Basketballtraining

Die „Zipper“ Offense

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Alles Wissenwerte über die Zipper-Offense im Basketball

Im 3. Teil der Taktik-Serie stellt Ihnen trainingsworlds Basketballexperte Ramy Azrak gemeinsam mit Bogdan Suciu die „Zipper“ Offense im Basketball vor.

Grundlegendes

Das System kann in verschiedenen Formationen gespielt werden. Den Namen „Zipper“ (Deutsch: Reißverschluss) trägt das System, weil die gängigste Ausgangsformation in einer 4-1-Aufstellung beginnt (siehe Diagramm 1) und die Flügelspieler 3 und 4 den „Reißverschluss schließen“ (Diagramm 2: Zipper Offense Entry). Die Boston Celtics schrieben in den 60er Jahren mit Hilfe der „Zipper“ Geschichte.

Der legendäre Basketball-Coach Red Auerbach trainierte zwischen 1950 und 1966 die Mannschaft der Boston Celtics und gewann insgesamt 9 Meisterschaften. Sein Erfolg beruhte neben seinem Superstar Bill Russell auch zweifellos auf der Zipper Offense. Ein paar Jahrzehnte später wird der Zipper noch gelegentlich vom NBA-Team gespielt. Der ehemalige Bundestrainer Svetislav Pesic, aktuell beim Bundesligisten Bayern München unter Vertrag, ist ein großer Fan dieser Taktik. Auch Serienmeister Alba Berlin (1997–2003) war mit der Anwendung der Zipper sehr erfolgreich.

 

Der Zipper

Die typische Reißverschlussbewegung des Zippers ermöglicht unter anderem die Isolation von „big men“ und „last shot“ Optionen. Das System wird aber auch aus anderen Gründen gespielt, die nicht sofort ersichtlich sind. So kann man durch die Zipper gut in eine andere offensive Ausrichtung reinkommen oder übergehen, unter anderem in die Motion oder in die Shuffle Offense. Diese Option lässt einem Team flexible Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig wird eine Offensive unberechenbarer und erhöht die Effektivität im Abschluss. Der Unterschied zur Shuffle Offense liegt darin, dass die Zipper Offense mit einem Screen beginnt und viel mehr „Action“ auf der sogenannten Weakside, also der ballfernen Seite, stattfindet.

Wie die Shuffle Offense lebt der Zipper von einer guten Ausbildung der Spieler. Dribbeln, Passen, Cuts, gute saubere Screens, gute Low-Post Bewegung, Pick and Roll und Catch and Shoot sind sehr wichtig für die Ausführung. Dieses System eignet sich gut für Teams, die einen guten Point Guard und/oder einen guten „big man“ haben. Auf niedrigem Spielniveau und im Jugendbasketball wird eine Mannschaft ohne einen ballsicheren Aufbauspieler hingegen Probleme haben, das System zu laufen. Der vorteilhafte Spielfluss des Zippers wird bei einer gut funktionierenden Verteidigung des ersten einleitenden Passes bereits zum Problem, da es unter Zeitdruck schwierig wird, wieder in die Ausgangsposition zu kommen und kontrolliert einen zweiten Versuch zu starten.

 

Darstellung

Diagramm1:

Diagramm 1

Grundaufstellung 4-1. Einstieg über die rechte Seite durch Dribbling des Ausbauspielers. Flügelspieler 2 und 3 schneiden zum Korb, während der Center einen Down-Screen für Flügelspieler 2 setzt und sofort aufposten. Der Aufbauspieler hat nun von der rechten Seite die Pass-Option auf den Center.

 

Diagramm 2:

Diagramm 2

Flügelspieler 2 kommt nach dem Down-Screen hoch. Der Aufbauspieler kann 2 für einen eventuellen „Last-Second-Wurf" anspielen oder den Center im Low-Post.

  

Diagramm 3:

Diagramm 3

Werden die Optionen vom Aufbauspieler nicht durchgeführt, dann kommt Flügelspieler 2 zur Dreierlinie raus und erhält den Pass vom Aufbauspieler. Der ballführende Flügelspieler 2 kann nach dem Down-Screen von Power Forward 4 anspielen, oder als Curl nach dem Down-Screen auch als Shape-Up (Bewegung/Cut in Richtung Ball direkt nach einem Screen), unter dem Korb, angespielt werden.

 

Diagramm 4:

Diagramm 4

Flügelspieler 3 kann ein „2-Man-Game“ mit Flügelspieler 2 auf der linken Halfcourt-Seite spielen. Der Aufbauspieler kann einen Stagger-Screen laufen, der Flügelspieler 3 eine zusätzliche Wurfoption eröffnet. Beim Stagger-Screen läuft ein Spieler über zwei hintereinander gestellte Blöcke. Flügelspieler 3 spielt mit 4 two man Game!!

 

Diagramm 5:

Diagramm 5

Flügelspieler 3 kann einen Back-Screen vom Power Forward 4 erhalten und das System beginnt von vorne. Der Flügelspieler 3 kann alternativ einen Screen für den Center stellen und zum hohen Pick and Roll, also nah an der Dreierlinie, mit dem Aufbauspieler kommen.

 

Vorteile

- Gut ausgeführt attackiert man mit „Zipper“ schon im Einstieg den Korb

- Schafft gute Winkel für High-Low-Bewegungen, Pick and Roll sowie Pick and Pop

- „2-Man-Game“ auf einer Seite möglich

- „There is action at the action at the rim“ (Coach Emir Mutapcic). Beim Down-Screen wird der Blocksteller (fast) immer frei

- Eignet sich hervorragend, um einen dominanten Brettspieler auf einer Seite zu isolieren

- Eignet sich sehr gut als „Last-Second-Play“ für einen guten Werfer

- Beschäftigt die „Help-Side-Defense“ durch ihre Bewegung

- Vereinfacht die Transition-Defense

 

Nachteile

- Aufbauspieler mit einer schwächeren Dribbel-Hand werden auf ihrer schwachen Seite isoliert. Gefahr von frühen Turnovern. Sie müssen den Ball lange dribbeln, bis die anderen Spieler ihre Cuts und Screens laufen und befinden sich in ungünstigen Winkeln (nahe Seitenaus oder Mittellinie)

- Bei schwachen Down-Screens und aggressiver Verteidigung des ersten Passes kann es passieren, dass die Offense schnell ins Stocken kommt

- Verführt die Spieler zu voreiligen Abschlüssen

- Die Weakside-Screens können früh geswitched werden, somit wird die ballschwache Seite nicht attackiert

- Funktioniert nur mit Spielern, die Allroundfähigkeiten haben

 

Fazit

Die Zipper Offense eröffnet gute Möglichkeiten für „big men“ und ist eine gute Option für einen Buzzer Beater. Außerdem ist die Zipper Offense eine gute offensive Ausrichtung, um in die Motion oder in die Shuffle Offense reinzukommen. Die flexiblen Handlungsmöglichkeiten und Unberechenbarkeiten erhöhen die Effektivität im Abschluss, allerdings ist der Erfolg von einer guten und breiten Ausbildung der Spieler abhängig. Mannschaften mit gutem Point Guard und guten „big men“ sollten das System, so Suciu, ausprobieren.

 

Ramy Azrak

Diagramme erstellt von Bogdan Suciu

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