Coaching

Coaching

Sportler aller Leistungsstufen zu trainieren, erfordert vielerlei Fähigkeiten. Je nach dem, wie viel Unterstützung Sie vom Umfeld bekommen, müssen Sie als Trainer wahrscheinlich Motivator, technischer Experte, Psychologe, Busfahrer, Verwalter und Manager sein oder derjenige, der die Sportsachen schleppt, um nur einige der naheliegenden Aufgaben aufzuführen.

Wenn Sie  eine Gruppe trainieren, müssen Sie sich mit Sportlern, die unterschiedlich viel Erfahrung haben, ebenso auseinandersetzen müssen wie mit unterschiedlichen Charakteren. Und in dem Maße, wie sich die Sportler weiterentwickeln, müssen Sie womöglich seinen/ihren Trainingsstil ändern, um kontinuierlichen Erfolg zu gewährleisten.

Was machen erfolgreiche Trainer von Hochleistungssportlern richtig und wie kann dies auf andere Bereiche übertragen werden?

 

Wir haben in diesem Beitrag ein Schlaglicht auf die Forschung zu dieser Frage geworfen.

Anscheinend beinhaltet das erfolgreiche Trainieren von Hochleistungssportlern einen viel konsensuelleren Prozess als eine Herangehensweise, bei der der Trainer dem Sportler nur  vorschreibt, was er zu tun  hat. Auf Letzteres kann  man bei Anfängern zurückgreifen. Hochleistungssportler brauchen viel mehr Input in Bezug auf die Zielsetzung und den Trainingsaufbau. Ihnen muss mehr Verantwortung zur Selbststeuerung übertragen werden.

Stresswahrnehmung und effektive Stressbewältigung spielen auch eine wichtige Rolle. Ein äußerst stressiges Umfeld führt zum Burnout der Sportler. Gute Trainer erkennen das. Sie sind sich auch über die anderen Anforderungen im Klaren, die an ihre Athleten gestellt werden – mögen sie nun Vollzeitprofis sein oder sehr gute Amateure, die den Wettkampf mit Studium oder Job unter einen Hut bringen müssen. Sportler, die mit ihrem Trainer gut kommunizieren, nehmen das Umfeld für gewöhnlich als weniger stressig wahr.
 


Organisationstheorie

Im Sportbereich bestätigt die Forschung womöglich einfach das, was woanders schon bekannt ist. Für die Wirtschaft haben Ken Blanchard und Paul Hersey die Notwendigkeit von flexiblen Führungsstilen in ihrer Theorie des “situativen Führens“ erklärt. Sie entwickelten dieses Modell in den späten 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass Menschen mehr oder weniger in der Lage bzw. gewillt sind, bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Je nach Situation wäre der Teamleiter demnach gefordert, einen der folgenden Führungsstile zu verwenden:
 


Anweisen dieses Modell  ist für Leute geeignet, die begrenzte Fähigkeiten haben und denen man ausdrücklich sagen muss, was sie tun sollen. Ständiges Feedback ist erforderlich, damit solche Leute ihren Fortschritt beurteilen können.

Betreuen ist angebracht, wenn jemand bestimmte Fähigkeiten hat, mit Begeisterung trainiert und bei bestimmten Aufgaben Fortschritte erzielen kann ohne Beaufsichtigung. Sobald diese Leute ein gewisses Leistungsniveau erreicht haben, müssen sie sich neuen Herausforderungen stellen.

Unterstützung ist bei diejenigen nötig, die in etwa eine Vorstellung davon haben, was sie machen wollen, aber möglicherweise Hilfe beim Erlernen brauchen. Sie sind noch nicht so befähigt, wie sie womöglich glauben, also brauchen sie eine Orientierungshilfe.

Delegieren ist für die, die ein hohes Maß an fachlicher Kompetenz erworben und eine klare Vorstellung davon haben, was sie erreichen wollen. Sie möchten den Kontakt beibehalten zwecks eines gelegentlichen Feedbacks, sehen sich aber eher als Partner denn als Untergebene

Situatives Führen ermöglicht dem Einzelnen sich weiterzuentwickeln: Von großer Unselbständigkeit über Interdependenzen bis hin zur Eigenständigkeit. Und vielleicht ist es ein nützliches Modell für Trainer, die festgestellt haben, dass ihr Stil auf bestimmten Levels oder bei bestimmten Individuen funktioniert, aber nicht überall. Trainer sollten gewisse Hauptpunkte bedenken, die mit der neuesten Sportforschung in Verbindung gebracht werden können.

Da das Modell aufgabenspezifisch ist, ist es möglich, dass Hochleistungssportler Anleitung brauchen, wenn eine neue Aufgabe ansteht. Denken Sie im Sportbereich an die Einführung der einer bestimmten Aufstellung ,beispielsweise im Fußball. Mit Sicherheit sind diese Spieler, was ihre Fähigkeiten anbelangt, extraklasse (vielleicht mit Ausnahme von Elfmetern!) und benötigen einen delegierenden Trainingsstil für normale Passübungen und Zweikämpfe. Die Einführung einer neuen Taktik hingegen erfordert einen autoritäreren Führungsstil.

