als Gicht. Sie kommt bei Männern deutlich häufiger vor als bei Frauen. Auch bei Gicht wird an erster Stelle empfohlen, eventuelles Übergewicht zu reduzieren. Da Harnsäure aus Purin gebildet wird, sollten Lebensmittel vermieden werden, die stark purinhaltig sind. Zu diesen zählen Fleisch, Innereien, Fisch, Hülsenfrüchte und Hefe. Auch fettreiche Nahrungsmittel sowie Alkohol sollten vom Ernährungsplan gestrichen werden.

Eine vegetarische Kost mit Eiern und Milchprodukten bietet sich für Betroffene an.

 

Osteoporose

Landläufig auch als Knochenschwund bezeichnet, stellt Osteoporose die Verringerung der Knochenmasse dar. Dies bedeutet, dass der Körper mehr Knochen abbaut als er aufbaut. Vor allem Frauen in und nach den Wechseljahren mit vermindertem Östrogenspiegel leiden darunter.

Als Ernährungstipp lassen sich 2 Dinge allgemein raten. Sorgen Sie für ausreichend Baustoff für die Knochen (Calcium) und versuchen Sie, Ihren Östrogenspiegel zu erhöhen. Für Letzteres bieten sich Soja-Produkte an. Auch Leinsamen können als Östrogenersatz herangezogen werden. Milch und Milchprodukte hingegen sind ideale Calcium-Lieferanten. Achten Sie bei der Aufnahme darauf, nach Möglichkeit natürliche Absorption-Hemmer zu vermeiden. Diese behindern die Aufnahme von Calcium im Körper. Magnesiumreiche Lebensmittel und oxalsäurehaltige Nahrung wie Spinat oder Grünkohl gehören zu dieser Gruppe.

Durch Sport und eine gesunde, calciumreiche Ernährung von Kindesbeinen an, kann dem späteren Knochenschwund übrigens besonders gut entgegengewirkt werden.

 

Verstopfung

Wer unregelmäßig oder weniger als 3-mal pro Woche das stille Örtchen aufsucht, leidet per Definition an Verstopfung, Obstipation. Schuld sind zumeist mangelnde Bewegung, ballaststoffarme Ernährung und niedrige Flüssigkeitszufuhr. Tritt sie hingegen aufgrund neurologischer Störungen oder als Folge einer anderen Erkrankung auf, redet man von von einer chronisch habituellen Obstipation. Mit einher gehen ein erhöhtes Krebsrisiko, Hämorrhoiden und ein drohender Darmverschluss.

Eine schrittweise Erhöhung des Ballaststoffgehalts der Nahrung wird empfohlen. Unverarbeitetes Gemüse, Obst und Getreide sollten täglich auf dem Speiseplan stehen.

 

Exkurs: Abführmittel

Bei dem oben genannten Krankheitsbild der Verstopfung greifen viele Menschen bedenkenlos und wiederholt zu Abführmitteln. Diese bewirken, dass im Darm mehr Wasser angesammelt und somit das Stuhlvolumen erhöht wird. Die Konsistenz wird weicher und der Transport somit einfacher, was schließlich zu einer Lösung des Problems führt.

Neben unangenehmen, aber vergleichsweise harmlosen Nebenwirkungen wie unkontrolliertem Stuhlgang, kann es auch zu einer Art Sucht kommen. Der Darm ist so irritiert, dass er ohne die Medikamente kaum noch funktioniert. Gleichzeitig gewöhnt er sich an die Dosis und verlangt nach mehr. So kommt es zu einer langfristigen Schädigung des Darms und zu einem erhöhten Mineralverlust. Letztendlich kann somit ein Abführmittel zu genau der Erkrankung führen, die es eigentlich beheben soll: Obstipation (Verstopfung).

Neben den chemischen Medikamenten werden auch pflanzliche Stoffe und Salze als Abführmittel eingesetzt. Sennesblätter und Bittersalz dürften hier die bekanntesten Hausmittel darstellen. Wer den Begriff „pflanzlich“ jedoch gleichsetzt mit „unbedenklich“, liegt weit daneben. Diese können den Körper stark dehydrieren und bei längerer Anwendung Organe und Nerven schädigen. Auch die Salze stören mit der Zeit den körpereigenen Salz- und Wasserhaushalt.

Sie sollten daher von dem Gebrauch von Abführmitteln absehen, in Ausnahmefällen nur für kurze Zeit auf Präparate zurückgreifen und in jedem Fall Rücksprache mit Ihrem Hausarzt halten!

 

Marcel Kremer

 

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Quellenangaben:

1. Biesalski, H. K.: Ernährungsmedizin, Stuttgart 1999.

2. Kasper, H.: Ernährungsmedizin und Diätetik, München 2000.

3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: www.dge.de

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