Die „hohe Schule“ der Nicht-Periodisierung, Teil 5

Warum Sie auf die "off-season" verzichten sollten!

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„Eine oder zwei lockere Wochen, z.B. nach einer hochintensiven, me hrmonatigen Trainings- oder Wettkampfphase sind natürlich sinnvoll. Jedoch klettere bzw. bouldere ich, genau wie Christian (Anm. d. Red.: gemeint ist Andreas’ Bruder und Rockmastersieger Christian Bindhammer), selbst dann. Jedoch etwas verspielter und weniger intensiv. Doch ein mehrwöchiges Fernbleiben vom Klettersport schwächt aus meiner Sicht die Belastbarkeit der Finger. Von übermäßigem Pausieren, wurde meiner Erfahrung nach, noch niemand stärker. Tatsache ist meiner Erfahrung nach: Wer härter, umfangreicher und intelligenter trainiert, steht auch auf dem Siegerpodest.“ Andreas Bindhammer, Weltcupsieger Sportklettern

„Eigentlich“ hätte diese 5-teilige Kolumnenserie mit der finalen Vorstellung eines Master-Peak-Plan-Vorschlags in Teil 4 enden können. „Eigentlich“ ... für mich nun einmal ein Wort, das nicht existiert. Denn entweder Sie ziehen einen Plan durch oder ... kein oder!

Wirklich nicht? Was ist mit hochgepriesenen Variationen im Training, der Abwechslung, den „notwendigen Regenerationspausen“, den auch im Klettersport immer wieder propagierten, mehrwöchigen (!) kompletten Kletterpausen, die anscheinend die Fingerstrukturen langfristig stärken sollen? Dazu gleich ein Zitat einer meiner Trainingspartner und Mentoren, dessen Aussage ich zu 100% bestätigen kann:

 

„Wer härter, umfangreicher und intelligenter trainiert, steht auch auf dem Siegerpodest!“

Ich nehme an, Sie haben Ihren perfekten Master-Peak-Plan nun im Kopf bzw. nach Teil 4 dieser Kolumnenserie zu Papier gebracht. Dieser hat evtl. 1-2 harte Tage mehr als mein Vorschlag und Ihre Trainingspartner haben „nur“ samstags Zeit. Sie haben also die Wochentabelle entsprechend Ihrer Schwächen / Stärken / Ziele und zeitlichen Möglichkeiten adaptiert und schriftlich fixiert? Gratulation! Genau so soll und darf es sein. Und Sie pushen sich selbst, mit kräftigem „Rückenwind“ aus Ihrem Trainingspartnerteam, abwechselnd anhand Ihrer A- bzw. B-Disziplinen von Woche zu Woche? Sie werden konstant stärker und haben vor allem viel ... Spaß...? Ab und zu eine Kletterreise, ein Trainingslager außerhalb der gewohnten „Trainingskomfortzone“ oder sogar ein Wettkampf sind zur „Abwechslung“ auch dabei? Ich sage: Never change a Running System. Letztlich gilt: Wie lernt ein Kind laufen? Indem es Bücher über Laufen liest und sich in Bewegungslehre- und Koordinationstrainingsgrundlagen-Seminare einschreibt, Trainings- und Periodisierungsstrategien entwirft und mit seinen Trainern bespricht...? Also wozu wollen Sie bitte als Kletterer wochen- oder gar monatelang semispezifisch z.B. ausschließlich am Campusboard trainieren oder ultralocker „Grundlagenausdauerbouldern“, wo ein topmotiviertes Umfeld neben Ihnen Spaß hat und stark und stärker wird!? Bitte merken Sie sich als wichtigstes Fazit dieser 5 Kolumnen: Das Modell der herkömmlichen, starren Periodisierung ist ein abstraktes Produkt, welches noch nie dauerhaft siegreiche, wahre Champions produzierte. Schon allein deren, oft übers gesamte Kletterjahr dicht gedrängter Wettkampf- und Trainingslagerkalender (ich schreibe aus 17 Jahren Profierfahrung), lassen ein solches „Kalendervorgehen“ mit mehrwöchigem, sturem Schwerpunkttraining oft gar nicht zu. (Lesen Sie auch Teil 4 der Kolume: Ihr Master-Peak-Plan – Die Umsetzung bzw. ein Vorschlag für Sie)

 

Abwechslung ja – aber sture Periodisierung? Nein danke!

Eine Woche Sonne und Alternativsport am Ende der Saison? Aber sicher doch! So stelle ich mir meine „Winter Off-Season“ vor!

