Coaching

Basketball: Allgemeine Grundlagen der Taktik

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Die richtige Taktik ist Grundlage jedes Basketballspiels.

Neben Athletik und Technik gehört taktisches Verständnis und Verhalten zu den elementaren Grundlagen eines jeden Basketballteams. In den nächsten Wochen führt Basketball-Experte Ramy Azrak Euch in die Grundlagen der Taktik ein.

Im 1. Teil der Basketball-Taktik-Serie geht es um die allgemeinen Grundlagen der Taktik. Dabei definiert trainingsworlds Basketball-Experte Ramy Azrak den Begriff der Taktik, zeigt auf, welche grundsätzlichen taktischen Möglichkeiten ein Trainer in der Offensive und in der Defensive hat, und erklärt was ein Role-Player ist.

 

Definition: Taktik

Unter den Begriff „Taktik“ fallen im Basketballsport alle organisierten Maßnahmen, sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung, die von Spielern eingesetzt werden, um ein bestimmtes Spielziel zu erreichen. Grundsätzlich unterscheidet man die Begriffe „Vortaktik“ und „Mannschaftstaktik“. Mit der Vortaktik werden die Spielzüge in Angriff und Verteidigung beschrieben, die nur von Teilen der Mannschaft ausgeübt werden, wie beispielsweise ein Pick-and-Roll-Spielzug zwischen Aufbau- und Flügelspieler. Die Mannschaftstaktik beinhaltet Spielzüge in Angriffs- und Verteidigungsvarianten, die alle fünf Spieler zeitgleich durchführen.

Anders als im Fußball, wo einem Offensivspieler teilweise alle Freiheiten gegeben werden und somit keine Verteidigungsaufgaben für ihn entstehen, müssen im Basketball alle Spieler angreifen und verteidigen, um Erfolg zu haben.

 

Angriff: Set Play vs. Transition

Im Offensivspiel gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche taktische Möglichkeiten Punkte zu erzielen. Je nach Spielermaterial, das dem Trainer zur Verfügung steht (Athletik und Erfahrungswerte der Spieler), oder bevorzugter Spielphilosophie des Trainers, wird im Angriff entweder der kontrollierte Spielaufbau (Set Play) oder der Schnellangriff (Transition) durchgeführt.

 

Verteidigung: Zone vs. Mann-gegen-Mann

In der Defensive verteidigt ein Team entweder in einer Zonenverteidigung oder in einer Mann-gegen-Mann-Verteidigung. Bei der Zonenverteidigung hat jeder Spieler seinen Raum, in dem er Spieler aufnimmt bzw. zustellt. Die Abstimmung und Koordinierung muss gut funktionieren, da bei einer Raumverteidigung immer Schnittstellen entstehen können, die clevere Angreifer eiskalt ausnutzen. Im Gegensatz dazu ist eine Mann-gegen-Mann-Verteidigung laufintensiver, da jeder Verteidiger seinen Gegenspieler quasi bis zur Umkleidekabine begleitet. Viele Verteidigungssysteme sind ein Mix aus Zonenverteidigung und Mann-gegen-Mann-Verteidigung, wie z. B. die sogenannte „box-and-one“. Hierbei verteidigen vier Spieler im Raum und ein Spieler führt eine Spezialaufgabe aus und verteidigt einen bestimmten Spieler im Eins-gegen-Eins. Dies ist besonders sinnvoll, wenn die gegnerische Mannschaft einen überragenden Angreifer in ihren Reihen hat.

 

Taktische Positionen der Spieler

Jeder Spieler übernimmt in seinem Team eine bestimmte taktische Aufgabe. Sogenannte Außenspieler, also die Aufbau- oder Flügelspieler, sind hauptsächlich für die Planung bzw. Organisation des Spielaufbaus zuständig. Die korbnahen Flügelspieler und Center halten sich vorwiegend in Korbnähe auf und sind i.d.R. große und kräftige Spieler, die ihre physische Präsenz einsetzen, um Punkte in der Zone zu erzielen und Rebounds, also zweite Wurfchancen für ihr Team, zu holen. Bei manchen Teams gibt es noch die taktische Position des Vorcenters, der sich im Raum der Freiwurflinie aufhält, wobei er auf die 3 Sekunden-Regel zu achten hat. Er hat eine Art Verteilerfunktion, stellt Blöcke und verfügt über ein gutes Passspiel.

Im Basketball gibt es natürlich Spieler, die keine Allrounder sind und ihre Stärken eher im Angriff oder in der Verteidigung haben. Ein Trainer hat die Möglichkeit, während eines Spiels häufig Wechsel durchzuführen und damit auch taktisch ins Spiel einzugreifen. Ein unterdurchschnittlicher Spieler mit einer bestimmten überragenden Fähigkeit (z. B. Dreierspezialist, Verteidigungsspezialist, usw.) wird im Basketball „Role-Player“ genannt und wird häufig von Trainern mit Spezialaufgaben in selektiven Spielsituationen und Spielphasen betraut.

 

Role-Player

Durch die Auswechsel-Regel im Basketball erhalten Role-Player, die beispielsweise exzellente Dreierschützen sind, in bestimmten Spielsituationen Sonderaufgaben. So wird ein Trainer solch einen Spieler 15 Sekunden vor dem Ende des Spiels bei einem Rückstand von 2 Punkten bei eigenem Ballbesitz definitiv auf dem Parkett stehen haben.

Ein Role-Player mit Stärken in der Verteidigung dient dem etatmäßigen Aufbauspieler des eigenen Teams als Verschnaufpause und soll den gegnerischen Aufbauspieler unter Druck setzen, damit dieser sich nicht einfach entfalten kann und Kräfte lässt. Es gibt sehr verschiedene Role-Player, die eine bestimmte Stärke haben, die der Trainer als taktische Waffe für sich nutzt. In der NBA wurde jahrelang teilweise mit 3 oder 4 Centern gegen Shaquille O´Neill verteidigt. Der 3. oder 4. Center hatte teilweise nur die Aufgabe „Shaq Attack“ zu foulen und an die Freiwurflinie zu bringen, da dieser zwar eine überragende physische Präsenz unter dem Korb hatte, jedoch eine miserable Freiwurfquote.

 

In den nächsten Wochen werde ich Euch taktische Möglichkeiten in Angriff und Verteidigung näher bringen. Beginnen werde ich mit Verteidigungssystemen. In meinem nächsten Artikel thematisiere ich die Zonen-Verteidigung als taktisches Mittel.

In diesem Sinne, bleibt am Ball!

 

Ramy Azrak

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