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Trainingsplanung über das Internet – Was kann Onlinetraining?

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Was kann ein Onlinetraining im Internet und was nicht?

Moderne Kommunikationswege eröffnen neue Geschäftsfelder für Trainer, Ärzte, Leistungsdiagnostiker und Fitnessstudios, aber auch eine ganz neue Qualität in der individuellen Trainingsbetreuung.

Nicht nur die Analysegeräte, mit denen Sie Ihr Training auswerten können, arbeiten mittlerweile drahtlos. Auch Trainer greifen zunehmend zum Internet, wenn es darum geht aktuelle Trainingsvorgaben an ihre Sportler zu senden. Dabei steht das Netz in erster Linie als Kommunikationsplattform im Vordergrund und soll das Abstimmen zwischen Sportler und Trainer erleichtern.

Noch vor wenigen Jahren fanden Ausdauersportler wie Triathleten, Läufer und Radfahrer fast ausschließlich in Vereinen einen Trainer, der sie fachmännisch betreuen konnte. In den letzten Jahren etablierten sich nun zunehmend Trainingsinstitute, die Ausdauersportlern Trainingsplanung anbieten. Zumeist wird dabei auf klassische Dokumente zurückgegriffen, so dass ein Trainer einen Trainingsplan in Form eines Tabellendokuments oder in einem Schreibprogramm erstellt und dieses an den Sportler versendet. So kann der Trainer eine Trainingsplanung erstellen, in dem er individuell auf die zur Verfügung stehende Zeit eingeht, die Leistungsfähigkeit berücksichtigt und den Sportler auf ein Ziel hin trainiert. Das Problem bei solchen fixen Plänen über mehrere Wochen oder sogar Monate ist, dass sich das Training gerade im Freizeitsport nach dem beruflichen und privaten Alltag richten muss und nicht umgekehrt.

 

Änderungen schnell umsetzen

Der Bedarf geht beim Sportler also dahin, dass der Trainer das Training an eine Dienstreise, eine Familienfeier oder Krankheiten anpassen muss. Idealerweise sollten auch Phasen der Überlastung und des Stresses schnell im Trainingsplan berücksichtigt werden. Lösungen bieten hier Online-Planungstools an, die von Trainern, Ärzten oder Fitnessstudios eingesetzt werden können, um das Training zu planen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Plattform in erster Linie einfach und intuitiv zu bedienen ist – der Sportler soll keine Zeit damit verschwenden ein Handbuch lesen zu müssen, anstatt Trainieren zu können. Derzeit sind 2 große Anbieter auf dem Markt, web4trainer.de und atleta.de, wobei beide Plattformen auf verschiedene Sportarten ausgerichtet sind.

 

Wie funktioniert so eine Online-Plattform?

Abb. 1. Subjektiv-orientierte Trainingsprotokollierung bei atleta.de

Mithilfe der Online-Plattform können dabei Daten geteilt werden, so dass der Trainer wichtige Informationen sammelt. Dazu gehört neben den Daten aus dem Training, wie absolvierten Kilometern, der Herzfrequenz und/ oder der Leistung aber in erster Linie auch die subjektive Einschätzung des Sportlers. Nur so kann ein Trainer lernen die Belastungen richtig einzuschätzen und Ihr Training auch anzupassen und weiter zu entwickeln. Eine individuelle Trainingsplanung lässt sich mit keinem noch so guten mathematischen Programm berechnen. Deshalb kann eine Trainingsplattform immer nur ein Werkzeug sein, mit dem Ihr Training individuell geplant wird. Im Idealfall ermöglicht ein solches Online-Tool dem Trainer auch, Videos für das Krafttraining oder das Lauf-ABC frei zu konfigurieren, so dass die tagesaktuellen Trainingspläne in Wort durch Bilder ergänzt werden. Über das Internet sind Trainer und Sportler quasi nur einen Mausklick voneinander entfernt, auch wenn der Sportler gerade im 1000 km entfernten Trainingslager ist. Zudem kann der Kommunikationsweg entzerrt werden – der Sportler hinterlegt eine Planänderung und der Trainer kann unmittelbar Anpassungen vornehmen, ohne dass ein gemeinsamer Zeitpunkt für ein Telefonat gefunden werden muss. Dies stellt eine Vereinfachung im Zeitmanagement von Trainer und Sportler dar.

