Moderner Fünfkampf

Schießen: Allgemeine Grundlagen der Technik (Teil 2)

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Die Atemtechnik ist beim Schießen auch im Modernen Fünfkampf von großer Bedeutung.

Neben der Haltung bzw. Stellung im Pistolenschießen, die hier als statistische Disziplin zu sehen ist – wobei auf ein feststehendes Ziel geschossen wird, während die Visierung immer auf den gleichen Punkt zeigt (1) – ist die Atmung von großer Bedeutung.

Im ersten Teil „Schießen: Allgemeine Grundlagen der Technik (Teil 1)“ wurde darauf hingewiesen, dass nur durch das Erlernen der Technik – zu Beginn als Einzeldisziplin und später in Kombination mit dem Laufen – das Pistolenschießen verbessert und beherrscht werden kann. Des Weiteren wurden die einzelnen Phasen beschrieben. Daneben ist die Atemtechnik von besonderer Bedeutung.

 

Brustatmung und Bauchatmung

Die Atemtechnik beim Sportschießen ist eines der wichtigsten Elemente und sollte von Anfang an in das Training einbezogen werden. Dabei wird zwischen zwei Atmungsarten (Brustatmung und Bauchatmung (Zwerchfellatmung)) differenziert.

Bei der Brustatmung kommt es zur Erweiterung des Brustkorbs durch Anheben der Rippen mittels der äußeren Zwischenrippenmuskulatur (Musculus intercostales externi). „Die Kontraktion der Musculi intercostales externi hebt die Rippen und erweitert damit den Brustkorb, wodurch diese Muskeln die Einatmung (Inspiration) unterstützen.“(3) Es kommt zur Vergrößerung des Brustkorbs, was ein schnelleres und tieferes Atmen ermöglichen.(2)

Die Bauchatmung bzw. Zwerchfellatmung ist eine ruhige Atmungsform, die unbewusst eingesetzt wird, wenn der Körper in eine Entspannung gebracht wird. „Das Einatmen erfolgt bei der Bauchatmung durch das Zusammenziehen (Kontraktion) des Zwerchfells, wodurch der Unterdruck im Pleuraspalt verstärkt wird. Die Ausatmung erfolgt bei der Brustatmung durch das Entspannen des Zwerchfells, wodurch sich die Lunge aufgrund der Eigenelastizität zusammenzieht und die Luft „auspresst“. Bewusst kann die Ausatmung durch die Anspannung der Bauchmuskeln unterstützt werden.“(3) Folge der Brustatmung sind eine Senkung des Blutdrucks sowie die Förderung des venösen Rückstroms durch den Unterdruck im Bauchraum.

Im täglichen Leben tritt meist eine Mischform der beiden Atmungsarten auf.

Für den Modernen Fünfkampf bzw. Schützen ist es wichtig zu wissen, dass die Zwerchfellatmung die Erregung bzw. Nervosität, die durch z. B. Stress oder Wettkampfbedingungen ausgelöst wird, reduzieren kann und die Brustatmung die Körperfunktionen aktiviert. Häufiger Fehler beim Pistolenschützen ist die falsche Atmung. Viele Schützen neigen dazu, während des Zielvorganges und bis zur Schussauslösung die Luft anzuhalten. Dies führt aufgrund der dann einsetzenden Sauerstoffunterversorgung zu Muskelzittern und körperlicher sowie geistiger Unruhe.(2) Ein wesentlicher Bestandteil im Schießsport ist daher eine genau gesteuerte Atemtechnik sowie eine Verbesserung der Ausdauer. „Durch einen guten Atemrhythmus werden Halten, Zielen und die Schussabgabe vorbereitet sowie eine optimale Sauerstoffversorgung gewährleistet (siehe Tab. 1). Zwischen den Schüssen muss die Atmung genauso präzise, gleichmäßig und dennoch situationsorientiert ablaufen, um den Körper zu regenerieren.“(4) Das Ausdauertraining dient dazu, die Sauerstoffaufnahmefähigkeit zu erhöhen, da der Schütze während des Zielens einen erhöhten Sauerstoffbedarf hat.

