Sandsack Training (Teil IV)

9 wichtige Box-Kombinationen

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Diese Boxkombinationen können Sie im Training mit dem Sandsack verwenden

Für das Erreichen einer optimalen sportlichen Leistung ist neben den konditionellen Fähigkeiten die Beherrschung einer guten Bewegungstechnik von großer Bedeutung - das gilt auch für das Boxen.

Um Kombinationen besser, klarer und verständlicher ansagen zu können werden Schläge im Boxen mit Nummern versehen (1.2.3). Bei der Nummerierung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann Ziel und Technik miteinander kombinieren, sodass man z. B. Körperhaken eine Zahl und Kopfhaken eine andere Zahl gibt. Man kann auch die Techniken durchnummerieren und das Ziel offen lassen. Profis benutzen die letzte Variante, da sie einfacher und verständlicher ist. Für das Erreichen einer optimalen sportlichen Leistung ist neben den konditionellen Fähigkeiten die Beherrschung einer guten Bewegungstechnik von großer Bedeutung.

 

Was ist überhaupt “Technik” und wie kann man sie trainieren?

Technik wird definiert als ein „aus der praktischen Erfahrung und wissenschaftlichen Beschreibung heraus entwickeltes idealtypisches Handlungsverfahren oder Bewegungsspezifik einer sportlichen Bewegung“. Techniktraining ist als ein langfristiger Prozess anzusehen, bei dem es um den Erwerb und die Vervollkommnung sportlicher Techniken geht. Techniktraining folgt dabei im Wesentlichen den Gesetzmäßigkeiten des Bewegungslernens (motorisches Lernen). Ziel ist die Bildung neuer Koordinationsstrukturen sowie deren Optimierung und Festigung.

 

Folgende Nummerierungen sind für Linksausleger. Rechtsausleger müssen die Kombinationen spiegeln.

 

Standard-Nummerierung

1. Linker Jab (Gerade mit der Führhand)

2. Rechte Gerade

3. Linker Haken (Kopf oder Körper)

4. Rechter Haken (Kopf oder Körper)

5. Linker Aufwärtshaken (Uppercut)

6. Rechter Aufwärtshaken

 

Beim Training sollte man am Anfang versuchen, die Schläge bei jeder Kombination explizit zu benennen. Auf Dauer muss man lernen, die Schläge den Nummern zuzuordnen.

 

1-1 (Jab, Jab)

Schlagen Sie aus der Deckung 2 Jabs. Achten Sie darauf, dass nach dem ersten Jab die Hand komplett zurückgezogen wird. Achten Sie außerdem auf saubere Schrittarbeit und Einsatz des Körpergewichts.

 

1-2 (Jab, Gerade mit der Schlaghand)

Diese Kombination ist die einfachste, dennoch die wichtigste überhaupt. Der Jab öffnet die Deckung und bringt den Körper in die richtige Position, um einen harten Schlag zu landen zu können. Kombiniert mit der vorherigen Kombi (zu 1-1-2, oder einer anderen beliebigen Anzahl von Jabs) hat man so ein wichtiges Werkzeug an der Hand.

 

1-2-3 (Jab, Gerade, Haken mit der Führhand)

Bei dieser Kombination sollte der gesamte Ablauf flüssig laufen. Die Schläge fließen ineinander. Jeder Schlag bereitet den anderen Schlag vor. Nach dem Jab ist die Hüfte hinten und dient beim Nachvornebringen der Kraft des Schlages. Diese Position ist jetzt wieder ideal, um beim Verlagern des Gewichts nach hinten den Haken schlagen zu können.

 

1-2-3-3 (Jab, Gerade, Haken zum Körper, Haken zum Kopf)

Die ersten beiden Schläge bringen die Deckung zum Kopf. Durch den ersten Haken wird der Gegner gezwungen, entweder den Schlag anzunehmen oder die Deckung zu senken. Daraufhin geht der nächste Hacken zum Kopf. Anfangs kann diese Kombination ungewohnt wirken, denn es dauert lange Zeit, bis man die Gewichtsverlagerung bei den Haken verinnerlicht hat.

 

1-2-3-2 (Jab, re. Gerade, li. Haken, re. Gerade)

Links – rechts – links – rechts. Einfach. Hart. Die letzten 3 Schläge sind die “Power Schläge.” Hier ist besonders auf korrekten Körpereinsatz zu achten. Wenn diese 3 Schläge landen, hat man ordentlich ausgeteilt.

 

1-2-3-6 (Jab, re. Gerade, li. Haken, re. Aufwärtshaken)

Diese Kombination ist eine Variation der vorhergehenden Kombination. Hierbei versucht man, die Lücken in der Deckung bzw. ein Abducken des Gegners auszunutzen.

 

1-6-3-2 (Jab, re. Aufwärtshaken, li. Haken, re. Gerade)

Diese Kombination ist eine Überraschungskombination. Denn nicht immer folgt auf einen Jab eine rechte Gerade. Und genau diese Abwechslung kann zu einem Treffer führen. Allerdings muss diese Kombination möglichst ansatzlos und selten geschlagen werden. Kann der Gegner erahnen, dass diese Kombination kommt, so hat er die Gelegenheit, den rechten Aufwärtshaken gnadenlos zu kontern.

 

1-3-4 ( Jab, linker Haken, rechter Haken)

Links, links, rechts. Der Gegner wird nur auf einer Seite bearbeitet, damit eine Lücke für den rechten Haken entsteht. Der rechte Haken sollte schnell und plötzlich kommen.

 

1-2-3-6-4 (Jab, re. Gerade, li. Haken, re. Aufwärtshaken, re. Haken)

Diese Kombination ist ungewohnt und selten, doch sollte der dahinter versteckte Plan aufgehen, ist diese Kombination sehr effektiv. Durch den Aufwärtshaken wird der Kopf entweder nach oben gebracht oder die Deckung nach unten gezogen, was dem folgenden rechten Haken erlaubt zu treffen.

 

Allgemeine Tipps

Während Sie Sandsacktraining betreiben, sind zwei Faktoren besonders wichtig: Kraft und Schnelligkeit. Die Schnelligkeit ist ein sehr komplexes Phänomen.

Laut Martin/Carl/Lehnertz ist Schnelligkeit bei sportlichen Bewegungen die Fähigkeit auf einen Reiz bzw. ein Signal hin, schnellstmöglich zu reagieren und Bewegungen bei geringen Wiederständen mit höchster Geschwindigkeit durchzuführen.

Achten Sie beim Boxen auf Ihre Reaktion. Betrachten Sie den Boxsack als Ihren Gegner und beobachten Sie sehr genau, wie sich der Boxsack bewegt. Passen Sie sich dem Boxsack an, so trainieren Sie automatisch Ihre Reaktions- und Bewegungsschnelligkeit.

Unter dem Begriff Kraft versteht man die Fähigkeit des Muskelsystems, durch Muskeltätigkeit äußere Kräfte und Widerstände zu überwinden, zu halten und ihnen entgegen zu wirken. Das können Sie durch kräftige Schläge auf den Boxsack erreichen.

 

Vahab Yektapour, Experte für Kampfsport, insbesondere Taekwondo

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