Ergogene Substanzen: Vom Sinn und Unsinn kleiner „Leistungssteigerer“ im Sport

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Der Markt für Nahrungsergänzung in Sport und Sporternährung ist voll von vielversprechenden Mittelchen mit angeblich leistungssteigernder Wirkung. Doch halten diese Produkte, was sie versprechen? Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?

Leistungssteigernde Substanzen gehören schon seit der Antike zu den Themen Sport und Fitness. Sich neben Training und Ernährung durch Nahrungsergänzungsmittel im sportlichen Wettkampf einen Vorteil verschaffen zu wollen, liegt in der Natur des Menschen. Unter Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin- oder Mineralstoffprodukten gibt es die sogenannten ergogenen Substanzen.

 

Was soll mit den „Substanzen“ bewirkt werden?

Das Wort „ergogen“ leitet sich aus dem griechischen Wort „ergon = Arbeit“ und „genein = erschaffen/machen“ ab. Unter ernährungsbezogenen ergogenen Stoffen werden Substanzen verstanden, die sportrelevante, leistungssteigernde physiologische Parameter verbessern sollen. Die sportliche Leistungsfähigkeit soll so über das durch Talent, Training und Ernährung erreichbare Maß hinaus gesteigert werden. Hierbei werden folgende physiologische Veränderungen angestrebt:

– Vergrößerung der Energiereserven in der Muskulatur

– Steigerung der Energieproduktionsrate und

– Vermehrung des Muskelgewebes.

 

Das sind ergogene Hilfen

Die hier vorgestellten ergogenen Hilfen sind allesamt legal, was allerdings nicht zwangsläufig bedeutet, dass sie auch sinnvoll sind oder nebenwirkungsfrei. Zur Stoffklasse der körpereigenen Wirkstoffe und Stoffwechselprodukte gehören zum Beispiel Protein, Kreatin, l-Carnitin und Coenzym Q10. Sekundäre Pflanzenstoffe wie Coffein und Aminosäuren wie Taurin, Arginin, Tryptophan und BCAA´s (verzweigtkettige Aminosäuren) zählen auch zu solchen Hilfen. Bedenken Sie, dass Ihre Ernährungsweise ein Faktor für kurz- und langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit darstellt. Supplemente können eine individuell gut abgestimmte Basisernährung bestenfalls geeignet ergänzen. Allerdings sind nur sehr wenige Substanzen überhaupt in manchen Situationen sinnvoll, bzw. deren Wirkung wissenschaftlich nachgewiesen. Hierzu zählen beispielsweise Kreatin, Koffein, Natriumbicarbonat und andere Puffersubstanzen, sowie Eisen bei Eisenmangel. Beachten Sie jedoch, dass vermeintlich leistungssteigernde Mittel neben negativen Effekten auch unnötige Ressourcen verbrauchen können. „Viel hilft viel“ gilt hier nicht. Da die richtige Dosierung eine wichtige Rolle spielt, sollte man sich vor der Einnahme gut informieren. Dabei sollte die Informationsquelle über ein Produkt unabhängig von der Verkaufsstelle sein! Nebenwirkungen können bei allen Substanzen auftreten, was wiederum eine Einnahme vorher gut überdenken lässt.(1) Im Folgenden wird Ihnen die Substanz Kreatin näher vorgestellt.  

 

Muskelwachstum mit Kreatin?

Ihr Organismus stellt Kreatin in der Leber und der Niere aus den Aminosäuren Glycin und Arginin selbst her. 120 Gramm Kreatin-Monohydrat sind durchschnittlich im Körper vorhanden. Kreatin kann über Lebensmittel wie Fleisch und Fisch in kleinen Mengen aufgenommen werden. Nachdem es im Dünndarm vollständig resorbiert wird, gelangt es über die Blutbahn in Muskulatur, Herz, Hirn und Hoden. Man geht für eine 70 kg schwere Person von einem Tagesbedarf von 2-3 Gramm aus, wobei 50 % aus der Nahrung stammen und 50 % aus der körpereigenen Synthese.

Durch gezielte Gaben von Kreatin können leistungssteigernde Effekte bei hochintensiven Belastungen beobachtet werden. Außerdem bewirkt es einen größeren Muskel- und Kraftzuwachs. Allerdings können hohe Kreatinzufuhren von ca. 20 Gramm am Tag zu erhöhten Glykogeneinlagerungen führen. Die Ursache hierfür ist vermutlich in der verstärkten Wasseraufnahme in der Muskulatur zu suchen, welche letztendlich auch zu einer verstärkten Muskulatur führt. Gewichtszunahmen von 1-2 Kilogramm Körpergewicht sind als normal anzusehen. Eine gleichzeitige Einnahme von Kohlenhydraten und Kreatin kann die Einlagerung in die Muskulatur positiv begünstigen. Allerdings spricht nicht jeder Mensch gleich gut auf eine Kreatineinnahme an. 20-30 % der Personen, die Kreatin einnehmen, sind Non-responder, das heißt, sie reagieren nicht mit einer erhöhten Kreatinkonzentration in der Muskulatur. 4-5 Wochen nach Beendigung der Kreatinsupplementierung erreicht die Muskulatur wieder ihre ursprüngliche Kreatinkonzentration.(2)

 

Nebenwirkungen einer Kreatinsupplementierung

In seltenen Einzelfällen wurden Muskelkrämpfe, Dehydratationszustände und Magen-Darm-Probleme beobachtet. Die Folgen einer langfristigen hochdosierten Kreatineinnahme sind bisher nicht bekannt. Jedoch konnten in Studien bei sachgemäßer Anwendung bisher keine größeren gesundheitlichen Beeinträchtigungen festgestellt werden. Trotzdem ist von einer Dauersupplementierung abzuraten. Aus gesundheitlichen Gründen sollten Sie Absetzphasen durchführen. Lassen Sie sich fachmännisch aufklären und betreuen. Empfehlenswert sind hier jährliche Blut- und Urinuntersuchungen mit Parametern wie Leberenzymen, Harnstoff, Kreatinin und Albumin. So werden Kreatingaben in Höhe von 20 Milligramm pro Tag für ca. 5 Tage sowie 3 Milligramm/Tag zur Aufrechterhaltung der erhöhten Kreatinkonzentration für gesundheitlich unbedenklich befunden. Personen mit Nierenschädigung muss von einer Kreatineinnahme abgeraten werden, da hier das Risiko einer Fehlfunktion der Niere ansteigt. Nach Operationen oder bei Erkrankungen der Muskulatur dagegen wird Kreatin erfolgreich therapeutisch eingesetzt!(2)

Lesen Sie dazu auch: Kreatin und Ausdauersportler

 

Hanna Sandig

 

Literaturangaben:

1. Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin (2010). Bd. 8 (4), S. 7-14

2. Therapeutische Umschau (2000). Bd. 57 (3). S. 110-120

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Hanna Sandig

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