Mannschaftssport

Rugby – Das mit dem Ei, oder?

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Rugby - eine vielseitige und interessante Sportart. Hier: Ein Gedränge im Spiel

Dieser Artikel soll kurz die Spielidee und die Grundregeln von Rugby erläutern und zeigen, dass Rugby eine spannende und komplexe Sportart ist, die jedem, der eine Herausforderung sucht, eine passende Aufgabe bietet.

Leider führt Rugby trotz stetig steigender Mitgliederzahlen in Deutschland immer noch ein Schattendasein. Vermutlich schrecken Bilder von spektakulären Tackles interessierte Sportler davon ab, diesen vielseitigen Sport selbst einmal auszuprobieren. 

 

Über 10.000 Aktive in Deutschland

Im Deutschen Rugby Verband (DRV) sind 12.175 Mitglieder in 110 Vereinen organisiert. Sowohl Männer als auch Frauen spielen Rugby in der klassischen 15er- und der attraktiven 7er-Variante von der Bundesliga bis zur Verbandsliga.(1) Im internationalen Vergleich stehen die deutschen Herren auf Platz 37 der Weltrangliste. Die Damen sind zurzeit nur im 7er-Rugby vertreten, befinden sich hier aber unter den Top Ten Europas und können auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hoffen.(1) Die führenden Nationen im Rugbysport sind Neuseeland, Südafrika und die Staaten Großbritanniens, aber auch Australien und Frankreich.

 

Spezielle Spielregeln

Das Besondere im Rugby ist, dass der eiförmige Ball nur nach hinten gepasst werden darf. Demzufolge muss er nach vorn getragen werden um Raum zu gewinnen. Punkte werden durch das Legen von Versuchen erzielt. Dafür muss der Ball im Malfeld, welches sich jeweils am Ende des Spielfelds befindet, abgelegt werden. Dabei darf die gegnerische Mannschaft das angreifende Team daran hindern, ins Malfeld zu gelangen, indem der balltragende Spieler getackelt, also zu Boden gebracht, werden darf. Natürlich nur nach bestimmten Regeln, wobei Verstöße streng vom Schiedsrichter geahndet werden.(2)

 

Stürmer erzielen selten Punkte

Eine Rugbymannschaft wird in 2 Teile aufgeteilt: den Sturm, der vorrangig für die Standard- und Kontaktsituationen und damit für den Ballgewinn verantwortlich ist, und die Hintermannschaft, die durch technisch und taktisch versiertes Passen und Laufen Raumgewinn und letztendlich Punkte erzielt.

Bei den Kontaktsituationen wird zwischen angeordneten Kontakten, wie dem Gedränge (englisch: scrum) und der Gasse (englisch: line out), sowie den Kontakten, die während des offenen Spiels auftreten, dem Offenen (englisch: ruck) und dem Paket (englisch: maul), unterschieden.

 

Charakteristik der Spielpositionen im 15er-Rugby

Abb. 1: Das Spielfeld und die dazugehörigen Positionen

Alle Positionen (siehe Abb. 1) sind anhand der Aufgaben bei einem Gedränge (scrum) benannt. Dabei bilden die Props (#1, #3) und der Hackler (#2) die 1. Reihe. Sie sind häufig von kräftiger Statur und haben ein hohes Maximalkraftniveau, um die großen Kraftanstrengungen der Kontaktsituationen zu bestehen. Hinter ihnen ordnen sich die beiden Zweite-Reihe-Spieler (#4, #5) an, die meist groß gewachsen sind und sowohl über Maximalkraft als auch Schnellkraft verfügen. Sie agieren außerdem als Fänger in der Gasse und Unterstützung im offenen Spiel. Ihnen folgen die 3 Dritte-Reihe-Spieler, auch Flanker (#6, #7) und Nummer 8 (#8) genannt, die meist sehr athletisch sind und häufig auch in Aufgaben der Hintermannschaft eingebunden werden. Diese 8 Spieler werden als Stürmer bezeichnet.

