Fußball

Das Vier-Vier-Zwei (4-4-2), Teil 1

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Denkt man an die Zeit, als im europäischen Spitzenfußball die Viererkette auf dem Vormarsch war, so erkennt man, dass sich schon bald ein System herauskristallisierte, das später auch den Einzug in den Amateurfußball erhielt und sich bis heute hartnäckig hält: das 4-4-2.

Dieses Spielsystem lässt sich grob in zwei Kategorien gliedern, das 4-4-2 mit Raute, dass hier besprochen wird, und das „flache“ 4-4-2 und das 4-4-2 mit Raute. Beide werden gegliedert nach Abwehr, Mittelfeld und Sturm.

Teil 1: Das 4-4-2 mit Raute

Ein hervorragendes Beispiel für die (meist) erfolgreiche Umsetzung dieses System seit mehreren Jahren liefern Thomas Schaaf und der SV Werder Bremen. Doch welche Eigenschaften bringt das 4-4-2 mit Raute mit und welche Anforderungen stellt es an die einzelnen Spieler bzw. die unterschiedlichen Mannschaftsteile?

Die Abwehr

Das Fundament des Systems bildet die Viererabwehrkette bestehend aus zwei Innen- sowie zwei Außenverteidigern. Die Außenverteidiger agieren bei Ballbesitz sehr offensiv über die Flügel. Die gesamte Viererkette steht breit, nutzt also die komplette Breite des Spielfeldes. Die Innenverteidiger bieten immer eine sichere Anspielstation nach hinten und lenken mit Seitenwechseln oder Pässen in die Tiefe das Spiel (siehe Artikel „Der Innenverteidiger“). Bei Ballverlust zieht sich die Kette zusammen, versucht dem Angriff das Tempo zu nehmen und ihn zu verzögern, um dann in einen Zweikampf zu kommen und diesen zu gewinnen. Hierbei halten die Innenverteidiger das Zentrum und weichen nicht auf die Außen aus.

Das Mittelfeld

Dieser Mannschaftsteil gibt dem System seinen Beinamen, da die Formation im Mittelfeld einer Raute gleicht. Gespielt wird mit einem zentralen, defensiven Mittelfeldspieler (der „Sechser“), einem zentralen, offensiven Spieler (der „Zehner“) und zwei Flügelspielern rechts und links. Der „Sechser“ ist die defensive Absicherung im relativ offensiv spielenden Mittelfeld. Er hält dem „Zehner“ den Rücken frei, und wurde deshalb auch schon als „Staubsauger vor der Abwehr“ beschrieben.
Der „Zehner“ ist der klassische Spielmacher á la Johann Micoud, Diego oder Mesut Özil, um einmal bei Werder Bremen zu bleiben. Dieser Spieler ist enorm kreativ, technisch sehr stark und hat das Auge für den tödlichen Pass. Er wird in diesem System defensiv durch den Sechser entlastet, arbeitet idealerweise aber auch nach hinten mit. Offensiv hat er alle Freiheiten. Um den Außenverteidigern Raum für ihr Offensivspiel zu geben, spielen die beiden Flügelspieler etwas eingerückt. Sie unterstützen die Zehn beim Offensivspiel, kombinieren über Außen mit den erwähnten Außenverteidigern und machen den Raum im Mittelfeld bei gegnerischem Ballbesitz eng, d.h. sie rücken ein. Der komplette Mittelfeldverbund verschiebt ballorientiert. Spielt der Gegner über die eigene rechte Seite, so attackiert der rechte Flügelspieler, der Sechser und der Zehner verschieben ebenfalls in Richtung Ball, der linke Flügelspieler rückt ein und sichert somit das Zentrum.

Der Sturm

Der Sturm besteht aus zwei Spitzen, die nebeneinander spielen und vom Zehner mit Bällen gefüttert werden. Läuft das Angriffsspiel über Außen, laufen sie gestaffelt in den Sechzehnmeterraum ein, um bei einer möglichen Flanke für Gefahr zu sorgen. Auch das Ausweichen eines Stürmers auf den Flügel ist ein probates Mittel, der Zehner kann dann in die Spitze nachrücken. Spielt der Gegner den Ball in der eigenen Viererkette, so versuchen die beiden Stürmer die Passwege so zu lenken, dass der provozierte Pass in einer Überzahlsituation der eigenen Mannschaft endet. So lässt sich der Ball effektiv zurückerobern. Hierbei stehen sie nicht nebeneinander, sondern gestaffelt. Ein Stürmer macht Druck auf den Ball, der andere stellt den ungewollten Passweg zu. Das Mittelfeld stellt ebenfalls Passwege zu, damit im Idealfall nur noch eine mögliche Alternative eines Passes besteht. Wird dieser gespielt, schnappt die Falle zu.

 

Benjamin Götz

 

Das 4-4-2 mit Mittelfeldraute

Das flache 4-4-2

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