Basketball Training

"Es ist möglich, die 'crunch time' zu trainieren'"

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Der 2. Teil des Interviews mit Sportpsychologe und Mental Trainer Alexander Elwert

Im 2. Teil des Interviews mit Sportpsychologie Alexander Elwert gibt der Mental Coach Informationen zum Thema Burnout im Leistungssport und psychologischen Phänomenen im Basketball.

Lesen Sie auch den 1. Teil des Interviews mit Sportpsychologe Alexander Elwert: "Wenn der Kopf nicht mitspielt, erreicht man nie das volle Potential"

 

trainingsworld.com: Viele Arbeitnehmer hatten in ihrem Leben schon mal ein Burnout. Von einem Profispieler, der täglich im Fokus der Medien steht, erwartet man keine Schwächen oder gar „Perfektionismus“. Woran erkennt man beim Profisportler ein „Burnout“? Und wie kann es überwunden werden?

Alexander Elwert: Bei einem Burnout ist es wichtig, vorab zu wissen, dass die Verläufe oft individuell verschieden sind. Gemeinsame Charakteristika sind sicherlich Symptome wie Lustlosigkeit, reduziertes Engagement, nachlassende Motivation, innere Leere, Sinnlosigkeit im Handeln bis hin zu Verzweiflung und Perspektivlosigkeit. Ferner werden diese häufig von körperlichen Beschwerden wie z. B. Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Muskelverspannungen und einer Schwächung des Immunsystems begleitet. Wenn bei einem Athleten viele Anzeichen darauf deuten, dass er von einem „Burnout“ bedroht oder bereits betroffen ist, sollte auf jeden Fall eine professionelle Hilfe in Form eines ausgebildeten Psychotherapeuten oder Psychiaters aufgesucht werden. Nur dieser kann die entsprechende Diagnose stellen und geeignete therapeutische Schritte einleiten.

 

trainingsworld.com: Es gibt den schönen Begriff „Trainingsweltmeister“. Warum schaffen solche Spieler es nicht, ihre Leistungen im Wettkampf abzurufen? Und welche Handlungsempfehlungen haben Sie für diese Spieler?

Alexander Elwert: Wettkampfsituationen stellen an den Athleten immer besondere Anforderungen. Es kommen neben der sportlichen Tätigkeit an sich noch Einflussgrößen wie Zuschauer, ein unbekannter Gegner, ein fremdes Stadion etc., aber auch psychische Komponenten wie z. B. Nervosität hinzu.

Es gilt dies im Training zu berücksichtigen, indem dies zum Einen simuliert und in das Training integriert und zum Anderen mit dem Athleten psychologisch bearbeitet wird. Das Ziel hierbei ist es, den Sportler so vorzubereiten, dass es für ihn möglichst wenig „Überraschungsmomente“ während des Wettkampfs gibt. Dies kann z. B. mittels sogenannter Imaginationen erfolgen, bei der unter professioneller Anleitung der Wettkampf im Kopf bereits „durchgespielt“ wird und mit dem Athleten bestimmte Situationen, die vor oder während dessen auftreten (können), mental durchgegangen werden.

Hierdurch werden Voraussetzungen geschaffen, unter denen er sich von situativen Bedingungen lösen und sich ganz auf seine Fertigkeiten fokussieren und konzentrieren kann. Dies ermöglicht es ihm, sein volles Leistungspotential abzurufen. Ferner ist es sehr wichtig, den Sportler in eine positive, erwartungsvolle Grundstimmung zu versetzen, da Spaß und Freude eine Grundvoraussetzung für gute Leistungen sind.

 

trainingsworld.com: Ähnlich wie bei Trainingsweltmeistern schaffen es manche Spieler nach einem Vereinswechsel nicht, die vorher gezeigte Leistung zu bestätigen. Gibt es hierfür pauschale Gründe?

Alexander Elwert: Dies ist pauschal schwer zu beantworten und muss jeweils individuell betrachtet werden. Sicherlich spielt bei einem Vereinswechsel das neue Umfeld (neue Mitspieler, neuer Trainer, neue Betreuer, neues Spielsystem, etc.) eine Rolle, an welches sich der Sportler erst mal gewöhnen muss. Nur wenn sich ein Athlet sicher und wohlfühlt und in ein soziales Netzwerk eingebunden ist, ist er in der Lage, kontinuierlich sein volles Leistungspotential abzurufen. Deshalb ist es bei der Integration von neuen Spielern wichtig, dies mitzuberücksichtigen und dem Spieler auch die nötige Zeit zu geben, sich zu akklimatisieren.

