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V–Offense, besser bekannt als Horns‐Offense

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Wissenswertes zur V–Offense, besser bekannt als Horns‐Offense, im Basketball

Im 4. Teil der Taktikserie hat Bogdan Suciu für trainingsworld die Horns‐Offense der Brose Baskets Bamberg näher unter die Lupe genommen und gescoutet. Außerdem stellt er die Vor‐ und Nachteile des Systems dar.

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Entwicklung der Horns Offense

Als in den 1980er Jahren die Maxime vieler Teams die aggressive Verteidigung war, wurde die 1‐4 Offense geboren. Aus dieser Offense heraus entwickelte sich die V‐Offense bzw. die Horns‐Offense.

Merkmal der Horns ist die hohe Aufstellung der beiden big men am zone elbow (Zonen Ecke) bzw an der 3‐Punkte‐Linie.

Sie profitiert in erster Linie von der athletischen und spielerischen Entwicklung der sogenannten „big men“ (Position 4 und 5), die im modernen Basketball mehr können, als „nur“ unter dem Korb zu stehen. Sie verfügen über sehr gute „Fundamentals“ (Dribbeln, Passen, Werfen mit und ohne Rücken zum Korb) und sind so eine effektive Waffe außerhalb des 3‐Sekunden‐Bereichs bzw. außerhalb des 3‐Punkte‐Bereichs.

 

Die Horns Offense im Spiel

Die Horns Offense wird von vielen NBA‐Teams gespielt. Die LA Lakers spielen sie wahlweise mit Kobe Bryant (shooting guard) auf der Position der big men. Auch die spanische Nationalmannschaft spielt die Horns, in den letzten Jahren sehr effektiv und mit großem Erfolg. Der amtierende Europameister musste sich letztes Jahr bei den Olympischen Spielen nur den US‐Amerikanern im Finale geschlagen geben. Der Erfolg der Spanier beruht auf einem starken Personal, das auf die Horns‐Offense fast maßgeschneidert ist. Die Gasol‐Brüder als big men spielen eine gute Rolle in der NBA und auch auf den Aufbau‐ und Flügelpositionen haben die Spanier mit Navarro, Rubio und Fernandez exzellente Spieler.

Bei der Analyse der Horns‐Offense der spanischen Natinalmannschaft fällt die Ausgeglichenheit bei der Punktausbeute aus. Bogdan Suciu erklärt das wie folgt: „Das liegt vor allem daran, dass die Gasol Brüder sowohl über ein hervorragendes inside Spiel als auch einen guten Shooting Touch aus dem mid‐range‐Bereich und Dreier‐Bereich verfügen. Ihre Hauptwaffe ist das „back in dribbling“ (Dribbling aus einer SPD‐ Stellung mit dem Rücken in den Mann) mit einem jump hook, running hook oder turn around jump shot. Zusätzlich sind die Aufbauspieler sehr schnell im Ballvortrag und beherrschen das Dribbling in allen Variationen. Besonders aus dieser Kombination aus exzellenten Brettspielern und Auf‐ und Flügelspielern können durch Pick and Rolls und Pick and Pops hochprozentige Wurfmöglichkeiten kreiert werden.“

Bestes Beispiel ist Juan Carlos Navarro. Er beherrscht zudem den Floater, eine Wurfart, bei dem der Ball aus dem Lauf einhändig und ansatzlos mit hoher Flugkurve in Richtung Korb geworfen wird.

Auf nationaler Ebene sind die Brose Baskets Bamberg eine Mannschaft, die viel von der Horns‐Offense profitiert. Bamberg ist ein Team, das die Horns in der Beko Basketball Bundesliga gut und häufig praktiziert. Bodgdan Suici hat das System für trainingsworld gescoutet: „Durch die vielen Ausstiegsmöglichkeiten, die das System generiert, ist es nicht unbedingt 1:1 übertragbar. Als Außenstehender ist es aufgrund der verschiedenen Facetten sehr schwierig zu scouten. Bei der Darstellung ist es für mich wichtig, es Spielern und Trainern einmal darzustellen und Inspirationen zu liefern, um es in einfachen Varianten anzuwenden. Vor der Darstellung zeige ich kurz auf, welche Vorteile es hat und welche Nachteile ein Trainer berücksichtigen sollte."

 

Darstellung

Diagramm 1:

Diagramm 1

Horns‐ Einstieg: Aufbauspieler spielt mit Center (5) pick and roll. Power Forward (4) kann vorher den Center screenen.

 

Diagramm 2:

Diagramm 2

Der Center (5) kann einen „Dive“ machen, um einen möglichen Pass in der Zone zu empfangen. Optional kann der Center aber auch rauspoppen und von außen für Gefahr sorgen. Werden die Optionen nicht genutzt, passt der Aufbauspieler (1) den Ball zum Power Forward (4) und mit dem Pass geht der Center ans Brett (dive).

 

Diagramm 3:

Diagramm 3

Der ballführende Power Forward (4) und der Center (5) spielen ein High‐Low‐Spiel, während der Small Forward (3) die Defense – am besten durch einen back door Laufweg als erste Option auseinanderzieht. Die zweite Option ist das dribble handoff mit dem Power Forward, also eine Ballübergabe aus dem Dribbling, die als Schutz gegen die Defense dient (ähnlich dem Screen). Nach der Ballübergabe läuft der Power Forward direkt in die Ecke (Flair).

 

Diagramm 4:

Diagramm 4

Der Center kommt zeitgleich mit dem dribble handoff hoch zum pick and roll mit dem small forward und geht sofort wieder ans Brett (dive). Der Power Forward füllt die Position vom Small Forward (trail). Daraufhin ergeben sich neue high‐low‐Situationen mit Power Forward und dem Center.

 

Vorteile

- Dieses Offensiv-System eignet sich gut für ein last second shot; die big men müssen aber den Dreier bzw. den mid range‐Wurf beherrschen

- das System zieht die Verteidigung auseinander, kreiert Räume in der Zone; davon profitiert unter anderem der zum Korb ziehende Aufbauspieler

- dieses System ist optimal für Teams, die einen dominanten Aufbauspieler mit Zug zum Korb und mindestens einen guten Dreipunkte‐Werfer (z. B. Juan Carlos Navarro – Spanien oder Steve Nash – LA Lakers) und einen guten Power Forward/Center (z. B. Gasol ‐ Spanien/Howard ‐ LA Lakers) in ihren Reihen haben

 

Nachteile

- Bei Schwächen auf im Aufbau oder den Centerpositionen (schlechtes Dribbling, kein guter Shooting Touch) ist es schwierig, mit dem System erfolgreich zu sein

- Die Flügelspieler sind fast inaktiv, weil sie zuerst in den Ecken positioniert werden.

- Bei schlecht ausgebildeten Flügelspielern ohne einen guten Dreipunkte‐Wurf können deren Verteidiger bis in die Zone absinken, dadurch fehlt das Spacing in der Zone

 

Fazit

Die Horns‐Offense ist eine Taktik für Fortgeschrittene und eignet sich für Teams mit guten Aufbauspielern und „big men“. Die Spanier haben den europäischen Basketball mit dieser Offensiv‐Waffe dominiert, weil sie nur schwer zu verteidigen ist. Das tiefe Absinken der Verteidigung in der Zone kann ein erfolgreiches Gegenmittel sein, birgt allerdings auch Risiken für offene Dreier der sehr passiv agierenden Flügelspieler.

 

Ramy Azrak

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