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Leben (und trainieren) mit dem inneren Schweinehund: Strategien und Tipps

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Lernen Sie, mit Ihrem inneren Schweinehund zu leben

Macht Ihnen der innere Schweinehund auch manchmal zu schaffen? Monika Sturm-Constantin erzählt uns von ihrem persönlichen Schweinehund, wie er sich meldet und wie sie mit ihm fertig wird. Ein Veto für ein Leben mit dem inneren Schweinehund.

Ist der innere Schweinehund männlich oder weiblich? Wie sieht er aus?

Bei einem meiner Schwimmkollegen, Oliver, setzt sich der Schweinehund immer bleischwer auf seinen Schoß und dann kann er nicht ins Training kommen.

Ich weiß gar nicht genau, wie mein Schweinehund aussieht, ich sehe ihn auch nicht wirklich, er diskutiert eher mit mir. Ich kann auch gar nicht sagen, ob es eine weibliche oder männliche Stimme ist, die dann mit mir spricht. Manchmal gibt es lange Diskussionen, manchmal nur ganz kurze – mal gewinnt der Schweinehund, aber meistens gewinne ich!

 

Eine Definition – wenn es überhaupt eine gibt

Die Bezeichnung innerer Schweinehund umschreibt – oft als Vorwurf – die Allegorie der Willensschwäche, die eine Person daran hindert, unangenehme Tätigkeiten auszuführen. Sie kann damit in direkte Verbindung zur Motivation gebracht werden und ist eine metaphorische Umschreibung der Willensschwäche.(1) Der innere Schweinehund wird im allgemeinen Sprachgebrauch meist als innerer Feind, der einen immer ausbremst, empfunden.(2)

Der Schweinehund meldet sich mit Bedenken oder Vorschlägen wie: “Das geht auch Morgen noch”, “das könnte in die Hose gehen”, “das lohnt sich doch überhaupt nicht mehr” oder mit “ich könnte versagen und wäre dann frustriert”. Und noch bevor wir zur Tat schreiten, macht der innere Schweinehund alles zunichte. Er sieht nur den unglaublichen Aufwand, das wahrscheinliche Scheitern, die Qualen der Frustration und rät uns, es uns bequem zu machen und alles beim Alten zu belassen. Der Schweinehund ist raffiniert, er versucht alles, um den bequemen Weg zu gehen.(3)

Der innere Schweinehund liebt den Winter, Regen, Kälte, trübe Tage. Er liebt die Couch, das warme Bett und ein gemütliches Wochenende. Die liebsten Ausreden des netten Tierchens sind: „Ich fang morgen an“, „Ich mache das am Montag“ oder einfach nur „Bleib doch lieber hier“. Beliebt sind auch die „wenn-dann“-Kombinationen, beispielsweise „Wenn morgen schönes Wetter ist, dann gehe ich laufen“. So oder ähnlich hört es sich meistens an.

 

Mit dem inneren Schweinehund leben

Wenn man das Gefühl hat, zu müde oder erschöpft zu sein, zweifelt man oft an seinen Fähigkeiten. Das ist meist der Moment, in dem der Schweinehund die Oberhand gewinnt. In solchen Augenblicken ist es ratsam, kurz inne zu halten und darüber nachzudenken, was man gerade wirklich möchte und braucht. Je nach dem was das Ergebnis des Nachdenkens ist, kann man dem Schweinehund nachgeben und sich eine Pause gönnen – oder den Schweinehund besiegen.

Ich bin der Meinung, man sollte den Schweinehund nicht nur bekämpfen, sondern mit ihm leben. Es kostet zu viel Kraft, in immer wieder zu überwinden. Wäre es nicht besser, sich mit ihm zu arrangieren?

Der Schweinehund ist die innere Stimme, die uns zur Bequemlichkeit und Ruhe rufen möchte. Diese Stimme hat durchaus eine Berechtigung. Langfristige Ziele können nur erreicht werden, wenn sie sinnvoll geplant sind. Beispielsweise sollten in der Jahrestrainingsplanung auch immer wieder Ruhephasen zur Regeneration eingebaut werden, damit keine Erschöpfung entsteht (Periodisierung – das Zauberwort für eine erfolgreiche Saisonplanung). In diesen Phasen hat der Schweinehund sonst gute Chancen zu gewinnen. Wenn man überfordert ist und das Gefühl hat, dass nichts klappt, ist es einfacher aufzugeben.

Oft hilft auch, gemeinsam als Gruppe zu agieren. In der Gruppe hat der Schweinehund nicht so viele Chancen, da die Motivation durch den „Gruppenzwang“ höher ist und man sich vor den anderen nicht blamieren möchte.

Eine Möglichkeit, langfristige Ziele vor Augen zu behalten, ist sie aufzuschreiben. Am besten unterteilt man die Ziele auch noch in kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Man kann sein nächstes Ziel auf einen kleinen gelben Post-it® schreiben und irgendwo hin kleben. So wird man zwischendurch immer daran erinnert. Je attraktiver ein Ziel ist, desto eher möchte man es erreichen.

Ein wichtiger Punkt bei der Zielerreichung ist Lob und Belohnung. Wenn ein Teilziel erreicht wurde, sollte man sich dessen bewusst werden und sich dafür belohnen. Eine Möglichkeit ist, sich die Belohnungen für die Teilziele vorher zu überlegen, um einen Anreiz zum Durchalten zu schaffen.

Wenn man ein Teilziel nicht erreicht hat, kann es helfen zu überlegen und später auch zu verstehen, warum z. B. eine Verhaltensweise nicht durchgehalten wurde. Es ist sinnvoll dann zu überlegen, was es wert sein könnte, diese Verhaltensweise in Zukunft zu ändern oder die Anstrengung in Zukunft doch durchzustehen. Und jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

 

Fazit

Ich glaube, man sollte den Schweinehund nicht immer bekämpfen, sondern lieber versuchen, sich mit ihm zu arrangieren. Ausgeruhte, ausgeglichene Menschen machen es dem Schweinehund schwer. Aber ab und zu darf er ruhig gewinnen! Und wenn man ihm einmal nachgegeben hat, kann es dann Luxus pur sein, einfach faul auf der Couch zu liegen und ohne schlechtes Gewissen zu genießen!

 

Monika Sturm-Constantin

 

Quellenangaben:

1. http://de.wikipedia.org/wiki/Innerer_Schweinehund

2. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/buero-special/wie-sie-ihren-inneren-schweinehund-ueberwinden/4628018.html

3. http://www.brain-fit.com/html/innerer-schweinehund.html

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