Die Hintermannschaft, auch Drei-Viertel-Reihe genannt, setzt sich folgendermaßen zusammen: Der Halbspieler (#9) wirft den Ball ins Gedränge ein, leitet die Stürmer und ist das Bindeglied zwischen den beiden Mannschaftsteilen. Der Halb ist häufig eher klein, verfügt aber über gute Reaktionsund Aktionsschnelligkeit und taktisches Denken. Er spielt den Ball weiter zum Verbinder (#10), der sich durch Schnelligkeitsausdauer, Beobachtungsfähigkeit und Risikobereitschaft auszeichnet und die Angriffsoption initiiert. Bei einem der beiden Innenspieler (#12, #13) kommt es dann häufig zum Kontakt mit dem Gegner. Um dennoch einen Durchbruch durch die Verteidigungslinie zu erzielen, müssen die Innen über Schnelligkeit und Gewandtheit aber auch über Kraft und Durchsetzungsvermögen verfügen. Die 2 Außenspieler (#11, #14) bestechen durch ihre Schnelligkeit. Sie müssen den Gegner ausmanövrieren und dann ins Malfeld zum Versuch sprinten. Der Schluss (#15) behält den Überblick von hinten, um dann dort, wo sich eine günstige Gelegenheit bietet, ins Spielgeschehen einzugreifen. In der Verteidigung bilden der Schluss und die beiden Außen die 3. Verteidigungslinie und sind häufig die letzte Hoffnung, einen gegnerischen Durchbruch zu stoppen.(2)(3)

 

Regeländerungen verändern Spielweise

Im Rugby werden immer wieder die Spielregeln angepasst, hauptsächlich um die Verletzungshäufigkeit zu reduzieren. Dadurch wird auch ein dynamisches Spiel mit längeren Spielsequenzen gefördert und für Zuschauer wird das Spielgeschehen nachvollziehbarer und attraktiver.(2)

 

Anforderungsprofil

Abb. 2: Die Gasse

Während der 80 Minuten Spieldauer ist der Ball durchschnittlich 30 Minuten im Spiel. Die restliche Zeit wird für Erhöhungs- und Straftritte, sowie zur Behandlung von Verletzungen genutzt. Während eines Spiels werden von den Spielern zu 85 % submaximale Belastungen abverlangt. Nur etwa 15 % der Spielsequenzen sind von hoher Intensität, wie Gedränge, Paket und Sprint. Sie sind häufig von geringer Dauer. Insgesamt wird von 135 Aktionen in einem Spiel berichtet, wovon 56 % weniger als 10 Sekunden und nur 5 % länger als 30 Sekunden dauern. Diese hoch intensiven Phasen werden häufig von unvollständigen Regenerationszeiten gefolgt.

Rugbyspieler sprinten meist nur eine Strecke von 10–20 Metern, dennoch legt beispielsweise ein Innenspieler insgesamt etwa 5800 m zurück, davon 2200 m gehend, 1600 m joggend und 2000 m sprintend. Im Vergleich dazu kommt ein Fußballspieler (während 90 Minuten) auf über 10 km.

Bei Stürmern besteht die Belastung zu 57 % aus Laufen und zu 43 % aus Kampfhandlungen, bei Hintermannschaftsspielern ist die Laufbelastung (80 %) deutlich dominant.

 

Fazit

Es ist schwierig, den Geist dieses interessanten Sports zu vermitteln, wenn man ihn nicht selbst auf oder neben dem Spielfeld miterlebt. Das komplexe Regelwerk und das anspruchsvolle Anforderungsprofil sollten nicht abschrecken, denn in einer Sache sind sich die Akteure einig: Rugby ist mehr als nur eine Sportart – es ist eine Lebenseinstellung.

 

Juliane Mittelstädt

 

Literaturangaben:

1. www.rugby-verband.de, Zugriff: 08.08.2011

2. Ianuseveci, Kuhn (2002), Bd. 15: Rugby. Wiebelsheim: Limpert Verlag GmbH

3. Sports Medicine, 2003, Bd. 33 (13), S. 973–991

 

Fachsprache

Gedränge – Standardsituation im Rugby, die bei leichten Regelverstößen, wie z. B. einem Vorwurf, angeordnet wird (siehe Abb. oben).

Offenes Gedränge – entwickelt sich aus dem Spielverlauf und wird nicht angeordnet. Es dient als Rettung vor dem Festlaufen.

Gasse – Standardsituation, die angeordnet wird, wenn der Ball ins Seitenaus gerät (siehe Abb. 2).

Paket – das Paket wird im Gegensatz zum Gedränge nicht vom Schiedsrichter angeordnet, sondern entwickelt sich aus dem Spiel. Unterschied zum Gedränge: Ball ist nicht am Boden!

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