Verteidigungsstrategien

Basketball: Die Mann-gegen-Mann-Verteidigung

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Die Vorteile und Nachteile einer Mann-gegen-Mann-Verteidigung im Basketball

Eine gute Verteidigung im Basketball ist in den meisten Fällen der Schlüssel für den Erfolg. Durch eine Mann-gegen-Mann-Verteidigung kann eine Mannschaft den Gegner massiv unter Druck setzen und aggressiv gegen den Ball spielen.

Bei dieser Verteidigungsvariante ist jedoch auch immer ein hoher physischer Aufwand notwendig, um die Ziele zu erreichen. Basketball-Experte Ramy Azrak erläutert (nach den letzten Artikeln, in denen es um die Zonenverteidigung ging) wie eine Mann-gegen-Mann-Verteidigung funktioniert, welche Pressverteidigungen es gibt und stellt die Vorteile und Probleme der Mann-gegen-Mann-Verteidigung dar.

 

Die Mann-gegen-Mann-Verteidigung

Bei der Mann-gegen-Mann-Verteidigung (auch Mann-Mann-Verteidigung) wird jedem Defensivspieler ein direkter Gegenspieler zugewiesen, der im Eins-gegen-Eins verteidigt wird. Seinen Gegenspieler verlässt ein Verteidiger nur kurzfristig zum doppeln bzw. aushelfen (engl. help defense). Im Gegensatz zur Zonenverteidigung kann das Laufspiel deutlich intensiver sein, wenn die Spieler des gegnerischen Teams in der Offensive viele Wege gehen. Auf der anderen Seite eignet sich die Mann-gegen-Mann-Verteidigung auch bei Teams mit Anfängern, weil die taktische Anforderung deutlich geringer als bei der Zonenverteidigung ist. Im Prinzip hat jeder Spieler die simple Aufgabe, seinen Gegenspieler am Korberfolg zu hindern.

Switchen: Bei einer Mann-gegen-Mann Verteidigung „switcht“ man, wenn ein Angreifer einem Mitspieler einen Block stellt und der Verteidiger diesen Block nicht umlaufen kann. Dann wechseln die Verteidiger die Gegenspieler.

Mismatch: Durch einen gut gespielten pick-and-roll-Spielzug kann die verteidigende Mannschaft bewusst zum Switchen gezwungen werden. Wird der Verteidiger daraufhin mit einem physisch überlegenen Angreifer konfrontiert, versucht das angreifende Team diesen Vorteil - das Mismatch - auszuspielen.

Natürlich gibt es auch Probleme, auf die eine verteidigende Mannschaft stößt, allem voran das Verteidigen gegen Block und Abrollen (pick-and-roll), auf das ich kurz eingehen möchte: Die beste Waffe gegen eine Manndeckung ist das gezielte Stellen von Blöcken. Ein gut gestellter Block ist schwierig zu umlaufen. Diese kurze Zeit nutzt ein guter Angreifer für einen freien Wurf oder eine Penetration zum Korb. Entscheiden sich zwei Verteidiger zu „switchen“, also den Gegenspieler für den Angriff zu wechseln, so kann ein sogenanntes „Mismatch“ entstehen. Bei einer Mann-gegen-Mann-Verteidigung entstehen dabei Schnittstellen, die größte Problematik bei dieser Verteidigungsvariante. Aus diesem Grund isolieren viele Mannschaften zwei Spieler auf einem Flügel und spielen ein pick-and-roll. Von daher ist die Kommunikation untereinander bei den verteidigenden Spielern sehr wichtig. In vielen Spielsituationen benötigt ein Verteidiger unbedingt die Hilfe seiner Mitspieler. Neben dem Aushelfen, Switchen oder Doppeln kann ein Mitspieler durch einfache Zurufe, wie z. B. „Block links“, seinem Mannschaftskameraden entscheidend helfen, der durch die konzentrierte Verteidigungsarbeit einen peripheren Blocksteller schnell übersehen kann.

Die Stärke der Mann-gegen-Mann-Verteidigung hängt stark von den individuellen Fähigkeiten und körperlichen Merkmalen der einzelnen Spieler ab. Je athletischer ein Team ist, desto besser kann ein verteidigendes Team Zugriff auf seinen Gegner bekommen und schwierige Würfe forcieren.

