Wie werde ich selbständiger Trainer? (Teil 2)

Selbstständiger Trainer: Richtige Werbung und gute Referenzen

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Es ist ein langer Weg bis zum erfolgreichen selbstständigen Trainer

Im ersten Teil von „Selbständiger Trainer“ haben wir uns mit den formalen Voraussetzungen beschäftigt und werden nun die erforderlichen Eigeneinbringungen betrachten, z. B. die richtige Werbung und gute Referenzen..

Lesen Sie zunächst auch den ersten Teil des Artikels: Wie werde ich selbständiger Trainer?

 

Werbung für Ihr Unternehmen

Im Sportbereich läuft viel über Mund-zu-Mund-Propaganda. Investieren Sie also nicht zu viel in Offlinewerbung, gerade wenn Sie in einem kleinen Ort wohnen, in dem Ihre Tätigkeit von den meisten Einwohnern gar nicht verstanden wird. Kleideraufnäher, Autosticker, Briefkastenschilder etc. sind zwar nette Geschichten, Sinn und Zweck davon wird dann aber eher sein, dass Sie Außenstehenden Ihre Identifikationsbereitschaft mit Ihrer eigenen Tätigkeit zeigen, statt Kunden zu gewinnen.

Auch Werbung in Zeitschriften ist nicht ohne Einschränkungen zu empfehlen. Auf eine Anzeige, die ich in einer Fitnesszeitung als Gegenleistung für einen Artikel erhalten habe, hat sich kein einziger Interessent gemeldet, während dies bei einem Vereinsnewsletter ganz anders funktioniert. Achten Sie besonders darauf, wo Sie inserieren, wenn Sie dafür zahlen müssen. Wenn eine Zeitschrift z. B. fachfremd ist, oder zwar vom Fach, der weitere Inhalt aber schlecht recherchiert, fehlerhaft und anspruchslos ist und zudem noch diverse Laien Inhalte beisteuern, kann die Zeitschrift dann Personen anlocken, die bereit sind, viel Geld in eine von Ihnen angebotene Dienstleistung oder ein Produkt zu investieren, wenn die Anzeige ehrlich ist und nicht nur dazu dient, uninformierten Opfern das Geld abzuluchsen?

 

Schaffen von Referenzen

Informiert sind Sie dann, wenn für Sie in Ihrem jeweiligen Bereich keine erdenkliche Frage existiert, auf die Sie keine produktive Antwort geben können! Haben Sie diesen Wissens- und Trainingsstand erreicht, starten Sie durch mit der Referenzarbeit. Schreiben Sie Artikel, Berichte, vielleicht sogar Bücher, schaffen Sie Interviews, Videos und beschaffen Sie sich eine angemessene Internetpräsenz. Dazu müssen Sie zunächst jemanden finden, der bereit ist, Ihre Arbeit zu würdigen, vielleicht auch ohne Gegenleistung außer der Referenz. Wenn noch nie jemand von Ihnen gehört hat, wird er Ihnen eher keine Kolumne in einer Zeitschrift geben, egal wie gut Ihre Arbeit ist.

Als ich mich in der Vergangenheit mit Beispielen meiner Arbeit für eine Printkolumne beworben habe, wurde mir mitgeteilt, der Inhalt sei komplett vom Verlag vorgegeben und man könne nicht einsteigen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 3 Bücher veröffentlicht, aber keine Referenzen von Dritten, die für mich sprachen. Nachdem ich mir 1 Jahr lang verschiedenste Referenzen erarbeitet hatte, habe ich mich erneut, mehr im Spaß, für eine Kolumne bei der gleichen Zeitung beworben, mit der Antwort „Willkommen im Team!“

Überlegen Sie sich weiterhin, wie Sie arbeiten möchten. One-on-One? Gruppentraining? Publikationen? Eine Kombination? Probieren Sie aus, was Ihnen liegt und was sich für Sie auch finanziell rentiert.

 

Seien Sie hart

Die selbständige Tätigkeit im Trainings- und Sportbereich ist keine gesellschaftskonforme Erwerbstätigkeit wie z. B. Bäcker, Sachbearbeiter oder ähnliches. Entsprechend werden Sie sich auf viel Kritik von Seiten Ihres sozialen Umfelds gefasst machen müssen, da die meisten Leute Ihre Tätigkeit weder verstehen, noch anerkennen wollen. Dies geschieht oft aus Neid darüber, dass Sie Schritte gehen, die Ihre Kritiker niemals gewagt haben, und zum anderen schlicht aus der Unzufriedenheit gegenüber allem, was Sie tun, was zu anders ist, als dass man es den Nachbarn über Sie weitererzählen kann. Wenn Sie sich davon unterkriegen lassen, haben Sie schon verloren. Rechtfertigen Sie sich niemals für das, was Sie tun, sondern machen Sie es einfach.

Dies scheint Ihnen vielleicht weithergeholt, repräsentiert aber nicht nur meine eigenen Erfahrungen, sondern auch die meiner Kollegen, die sich häufig mit den absurdesten Nervensägen, gerade im nahen Kreis, herumärgern. Sticheleien, Beleidigungen, erlogene Behauptungen ohne Grundlage sind gängiger Standard, wenn Sie sich dazu erschließen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, was nicht in das Gesellschaftsbild Ihres Umfelds passt. Räumen Sie diese Hindernisse frühzeitig aus dem Weg oder Sie zerbrechen vielleicht daran. Wer Sie nicht unterstützt, kann Ihnen künftig gestohlen bleiben

 

Die zeitlich-finanzielle Komponente

Rechnen Sie damit, dass Sie bei entsprechendem Engagement mindestens 3 Jahre benötigen, um kostendeckend zu arbeiten und weitere 3-4 Jahre, um sich einen Namen zu schaffen, mit dem Sie Geld verdienen können. Wenn Sie loslegen, empfehle ich Ihnen, eine bestehende Festanstellung nicht aufzugeben, bzw. sich eine Teilzeitstelle zu suchen, einfach damit Sie abgesichert sind und die Krankenkasse nicht aus eigener Tasche bedienen müssen. Eine Teilzeitstelle lässt sich ideal mit den Anfangsjahren selbständiger Arbeit kombinieren, gerade wenn Sie weiblich sind.

Warum nur dann, wenn Sie weiblich sind? Die Unternehmensakzeptanz für männliche Teilzeitkräfte geht gegen 0. Oft bleibt nichts außer der Sicherheitsgewerbebereich, in dem man für gewöhnlich schnell einen Einstieg findet. Klar möchten Sie direkt loslegen und Ihre Energie vornehmlich in Ihr eigenes Business legen. Wie realistisch ist es aber, dass Sie sofort ein entsprechendes Einkommen generieren? Fahren Sie lieber zweigleisig, statt sich z. B. hoch zu verschulden, um für wenige Jahre liquide zu sein und dann den Kredit nicht mehr bedienen zu können oder, wenn das Geschäft läuft, nur Zinsen zu zahlen, nicht aber tilgen zu können.

 

Fazit

Dies war ein Überblick über das, was in der Anfangszeit als selbständiger Trainer auf Sie zukommt. Schätzen Sie Ihre Möglichkeiten, gerade zu Beginn, realistisch ein, statt überstürzt zu agieren und dann doch zu scheitern. Bleiben Sie wissbegierig und hartnäckig dabei, dann stehen Ihre Chancen sehr gut, mit und von dem eigenen Unternehmen Leben zu können.

 

Denis Tengler

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