Basiskönnen im Basketball

Basketball-Technik: Der Rebound

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Der Rebound wird im Basketball teilweise technisch vorausgesetzt, doch das ist falsch, denn er sollte regelmäßig geübt werden

„Unter Rebound versteht man das Erlangen des Balls nach einem erfolglosen Wurfversuch“.(1) Welche Fähigkeiten ihr für eine gute Reboundstatistik braucht, erklärt unser Basketballexperte Ramy Azrak.

John R. Wooden, einer der renommiertesten College-Trainer aller Zeiten, hat 1988 mal gesagt: „It has been said often that the team that controls the boards will probably control the game and this statement will usually hold true.”(Deutsch: Es wurde schon oft gesagt, dass das Team, welches die Bretter kontrolliert, wahrscheinlich das Spiel kontrollieren wird und dieses Statement bewahrheitet sich auch zumeist). Der Rebound ist eine der Basis-Fähigkeiten, die ein Basketballer (insbesondere die Brettspieler) sicher beherrschen sollte.

 

Der Rebound sollte trainiert werden

Beim Techniktraining der Defensive begehen viele Trainer häufig den Fehler, dass sie Spielsituationen nur bis zum Korbwurf durchspielen. Das Hauptkriterium bei der Verbesserung der Defensive liegt meist nur auf folgenden Aspekten:

Wie kann bei der Mann-gegen-Mann-Verteidigung untereinander besser kommuniziert werden?

Wie kann ein Block besser umlaufen werden bzw. geswitcht werden?

Wie kann die Zone besser in Richtung der Ballseite verschieben?

Der Rebound wird teilweise technisch vorausgesetzt, doch das ist falsch, denn er sollte regelmäßig geübt werden. Erfahrungswerte, Timing und richtiges Ausboxen sind von hoher Bedeutung und erhöhen die Reboundanzahl im Spiel. Gute Rebounder scheinen manchmal geradezu zu erahnen, wo der Ball hinfällt, was nicht immer der Glücksgöttin Fortuna zu verdanken ist. Vielmehr ist es harte Trainingsarbeit, gepaart mit Erfahrung, Beobachtung, wo der Ball hinfällt, und Analytik: Wirft ein Spieler häufig zu kurz? Von wo wirft er häufig und wie prallen die Bälle meistens ab?

Ein Trainer im Basketball sollte das Reboundtraining nicht vernachlässigen und sich immer vor Augen halten, dass die Teamverteidigung schon dadurch verbessert werden kann, dass der gegnerischen Mannschaft so oft wie möglich nur eine Wurfmöglichkeit im Angriff geboten wird. An dieser Stelle muss jedoch auch erwähnt werden, dass, anders als beispielsweise der Korbleger oder Sprungwurf, der Rebound nicht automatisiert werden kann, da das Abspringen des Balles nie zu 100 % kalkulierbar ist.

 

„Man muss nicht der athletischste Typ der Welt sein“

Der Rebound beinhaltet viele verschiedene Faktoren, die in Kombination den abspringenden Ball einem Spieler in die Hände führen: Sprungkraft, Antizipation, Erfahrung, Stellungsspiel, Ausboxen, Willen, Timing und Reaktionsschnelligkeit. Ex-NBA-Star Dennis Rodman war eine der schrillsten Figuren und zugleich einer der besten Rebounder in der NBA-Geschichte. Er hat seinen Erfolg so kommentiert: „Meine Mentalität sieht so aus, dass ich immer davon ausgehe, dass jeder Wurf daneben geht. So zu denken hilft mir, mich für den Rebound in eine bessere Position zu bringen und mich auf vergebene Würfe vorzubereiten. Man muss nicht der athletischste Typ auf der Welt sein, um ein guter Rebounder zu sein.“(2)

 

Mentale Vorbereitung, Konzentration und physische Präsenz

Ein Spieler sollte – so wie es Dennis Rodman auch macht – immer davon ausgehen, dass jeder Schuss vorbeigeht. Durch diese mentale Einstellung zum Wurf wird ein Spieler immer versuchen, die beste Reboundposition zu sichern. Es gehört aber auch der absolute Wille dazu, den Ball als sein Eigentum zu betrachten und um jeden Preis vor dem Gegner an diesen kommen zu wollen. Ein guter Rebounder ist sich auch nicht zu schade, Drecksarbeit zu verrichten. Die harte Arbeit eines Spielers beginnt schon, bevor der Ball überhaupt in der Luft ist, demnach beim Kampf um die bessere Position unter dem Korb. In der Flugphase wird eine hohe mentale Spannung aufgebaut, die über die Spieldauer und die Vielzahl an Würfen pro Spiel viel Konzentration und Kraft benötigt.

Neben Erfordernissen wie dem enormen Willen und dem Aushalten mentaler Belastung kann der Rebound natürlich auch nur erfolgreich in den eigenen Händen landen, wenn der Körper aggressiv und massiv eingesetzt wird und richtig „ausgeboxt“ wird.

Die physischen Aspekte beim Versuch, den Rebound zu sichern, beinhalten in der ersten Phase (der Flugphase des Balles in Richtung Korb) die Findung einer Position mit Blick in Richtung Korb, das kräftige Schieben mit dem Oberkörper, der Schulter und der Beine, die Ausführung einer stabilen Position und das Anheben der Hände über Schulterhöhe.

In der zweiten Phase (dem Abprallen des Balles) ist das kräftige Abstoßen der Beine (Sprung), das Hochreißen der Arme und das schnelle und kräftige Zurückführen des Balls zur Brust entscheidend für die Sicherung desselben.

In der Endphase (bei der Landung) werden zum Schutz die Ellenbogen nach Außen gespreizt, der Oberkörper leicht geneigt und dann erfolgt die Umsetzung in die nächste Aktion, die mental schon bei der Landung durchgedacht wird. Häufig erfolgt eine Drehung (per Sternschritt) oder ein schneller Outlet-Pass, um einen Schnellangriff einzuleiten.(Basketball-Techniktraining: Der Schnellangriff – mit dem ersten Pass zum Erfolg)

  

Fazit

Die Sprungkraft ist nur einer von vielen Faktoren, die einen guten Rebounder ausmachen. Das richtige Timing in Kombination mit einer guten Sprungkraft verbessert logischerweise die Reboundquote. Letzten Endes kann die Größe und die Sprungkraft bei einem harten Fight den Unterschied ausmachen. Dennis Rodman ist mit seiner im Verhältnis zu anderen NBA-Brettspielern geringen Körpergröße von 1,98 Metern ein gutes Beispiel dafür, dass durch mentale Einstellung, Konzentration und Ehrgeiz biologische Defizite ausgeglichen werden können.

 

Ramy Azrak

 

Quellenangaben:

1. Basketball – Alles über Technik, Taktik, Training; blv Verlag

2. www.spox.com

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