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Tennis Techniktraining: Der Kick-Aufschlag (Teil 4)

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Der Kick-Aufschlag und seine Vorteile, Nachteile und Übungsformen.

Der letzte Teil der Serie zum Thema Aufschlag nimmt den wohl wichtigsten und am häufigsten angewandten Aufschlag unter die Lupe. Der Kick- oder Twist-Aufschlag ist die dominierende taktische Spieleröffnung. Er kann als erster und zweiter Aufschlag gewinnbringend eingesetzt werden.

Pat Rafter vor einigen Jahren oder heute beispielsweise Roger Federer beherrschen den Kick-Aufschlag so perfekt, dass er selbst auf Rasen so hoch abspringt, dass der Gegner den Ball auf oder sogar über Schulterhöhe returnieren muss.

Der Kick zeichnet sich dadurch aus, dass er sowohl Vorwärts- als auch Seitwärtsrotation hat. Um dies zu erreichen, muss bereits der Ballwurf etwas anders gestaltet werden. Der Treffpunkt ist nicht wie bei den anderen Aufschlagvarianten vorne rechts, sondern mehr über dem Kopf und nach links versetzt. Für einen effektiven Kick muss die Schlagbewegung explosiv und nach vorne oben erfolgen. Die Schlägerbeschleunigung sollte keineswegs geringer sein als beispielsweise beim ersten Aufschlag. Viele Spieler neigen beim zweiten Aufschlag dazu, klein zu werden und das Tempo rauszunehmen, um den Ball sicher rein zu spielen. Beim Kick-Aufschlag geht das in der Regel schief. Im Treffpunkt muss der Unterarm dann eine starke Pronationsbewegung durchführen. So erhält der Ball den notwendigen Spin, durch den er sich bei gleicher Beschleunigung trotzdem ins Aufschlagfeld senkt. Damit der Kick genau so funktioniert, ist es zwingend erforderlich, dass der korrekte Aufschlaggriff verwendet wird.

 

Die Vorteile

Die Vorteile des Kicks im Tennis liegen auf der Hand:

1. Sicherheit

Genau wie beim Topspin von der Grundlinie überquert der Ball durch die Vorwärtsrotation das Netz deutlich höher. Die Gefahr, dass der Ball im Netz landet, ist also geringer. Außerdem sorgt der Vorwärtsdrall für eine verkürzte Flugkurve, sodass der Ball trotzdem im Aufschlagfeld aufkommt.

 

2. Absprung

Ebenfalls durch den Vorwärtsdrall bedingt, springt der Ball höher als beim geraden oder Slice-Aufschlag ab. Die meisten Spieler haben mit hochabspringenden Bällen Probleme und können diese nur schwer kontrollieren.

 

3. Zeit

Der Kick verschafft dem Aufschläger nach dem Service einen Zeitvorteil. Da der Ball durch die parabelförmige Flugkurve länger unterwegs ist, hat man auch länger Zeit sich nach dem Aufschlag in die richtige Position für den nächsten Schlag zu begeben. Zudem ist es für den Returnspieler viel schwerer Tempo auf den eher langsamen Kick zu bekommen. Zieht man den Aufschlag ohne Rotation glatt durch, kann es vorkommen, dass ein guter Gegner das Tempo mitnimmt und der Return genauso schnell zurückkommt wie der Aufschlag.

 

4. Aufschlag auf die Rückhand des Gegners

Wenn im Normalfall zwei Rechtshänder gegeneinander spielen, wird der Ball aufgrund der starken Pronation des Unterarms und der daraus resultierenden Seitwärtsrotation auf die Rückhandseite des Gegners springen. Diese ist bei den meisten Spielern die schwächere Seite. Wenn der Ball dann auch noch hoch abspringt, stehen viele Spieler oft auf verlorenem Posten. Besonders diejenigen mit einer einhändig geschlagenen Rückhand haben hier oft herbe Probleme.

 

Nachteile

1. Auffälliger Ballwurf

Einer der Nachteile des Kicks ist der veränderte Ballwurf. Oft ist somit schon vor dem Treffpunkt des Balls klar, wohin der Aufschlag geht. Der Returnspieler kann sich also frühzeitig einstellen. Es ist daher empfehlenswert beim Kick nicht zu extrem nach hinten links zu werfen, sondern zu versuchen den Ballwurf bei jedem Aufschlag so ähnlich wie möglich zu gestalten. Vor allem fortgeschrittene Spieler sollten das versuchen.

 

2. Nicht genügend Drall

Hat der Kick nicht genügend Drall, ist die Wirkung kaum gefährlich für den Gegner. Abgesehen davon, dass der Ball ohne ausreichenden Spin oft zu lang ist, kann der Returnierende den Ball angenehm auf Hüfthöhe druckvoll zurückspielen. Daher ist es von absolut entscheidender Bedeutung den richtigen Aufschlaggriff zu verwenden und auf keinen Fall den Schläger zu verhalten zu beschleunigen. Nur so kann dem Ball der entscheidende Impuls gegeben werden.

 

3. Nicht deutlich auf die Rückhand

Ein weiterer Gefahrenpunkt ist die Schwierigkeit, den Ball deutlich auf die Rückhand zu spielen. Um dies zu schaffen, muss sehr präzise aufgeschlagen werden. Ein langsamer Kick auf die Vorhand des Gegners oder so gespielt, dass der Returnierende umlaufen kann, ist häufig keine Gefahr.

 

Trainingsbeispiele

Der Kick kann auf vielen verschiedenen Wegen erlernt und im Techniktraining trainiert werden. Hier nur einige Beispiele:

1. Eine Zauberschnur oder ein anderes Seil wird ca. 1-1,50 m über das Netz gespannt. Der Aufschläger soll versuchen den Ball über die Schnur zu schlagen und im Aufschlagfeld unterzubringen. Je höher die Schnur hängt, desto höher ist später der Absprung des Balls.

 

2. Ein Trainingspartner steht ohne Schläger an der Grundlinie beim Return. Der Aufschlag soll so gespielt werden, dass der Partner den Ball über Kopfhöhe mit den Händen fangen soll.

 

3. Um zu gewährleisten, dass der Ball auf die Rückhand serviert wird, werden Markierungen aufgestellt. Von der Einstandseite soll der Ball in einem schmalen Korridor nahe der Mittellinie des T-Felds aufkommen, von der Vorteilseite nahe der Außenlinie.

 

Fazit

Vom Bewegungsablauf ist der Kick-Aufschlag mit Sicherheit der schwierigste Aufschlag. Richtig gespielt ist er aber auch mit Abstand der unangenehmste für den Returnspieler. Abgesehen von der hohen Sicherheit durch die Vorwärtsrotation hat man auf der Vorteilseite die Möglichkeit den Gegner weit aus dem Feld zu treiben. Der Kick-Aufschlag ist im modernen Tennis dermaßen dominant, dass er mittlerweile auf allen Belägen am häufigsten angewandt wird. Oft wird er sogar als erster Aufschlag gespielt. Auf Amateurniveau kann man teilweise bis zur Oberliga ausschließlich mit Kick servieren und seine Spiele regelmäßig gewinnen. Dementsprechend sollte dieser Variante im Training besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden – sowohl beim Aufschlag als auch beim Return.

(Tennis Techniktraining: Der Slice-Aufschlag (Teil 3))

 

Philipp Osburg

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