Basketball

Basketball: Wahrnehmung und Spielerfahrung für eine bessere Antizipation

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Die Antizipation ist ein Erfolgsfaktor im Basketball. Doch was ist das genau und wie trainiere ich meine Wahrnehmung?

Die Antizipation ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im Basketball. Sie verhindert Fehler und kann zum Ballbesitz führen.Trainingsworld definiert den Begriff „Antizipation“ und erklärt, welche beiden Faktoren für eine gute Antizipation entscheidend sind.

Im Basketball muss ein Ballgewinn nicht zwangsläufig mit einer schlechten Aktion eines Gegenspielers einhergehen. Natürlich ergeben sich unnötige Ballverluste auch durch überhastete Aktionen oder Unkonzentriertheiten des Gegners. Auf der anderen Seite kann eine hervorragende Antizipation zu einem Ballgewinn führen.

Der Begriff Antizipation (lat. anticipatio: Vorwegnahme) bezeichnet in der Sportwissenschaft die mentale Vorwegnahme eines künftigen Bewegungsablaufs bzw. die mentale Vorwegnahme möglicher kommender Ergebnisse. Antizipation ist im Basketball – aber auch in vielen anderen Sportarten – ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor, da situative Entscheidungen zumeist unter Zeitdruck geschehen müssen. Nach Weineck sollte das Ziel der Antizipationsfähigkeit das „vorausschauende Programmieren und damit Bereitstellen von potentiellen Handlungsalternativen“ sein (1).

 

Antizipation hängt wesentlich von der Wahrnehmung und der Spielerfahrung ab(2):

Wahrnehmung

„Wenn ein Spieler einen freien Mitspieler nicht sieht, wird er gar nicht auf die Idee kommen, ihn anzuspielen“, was auf „Mängel in der Orientierungsregulation“ hinweist (2). Da nur die wenigsten Spieler einen besser postierten Mitspieler absichtlich nicht anspielen, ist man in der Trainingssteuerung soweit, die Wahrnehmung gezielt zu trainieren. Eine defizitäre Wahrnehmung sollte von daher unbedingt durch gezielte Übungen verbessert werden, da man für eine gute Antizipation die Fähigkeit braucht, visuelle und akustische Signale aufzunehmen. Das Trainieren der Wahrnehmung hilft dabei, sich unbewusste Abläufe bewusster zu machen und besser zu kontrollieren. Dies hat auch übergeordnete Auswirkungen auf die Spielstärke und den Erfolg, denn durch die bessere Kontrolle können falsche Entscheidungen verringert werden.(Wahrnehmungstraining)

Praxisnah kann die Wahrnehmung schon durch kleinste Veränderungen verbessert werden: Ein Spieler, der beim Dribbling nur auf den Ball schaut, sollte Dribbelübungen mit verbundenen oder geschlossenen Augen ausführen, um das Ballgefühl zu verbessern. Neben der Technikverbesserung geht es insbesondere darum, eine bessere räumliche Wahrnehmung zu erlangen.

Komplexer kann die Wahrnehmung durch folgende Übung trainiert werden: Zuerst einmal müssen dabei 5 Markierungen (z. B. Hütchen) in 5 verschiedenen Farben im Abstand von maximal 6 Metern vom Startpunkt aus in verschiedene Richtungen aufgestellt werden. Die Übung beginnt mit einem Kommando (z. B. gelb) und der Spieler sollte reaktionsschnell zur gelben Markierung sprinten, diese berühren oder umlaufen und schnellstmöglich zur Startmarkierung zurücksprinten. Erst mit dem Berühren (alternativ Umlaufen) der Startmarkierung wird darauf hin das nächste Kommando (z. B. rot) zugerufen, damit der Spieler während der Drehung schnellstmöglich reagiert und die nächste Aktion einleitet. Die Übung sollte in 3 Durchgängen mit maximal 10 Kommandos durchgeführt werden, um die Konzentrationsfähigkeit hoch zu halten. Neben der Wahrnehmung wird auch die Reaktionsfähigkeit trainiert, die für eine gute Antizipationsschnelligkeit förderlich ist.

 

Spielerfahrung

Noch wichtiger als die Wahrnehmung ist die Spielerfahrung, da sich Spielsituationen (Verhalten von Mit- und Gegenspielern) und zu treffende Entscheidungen ständig wiederholen. Vorwegzunehmende Entscheidungen können durch gesammelte Erfahrungswerte erleichtert werden: „Die Antizipation des gegnerischen Verhaltens ist auch die Grundlage für alle Finten und Täuschungen“(2). Gelingt es einem Spieler eine falsche Reaktion des Gegenspielers zu fprovozieren, so kann er daraus einen Vorteil in seiner Aktion ziehen. Eine erfolgreiche Wurffinte provoziert beispielsweise durch das Hochspringen des Gegenspielers ein Foul oder ermöglicht die Penetration zum Korb.

Übergeordnet hat im Basketball der Trainer die Verantwortung für zu treffende Entscheidungen. Er bestimmt die allgemeine taktische Spielausrichtung, das System im nächsten Angriff und den Spielzug in der entscheidenden Situation. Er entscheidet, ob im letzten Angriff des Spiels, bei einem Rückstand von 2 Punkten, der Center in Korbnähe in Position gebracht werden soll oder der Dreierspezialist den nächsten Wurf nimmt. Eine Garantie für die richtige Entscheidung gibt es zwar nicht, doch erfolgreiche Entscheidungen sind immer eng mit Erfahrungswerten und der Antizipationsfähigkeit des Trainers geknüpft. Nicht umsonst gibt es die Wortschöpfung „Trainerfuchs“.

 

Fazit

Zusammengefasst kann man sagen, dass man Antizipation durch das Trainieren der Wahrnehmung verbessern und so die Schnelligkeit von Reaktionen erhöhen kann. Aber auch mit der Anzahl der Spiele und den gewonnenen Erfahrungswerten wird tendenziell häufiger die richtige Entscheidung antizipiert.

In der nächsten Woche erklärt Nationalspieler Dominik Bahiense de Mello, worauf er beim Verteidigen seines Gegenspielers achtet, wie er Situationen antizipiert und wieso es wichtig ist bei jeder Trainingseinheit die gewonnen Erfahrungswerte zu reflektieren.

Bis dahin könnt ihr natürlich versuchen zu antizipieren, was Dominik aus seiner jahrelangen Erfahrung als Bundesligaprofi zu berichten hat. Deutlich mehr Spaß macht es allerdings die nächsten Aktionen eures Gegenspielers auf dem Freiplatz zu antizipieren.

 

Ramy Azrak

Literatur:

1. Basketball Training, Neumann, Meyer & Meyer Verlag

2. Optimales Training, Weineck, Spitta Verlag

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