Teil 2: Das "flache" 4-4-2

Das Vier-Vier-Zwei (4-4-2), Teil 2

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Teil 2 der Erläuterung zum Klassiker unter den Fußballtaktiken: Das "flache" 4-4-2.

Nach dem 4-4-2 mit Raute, ist die zweite Form das "Flache 4-4-2". Die Mittelfeldformation besteht jetzt nicht mehr aus einer Raute, es gibt keinen klassischen Spielmacher mehr. Dieses System bedient sich der sogenannten „Doppelsechs“, es spielen also zwei zentrale, defensive Mittelfeldspieler nebeneinander. Auch im Sturm ändert sich die Raumaufteilung bzw. Staffelung. Worauf kommt es in Abwehr, Mittelfeld und Angriff an?

Die Abwehr

Flaches 4-4-2

Die Gruppentaktik der Abwehr verändert sich im Vergleich zum 4-4-2 mit Raute nicht wesentlich. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Außenverteidiger nicht mehr so viel Raum vor sich haben, da das Mittelfeld nun besser in die Breite des Spielfeldes aufgestellt ist. Als taktisches Mittel zum Angriff über die Außen kommt hier dem Hinterlaufen des äußeren Mittelfeldspielers durch den Außenverteidiger eine bedeutende Rolle zu. Dribbelt der Mittelfeldspieler mit dem Ball Richtung Zentrum, ergibt sich für den Außenverteidiger die Möglichkeit, diesen außen zu „überholen“ (= hinterlaufen) und so den Ball offensiv auf dem Flügel zu fordern. Erhält er den Pass in die Tiefe, hat er zwei Optionen: entweder er dribbelt Richtung Grundlinie und spielt eine Flanke ins Zentrum, oder er zieht im Tempo nach innen, um selbst den Abschluss zu suchen. Ein Paradebeispiel hierfür liefert das Tor von Phillipp Lahm zum 1:0 beim WM-Auftaktspiel 2006 gegen Costa Rica.

Das Mittelfeld

Dieser Mannschaftsteil macht zweifelsohne den Hauptunterschied zum 4-4-2 mit Raute aus. Das Mittelfeld besteht nun aus einer sogenannten „Doppelsechs", also zwei zentralen, defensiven Mittelfeldspielern, und aus zwei äußeren Mittelfeldspielern, die in diesem System tatsächlich die Außenbahnen besetzen.

Angriff "Blau" über außen, ballorientiertes Verschieben von "Rot"

Die Doppelsechs liefert in der Defensive eine sehr gute Stabilität, da das Zentrum immer besetzt ist. Kommt der Gegner über außen, so kann eine „Sechs" zur Unterstützung der Mitspieler in Ballnähe verschieben, während die andere „Sechs" das Zentrum hält und es sichert. Der ballnahe äußere Mittelfeldspieler übt Druck auf den Ball aus, ebenfalls unterstützt vom ballnahen Außenverteidiger. Der ballferne äußere Mittelfeldspieler rückt ein und verstärkt die Defensive im Zentrum. Kommt der Angriff des Gegners durch die Mitte, rücken beide „Außen" ein wenig ein und verengen somit den Raum in Ballnähe.
Bei eigenem Ballbesitz werden die Flügel besetzt, eine der beiden „Sechsen" schaltet sich mit nach vorne ein. Die andere bleibt als Sicherung im Rückraum des Angriffs. Hier dient die Sechs auch als sichere Anspielstation, die bei Gegnerdruck angespielt werden und die Seite wechseln kann. Indem der äußere Mittelfeldspieler den Flügel Richtung Zentrum verlässt, schafft er Raum für den aufrückenden Außenverteidiger.

Der Sturm

Der Sturm setzt sich zusammen aus einer hängenden Spitze und einem Stoßstürmer. Dadurch, dass im flachen 4-4-2 ein echter Spielmacher fehlt, muss diese Aufgabe zum Teil von einer Sturmspitze übernommen werden. Dies übernimmt die hängende Spitze, die bei Ballbesitz von einer aufrückenden Sechs entlastet werden kann. Der sogenannte Stoßstürmer spielt in vorderster Front und beschäftigt die gegnerische Viererabwehrkette. Beide Stürmer können natürlich sehr variabel spielen und ihre Rollen im Spiel mehrfach tauschen, jedoch sollte jede Position immer besetzt sein.

Gegen den Ball stehen beide ebenfalls gestaffelt und versuchen, das gegnerische Passspiel ausgehend von deren Innenverteidigung so zu lenken, dass ein Pass in einer Überzahlsituation der eigenen Mannschaft endet. Hierzu gibt es mehrere Varianten, die in einem späteren Beitrag noch genauer erläutert werden.

 

Benjamin Götz

Teil 1: 4-4-2 mit Raute

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