 

Technikglauben versus freies Trainieren

Eine Trainingsplattform darf niemals zu kompliziert werden. Neben den vielen technischen Geräten, die im Training verwendet werden, wie Leistungs- oder Herzfrequenzmesser, GPS-Empfänger und Laufcomputer, ist es zuerst das Gefühl, das im Vordergrund stehen sollte. Anschließend folgen erst die Daten – und nicht umgekehrt. Genau hier besteht auch die Schnittstelle zwischen stumpfem Technikglauben und dem, was Sport eigentlich ausmacht: Die Freiheit, die Natur genießen zu können und sich und seinen Körper dabei zu erleben. Die Technik muss dabei für den Athleten genutzt werden und darf kein Gegner sein. Man sollte immer auch das eigene Gefühl berücksichtigen. Geben Sie Ihr Gefühl an den Trainer weiter und erarbeiten Sie gemeinsam mit ihm die weiteren Konzepte. Das Internet bietet hier eine Kommunikationsbasis, bei der die Technik allein als Transportmittel zu sehen ist. Ihr Training und Ihre Freiheiten bleiben erhalten. Gleichwohl bietet Onlinetraining einen Vorteil, da Sie Ihr Training einfach von einem Fachmann strukturieren und überwachen lassen können!

 

Mensch oder Maschine?

In der Trainingsplanung am Computer haben sich 2 Systeme entwickelt. Einmal ist ein persönlicher Trainer vor dem Computer und plant Ihr Training und berücksichtigt dabei alle Ihre Angaben oder ein Computer-Programm errechnet Ihren Plan anhand von Modellen auf der Basis Ihrer Daten1. Diese generierten Programme können selbstverständlich weniger auf Ihre persönlichen Gegebenheiten eingehen. Wenn Sie nun nach einem „Online-Trainer“ Ausschau halten, sollten Sie darauf achten, dass die Technik nur das Kommunikationsmittel darstellt. Bei einigen Anbietern wird der Trainingsplan von einer Software erstellt. Das kann für den Einsteiger vollkommen ausreichend sein, wenn es darum geht eine erste Struktur in ein Training zu bringen. Ein persönlicher Trainer kann jedoch auch auf kleine Feinheiten gezielt reagieren und Ihr Training entsprechend anpassen1. Unterschiede bestehen in der Belastungsreaktion auf bestimmte Reize, denn ein bestimmtes Intervalltraining führt eben bei unterschiedlichen Sportlern nicht zu identischen Reaktionen. Zudem lernt ein menschlicher Trainer anhand Ihrer Angaben das Training auf Ihren Körper und Ihre Rahmenbedinungen wie Familie und Beruf hin anzupassen. Der menschliche Körper besteht aus sehr komplexen Systemen, die ständig in Interaktion stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Mathematische Modelle und automatische Trainingsplangeneratoren stoßen hier an ihre Grenzen und sofern der Preis in Ordnung ist, sollten Sie einen persönlichen Trainer vor dem Computer vorziehen.

 

Fazit

Im Fitnessstudio, ebenso wie im Ausdauersport entwickelt sich ein vielfältiges Angebot von Trainern und Experten, die Ihnen helfen Ihr Training auf Ihre Bedürfnisse hin auszurichten und zu strukturieren. Während es im Fitnessstudio von Vorteil ist, wenn Ihr Trainer vor Ort persönlich mit Ihnen arbeitet, kann bei Ausdauersportlern der Trainer auch weit entfernt in einer anderen Stadt wohnen und Ihnen Ihren Trainingsplan online zur Verfügung stellen.

 

Tipps für Ihr Training

- Sprechen Sie ausführlich mit einem Trainer.

- Führen Sie wenn möglich ein Online-Trainingstagebuch.

- Trainieren Sie nach Plan, aber scheuen Sie sich nicht auch mal das Training auf eigene Faust hin umzustellen.

Lesen Sie auch: Was leistet eine Trainings-App wirklich? 

 

Dennis Sandig

 

Literaturangaben:

1. Triathlon Training (2010), Bd. 61, S. 60-61.

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