Alle meine Betreuer und auch der Master-Peak-Plan haben natürlich Einsicht, wenn eine auszukurierende Verletzung ein paar Wochen weniger intensives Training erfordert. Auch eine Urlaubswoche an der herrlichen Sonne Afrikas nach Abschluss der Wettkampfsaison im Dezember gönne ich mir wohl noch dieses Jahr. Und Ja! Auch Sie dürfen die Auszeiten, die Sie nun einmal brauchen, nehmen.

Doch zitiere ich an dieser Stelle einen meiner Mentoren, den ich selbst als „real deal“ oberster Güte kennen lernen durfte und bereits drei mal in Albuquerque besuchte:

„Niemals ändere ich, nur der Änderung zuliebe. Der Grundplan bleibt und noch nie ließ ich ein geplantes Training einfach "ausfallen".“ Clarence Bass – 1. Platz Mr. Past 40 USA – Most muscular Man award in einem Private-Coaching Telefonat

Und nun noch ein Wort zur „fast schon obligatorischen Zwangspause“ im Klettern ... zumindest könnte man diese so nennen, wenn man manchen „Experten“ zuhört. Auch hier lasse ich gerne wieder einen, in meinen Augen echten Experten, der echte Erfolge vorweisen kann, zu Wort kommen.

„Pause über Weihnachten ... klar, darüber wird immer wieder in diversen Trainerkreisen viel diskutiert. Vielleicht bin ich deshalb selten zu Gast bei diesen "Sitzungen". Das Training für 1- bis 2 Wochen, nach zahlreichen Wettkämpfen, im Herbst 2011 waren es, speziell für Max sieben Wettbewerbe fast in Folge, etwas weniger intensiv und verspielter anzugehen, ist sicherlich okay. An 4 bis 5 Tagen pro Woche, nicht ganz so extrem, aber dennoch zu trainieren, ist jedoch unsere Erhaltungsbasis. Auch Fingerkrafttraining, am Griffbalken & Co., sowie Klimmzüge wird in dieser Zeit sogar umfangreicher integriert. Auch auf verstärkten Ausgleichssport wie Langlaufen setzen wir diesen Winter.“ Weltcuptrainer Gerhard Salchegger in einem Private-Coaching-Telefonat

Grundregel ist nur: Nicht kürzer und vor allem auch nicht länger, als erforderlich, zu pausieren. Doch trainiert z.B. sowohl Max, als auch Laurenz Rudigier, im Gegensatz zu mir, meist sogar ohne zusätzliche Ruhetage bis unmittelbar vor den Wettkampf hin. Mehr zu Gerhard Salcheggers Erfolgsstrategien erfahren Sie übrigens auch in www.Power-Quest.cc GOLD-Podcast 319.

 

Das Schluss-Resumme dieser 5 Kolumnen könnte somit lauten:

„Möglichst das ganze Jahr über, zumindest in der Nähe der persönlichen Hochform zu sein und genau dann mehr zu trainieren, wenn die anderen die Füße hochlegen.“

 ... so übrigens „zufällig“ auch das Kredo des vorhin zitierten Gerhard Salchegger.

Eine, diese 5 Kolumnen abschließende Zugabe ist gefragt? Wie wäre es mit einem „C-Tags-Knaller“, den ich mir selbst zur Weihnachtszeit 2010 als „Auflockerung“ meines Master-Peak-Plans gönnte. Den bärenstarken „Farmer“ Karl Humer kennen Sie bereits aus seinem C-Tags-Zitat am Ende des zweiten Teils dieser Kolumnenserie. Also ... für alle, die sich den, nach ihm benannten Negativ-Klimmzug live on (Video)-Tape, als Abschluss-Knaller einer Nicht-Periodisierten Woche mit vorangegangenen Kletterrekorden gönnen wollen ... hier, als krönendes Finale Grande dieser Kolumne die Youtube-Direktanleitung, welche ich im Rahmen eines topmotivierten Trainingslagers in Dornbirn lieferte:

Warum ausgerechnet ein solches „seminspezifisches“ Beispiel? Nun: Sie sehen es sogar anhand eines klassischen C-Tags-Workouts, was bei mir und auch jedem anderen der Fortschritte im Trainings-Log verzeichnen will, oberstes Gebot ist: Regelmäßige, kontrollierte (Über-)forderung ist der wahre Weg der Sieger! Das Schluss-Resumme dieser 5 Kolumnen könnte somit lauten: Es gibt immer etwas zu tun, also direkt (A-/B-Workouts) oder indirekt (C-/D-Workouts) für Ihr Kletter-Over-the-Top-Traumziel!

Bis bald hier auf www.trainingsworld.com mit weiteren Herausforderungen bzw. „stark machenden Zutaten“ für Ihren künftigen Master-Peak-Plan zum Erfolg!

 

Ihr Jürgen Reis (mit Nikolai Janatsch)

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