Die Spieler kamen anschließend mit der Formation nicht zurecht. Lag das daran, dass sie es nicht wollten oder weil ihnen nicht die am besten geeignete Trainingsunterstützung geboten wurde?

Die Chance, dass erfahrene Spieler neue Fähigkeiten erlernen, ist am größten, wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird, ihre eigene selbstorganisierte Übung zu strukturieren und zu planen. (²) Während also ein Anweisungsstil vielleicht geeignet ist, wenn man Techniken einführt, ist es wahrscheinlich am besten, man gestattet den Spielern, die Übung selbst zu arrangieren (unterstützender Stil).

[MAM]Bei erfolgreichen japanischen Trainern hat man festgestellt, dass sie eine solide Beziehung zu ihren Sportlern aufbauen, die die Bereitschaft zu systematischen, zielgerichteten Übungen fördert. (³)Wenn Ihren Spielern ein Trainingsplan ausgehändigt wird, der wenig oder gar keinen Input ihrerseits erfordert, wie können sie dann zu bewusstem Üben ermuntert werden? Geben Sie ihnen dagegen die Möglichkeit, ihre eigenen Übungsstunden zu organisieren, haben die Sportler das Gefühl, man traue ihnen etwas zu, was sie in die Lage versetzt, ihr eigenes Lerntempo zu bestimmen.

Wenden Sie dieselbe Taktik bei weniger erfahrenen Sportlern an, könnte das allerdings in einer Katastrophe enden. Wenn Sie jemals Basketballspieler trainiert haben, ist Ihnen, wenn diese sich selbst überlassen wurden, vielleicht die “Slam-Dunk“-Mentalität begegnet, d. h. eine Haltung, die sich nicht um den Teamgeist schert und bei jeder Einzelne immer einen Volltreffer für sich verbuchen will. Für solche Leute ist ein Anweisungs- und Betreuungsstil womöglich angemessener und die schrittweise Einführung von freiem Training im Umfang von 10 Minuten pro Trainingseinheit wird es ihnen ermöglichen, ein Verantwortungsgefühl für ihre eigene Fortschritte zu entwickeln.


Der richtige Führungstil

Wenn Sie eine Gruppe von Sportlern trainieren – benötigt jeder einzelne in dieser Gruppe denselben Trainingsstil?
Einige Sportler stecken vielleicht in einer Formkrise und brauchen mehr Unterstützung, andere hingegen werden durch ständiges Feedback verärgert und ziehen es vor, mehr Selbständigkeit in ihren Übungseinheiten zu haben.

Wenn Sie eine Nationalmannschaft oder ein Regionalteam trainieren, werden Sie einige Spieler haben, die neu in der Mannschaft sind und andere, die sehr viel Erfahrung auf diesem Niveau mitbringen. Ein neuer Spieler braucht möglicherweise einen anweisenden Stil, damit die Einführung von Taktiken und Fertigkeiten für das jeweilige Team erleichtert wird. Aber es mag schwer für ihn sein, sich dieser Herangehensweise anzupassen, wenn er der Spitzenwettkämpfer bei seinem vorherigen Verein war und er früher viel mehr Input in die Trainingsentscheidungen einbrachte.

Sollte eine Mannschaft anders als ein einzelner trainiert werden? Eine Menge Forschungsarbeit ist darauf verwendet worden festzustellen, ob ein Team im Gegensatz zu Einzelnen einen eher autoritär ausgerichteten Führungsstil braucht oder eine mehr auf konsensuelles Delegieren hin ausgerichtete Herangehensweise. Fazit: Es hat sich erwiesen, dass der Zusammenhalt in der Mannschaft größer ist, wenn der Trainer die Spieler in die Entscheidungsfindung einbindet.(4) Aber ob der Zusammenhalt in der Mannschaft an sich wichtig für die Leistung als Team ist, bleibt abzuwarten.(5)

Welchem Stil auch immer Sie sich verschreiben, in welcher Situation und mit welchem Sportler auch immer; klare und effektive Kommunikation ist von größter Bedeutung – vom Sportler zum Trainer genauso wie umgekehrt. Jeder braucht etwas an Input seitens des Trainers, besonders wenn er in seiner Sportart leistungsstärker wird. Stellen Sie diesen Input nicht bereit, hat das verärgerte Sportler zur Folge.

Coakley, der zur Kommunikation jugendlicher Hochleistungssportler forschte und jene interviewte, die an Burnout litten, hat dies in in früheren Untersuchungen nachgewiesen.(6) Schlechte Kommunikation seitens der Trainer führte dazu, dass die Teenager das Gefühl hatten, sie hätten ihre eigene Situation kaum im Griff. Dies wiederum führte dazu, dass sie sich gestresst fühlten und mit der Situation überfordert waren. Er fand auch heraus, dass Sportler, die am Burnout-Syndrom litten, dazu neigten, ihr Selbst zu sehr über den Sport zu definieren. Dementsprechend hatten sie wenig oder gar keinen Ausgleich durch ein erfülltes Privatleben.