 

trainingsworld.com: Die Telekom Baskets Bonn waren im Februar „on fire“ und haben 7 von 8 Bundesliga-Spiele gewonnen. Dabei haben die Spieler in den entscheidenden Momenten immer die Nerven behalten. Vorher hatten die Baskets 6 von 7 Partien verloren. Wie kommt es zu solchen kuriosen Serien?

Alexander Elwert: Selbstbewusstsein spielt im Sport eine zentrale Rolle und dies entsteht vor allem durch Erfolgserlebnisse, also Siege. Gleichwohl ist es natürlich möglich, auch gerade die sogenannte “crunch time” im Mental Training zu trainieren. So stellen diese entscheidenden Phasen in einem Spiel den Sportler und die Mannschaft vor besondere Herausforderungen, die sich wiederum durch bestimmte Trainingsinhalte und durch psychologisches Training erlernen lassen.

So arbeite ich gerne mit sogenannten Visualisierungsübungen. Mittels dieser lassen sich Sportler in einem mentalen Zustand versetzen, in dem sie Erfolgserlebnisse hatten. Dieser angenehme, Selbstvertrauen stärkende Zustand lässt sich so „verankern“, dass der Athlet oder das das Team in der Lage ist, diesen abzurufen, „wenn es drauf ankommt!“, mit dem Ziel, dann die richtigen Spielentscheidungen treffen, die Fokussierung auf die eigenen Stärken erhöhen und die Konzentration steigern zu können.

 

trainingsworld.com: Die Brose Baskets Bamberg spielen in einer scheinbar unbezwingbaren Festung, der „Frankenhölle“, und haben diese Saison alle 10 Bundesliga-Heimspiele gewonnen. Im letzten Jahr gewannen die Franken 22 ihrer 23 Heimspiele vor heimischem Publikum. In der Fußball-Bundesliga hat der FC Bayern München zuletzt in 10 Auswärtsspielen erst 1 Gegentor kassiert und eine bessere Statistik als in der Allianz Arena! Gibt es einen Heimvorteil oder ist das nur ein Mythos?

Alexander Elwert: Sicherlich ist die Heimmannschaft psychologisch betrachtet im Vorteil, da sie das Umfeld kennt und weiß, dass der Großteil der Zuschauer hinter ihr steht. Dies hängt aber immer wieder von den dazugehörigen Erfolgserlebnissen ab. Bleiben diese aus, kann der Heimnimbus auch schnell zu einer Belastung werden. Es geht immer wieder darum, die positiven Dinge an einem Heimvorteil den Spielern vor Augen zu führen, um sie hierdurch mental zu stärken.

Auch eine sogenannte „Auswärtsstärke“ kann mental trainiert werden, indem mögliche negative Einflussgrößen, wie z. B. von gegnerischen Fans ausgepfiffen zu werden, mittels psycholigschem Training und Mentaltechniken verändert werden. So kann der Sportler lernen, die Ablehnung der gegnerischen Fans in Form von „Ausgepfiffen werden“ auch dahingehend zu deuten, dass dies ein zusätzlicher Ansporn ist, seine optimale Leistung abzurufen. Letztlich kann aber psychologisches Training nur Voraussetzungen schaffen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, optimale Leistung abrufen zu können. Entscheidend für die Athleten, und das betone ich gerne noch mal, sind vor allem Erfolgserlebnisse.

 

trainingsworld.com: Abschließend ein Tipp für unsere interessierten Basketball-Trainer: Peitsche oder Zuckerbrot? Wie führe ich am besten mein Team?

Alexander Elwert: Hierauf gibt es keine pauschale Antwort! Es ist immer ratsam, situativ sein Trainerverhalten auszurichten. Dies hängt zum einen von der Persönlichkeit des jeweiligen Sportlers ab, aber zum anderen auch von der Situation, in welcher sich das Team gerade befindet. So kann, was für den einen Athleten leistungssteigernd ist, auf den anderen eher leistungshemmend wirken. Generell kann sicherlich gesagt werden, dass es seitens des Trainerteams in erster Linie darum gehen sollte, eine lesitungsfördernede Atmosphäre zu schaffen. Dies gelingt vor allem durch Bestätigung und Lob. Zu viel Druck und Angst sind leistungshemmend.

 

Ramy Azrak

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