Ratgeber

Wie werde ich selbständiger Trainer?

+
Selbständig als Trainer – Was es zu beachten gibt.

Für viele aktive Sportler ist die Tätigkeit als selbständiger Trainer die Erfüllung des Traums, Hobby und Beruf zu vereinen. In den folgenden Beiträgen wollen wir erläutern, was es zu beachten gibt, wenn man diesen Karriereschritt optimal einleiten will.

Zudem soll ein realistisches Bild darüber vermittelt werden, mit welcher Entwicklung man rechnen kann, bzw. wie lange man einplanen muss, um nicht vorschnell das sprichwörtliche Handtuch zu werfen. Die Tätigkeit im Fitnessstudio in Festanstellung als sogenannter „Fitnesstrainer“ ist für diesen Artikel irrelevant und wird nicht besprochen.

Prinzipiell gibt es verschiedene Möglichkeiten, als selbständiger Trainer tätig zu werden, mit entsprechenden Vorbedingungen, die wir im Folgenden kurz darstellen.

 

Formale Voraussetzungen

Gewerbeschein

Um als Trainer selbständig arbeiten zu dürfen, benötigen Sie obligatorisch einen Gewerbeschein. Dieser kostet zwischen 10 und 25 Euro. Ausgestellt wird er vom Bürgerbüro Ihrer zuständigen Behörde. Für gewöhnlich werden Sie im Kleingewerbe starten, wo Sie jährlich bis zu 17.500 € umsatzsteuerfrei hinzuverdienen dürfen. In Ihrer Jahressteuererklärung werden Sie dann das Formular „EÜR“ (Einnahmeüberschussrechnung) zusätzlich ausfüllen müssen, in dem Sie Ihre Kosten gegenüber Ihren Einnahmen aufstellen. Verdienen Sie dauerhaft mehr als die genannte Summe, fällt Einkommensteuer an. Arbeiten Sie ohne Schein, bewegen Sie sich im informellen Sektor. Da das Kleingewerbe so flexibel ist, wären Sie ein Narr, wenn Sie es nicht nutzen würden. Arbeiten Sie zudem noch in Festanstellung, brauchen Sie sich nicht einmal selbständig bei der Krankenversicherung zu melden, was, gerade zu Beginn, eine erhebliche finanzielle Erleichterung darstellt, da die als Selbständiger zu entrichtende Gebühr in keinem Verhältnis zu derjenigen steht, die Sie im Rahmen einer Festanstellung entrichten. Gleiches gilt für die Rentenversicherung.

 

Trainer für eine bestimmte Sportart

Wenn Sie selbständig als Trainer für eine bestimmte Sportart arbeiten möchten, kommen Sie ab einem gewissen Leistungsbereich nicht um einschlägige sportartspezifische Lizenzen herum. Die Nachweise sind Vorbedingung, um überhaupt im jeweiligen Bereich arbeiten zu dürfen und sind ggf. mit erheblichen Investitionen verbunden. Den Erwerb können Sie in der Regel berufsbegleitend durchführen, möglicherweise investiert auch Ihr künftiger Arbeitgeber finanzielle Mittel in Ihre Ausbildung.

 

Arbeiten im Fitnessstudio

Wenn Sie selbständig im Studio Kurse anbieten, wird für das Studio Ihre erbrachte Leistung relevant sein, bzw. dass Sie sich auf eine für das Studio angemessene finanzielle Entschädigung einigen können, die Sie an das Studio dafür entrichten, dass Sie die Kursräume oder die Trainingsfläche nutzen. Zudem muss Ihre Leistung konform mit der Philosophie des Studios sein. Glauben Sie, dass Sie in einem Studio, das sich ausschließlich über Zirkelgerätetraining und Ultrschallfettbehandlungen identifiziert und somit an wenig leistungsorientierte, noch weniger erfolgsorientierte dafür aber liquide Personen wendet, einen Kurs über Training mit freien Gewichten anbieten können, der möglicherweise den ein oder anderen Studiobesucher zum Wechsel des Studios bewegen könnte?? Das wird nicht funktionieren.

 

Arbeiten für das Fitnessstudio

Prinzipiell ist es auch möglich, dass Sie auf selbständiger Basis im Studio „angestellt“ sind. Für gewöhnlich benötigen Sie dafür zumindest eine gängige Trainerlizenz, damit das Studio einen Nachweis Ihrer Kenntnisse für die Versicherung hat, sollte ein Schadensfall eintreten. Der große Nachteil ist, dass Sie die Firmenmentalität vertreten müssen, auch wenn Sie persönlich der Meinung sind, dass die Trainingsform und die Methoden im Studio völlig daneben sind und die Mitglieder durch dubiose Methoden an das Studio gebunden werden sollen, statt tatsächlich effektiv zu trainieren. Das ist zweifach demotivierend. Erstens weil Sie eine Arbeit verrichten, an die Sie nicht glauben, und zweitens, weil die Studiomitglieder es nicht anders wollen. Natürlich können Sie mit einem Studio aber auch Glück haben.

 

Arbeiten als Personaltrainer

Als Personaltrainer haben Sie die tolle Möglichkeit, ausschließlich in Ihrem Interessenbereich zu arbeiten. Da fixe Richtlinien nicht interessieren, entscheiden Sie selbst, was Sie lernen möchten und was nicht bzw. mit wem Sie arbeiten. Wenn Sie sich dazu entschließen, Lizenzen zu erwerben, können Sie dies interessenorientiert und flexibel. Lizenzen sind keine Vorbedingung für die Tätigkeit als Pesonaltrainer, erleichtern Ihnen aber den Einstieg in Ihre Tätigkeit, da für außenstehende Laien nicht nachvollziehbar ist, ob Ihr Kenntnisstand tatsächlich so entwickelt ist, wie Sie es darstellen, es sei denn, Sie verfügen bereits über aussagekräftige Referenzen, die Ihren potenziellen Kunden einen Einblick in Ihre Tätigkeit vermitteln und Ihre Kompetenzen hervorheben.

 

Allgemeines zu Lizenzen und Scheinen

Eine Lizenz oder ein Schein macht Sie noch lange nicht zu einem guten Trainer! Wenn Sie

- über die Basisausbildungen hinaus nicht bereit sind, sich intensiv autodidaktisch fortzubilden

- gängige Lehrmeinungen nicht überprüfen, d. h. hinterfragen, was in der Praxis von angeblichen Statistiken übrigbleibt

- selber nicht nach Ihren angepriesenen Methoden trainieren, essen, regenerieren und leben

werden Sie alles andere als ein guter Trainer sein, sondern höchstens ein potenzieller Mitarbeiter für die oben vorgestellte Studiomentalität. Gleiches gilt, wenn Sie meinen, dass man sich physiologische Fakten selber anlesen kann, auch ohne Trainerscheine zu erwerben, dann aber in Ihren Berichten erkennen lassen, dass Sie selbst das offensichtlich nicht getan haben und ein Training propagieren, dem jegliche Grundlage fehlt. Wenn Sie sich dann noch mit Schattenspielbildern präsentieren, auf dem jeder Laie erkennen kann, dass Sie weder besonders muskulös, noch definiert sind, machen Sie sich verdienter Weise im besten Fall zum Gespött der Szene.

 

Der 2. Teil des Artikels wird Sie weiterführend über eine Existenzgründung als selbstständiger Trainer informieren.

 

Statt selbstständiger Trainer wollen Sie lieber Fitnessmodel werden und sich so Ihren Traum von einer Karriere mit Sport erfüllen? Wie werde ich „Fitnessmodel“ (Teil 1) 

 

Denis Tengler  

Auch interessant

Kommentare