Obwohl diese Untersuchung 12 Jahre zurückliegt, kommt es immer noch recht häufig vor, dass Trainer schlechte Kommunikatoren sind, entweder weil es ihnen an den entsprechenden Fähigkeiten mangelt oder weil sie nicht gewillt sind, effektiv zu kommunizieren. Ein sportliches Umfeld, das sich durch schlechte Kommunikation auszeichnet, führt dazu, dass die Sportler eine Struktur wahrnehmen, die sie kontrolliert und unter Druck setzt.(7,8)  Werden die  Trainingspläne dagegen gut vom Coach vermittelt, nehmen die Athleten das Umfeld als informativ und unterstützend wahr.(9)
 


Das sollten Sie als Trainer beachten:

  • Damit er den Trainingsplan jedoch vermitteln kann, muss der Trainer zuerst einmal einen Plan haben! Von erfolgreichen Trainern weiß man, dass sie es mit ihrer Planung sehr genau nehmen und nichts dem Zufall überlassen. Sie planen ihre Einheiten auch so, dass sie sehr sportbezogen sind. Hochleistungssportler haben womöglich kein Verständnis für Aktivitäten, die nichts mit dem Sport zu tun haben, und wenn bei ihnen ein Wettkampf ansteht, wollen sie ein Training unter Wettbewerbsbedingungen.(10)
  • Neue Fertigkeiten und Taktiken sollten nicht im Vorfeld des Wettkampfs eingeführt werden. Während dieser Zeit muss sich die Mannschaft auf das Einstudieren und die Verstärkung von Strategien und Taktiken konzentrieren, von denen man weiß, dass sie Erfolg bringen. Folgt man einem Plan, der wohl durchdacht ist und gut vermittelt worden ist, hilft das im Training das Selbstvertrauen der Sportler aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

  • Zusammengefasst:
    Das Trainieren von Hochleistungssportlern umfasst viel mehr als die Vermittlung von Fertigkeiten. Die sollte ein Sportler schon besitzen, wenn er einer Topmannschaft angehört. Stattdessen muss der Trainer ein gesundes Wettkampfumfeld schaffen, das es den Sportlern erlaubt erfolgreich zu sein, Selbstvertrauen zu tanken und noch mehr Erfolg zu haben.
     


    Vergessen Sie auch nicht: 

  • Den gesamten Wettkampfzyklus zu planen, einschließlich einzelner Trainingseinheiten;
  • Den Plan klar und regelmäßig zu erläutern und sich anzuhören, was die Spieler zu sagen haben; 3
  • Die Spieler miteinzubeziehen. Hochleistungssportler müssen mehr in ihre Weiterentwicklung eingebunden werden als Anfänger. Ihnen sollte Zeit eingeräumt werden, in der sie ihre Übungen selbst organisieren. Erfahrene Spieler, wie der Mannschaftskapitän, können, wenn es um die Mannschaftsaufstellung geht, miteingebunden werden.
  • Reagieren Sie flexibel auf die tatsächliche sportliche Situation. Wenn die Dinge gut funktionieren, dann machen Sie mehr davon, aber wenn etwas nicht so läuft, nehmen Sie eine Veränderung vor. Einen Plan zu haben, schließt die Notwendigkeit, flexibel zu sein, nicht aus, und Verletzungen, Finanzierungsprobleme und Änderungen der Austragungsorte genauso wie das Auf und Ab im Sport erfordern eine anpassungsfähige, flexible Herangehensweise.
  • James Marshall
     


    Quellenangaben

  • Hersey, P., Blanchard, K.H & Johnson D.E: Management of Organisational Behaviour. Upper Saddle River, NJ: Prentice Hall, 2001 (8. Aufl.)
  • Wu, W. & Magill, R. “To Dictate or Not: The Exploration of a Self-Regulated Practice Schedule.“ Poster-Präsentation NASPSPA-Tagung, Juni 2004
  • Katsuro, K., Shigeru, S. & Takahiro, N. “Analyzing the Athlete-Coach Relationship in successful Coaches in Japan.“ Poster-Präsentation NASPSPA-Tagung, Juni 2004
  • JSEP, 15 (1993), 245-260
  • Paskevich u.a. “Group Cohesion in Sport and Exercise“. Handbook of Sport Psychology. Eds. R. Singer, 2001. 472-194
  • Sociology of Sport Journal, 9 (1993), 271-285
  • Journal of Applied Sport Psychology, 14 (2002), 1-32
  • Black, J.M. & Smith A.L. “Athletic Identity, Perceived Control, and Burnout in Adolescent Swimmers.“ Poster-Präsentation, NASPSPA-Tagung, Juni 2004
  • Kabush, D. “Exploring the Relationship Between Motivation and the Communication of Training Plans in the Coach – Athlete Relationship.“ Poster-Präsentation, NASPSPA-Tagung, Juni 2004
  • International Journal of Sport Psychology, 33 (2002), 167-181


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