Tennistraining

Der Volley – unverzichtbarer Bestandteil eines Tennisspielers

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Wie und warum Sie den Schlag Volley im Tennis-Techniktraining einbauen sollten.

Der Volley ist im Tennis fast ausgestorben - dennoch haben Spieler, die einen guten Volley beherrschen, enorme Vorteile gegenüber Spielern, die konsequent an der Grundlinie bleiben. Warum und wie Sie diesen Schlag trainieren erklärt Philipp Osburg.

Der Volley hat mit der Verlagerung des Spiels an die Grundlinie immer mehr an Bedeutung verloren. Oft wird dieser Schlag im Training zugunsten der Grundschläge vernachlässigt oder findet den Weg überhaupt nicht mehr in den Trainingsplan. Dies hat zur Folge, dass viele Spieler nur noch am Netz auftauchen, um dem Gegner die Hand zu schütteln. Besonders im Damentennis ist diese Entwicklung auffällig. Hier ist sogar ein Großteil der weltbesten Spielerinnen nicht in der Lage, einen technisch sauberen Flugball zu spielen. Im Herrenbereich trifft dies nicht ganz so extrem zu, jedoch sind auch hier Angriffe ans Netz zur Seltenheit geworden.

Da das Tennisspiel in den letzten Jahren gezeigt hat, dass man von der Grundlinie die höchsten Erfolgsaussichten hat, ist diese Entwicklung kaum verwunderlich. Dennoch haben Spieler, die einen guten Volley beherrschen, enorme Vorteile gegenüber Spielern, die konsequent an der Grundlinie bleiben. Ein hervorragendes Beispiel ist Rafael Nadal. Der Spanier, der anfangs nur als Sandplatz-Spezialist gefürchtet war, hat im Laufe der Jahre seinen Volley so stark verbessert, dass er in der Lage war, seinen Grundschlägen offensiv hinterher zu gehen und am Netz den Punkt abzuschließen. Nicht zuletzt durch diese Weiterentwicklung seines Spiels konnte er zweimal Wimbledon gewinnen und Nummer 1 der Welt werden.

 

Der Volley im Amateurtennis 

Ähnlich kann auch auf niedrigerem Niveau argumentiert werden. Mittlerweile gibt es zahlreiche Tennisspieler, die sich an die Grundlinie stellen und einfach nur jeden Ball irgendwie ins Feld zurück spielen. Der Erfolg gibt ihnen recht, denn oftmals gewinnen diese Spieler viele ihrer Matches, sodass sie überhaupt keine Notwendigkeit sehen, ans Netz zu kommen.

Der Grund dafür ist häufig, dass der Gegner auf der anderen Seite des Netzes nicht stabil genug ist oder die Grundschläge nicht die notwendige Härte haben. Meistens liegt es jedoch daran, dass die offensiven Spieler viele Möglichkeiten, ans Netz vorzurücken, verstreichen lassen und weiter versuchen, von der Grundlinie zu punkten. So geben sie dem defensiven Spieler immer wieder die Möglichkeit, in den Ballwechsel zurückzukommen. Das ist jedoch leicht zu vermeiden, indem man einem guten Angriffsschlag öfter hinterhergeht und am Netz den Punkt abschließt. So hat der Gegner keine Chance mehr, an den Ball zu kommen.

Ein weiterer Punkt, der von vielen unterschätzt wird, ist der psychologische Aspekt eines Netzangriffs. Geht man nach einem einigermaßen zwingenden Grundschlag, der den Gegner in die Defensive treibt, ans Netz, so bekommt der Gegner das aus dem Augenwinkel mit. Allein diese Tatsache löst in der Regel bereits eine Stresssituation aus, da der verteidigende Spieler den Ball nicht mehr einfach hoch in die Mitte des Feldes zurückspielen kann. Der Spieler muss also meistens einen präzisen, eher riskanten Ball am Netzspieler vorbei schlagen oder einen gut getimten Lob ansetzen. Viele dieser Versuche resultieren in direkten Fehlern, die schlicht und einfach darauf zurückzuführen sind, dass man am Netz aufgetaucht ist. Diese Punkte werden sehr häufig unterschätzt, da sie nicht mit einem schönen Volley in die freie Ecke zu Ende gehen. Das Resultat ist jedoch das Gleiche: Ein Punktgewinn.

