Interview

Nachgefragt: Freestyle-Profi Dominik Kaiser im Interview - Über  Ballakrobatik und Techniktraining

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Freestyle-Profi Dominik Kaiser ist ein Meister am Fußball - hier ein Sitting

Im Exklusivinterview erklärt Freestyle-Profi Dominik Kaiser, dass er mehr Ballakrobatik drauf hat als Messi, Cristiano Ronaldo & Co., erzählt über sein Techniktraining und lädt euch ein, beim wöchentlichen United Freestyler Trick Camps vorbeizuschauen.

Eine Karriere als Fußballprofi musste Dominik Kaiser nach einem Schlüsselbeinbruch im Jahr 2003 begraben. Bis zur C-Jugend spielte der ambitionierte Mittelstürmer und Mannschaftsführer in der Jugend des VfL Bochum. Heute ist Dominik nicht mehr traurig darüber. Immerhin ist er Freestyle-Champion und sein Terminkalender proppevoll. In der Szene ist er ein Star und wird weltweit gebucht. Wenn er sich mal nicht die Beine verdreht und scheinbar unfassbare Dinge mit dem Ball anstellt, arbeitet der 25-Jährige für die RheinFlanke in Köln, eine gemeinnützigen Organisation.  

 

trainingsworld: Dominik, was kann Lionel Messi von Dir lernen?

Dominik Kaiser bei der Ballakrobatik: Lower

Dominik Kaiser: Erstmal muss man sagen, das Fußball und Freestyle sehr unterschiedliche Sportarten sind. Beim Freestyle gibt es keine Regeln. Es ist alles erlaubt was cool aussieht, egal ob Skills aus dem Basketball Bereich, Breakdance Moves, oder gar Bewegungen aus der Rhythmischen Tanzgymnastik. Beim Fußball gibt es nur wenige kreative Köpfe, die auf dem Platz zaubern sei es Messi, Christiano Ronaldo oder damals Maradona. Freestyler können meist mehr Tricks als ein „durchschnittlicher Bundesligaprofi“, sind aber bei weitem keine so guten Fußballer wie die Vorbilder der Kids.

 

trainingsworld: Wie bist zum „Freestyle“ gekommen?

Dominik Kaiser: Ich habe mir im Jahr 2003 mein Schlüsselbein gebrochen und musste 9 Monate pausieren. Nach 3 Monaten konnte ich schon wieder ein wenig laufen, aber Mannschaftstraining war für mich leider Tabu. Also schnappte ich mir den Ball und übte erste Tricks. Beim Üben habe ich ohne es einzuplanen einen Rekord mit 5000-mal Ballhochhalten aufgestellt. Dieser Rekord ging durch die Presse und daraufhin hat mich die Sportmarketingagentur „4attention“ kontaktiert und angefragt, ob ich Lust hätte, Teil der United Freestyler zu werden. Gesagt, getan! Die Agentur vermarktet mich heute noch erfolgreich.

 

trainingsworld: Worin liegt das Geheimnis deines Könnens?

Dominik Kaiser: Üben, üben, üben! Das Wichtigste beim Freestyle ist, dass du so oft es geht trainierst! Viele Jugendlich sind die ersten Wochen Feuer und Flamme für diese Trendsportart. Allerdings verlieren sie nach nur 2-3 Wochen das Interesse, weil die Tricks immer schwieriger werden. Gerade da muss man am Ball bleiben und weiter trainieren, damit man sich weiter entwickelt.

 

trainingsworld: Dein damaliger Trainer meinte mal zu Dir „Lass den Quatsch! Das bringt Dir im Spiel gar nichts!“. Konnten ihn deine technischen Fähigkeiten in den Spielen vom Gegenteil überzeugen?

Dominik Kaiser: Wie schon gesagt sind es 2 unterschiedliche Sportarten, Freestyle ist ein Individual- und Fußball ein Mannschaftssport. Ich finde es schade, dass dem Spieler schon in der Jugend die Kreativität abtrainiert wird. Wir haben oft die Gelegenheit bei Auftritten mit Bundesligaspielern zu sprechen und auch die Jungs sagen, einen Beinschuss will der Trainier nicht sehen, es soll effektiv und sauber gespielt werden.

 

trainingsworld: Wie kannst du Kritiker entgegnen, die Freestyle als „ brotlose Kunst“ für einen Fußballspieler sehen?

