Basketball Training

"Wenn der Kopf nicht mitspielt, erreicht man nie das volle Potential"

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Im Interview erklärt Sportpsychologe Alexander Elwert u.a. den Nutzen von mentalem Trainig.

Im Interview mit Mental Coach Alexander Elwert erhalten Sie viele praxisnahe Informationen rund um das Thema Sportpsychologie, die Sie als Sportler oder als Trainer für sich nutzen können.

trainingsworld.com: Herr Elwert, hatten Sie in Ihrer Zeit als aktiver Spieler durch Ihr Psychologie-Studium im wahrsten Sinne des Wortes „einen psychologischen Vorteil“ gegenüber Ihren Gegenspielern?

Alexander Elwert: Nein! Da ich aufgrund einer schwerwiegenden Verletzung früh meine aktive Zeit als Basketballer beenden musste, habe ich bereits mit Anfang 20 die Trainerlaufbahn eingeschlagen. Hierbei kam mir mein Psychologie-Studium sehr zugute, da ich dadurch viel Wissen über individuelle wie auch Gruppenprozesse erlangt habe.

 

trainingsworld.com: Wieso braucht ein Athlet einen Mental-Coach?

Alexander Elwert: Da die Anforderungen im Sport immer höher werden und gleichzeitig die Trainingslehre immer ausgereifter wird, liegt gerade im mentalen Bereich viel Potential, das es gilt, unter professioneller Betreuung zu steigern. Außerdem kann noch so viel im athletischen oder technischen Bereich trainiert werden – wenn „der Kopf nicht mitspielt“ wird der Sportler nicht in der Lage sein, sein volles Potential abzurufen und wird demzufolge unter seinen Möglichkeiten bleiben. (Lesen Sie dazu auch: Mit mentaler und emotionaler Stärke zu mehr Selbstvertrauen und Erfolg) Wie das Trainieren von bestimmten Bewegungsabläufen oder eines bestimmten Muskels, so sollte auch der Kopf zwecks Leistungssteigerung regelmäßig psychologisch trainiert werden.

 

trainingsworld.com: Wie sieht Ihre tägliche Arbeit mit Ihren Athleten dabei aus?

Alexander Elwert: Ich arbeite in der Regel sehr individuell, das heißt immer auf den jeweiligen Sportler und seine Situation bezogen.

Zunächst mache ich mir ein umfassendes Bild der Gesamtsituation, in der sich der Athlet befindet. Hierzu gehört das familiäre Umfeld, das Team, die Trainer, ob der Sportler sich parallel noch in einer Ausbildung befindet, etc. Habe ich mir einen Gesamteindruck verschafft, kann ich individuell und in Absprache mit ihm Schritte erarbeiten, die letztlich erfolgversprechend sind. Hierzu zählt – neben anderen Trainings – sicherlich das Mentaltraining. Hierbei geht es u. a. darum, mittels Fokussierung auf bestimmte Ereignisse, wie einen bestimmten Wettkampf, diesem vorzugreifen und ihn dadurch vorzubereiten. Das Ziel ist es, den Athleten gegenüber dem Wettkampf so zu trainieren, dass er diesem „entspannter“ entgegensieht, um für mögliche Dinge, die dann auf ihn zukommen, besser gewappnet zu sein.

 

Alexander Elwert ist Diplom-Psychologe und Sportwissenschaftler mit Schwerpunkt Sportpsychologie. Seit 1997 ist der 45-Jährige selbständig, berät und coacht in unterschiedlichen Branchen in der freien Wirtschaft, des öffentlichen Dienstes und des Leistungssports. In seiner täglichen Arbeit mit Athleten kommt ihm seine langjährige Erfahrung als aktiver Spieler und später als Trainer (Basketball B-Lizenz) zugute.

 

trainingsworld.com: Sie arbeiten bei den Leistungssportlern mit wissenschaftlich fundierten Methoden und Techniken. Können Sie unseren Lesern ein paar Beispiele nennen?