 

 

So funktioniert der Volley

Der Volley gehört im Tennis zweifelsohne zu den anspruchsvolleren Schlägen. Dies ist sicherlich ein Grund, warum die meisten Spieler und auch Trainer davor zurückschrecken und lieber weiter die Grundschläge trainieren. Die Ausholbewegung wie bei Vorhand und Rückhand fällt fast komplett weg. Der Schläger wird lediglich durch die Rotation des Oberkörpers in die richtige Position gebracht. Danach folgt eine leichte Abwärtsbewegung von hinten oben nach vorne unten, sodass der Ball einen leichten Rückwärtsdrall erhält. Wichtig ist es, den Ball vor dem Körper zu treffen. Empfehlenswert ist, im Treffpunkt zur Unterstützung einen Schritt nach vorne zu machen. So kann die Kontrolle über den Ball erhöht werden.

 

Trainingsbeispiele

Übung 1

Eine simple Übung, um die Vorwärtsbewegung und den Volley zu trainieren sieht folgendermaßen aus: Ein Hütchen steht auf dem T-Kreuz, welches der Ausgangspunkt ist. Der Trainer spielt einen Ball so an, dass der Schüler vom Hütchen nach vorne rückt und zwischen Netz und T-Linie einen Volley lang an die Grundlinie spielt. Danach weicht der Schüler hinter das Hütchen zurück und muss anschließend den nächsten Volley in der Vorwärtsbewegung spielen. Die Härte der angespielten Bälle kann der Trainer variieren, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Zwischen T-Linie und Grundlinie kann ein Zielbereich markiert werden, den der Spieler treffen muss.

 

Spielform 1

Ein Spieler befindet sich an der T-Linie, der andere an der Grundlinie. Der Spieler an der T-Linie spielt einen neutralen Ball lang in die Mitte des Feldes zum Gegner und rückt danach ans Netz auf. Der Spieler an der Grundlinie hat die Aufgabe, den Ball mittig auf den Netzspieler zurückzuspielen, welcher mit dem ersten Volley den Punkt eröffnet. Lobs sind nicht erlaubt. Hier können Sätze von 7-10 Punkten gespielt werden, danach ist Wechsel.

 

Spielform 2

Diese Spielform kommt der Matchsituation schon sehr nahe. Es werden Ballwechsel von der Grundlinie gespielt. Sobald ein Spieler kürzer als die T-Linie schlägt, greift der andere an und rückt ans Netz vor. Danach ist der Punkt frei.

 

Fazit

Gerade im Jugendbereich sieht man häufig, wie die Spieler immer wieder versuchen, durch sehr hohes Tempo von der Grundlinie einen Winner zu schlagen. Grund dafür ist, dass die Meisten sich am Netz nicht nur unwohl fühlen, sondern überhaupt nicht wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Die Meisten sind nicht in der Lage, einen sauberen Flugball zu spielen, und vor allem erkennen sie die Situation nicht, wenn es günstig ist, ans Netz zu kommen. (Tennistraining: Serve and Volley - So verbessern Sie Ihr Spiel)

Genau darin erkennt man die Unterschiede zwischen guten und sehr guten Spielern. Die sehr guten Spieler geben den guten Spielern keine Möglichkeit mehr in den Ballwechsel zu kommen. Es ist daher unbedingt zu empfehlen, dass man ausreichende Zeit des Techniktrainings in den Volley investiert. Zum einen gehört dies ohnehin zur Verantwortung des Trainers, zum anderen wird das Spiel des Schülers automatisch davon profitieren.

 

Philipp Osburg

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