 

Einzelatmung und Doppelatmung

Bei der Atemtechnik wird zwischen Einzelatmung und Doppelatmung unterschieden, wobei die Doppelatmung von den Schützen favorisiert wird. Sie ist stets in Verbindung mit den einzelnen Schussphasen zu sehen. Eine detaillierte Auflistung der Doppelatmung sowie der gleichzeitigen Armbewegung in den einzelnen Phasen (nach Aeply J.E.) ist in der folgenden Tabelle zu sehen:

Schussphasen Atemzug Armbewegung Zielen/Augenbewegung
Vorbereitungsphaes 1- bis 3-mal durchatmen

- Grundspannung

- Grifffestigkeit prüfen

- Die Augen werden entspannt

- Ruheblick

- Nicht in ein grelles Licht schauen

- Nicht auf die Scheibe schauen

Auftaktphase 1. Atemzug

- Tief Einatmen

- Normale Ausatmung

- Arm anheben – über die Scheibe

- Arm langsam herabführen bis ca. Scheiben oder Spiegeloberkante

- Arm bleibt stehen

- Auge schaut auf Handrücken/Ruheblick

- Grobzielen – Korn wird im Kimmenausschnitt fixiert

- Ausatmen: Auge schaut auf Handrücken/Ruheblick

- Atempause: Grobzielen/Scheibe – oder Spiegeloberkante

Arbeitsphase 2. Atemzug

- Zwischenatmung leitet die Arbeitsphase ein

- normal Einatmen

- langsam Ausatmen - Ventilatmung

- Natürliche Bewegung des Armes –Brustkorberweiterung

- Ausatmen: Arm langsam herabführen - in den Halteraum

- Auge schaut auf Handrücken

- Ausatmen: Auge übernimmt das Korn, das Feinzielen beginnt

- Auge fixiert Korn in der Kimme

Auslösephase Atmung wird angehalten - Stopp Armbewegung stoppt! - im Halteraum Zielbild fixieren/Auge – Kimme – Korn – Scheibe
Nahhaltephase Atmung wird noch angehalten Arm wird gehalten – im Halteraum

- Nachzielen

- Auge auf das Korn – bessere Kontrolle

Entspannung

Auswertung

- nach dem Schuss verstärkt ausatmen (2-3 Atemzüge)

- angereichertes CO2 muss ausgestoßen werden

- Entspannung - anschließend normale Atemzüge

Tab.1: Phase- und Atemzugeinteilung beim Pistolenschießen während der "Doppelatmung" (Vgl: Aeply J.E., 2006)

 

Fazit

Der Schütze muss in der Lage sein, die Technikelemente von Atmung, Bewegung, Zielen und Abziehen in den Bewegungsablauf zu koordinieren. Die vier Technikelemente sollten beim Anfänger in folgender Reihenfolge im Techniktraining trainiert und präzisiert werden: Atmung, Bewegung, Zielen und Abziehen. Wie in jeder anderen Sportart wird durch eine hohe Trainingshäufigkeit die Automatisierung der einzelnen Technikelemente und somit die Koordination des Gesamtablaufs gefördert.

In Hinblick auf die Atmung sollte darauf geachtet werden, dass der Schütze bewusst ruhig atmet, um Ruhe in seinen Bewegungsablauf zu bringen sowie bis zur völligen Entspannung der Atemmuskeln ausatmet. Die kontrollierte Atemtechnik und die damit verbundene kontrollierte, automatisierte und homogene Auf- und Abwärtsbewegung des Armes, erlaubt dem Schützen die Möglichkeit, sich auf das Visier und den Druckverlauf zu konzentrieren.(5)

Atemübungen werden im nächsten Artikel (Allgemeine Grundlagen der Technik Teil 3) erläutert.

 

Von Dr. Caroline Trautmann

 

Literaturangaben:

1. Wiegand K. (2007), Sportschießen Mehr wissen – besser treffen, Meyer & Meyer Verlag: Aachen

2. http://www.schiessen.com

3. http://de.wikipedia.org

4. http://www.schuetzen-boergermoor.de

5. Aeply J.E. (2006), Technik – Leitbild Luftpistole - Freie Pistole - Sportpistole (Präzision).

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