 

Pressverteidigung als spezielle Form der Mann-gegen-Mann-Verteidigung

Den Druck auf den Gegner kann eine Mannschaft durch zwei spezielle Formen der Mann-gegen-Mann Verteidigung zusätzlich erhöhen, was jedoch auch mit einem höheren Risiko und enormen Kraftaufwand verbunden ist. Von daher werden diese nur frequentiell oder punktuell durchgeführt:

- Ganzfeldpresse

- Halbfeldpresse

 

Die Ganzfeldpresse (engl. full-court-press) kann mit dem Ballverlust aus dem Spiel heraus begonnen werden. Aufgrund der engen und aggressiven Spielweise am Mann sollte die Ganzfeldpresse besser mit dem Einwurf des Gegners gespielt werden. Bereits beim Einwurf wird jeder Spieler so eng verteidigt, dass der Gegner zu einem Fehler forciert wird, denn der einwerfende Spieler hat nur 5 Sekunden Zeit, den Einwurf auszuführen. Gelingt es der angreifenden Mannschaft den Ball einzuwerfen, bleibt der verteidigenden Mannschaft die Möglichkeit den Ballgewinn zu forcieren, indem der Gegner daran gehindert wird, innerhalb von 8 Sekunden mit dem Ball über die eigene Mittellinie zu gelangen. Allgemein sollte demnach das Ziel einer Mannschaft darin liegen, den Gegner so stark unter Druck zu setzen, dass ein Turnover (Ballverlust) forciert wird. Dies kann auch dadurch passieren, dass der ballführende Spieler den Ball im Dribbling verliert, einen Fehlpass spielt oder ein Pass abgefangen wird (Steal). Das Minimalziel der Ganzfeldpresse liegt darin, dass die Angriffszeit weit heruntergespielt wird und der Gegner nur noch die Möglichkeit hat, einen schwierigen oder unkontrollierten Wurf kurz vor dem Ablauf der 24-Sekunden-Uhr zu werfen. 

Info für Fortgeschrittene: Erfahrene Teams verzichten teilweise auf die direkte Zuordnung der Gegenspieler und jeder deckt den jeweils nächsten Angreifer. Ein ausgespielter Verteidiger sprintet im höchsten Tempo zu dem angreifenden Spieler zurück, der am nächsten zum verteidigenden Korb steht. Alle anderen Spieler rücken um eine Position nach vorne und halten den hohen Druck aufrecht.

 

Die Halbfeldpresse (engl. half-court-press) funktioniert vom Prinzip her genau wie die Ganzfeldpresse, lediglich wird der Druck nur in der eigenen Spielhälfte auf die angreifende Mannschaft ausgeübt. Es wird versucht den ballführenden Spieler zur Seitenlinie zu drängen und durch „Doppeln“ einen Ballverlust zu forcieren.

 

Nachteile

Der Nachteil der Ganzfeld- und Halbfeldpresse liegt auf der Hand: Beide Varianten erfordern einen hohen physischen Aufwand (besonders die Ganzfeldpresse), intelligente Spieler mit Erfahrung und ball- sowie passsichere Basketball-Mannschaften bleiben in Drucksituationen zumeist souverän und können dann durch geschicktes Ausspielen selbst zu Überzahlsituationen und einfachen Punkten gelangen. Auf der anderen Seite können Pressverteidigungsvariationen den Gegner irritieren, aus dem Rhythmus bringen und Fehler forcieren, aber auch die eigene Mannschaft kann durch die aggressive Spielweise den Zugriff auf das Spiel wiedererlangen. Ein Einbau ins Taktiktraining ist ein Muss denn in manchen Situationen ist eine Pressverteidigung unabdingbar, beispielsweise bei einem Rückstand kurz vor Spielschluss.

Bei der Mann-gegen-Mann-Verteidigung im Basketball gibt es einige Regulierungen, die bei Missachtung zu einem Ballverlust führen. In meinem nächsten Artikel werde ich darauf eingehen.

 

Ramy Azrak

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