Tennis Technik

Tennis Techniktraining: Der Topspin – die Waffe des modernen Tennisspiels

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Das moderne Tennisspiel wird vom Topspin dominiert

Der Topspin ist im heutigen Tennisspiel zweifelsfrei der wichtigste und am häufigsten angewandte Schlag - sowohl auf der Vorhand- als auch auf der Rückhandseite. Die Spieler auf Weltklasseniveau sind inzwischen athletischer, schneller und arbeiten mit einer besseren Beinarbeit, sodass die Position am Netz nicht mehr die erfolgversprechendste ist.

Das Spiel wird heutzutage fast ausschließlich von der Grundlinie aufgezogen und mit harten Spinschlägen diktiert. Von Björn Borg in den 70er Jahren eingeführt hat der Topspin seinen Siegeszug bis heute fortgesetzt. Selbst in Wimbledon wird heute von der Grundlinie gespielt.

Die Vorteile dieses Grundschlags liegen auf der Hand: Durch den Vorwärtsdrall entsteht die nach unten gerichtete Magnuskraft, welche die Flugbahn des Balles verkürzt. Anders ausgedrückt kann man also durch den Spin seinen Ball höher über das Netz spielen, ohne dass der Schlag zu lang wird. Somit kann die Fehlerquote erheblich reduziert werden. Besonders im Amateurbereich ist dies von großer Bedeutung, da hier in der Regel der Spieler gewinnt, der weniger Fehler macht. Ein weiterer Vorteil ist der hohe Absprung des Topspins, der den Gegenspieler zusätzlich unter Druck setzt.

Die Schläger- und Saitenindustrie hat in den letzten Jahren ihren Teil dazu beigetragen, dass der Schlag noch wirkungsvoller wird.

Das Paradebeispiel für einen extremen und aggressiven Topspinspieler im Welttennis ist Rafael Nadal. Mit dem unglaublichen Vorwärtsdrall, den er auf seine Schläge gibt, zermürbt er seine Gegner regelmäßig. Vor allem auf Sandplätzen ist Nadal kaum zu schlagen. Der Belag ist langsamer und der Ball springt höher ab. Dies kommt seinem Spiel sehr entgegen. Selbst gegen Roger Federer hat er mit 18:9 (Stand März 2012) eine deutlich positive Bilanz. Besonders effektiv ist sein hochabspringender Topspin gegen die einhändige Rückhand von Federer. Als Linkshänder kann er mit einem aggressiven Vorhand Cross den Schweizer immer hoch auf seine etwas schwächere Rückhandseite anspielen. Durch die fehlende Stabilisation der zweiten Hand leidet die Kontrolle der Rückhand, wenn man als Einhänder den Ball im Steigen nimmt. Oft werden die Schläge entweder ungenau oder man produziert viele Misshits. Die Alternative besteht darin, zurückzuweichen und den Ball weit hinter der Grundlinie auf Hüfthöhe zu spielen. Dadurch gerät man jedoch zwangsläufig in die Defensive und unter Druck.

Durch dieses einfache Beispiel kann man als Tennisspieler eine ganze Menge lernen. Die meisten Amateurspieler sind auf der Rückhand schwächer als auf der Vorhand. Dies kann man durch einen gut gespielten Topspin zu seinem Vorteil nutzen. Besonders bei hohen Topspinschlägen auf die Rückhand entstehen die größten Probleme. Spielt man gegen einen Einhänder, sollte der Schlag sehr häufig eingesetzt werden. Aber auch bei Beidhändern ist dies eine wirkungsvolle Variation, mit der man den Gegner in die Defensive zwingen kann. Gerade auf den in Deutschland weit verbreiteten Sandplätzen, auf denen der Ball höher abspringt, ist dies ein entscheidender Aspekt, der im Techniktraining berücksichtigt werden wollte.

 

Philipp Osburg

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