Sportarten

Hockey: Als Titelverteidiger nach Rio

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Regeln und Belastungsprofil der Sportart Hockey

Die Sportart Hockey erfährt in Deutschland leider nur selten große mediale Aufmerksamkeit. Sogar Großevents wie Welt- und Europameisterschaften werden nur selten übertragen. Doch nun steht die Sommerolympiade an und die deutschen Herren kommen als Titelverteidiger nach Brasilien - höchste Zeit den Sport einmal genauer unter die Lupe zu nehmen!

Auch wenn es 4000 Jahre alte Aufzeichnungen von ähnlichen Spielformen gibt, ist das Hockey, wie es heute gespielt wird, Mitte des 18. Jahrhunderts in England erfunden worden. Hockey wurde 1908 in London erstmals olympische Disziplin. 1924 wurde die FIH (Fédération Internationale de Hockey) gegründet. Der erste Deutsche Hockeyclub wurde 1898 in Hamburg gegründet und seit 1909 gibt es den Deutschen Hockey Bund (DHB). Deutschland gehört neben den Niederlanden, Australien, Pakistan und Indien zu den erfolgreichsten Hockeynationen der Welt und der DHB gilt, aufgrund der vielen internationalen Erfolge, als der erfolgreichste Ballsportverband in Deutschland.

Doch was ist Hockey nun genau? Menschen, die den Sport schon mal gesehen haben, denken immer an Spieler in gebückter Haltung, die einem kleinen weißen Ball hinterherrennen.

 

Grundlegende Hockeyregeln

Hockey, zumindest Feldhockey, wird meist auf Kunstrasen gespielt. Dabei sind die Ausmaße nicht ganz so groß wie bei einem Fußballfeld. Der Kreis an den Grundlinien markiert den Teil des Spielfelds, aus welchem Tore erzielt werden können. Findet der Ball von außerhalb des Schusskreises den Weg ins Tor, das 3,66 Meter breit und 2,14 Meter hoch ist, wird das Tor nicht gewertet.

Abb. 1: Das Spielfeld (IN_Madde, 2006)

Eine Mannschaft besteht aus 10 Feldspielern und einem Torwart. Gespielt wird mit einem aus Hartplastik bestehenden, 160 g schweren Ball mit einem Umfang von ca. 23 cm und Schlägern aus Holz oder Kunststoff, die eine Länge von etwa 90 cm haben und bis zu 730 g schwer sind. Gespielt werden darf der Ball nur mit der linken, glatten Seite des Schlägers, der immer mit der linken Hand am oberen Schlägerende gehalten wird.

Nur der Torwart hat in seinem eigenen Schusskreis Sonderrechte und darf den Ball auch mit dem Körper spielen, um die gegnerische Mannschaft daran zu hindern, ein Tor zu erzielen. Die Spieldauer am Feld beträgt 2 x 35 min mit einer 10-minütigen Halbzeitpause.

Im Winter wird zusätzlich auch Hallenhockey gespielt. Die Maße des Spielfelds gleichen hier einem Handballfeld und die Mannschaft besteht nur aus 5 Feldspielern und einem Torwart. Außerdem gibt es in der Halle kein Seitenaus, da an den Seitenlinien 10 cm hohe Banden liegen, welche zum Umspielen von Gegenspielern genutzt werden können. Die Spieldauer ist in der Halle mit 30 Min pro Halbzeit insgesamt 10 Min kürzer als auf dem Feld.

Der kleine, harte Ball, der Kunstrasen oder Hallenboden und die Interchangingregel (hierbei darf beliebig oft gewechselt werden) machen Hockey zu einem recht schnellen Sport, der, auch aufgrund seiner Regeln, eine hohe Anforderung an die technischen Fertigkeiten und konditionellen Fähigkeiten stellt.

 

Belastungsnormative

Studien zeigen, dass Hockeyspieler während eines Spiels eine durchschnittliche Herzfrequenz von etwa 155 Schlägen pro Minute haben.(1) Hieraus lässt sich schließen, dass die Spieler in der Lage sein müssen, hohe Intensitäten während eines Spieles durchzustehen. So schreiben Reilly, Borrie 1992: „On top of the high aerobic power required for elite field hockey, players must also posses significant anaerobic power.“(2)

Messungen der VO2max zeigen Werte von 45–61 ml/kg/min und damit eine hohe aerobe Beanspruchung. Weitere Untersuchungen, die sich mit den Belastungen im Hockey befasst haben, zeigen, dass ein Großteil der Zeit in hohen (80–95 %) und sehr hohen Intensitäten, über 95 % der maximalen Herzfrequenz, verbracht wird. Die angegebenen Zeiten, die Feldspieler in diesen Intensitäten arbeiten, reichen von ca. 20–50 % bei einem Belastungs-Pausen- Verhältnis von 1:2,5 bis 1:6.(1,2,3,5). Die Länge dieser hohen Belastungen beträgt im Schnitt etwa 6 Sekunden, ehe die Spieler wieder in niedrigeren Herzfrequenzen arbeiten. Diese Daten machen deutlich, dass Hockeyspieler in der Lage sein müssen, neben der aeroben Belastung auch immer wieder anaerob arbeiten zu können.(6)