Alexander Elwert: In meiner täglichen Arbeit nutze ich u. a. Entspannungs- und Konzentrationsübungen, wie z. B. die progressive Muskelentspannung (nach Jakobson). Bei dieser Technik geht es darum, dem Athleten Möglichkeiten an die Hand zu geben, um sich selbst in einen optimalen Leistungszustand zu bringen und sich nur noch auf das Wesentliche und sich selbst zu konzentrieren. Durch meinen Input lernt der Athlet mögliche störende Gedanken oder Rahmenbedingungen, wie Zuschauer oder Gegner, auszuschalten.

Desweiteren arbeite ich gerne an möglichen Glaubenssätzen von Sportlern, wie z. B. „Gegen diesen Gegner verliere ich immer!“. Mittels einer kognitiven Umstrukturierung im Sinne einer „Umschreibung“ dieser blockierenden negativen Sätze kann es dem Athleten besser gelingen, unbefangener und demzufolge positiver in den Wettkampf zu gehen, um besser seine Leistung abrufen zu können. So ist ein Element des Coachings, dem Sportler seine eigenen Stärken bewusst zu machen und diese in einen für ihn passenden Satz, wie „Ich bin so gut, dass ich bei Abrufen meines vollen Potentials jeden Gegner besiegen kann!“, zusammenzufassen. Hierdurch wird ihm etwas an die Hand gegeben, auf was er sich im Rahmen der Wettkampfvorbereitung, aber auch während des Wettkampfs berufen kann.

 

trainingsworld.com: Gibt es eigentlich Unterschiede bei der Betreuung von Teamsportlern, wie Basketballern, und Individualsportlern?

Alexander Elwert: Ja! Alleine schon die Tatsache, dass ein Einzelsportler im Gegensatz zu einem Mannschaftssportler nur für sich alleine die Verantwortung trägt, macht schon einen Unterschied aus. Ferner spielt es eine große Rolle, ob es sich bei der betriebenen Sportart beispielsweise um eine Ballsportart handelt, bei der ich in der Regel immer einen direkten Gegner habe, oder ob es eine Sportart ist, bei welcher Zeiten und Weiten eine Rolle spielen. So gibt es demzufolge verschiedene Einflussgrößen, die den Erfolg ausmachen oder verhindern können, die es in meiner Arbeit zu berücksichtigen gilt.

Bei sogenannten Spielsportarten und Sportarten, bei welchen ich in direktem Kontakt mit einem Gegner stehe, ist es wichtig, dem Athleten bewusst zu machen, dass gewisse Einflussgrößen teilweise nicht beeinflussbar sind. Wenn beispielsweise ein Gegner „heiß läuft“ und eine Reihe von guten Aktionen hintereinander zeigt, gilt es, damit einen angemessen leistungserhaltenden Umgang zu finden. Auf diese sogenannten „Krisensituationen“, die in jedem Spiel mehr oder weniger oft vorkommen, sollte der Sportler die „richtige Antwort“ finden. Darauf kann man ihn in einem sportpsychologischen Coaching vorbereiten, in dem solche Situationen „im Kopf“ durchgespielt werden und passende Handlungsalternativen entwickelt werden. Ziel ist es, den Sportler - oder das Team - so vorzubereiten, dass er über mentale Fertigkeiten verfügt, angemessen hierauf zu reagieren.

Bei Teamsportarten ist es zudem sinnvoll mit der ganzen Mannschaft zu arbeiten, um alle Teammitglieder mit einzubinden und mental optimal vorzubereiten und einzustellen.

 

trainingsworld.com: Im Leistungssport werden junge Athleten früh ins kalte Wasser geschmissen und müssen sich schnell akklimatisieren. Wie bereiten Sie junge Athleten auf diese Situationen vor?

Alexander Elwert: Sportpsychologische Betreuung kann meiner Meinung nach im Leistungsbereich nicht früh genug anfangen. Wenn ich in jungen Jahren schon beginne, auch im psychologischen Bereich zu trainieren, bin ich eher in der Lage, in kritischen Situationen stark genug zu sein, den Anforderungen zu genügen. Hierbei ist es mir sehr wichtig, die verschiedenen Lebensbereiche wie Schule, Familie, Freunde, Ausbildung, etc. und Entwicklungsphasen, in welchen sich der junge Sportler befindet, zu berücksichtigen.

 

Lesen Sie auch den 2. Teil des Interviews!

 

Ramy Azrak

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