Fakten zu den Fat-Burnern – Der Klassiker: L-Carnitin

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Die schon seit sehr langer Zeit wohl am meisten beworbene Substanz zum Beschleunigen des Fettabbaus ist das L-Carnitin. Es wird häufig direkt als „Fat-Burner“ bezeichnet und zur Körpergewichtsreduktion empfohlen. Aber bewirkt es auch, was versprochen wird?

Die Einnahme von L-Carnitin kann in Tablettenform oder als Flüssigkeit geschehen. Viele Hersteller reichern auch Lebensmittel mit dieser Substanz an und verkaufen diese dann als so genanntes „Functional Food“. Dazu gehören Riegel oder auch Getränke und neuerdings sogar Gummibären mit L-Carnitin. In Ihrem Körper kommt diese Substanz hauptsächlich in der roten Skelettmuskulatur vor. Genau aus diesem Grund dient auch Fleisch als gute Carnitinquelle. Im Gegensatz dazu enthalten pflanzliche Lebensmittel nur geringe Mengen. 

Was macht Carnitin in Ihrem Organismus? 

Carnitin ist eine körpereigene Substanz, die in Ihrer Leber, in Ihrer Niere und im Gehirn gebildet werden kann. Würden Sie Carnitin nicht über die Nahrung zuführen, ist Ihr Körper in der Lage es aus den beiden Aminosäuren Methionin und Lysin zu synthetisieren. Diese endogene Carnitinproduktion lässt Carnitin dann auch nicht zu den essentiellen Nährstoffen zählen1. Das bedeutet, dass es zur Aufrechterhaltung der Funktion Ihres Organismus nicht von außen zugeführt werden muss. Die Produktionsrate beträgt ca. 15 mg pro Tag während weitere 10–70 mg über die Nahrung aufgenommen werden. 98 % Ihrer Carnitinreserven befinden sich in Ihrer Skelett- und Herzmuskulatur. Die restlichen 2 % in der Leber und der Niere, über die auch täglich ca. 20 mg Carnitin über den Harn ausgeschieden werden. In Ihrer Muskelzelle wirkt Carnitin wie ein Transportmolekül, denn es sorgt dafür, dass die langkettigen Fettsäuren aus dem Fettgewebe und aus dem Muskelgewebe in die Mitochondrien gelangen. Dort werden diese dann über den Prozess der sogenannten Betaoxidation verbrannt, um Energie in Form von ATP herzustellen1. 

Durch eine Einnahme wird nicht mehr Fett verbrannt! 

Da Carnitin in der Muskelzelle nicht verbraucht wird, steht es immer bedarfsgerecht als Transportmittel zur Verfügung. Selbst die geringen Mengen, die Ihr Körper über den Harn verliert werden über die Nahrungsaufnahme und auch die Biosynthese mehr als kompensiert. Dazu kommt, dass Ihr Organismus größere Mengen speichert. Genau aus diesem Grund gibt es bei einem gesunden Menschen weder einen Mangel an Carnitin noch einen Verbrauch oder Verluste, die ausgeglichen werden müssten. Selbst bei ausdauertrainierten Leistungssportlern ist immer ausreichend Carnitin in der Muskelzelle vorhanden. Weitere wichtige Punkte sind, dass über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommenes Carnitin nicht in die Muskelzelle gelangt2. Wenn die Aufnahme einer Sättigung unterliegt, wird das „Mehr“ an Carnitin zwar im Blutplasma gesammelt und dann über den Urin ausgeschieden, es gelangt aber nicht zur Muskelzelle. Wenn die Substanz erst gar nicht an den Wirkort gelangt, stellen sich erste Fragen zur Wirksamkeit des zusätzlich aufgenommenen Carnitins2. 

L-Carnitin ist nur ein Transportmittel 

Selbst wenn Sie durch eine Aufnahme die Konzentration von Carnitin in der Muskelzelle steigern könnten, wäre dies nicht gleichbedeutend mit einer gesteigerten Fettverbrennung. Die Verfügbarkeit des Transportmoleküls ist eben nicht der limitierende Faktor in der Fettoxidation. Dieser wird vielmehr über die Enzymaktivität der beteiligten Abbauwege bestimmt. Diese sogenannte Lipolyserate ist ein Prozess, der unabhängig von der Carnitinkonzentration läuft. Entscheidend ist vielmehr, wie viele freie Fettsäuren bei Muskelarbeit mobilisiert werden können und wie viele Mitochondrien mit den entsprechenden Enzymen in der Muskelzelle existieren. Diese Wirkung kann aber nur allein über ein Ausdauertraining beeinflusst werden und nicht über die Supplementierung eines Transportvehikels. Wenn man diese Vorgänge verdeutlichen will, hilft vielleicht das folgende Beispiel: Carnitin ist ein Flugzeug und die freien Fettsäuren sind die Gäste. Die Mitochondrien sind die Fluggesellschaft, die mit den Gästen Gewinn erwirtschaften möchte. Die Bereitstellung vieler Flieger nützt nichts, wenn nicht genug Gäste einen Flug buchen. Letztendlich bestimmt die Anzahl der Gäste den Gewinn und nicht die Anzahl der Transportmittel. 

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Literatur: 

1. Ernährung und Medizin, 2004, Bd. 19, S. 121-128. 

2. Ernährungsumschau, 1994, Bd. 41, S. 60-67. 

3. Obesity Reviews, 2001, Bd. 2, S. 199-211. 

4. International Journal of Obesity and Related Metabolic Disorders, 2001, Bd. 25, S. 316-324.

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Über den Autor

Dennis Sandig

Dennis Sandig arbeitet als Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Julius-Maximilians Universität in Würzburg.

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