 

Trainingsmöglichkeiten

Abb. 2: Beispielhafte Abfolge von Schritten im Koordinationstraining als Koordinationsleiter

Natürlich muss im Athletiktraining auch Wert auf die Grundlagenausdauer gelegt werden, doch sobald die Saison sich nähert, sollten die Umfänge verringert und dafür die Intensität erhöht werden. Hierfür eignen sich Trainingsmethoden mit intensiven Intervallen mit kurzen Belastungen, die vornehmlich das Kreatinphosphat-System für die Energiebereitstellung in Anspruch nehmen und über einen längeren Zeitraum auch zu einer Ermüdung führen, wie es auch während des Spiels der Fall ist. Die Belastungen zeigen, dass mit einem Verhältnis von etwa 1:4,5 die Energiesysteme nicht immer Zeit haben, sich wieder vollständig zu erholen. Grundlegend geht man davon aus, dass bei hochintensiven Belastungen von ca. 10 sek das Phosphagensystem eine Pause von etwa 150 sek benötigt um sich wieder vollständig zu erholen. Diese Pausenlängen sind während des Spiels nicht immer gegeben, daher sollte bei der Trainingsplanung darauf geachtet werden, dass die Intensitäten so gewählt werden, dass die Belastungsnormative dem Wettkampf entsprechen.

Abb.3: Die Koordinationsleiter im Einsatz

Neben dem Training der verschiedenen Energiesysteme bietet sich das plyometrische Training zur Steigerung der Schnellkraft an. Hierzu eignen sich vornehmlich verschiedene Sprungformen wie z. B. Sprungläufe oder Strecksprünge an. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Anzahl der Kontakte per Trainingswoche 150 nicht überschreitet. Des Weiteren bieten sich für die Schnellkraftentwicklung des Oberkörpers verschiedene Medizinballübungen an.

Letztlich sollte bei der Trainingsplanung drauf geachtet werden, dass auch die Rumpfmuskulatur adäquat gekräftigt wird, denn gerade aufgrund des relativ kurzen Schlägers und der Art und Weise, wie dieser gehalten wird, kommt es häufig zu einer vorgebeugten und nach rechts rotierten Körperhaltung. Daher sollte hierdurch möglicherweise auftretenden muskulären Dysbalancen vorgebeugt werden, beispielsweise durch verschiedene Front- und Seitstützvarianten.

Aufwärmen (10 min)

- Warmlaufen

- Aktivierungsübungen

- Aktives Dehnen

Plyometrie (10 min)

- verschiedene Sprungvarianten (beidbeinig, einbeinig, einbeinig im Wechsel...)

Medizinball (10 min)

- verschiedene Wurfvarianten

Laufschule (20 min)

- Lauf-ABC

- Koordinationsleiter

- Übungen für Schrittlänge und -frequenz

Intervallläufe (15 min)

- z. B. 10-mal 10 Sek/90 Sek Pause

Abwärmen (15 min)

- Auslaufen

- Dehnen

 

Fazit

Im Hockey treffen die unterschiedlichsten konditionellen Beanspruchungsformen aufeinander. Athletik, Kraft und Ausdauer sind ebenso wichtig, wie die Schnelligkeit. Koordination und Schnelligkeit bei Richtungswechseln komplettieren die Vielfalt der Fähigkeiten, die die Athleten benötigen. Diese Vielfalt macht es notwendig, dass die unterschiedlichen Trainingsinhalte aufeinander abgestimmt werden. Dabei sollten Sie stets darauf achten, dass Athletik und Kondition die Basis bilden, aber auch taktische Fähigkeiten entwickelt und gefördert werden müssen.

 

Gregor Rosenkranz

 

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Literaturangaben:

1. Johnston, T. / Sproule, J. / McMorris, T. / Maile, A., 2004, Time-Motion Analyses And Heartrate Response During Elite Male Fieldhockey: Competition Versus Training. Journal of Human Movement Studies. Bd. 46, S. 189–203.

2. Reilly, T. / Borrie, A., 1992, Physiology Applied to Field Hockey. Sports Medicine. Bd. 14 (1), S. 10–26.

3. Lothian, F. / Farrally, M., 1994, A Time-Motion Analysis Of Women’s Field Hockey. Journal of Human Movement Studies. Bd. 26, S. 255–265.

4. Elferik-Gemser, M.T./ Visscher, C. / van Duijn, M.A.J. / Lemmink, K., 2006, Development oft the interval endurance capacity in elite and sub-elite youth field hockey players. Britisch Journal of Sports Medicine. Bd. 40, S. 340–345.

5. Spencer, M. / Rechichi, C. / Lawrence, S. / Dawson, B. / Bishop, D. / Goodman, C., 2005, Time-motion analysis of elite field hockey during several games in succession; a tournament scenario. Journal of Science and Medicine in Sport. Bd. 8 (4), S. 382–391.

6. Baechle, T. R. / Earle, R.W., 2008, Essentials of Strength and Conditioning (3rd Edition). Champaign Illinois (USA). Human Kinetics.

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