Dominik Kaiser: Brotlose Kunst ist Freestyle auf keinen Fall. Die Sportart ist eher Leidenschaft und von einem Lebensgefühl geprägt. Es gibt keine offiziellen Normen, Grenzen, oder Regeln. Jeder kann mit dem Ball tun und lassen was er will. Und noch dazu ist es ein gutes Technik- und Koordinationstraining, wovon man auch gut im normalen Fußballspiel profitieren kann!

 

trainingsworld: Wie hoch ist dein wöchentlicher Trainingsaufwand? Und was beinhaltet eine deiner übliche Trainingseinheit?

Die Königsklasse der Freestyler: Specials

Dominik Kaiser: Ich versuche 1-mal pro Tag zu trainieren. Der Trainingsaufwand variiert dabei zwischen mindestens 2 Stunden bis maximal 5 Stunden. Ein normales praktisches Training beginnt mit einem Aufwärm- und Dehnprogramm. Im Anschluss trainiere ich als Techniktraining Uppers, Sittungs, Lowers und Specials (Erklärung siehe unten). Abschließend arbeite ich noch an kreativen Elementen, Übergängen vom Stehen ins Sitzen und wieder zurück. Natürlich muss auch noch an den Schwächen gearbeitet werden. Aber auch an der Bühnenpräsenz will trainiert sein: Mimik, Gestik und der Spannungsbogen spielen in einer perfekten Freestyle Show eine wichtige Rolle. Wenn man mal nicht gerade am Ball trainiert, macht man sich auch noch Gedanken zum Thema Freestyle, seien es neue Tricks, Singleshows oder Bühnenshows mit kombinierten Showacts, wie z. B. Breakdance, BMX und Basketball.

 

trainingsworld: Basketball?

Dominik Kaiser: Ich nutze viele kreative Elemente aus dem Basketball für meine Shows. Basketball ist ein trickreicher Sport und vor allem Streetballer haben es echt drauf und sind bei ihren Moves und Tricks sehr kreativ, von denen auch wir Freestyler profitieren können.

 

trainingsworld: In welchem Alter sollte man mit den Tricks am besten beginnen?

Dominik Kaiser: Es gibt eigentlich kein vorgegebenes Alter, um mit Freestyle beginnen zu können. In unseren United Freestyler Trick Camps haben wir eine Altersspanne von 5-50 Jahren.

 

trainingsworld: Welchen Trick könntest du mir als ehemaligen Landesligaspieler auf die Schnelle beibringen?

Dominik Kaiser: Jeder kann relativ schnell einen Trick lernen, allerdings macht das nachhaltige Training den Unterschied. Man sieht auch in der Weltspitze, das die besten Fußballer wie Lionel Messi oder Christiano Ronaldo sehr gute Techniker sind. Wer sich für diese Trendsportart interessiert, kann gerne bei unserem wöchentlichen Training in der United Freestyler Base vorbeischauen.

trainingsworld: Ich bedanke mich für das nette Gespräch!

 

Dominiks größte Erfolge im Überblick:

2005 Gewinner des „Free Your Style Wettbewerb“ von Braun und MTV

2007 Bester Bundesliga Trickser von Bild

2007 Guinness World Record Hin und Her Köpfen mit Timo Löhnenbach

2008/2009 Gewinner Red Bull Street Style (Erste Deutsche Freestyle Meisterschaft)

2009 Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Sao Paul, bis ins Achtelfinale von 55 Ländern

2010 Gewinner des Sony Twilight Wettbewerb

2011 Gewinner des Besten Freestyle Foto's der Welt „Copa Freestyle“

Freestyle Profi Dominik zeigt Köpfchen: Bei den Uppers

 

Infos und Videos von Dominik finden Sie unter www.united-freestyler.com und der United Freestyler Facebook-Seite

 

Ramy Azrak

 

Freestyle-Lexikon

Uppers - Tricks und Bewegungen, die mit dem Oberkörper – außer den Armen und Händen - durchgeführt werden. Hierzu gehören beispielsweise Kopfbälle, Ballablage auf dem Nacken, Rollen über den Rücken und Ballgleiten über den Brust- und Schulterbereich

Sittings - Artistische Tricks, die im Sitzen und in Rückenlage durchgeführt werden

Lowers - Akrobatische Moves im Stehen, die mit den Füßen, Unterschenkeln und Oberschenkeln durchgeführt werden

Specials - Kreative Übungen ohne Grenzen, wie zum Beispiel Saltos mit eingeklemmtem Ball zwischen den Beinen, Handstand mit dem Ball und kreative Übergänge vom Stehen ins Sitzen

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