Tennis Training

Mentale Spielführung auf dem Tennisplatz

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Um im Tennis zu gewinnen, muss auch die mentale Spielführung stimmen.

Brad Gilbert war ein Meister der mentalen Kriegsführung. Er hat gegen alle großen Spieler gewonnen, die derzeit auf der Tour waren. Gewonnen hat er nicht, weil er besser gespielt hat, sondern weil er wie kaum ein anderer die Psychologie des Tennis verstanden hat und diese für sich genutzt hat.

„Tennis wird im Kopf entschieden“, dies ist eine Aussage, die von Profis und Tennisexperten immer wieder geäußert wird. Egal ob im Profi- oder Breitensport – der Kopf ibestimmt oftmals über Sieg und Niederlage. Dies gilt besonders für den Amateurbereich des Tennis. Im Profibereich sind alle Top-Spieler mental topfit und es ist schwer, auf dem Platz in deren Psyche einzudringen. Im Amateurbereich wird in den seltensten Fällen der mentale Bereich trainiert, so dass es hier eine Reihe von Defiziten gibt. Besonders jüngere und unerfahrenere Spieler sind auf dem Platz leicht aus der Ruhe zu bringen, so dass sie sich nicht mehr auf das eigene Spiel konzentrieren und fokussieren können.

 

Jeder Spieler hat Gewohnheiten

Jeder Tennisspieler hat in irgendeiner Form Gewohnheiten, bewusst oder unbewusst. Besonders Profis haben alle ihre Angewohnheiten, wovon viele jedoch nur da sind, um den Gegner aus der Ruhe zu bringen. Rafael Nadal zum Beispiel hat die Angewohnheit, vor seinem Aufschlag den Ball extrem lange auftippen zu lassen. Viele Spieler haben sich schon darüber beschwert und fühlen sich davon gestört, weil die Pause zwischen den Ballwechseln zu lange ist. Sobald sich der Gegner jedoch darüber aufregt, und sei es nur innerlich, hat Nadal schon sein Ziel erreicht.

Ein weiteres Beispiel findet sich im Damentennis, wo Spielerinnen wie Serena Williams oder vor vielen Jahren Monica Seles übertrieben während des Schlagens stöhnen. Viele Gegnerinnen fühlen sich davon in der eigenen Konzentration während des Ballwechsels gestört. In der Summe reden wir hier einzig und allein über kleine Psycho-Tricks, mit denen der Gegner aus der Ruhe gebracht werden soll. Sobald sich Spieler über solche Details während eines Matches Gedanken machen, sind sie abgelenkt und emotional negativ belastet.

 

Gewohnheiten brechen

Die zuvor genannten Eigenschaften dienen dazu, mentale Spielchen zu führen. Es gibt sicher Spieler, die solche Dinge überhaupt nicht interessieren und die sich so auf ihr eigenes Spiel fokussieren können, dass diese quasi an ihnen "abprallen“. Besonders im Profitennis wird jedoch immer wieder gesehen, dass es gilt, solche Gewohnheiten zu brechen. So fangen zum Beispiel viele Gegnerinnen von Serena Williams auch an zu stöhnen, und das lauter und intensiver als sie selbst. Bezogen auf Rafael Nadal gibt es immer wieder Spieler, die Nadal hin und wieder während des „Ball dribbelns“ vor dem Aufschlag unterbrechen, indem Sie die Hand heben, weil sie noch nicht bereit sind oder ähnliches, was einfach nur eine Reaktion auf das gegnerische Verhalten ist. Hierbei handelt es sich um mentale "Kriegsführung". Besonders vor wichtigen Punkten, wie einem Breakball oder eben den sogenannten Big Points, kommen solche Spielchen zum Einsatz.

 

Den Gegner aus der Ruhe bringen und den Rhythmus brechen

Jeder Spieler kann in einem Match Psycho-Tricks anwenden. Roger Federer wurde zum Beispiel vor einiger Zeit von seinem Gegner spielerisch überrollt, denn dieser hatte einen absoluten Lauf. Daraufhin hat Federer sich eine Toilettenpause genommen und der Lauf des Gegners war unterbrochen. Verliert ein Spieler im Amateurbereich zum Beispiel den 2. Satz klar und deutlich, bietet sich eine solche Toilettenpause vor dem Champions-Tiebreak an. Einerseits, um den Rhythmus des Gegners durcheinander zu bringen, andererseits um diesen eventuell während der Pause zum Nachdenken zu bringen. Viele Profispieler nehmen zum Beispiel nur Verletzungspausen, um sich eine Auszeit zu nehmen, die Muskulatur des Gegners kalt werden zu lassen, um ihn darüber nachdenken zu lassen, um welche Verletzung es sich wohl handelt und dass man gegen einen Verletzten ja gewinnen muss. Durch diese Tatsache hat man selbst Druck, der wiederum mental erst einmal gemeistert werden muss. Viele und besonders unerfahrene Spieler können mental an solch einem Druck zerbrechen.

Solange sich solche Psycho-Tricks mit dem Gedanken des Fairplays vereinen lassen, ist alles erlaubt. Keiner kann einem eine Verletzungs- oder Toilettenpause verweigern, solange hierbei das dafür vorgesehene Zeitfenster eingehalten wird. Warum solch eine Pause eingelegt wird, hat Niemanden zu interessieren. Mit solchen Tricks sollte man es jedoch nicht übertreiben und sie sollten strategisch sinnvoll eingesetzt werden. Warum also keine Toilettenpause nehmen, wenn einen die tiefstehende Sonne beim Aufschlag stört?

 

Fazit

Mentales Training ist grundsätzlich enorm wichtig im Tennis. Zusätzlich sollte jeder Spieler auch über  einige Psycho-Tricks verfügen. Die Fähigkeit, diese einzusetzen, entwickelt sich über die Erfahrung auf dem Platz. Grundvoraussetzung für Psycho-Spiele ist jedoch das Beobachten des Gegners. Diesen gilt es während des Einspielens oder des ersten Satzes zu beobachten, um zu sehen, wie er sich in welcher Situation verhält. Besonders in höheren Spielklassen wird oftmals innerhalb eines Jahres bei Turnieren gegen denselben Gegner gespielt, so dass man mit dem gesammelten Wissen arbeiten kann. Brad Gilbert hat es früher vorgemacht und gezeigt, dass man seinen Gegnern nicht unbedingt spielerisch überlegen sein muss, sondern die mentale Kriegsführung mitentscheidend über Sieg oder Niederlage ist.

 

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Markus Czerner

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