Verteidugungstaktiken

Basketball: Mischformen aus Zonenverteidigung und Mann-gegen-Mann-Verteidigung

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Mischformen aus Zonenverteidigung und Mann-gegen-Mann-Verteidigung sind im Basketball nicht unbedingt gern gesehen, können ein Spiel aber wenden.

Die drei bekanntesten Verteidigungssysteme als Mischformen aus Zonenverteidigung und Mann-gegen-Mann-Verteidigung im Basketball werden ich euch im Folgenden näher darstellen: "box-and-one", "diamond-and-one" und "triangle-and-two"

Durch eine Zonenverteidigung kann eine Mannschaft den Rhythmus des Gegners stören. Durch eine tiefstehende Verteidigung kann beispielsweise eine Penetration zum Korb verhindert werden. Auf der anderen Seite birgt eine Zonenverteidigung die Anfälligkeit, von Außenpositionen Punkte zu kassieren.

Je nach System ergeben sich somit immer spezifische Vor- und Nachteile. Neben den Varianten der Zonenverteidigung gibt es taktisch gesehen auch Mischformen, bei denen die Mehrheit der verteidigenden Spieler den Raum, und einer oder zwei Spieler einen direkten Gegenspieler verteidigen. Die drei bekanntesten Verteidigungssysteme werde ich euch im Folgenden näher darstellen.

Mischformen der Verteidigungsoptionen werden im amerikanischen auch „junk defense“ (junk = Müll) genannt, wohl deshalb, da sie nicht Fisch und nicht Fleisch sind. Auch optisch wirkt es auf Laien und Hobbybasketballer sehr chaotisch und nicht systemisch, obwohl jeder Spieler natürlich genau weiß, was er zu tun und wo er hinzulaufen hat. Eine „junk defense“ kann sehr effektiv sein, sonst würde sie natürlich auch nicht gespielt werden. Eine Mannschaft kann beispielsweise den Lauf des Gegners stoppen, den Rhythmus des Gegners durcheinanderbringen oder ihn sogar komplett verunsichern und ein Spiel drehen. Entscheidend ist jedoch, dass diese Art der Verteidigung auch viele Lücken aufweist, auf die sich ein Gegner schnell einstellen kann. Aus diesem Grund sieht man diese Verteidigungsvariationen nur über kurze Frequenzen eines Spiels und auch nur dann, wenn es sinnvoll erscheint, sonst kann der Schuss auch komplett nach hinten los gehen.

Die 3 bekanntesten Varianten stelle ich Euch vor:

- box-and-one

- diamond-and-one

- triangle-and-two

 

box-and-one

Abb. 1: box-and-one

In einer „box-and-one-Verteidigung“ spielen 4 Spieler in einer Zonenverteidigung und „schließen“ sich in einer Box zusammen, um den Korb zu schützen. In der Regel verteidigen 2 größere Spieler direkt unter dem Korb und 2 kleinere Spieler im vorderen Bereich um die Dreipunkte-Linie herum. Ein Spieler erhält die Spezialaufgabe, den herausragenden Spieler der gegnerischen Mannschaft aus dem Spiel zu nehmen. Der verteidigende Spieler sollte dementsprechend ein exzellenter Verteidiger sein.

Ein Trainer sollte genau wissen, wann dieses System angewendet werden sollte. Die „box-and-one“ ist eine gute Variante gegen ein Team, dass seine Offensivstärken in Eins-gegen-Eins-Situationen hat, über Spieler mit starker Penetration zum Korb verfügt und vor allem einen Spieler in seinen Reihen hat, der in einer normalen Zonenverteidigung, mit nur einem verteidigenden Spieler im Raum nicht ausgeschaltet werden kann. Auf der anderen Seite ist die größte Schwäche der box-and-one die Anfälligkeit für einen Pass durch die Mitte der "Box", da kein Spieler für diesen Bereich zuständig ist. Ein gutes Offensiv-Team kann diese Schnittstelle durch schnelles Passspiel aushebeln.

 

diamond-and-one

Abb. 2: diamond-and-one

Das Verteidigungssystem „diamond-and-one“ ist vom Prinzip der „box-and-one“ gleich, da 4 Spieler in der Zone den Raum verteidigen und ein Spieler den Spezialauftrag hat, den besten Spieler des Gegners in der Mann-gegen-Mann-Verteidigung zu bekämpfen. Der „Diamant“ (oder die Raute) ist im Vergleich zur Box um 45 Grad gedreht. Hierdurch entsteht eine 1-2-1-Zone mit 1 Spieler an der Spitze, 2 Spielern dahinter und 1 Spieler (Center) direkt unter dem Korb stehend.

Im Vergleich zur „box-and-one“ kann man bei der „diamond-and-one“ mehr Druck auf die Distanzschützen aufbauen, da 3 Spieler die Außenpositionen abdecken können. Im Umkehrschluss entstehen noch mehr Lücken in Brettnähe, von daher sollte die verteidigende Mannschaft, die dieses System spielt, einen starken Center in ihrem Team haben.

 

triangle-and-two

Abb. 3: triangle-and-two

Die „triangle-and-two“ Verteidigung ist ein noch stärkerer Mix aus Zonenverteidigung und Mann-gegen-Mann-Verteidigung, da bei diesem System sogar 2 Verteidiger, meistens Aufbauspieler und Point Guard, im Eins-gegen-Eins verteidigen. Die anderen 3 Spieler bilden ein Dreieck in der Zone (Rebounddreieck) und die Spitze des Dreiecks zeigt dabei Richtung Mittellinie. Diese Verteidigung wird oft angewandt, wenn die gegnerische Mannschaft 2 dominierende Spieler besitzt.

Eine triangle-and-two Verteidigung wird in der Regel gegen Teams mit dominanten Rückraum-Spielern eingesetzt. Es wird oft auch in dieser Formation gespielt, um das Spiel der gegnerischen Aufbauspieler, die in der Regel die besten Spieler des Gegners sind, zu stören. Die Idee besteht darin, den Rhythmus des Gegners zu stören, den Korb durch 3 Spieler zu schützen und die starken Auf- und Flügelspieler in einer Mann-gegen-Mann-Verteidigung nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

 

Fazit

Als Basketball-Trainer sollte man zumindest im Taktiktraining auch mal Mischformen der Verteidigung ausprobieren. Ich selbst habe in meiner Zeit als Jugendtrainer in bestimmten Situationen auch phasenweise gerne auf „junk defense“ umgestellt und zumeist Erfolg damit gehabt. Ein überragender Center, den man in einer „normalen“ Zonenverteidigung nicht aufhalten konnte, der kann vielleicht mithilfe einer „box-and-one“, in Doppeldeckung, besser verteidigt werden. Für die „triangle-and-two“ sollte ein Team über deutlich mehr Erfahrung verfügen, da ansonsten zu viele Lücken entstehen und unerfahrene Spieler in der Verteidigung überfordert sein könnten.

Nutzt „junk defense“-Variationen als Tool, um in angemessenen Situationen einen Überraschungsmoment parat zu haben. Besonders in Phasen, in denen es schlecht läuft, sollte ein Trainer auch mal umstellen und risikobereit sein.

 

Ramy Azrak

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